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Long way to happiness

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Draco Malfoy Hermine Granger Scorpius Malfoy
21.05.2020
21.02.2021
41
144.386
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15.11.2020 3.583
 
P.O.V. Draco

Murrend vergrub er sein Gesicht in die Kissen, doch es half nichts. Das Gebrabbel, das ihn erst aus dem Schlaf gerissen hatte, brach einfach nicht ab. Draco stöhnte frustriert. Das stetige Pochen seines Schädels hob seine Laune ebenso wenig, wie das dämmrige Licht, die sein Zimmer trotz des offenen Vorhangs kaum erhellte. Dafür gab es theoretisch nur zwei Gründe; entweder fand sein reizender Sohn es lustig, ihn nach langem mal wieder mitten in der Nacht zu wecken, oder aber es blieb einfach dunkel – was im November kaum verwunderlich wäre.

Mühsam versuchte er sich aufzurappeln, als er plötzlich etwas in seinem Rücken spürte. Er schluckte. Langsam drehte es seinen Kopf in Richtung des Dinges, welches seine Bewegungen einschränkte, doch was er sah ließ die bleierne Müdigkeit schlagartig verschwinden. Seine Gedanken überschlugen sich, sein Hals war trocken, doch auch nach mehrmaligem Blinzeln änderte sich das Bild vor – oder genauer gesagt neben ihm - nicht. Hermine.

Er spürte, wie sein Herz begann zu rasen. Was zum Henker…? Gehetzt wanderte sein Blick durch den Raum. Es war sein Zimmer, keine Frage, aber was machte die Gryffindor hier? Das Pochen seiner Schläfen nahm zu, sodass er sich gequält den Kopf hielt, doch der Schmerz verschwand nicht. Dafür kamen allmählich seine Erinnerungen wieder hoch.

Seine Reise zum Manor. Lucius Erpressung. McGonagall. Harry und Ron, die unangekündigt hier aufgetaucht waren. Rons Rausch. Sein Gespräch mit Harry. Hermine und er hatten Harry angeboten, über Nacht hier zu bleiben – und er hatte Hermine angeboten, bei ihm zu übernachten.
Noch mehr Gespräche. Alkohol. Hermine… an, über und unter ihm.

Scharf sog er die Luft ein. War es wirklich möglich, dass sie… Sein Blick schoss förmlich zu der Brünetten, die nach wie vor in die Lacken gekuschelt dalag. Er konnte nicht sagen, ob sie ihre Schlafkleidung noch trug, aber… ihre Schulter ragte vollkommen entblößt unter der Decke hervor. Er rappelte sich auf, ehe er sich verzweifelt durch die Haare fuhr. Die kühle Luft bescherte ihm eine Gänsehaut. Er stöhnte auf, schloss konsterniert die Augen. Er spürte es. Er war nackt. Gänzlich nackt.

Ein unterdrücktes Fluchen war zu hören, als er sich gehetzt den Fuß an der Bettkante anschlug. Dracos Gedanken drehten sich unablässig – unerträglich. Er floh. Sicher tat er das, es war ihm selbst klar, doch in diesem Moment wusste er nicht, wie er mit all dem umgehen sollte. Es war zu viel. Salazar, viel zu viel! Sein brummender Schädel, der ihm immer wieder vor Augen führte, dass sie beide in der letzten Nacht unter dem Einfluss des Alkohols gestanden hatten. Hermines Wäsche, die er mittlerweile auf dem Boden neben ihrer Bettseite erspähen konnte – Top, Shorts und Slip. Die letzten verzweifelten Hoffnungen zerplatzten wie Seifenblasen.

Umstandslos, stets darauf bedacht, dabei so leise wie möglich zu sein, peilte er seinen Schrank an, aus dem er wahllos eine Boxershorts, ein T-Shirt und eine Jogginghose fischte. Schnell stieg er in die Klamotten, nur um sich einschließend seinem inzwischen beinahe verstummten Sohn zuzuwenden. Scorpius blickte ihn mit großen grauen Augen an und für einen Augenblick stand das Gedankenkarusell in seinem Inneren still.

Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen. Ja, eigentlich hätte er genügend Gründe, genau jetzt wunschlos glücklich zu sein. Wie sein Sohn so vor ihm saß, die Arme nach ihm ausgestreckt, während seine Mutter hinter ihnen friedlich weiterschlief… Und trotzdem war da dieser eine Punkt, der ihm dieses Empfinden verwehrte.

„Draco?“ er schrak zusammen. Scheiße! Unwillkürlich verkrampfte er sich, als er ihre Stimme hörte. Sie sprach leise, immer noch schlaftrunken, aber er war sich sicher, sollte er sich jetzt umdrehen, würde er geradewegs in ihre Augen sehen. Sein Kiefer mahlte. Salazar, er war noch nicht soweit! Er könnte jetzt nicht mit ihr diskutieren. Sich ihre Vorwürfe anhören. Nicht in dem Wissen, dass sie genau in diesem Augenblick vollkommen nackt in seinem Bett lag, nachdem sie…

Er wusste, dass er gestern egoistisch gehandelt hatte. Salazar, er hätte sie aufhalten sollen! Er hätte sie von sich schieben müssen, hätte energischer auf sie einreden müssen, aber… er hatte es nicht gekonnt – weil er es selbst wollte. Verdammt, eigentlich wollte er es doch schon die ganze Zeit – sie besitzen, und das nicht nur körperlich.

„Draco?“ kam es nun lauter, drängender von ihr, doch er wusste nicht, was er tun sollte. Sich umdrehen? Sie ignorieren? Nein, beide Varianten waren wohl mehr als ungünstig. Nachdenklich strich er Scorp eine Locke aus der Stirn. Er musste ihr antworten.


P.O.V. Hermine

Blinzelnd öffnete sie ihre Augen, ohne ihre Umgebung wirklich wahrzunehmen. Ein zufriedenes Seufzen entkam ihr. Wann hatte sie das letzte Mal so gut geschlafen? Sie wusste es nicht, aber es musste Monate her sein. Wohlig vergrub sie ihre Nase in das weiche Kissen unter ihr, als sie etwas verwirrt den Kopf heben ließ. Sie sah sich um. Das hier war nicht ihr Zimmer!

Ihr Blick glitt über durch den Raum, bis sie an der großgebauten Person im hinteren Teil hängen blieb. Draco! Unwillkürlich begann sie zu grinsen, als die Erinnerungen an den gestrigen Abend auf sie einströmten. Sie hatten es getan! Sie waren diesen letzten Schritt wirklich gegangen – und es war wunderbar gewesen.

„Draco?“ Sie wollte, dass er sie ansah, doch… er reagierte nicht! Hatte er sie nicht gehört? Sie hoffte es, aber irgendetwas sagte ihr, dass das nicht der Fall war. Verwirrt fixierte sie seine Gestalt, die regungslos am Bettchen ihres Sohnes verharrte. „Draco?“
Ein Brummen war alles, was er von sich gab. Irritiert runzelte sie die Stirn. Er drehte sich nicht um, schien ihren Blick zu meiden. Eine ungute Vorahnung machte sich in ihr breit. Ihre anfängliche Euphorie wandelte sich in Sekundenschnelle in Unsicherheit.

„Mamm!“ Sie sah auf die Wiege. Scorpius war also wach. Was das der Grund, weshalb Draco schon aufgestanden war? Weshalb es sie nicht ansah? Sie wollte zu ihnen hinüber gehen, doch irgendwie befürchtete sie, dass diese Idee momentan nicht die beste war. Wahrscheinlich sollte sie sich erst einmal etwas überziehen. Umstandslos griff sie sich das nächstbeste Kleidungsstück vom Boden – sein Shirt. Es reichte ihr knapp bis zur zum oberen Drittel ihrer Oberschenkel. Knapp, aber ausreichend, beschloss sie kurzerhand.

Kurz flackerte in ihrem Kopf ein Gedanke auf. Es war ziemlich gewagt, ungefragt in seine Kleidung zu schlüpfen – noch dazu ohne Unterwäsche. Entschlossen straffte sie die Schultern. Langsam erhob sie sich, stieg aus dem Bett und lief geradewegs auf Draco zu, der ihren Sohn inzwischen aus der Wiege gehoben hatte. Er blickte sie weiterhin nicht an. Sie schluckte. „Was ist los, Draco?“

Er antwortete nicht. Wieder einmal… Unsicher lag ihre Hand auf seiner Schulter, doch sie zuckte zurück, als sie spürte, wie er sich weiter verspannte. Hier lief etwas schief. Ganz gewaltig schief sogar! Und so sehr sie der Gedanke auch bedrückte – es hatte garantiert mit der vergangenen Nacht zu tun, da war sie sich sicher.

Verzweiflung machte sich in ihr breit. Hatte sie etwas falsch gemacht? Ihn missverstanden? Aber er hatte doch keinerlei Andeutungen gemacht, die sie hätten abhalten sollen, oder? Wut wallte in ihr auf, als sie weiterhin auf seinen breiten Rücken starrte. Hielt er es nicht einmal für nötig, sie anzublicken? Sie hätte nie gedacht, dass er der Typ Mann war, dem Sex nicht viel bedeutete, doch in diesem Moment kam er ihr genau so vor.

Und sie wusste nicht genau wieso, aber sie kam sich auf einmal furchtbar benutzt vor. Merlin, was sollte sie den sonst denken, wenn er sich so abweisend verhielt, ihr so lakonisch antwortete, nachdem sie sich so nahe gekommen waren? Er wirkte, als wäre er am liebsten so weit von ihr entfernt wie möglich – als wäre ihm ihre Anwesenheit mehr als nur unangenehm. Als wäre sie ein bloßer One-Night-Stand, den er so schnell wie möglich loswerden wollte. Eilig versuchte sie diesen Gedanken zu vertreiben, doch je mehr sie sich gegen ihn sträubte, desto penetranter geisterte er ihr durch den Kopf.
Gereizt fuhr sie ihn an. „Verdammt, rede mit mir! Was ist dein Problem?“

Urplötzlich fuhr er zu ihr herum. „Mein Problem? Mein Problem ist, dass es falsch war! Es hätte nicht passieren dürfen – nicht so!“ Seine Augen weiteten sich geschockt, als hätte er niemals gewollt, dass diese Worte aus ihm hervorbrachen und kurz schnappte Hermine nach Luft. Sie wusste genau wovon er sprach.

Seine Aussage stach wie tausend kleine Messer in ihr Herz, doch sie bemühte sich verbissen, eine neutrale Mimik zu behalten. Er hielt es für einen Fehler? Er bereute es? Trotzig hob sie ihr Kinn. „Ach ja?“ „Ja!“ Er klang nicht halb so überzeugt, wie es offenbar rüberkommen sollte. Sie schluckte schwer, ehe sie entgegnete: „Ich habe dich zu nichts gezwungen. Wenn du es bereust, dann ist das deine Sache, aber vielleicht solltest du mal darüber nachdenken, keine Frauen zu küssen, von denen du nichts willst.“

Verständnislosigkeit stand in seinen Augen als er energisch den Kopf schüttelte. „Das ist absoluter Schwachsinn.“ „Oh bitte!“ „Verdammt, Hermine! Ich habe dir gesagt, dass ich meine Worte ernst meine. Ich will, dass das mit uns funktioniert.“

Er verwirrte sie. Wie konnte ihre gemeinsame Nacht ein Fehler sein, wenn er sie wollte? Sollte es dann nicht genau das sein, was er sich ebenso wünschte, wie sie es tat?

„Und trotzdem bereust du es, mit mir geschlafen zu haben.“ Ihre Maske saß nicht mehr, und für einen Moment hätte sie sich dafür verfluchen können, ihre Verletztheit so klar in ihren leisen Worten mitschwingen zu lassen, aber andererseits… was machte es jetzt noch für einen Unterschied?

Er schüttelte den Kopf, plötzlich vollkommen ruhig. „Nein. Dazu bin ich viel zu egoistisch, Hermine. Ich bereue, wie es dazu gekommen ist, nicht dass es passiert ist.“ Ihr stockte der Atem. „Wie meinst du das?“

Sie sah, wie er sich wieder versteifte und angespannt ausatmete, bevor seine Schultern fielen. Er blickte sie an, und zum ersten Mal erspähte sie dieselben Gefühle hinter seinen Zügen, die auch sie verspürte. Kaum wahrnehmbare Hoffnung, aber auch Verzweiflung und Resignation. „Es hätte nicht nur soweit kommen sollen, weil wir Alkohol intus hatten. Merlin, du solltest nicht mit mir schlafen wollen, nur weil du weißt, dass wir es bereits getan haben! Du solltest es wollen – um deinetwillen. Nicht, weil du dich von unserer gemeinsamen Vergangenheit dazu genötigt fühlst.“

Fassungslos starrte sie ihn an. Was das sein Ernst? „Du bist ein Idiot!“ Das bittere Lachen, dass plötzlich über ihre Lippen kam, wollte sie nicht aufhalten.
„So ein Idiot! Glaubst du wirklich, dass ich das alles wollte, weil ich unsere Vergangenheit kenne?“

Er wich ihrem Blick aus, fokussierte stumm die Wand. Sie sah, dass ihn dieser Gedanke innerlich zerriss und die Erkenntnis traf sie mit der Kraft eines Vorschlaghammers. Sein zögerliches Nicken wäre nicht nötig gewesen, denn sie kannte die Wahrheit bereits – er ging wirklich davon aus.

„Gott, ich glaube es einfach nicht! Du hast mich obliviert, Draco – warum auch immer! Du hast mir die Erinnerungen an unsere Vergangenheit genommen, aber dieser Zauber ist nicht mächtig genug, auch Gefühle verschwinden zu lassen, verstehst du? Ich erinnere mich vielleicht nicht mehr an die Ereignisse, die zu diesen Gefühlen geführt haben, aber denkst du, ich hätte mich dir gegenüber so verhalten, wenn ich keine Gefühle für dich hätte?“ sie brach ab. Jedes Wort war wahr, aber… auch ihr wurde es erst jetzt klar. Sie hatte sich lange gegen ihre vermeintlich plötzlich aufgetretene Verliebtheit gewehrt, unwissend, dass dieser Widerstand von vorneherein sinnlos war.

Sie liebte ihn nicht erst seit einigen Tagen oder Wochen. Ihre Gefühle hatten nicht erst am Bahnhof ihren Anfang genommen, nein! Ihr Ursprung lag viel weiter zurück – so viel weiter.

Sie atmete tief durch, straffte die Schultern, bevor sie bemüht ruhig – fast schön beschwörend – auf ihn einredete „Warum denkst du, habe ich mich ganz normal mit dir unterhalten, damals im Zug? Warum habe ich dich als meinen Partner akzeptiert? Dich geküsst? Merlin, ich hätte beinahe mit dir geschlafen – und das alles noch bevor ich von Scorpius und uns wusste! Ich hatte letzte Nacht keinen Sex mit dir, weil ich mich dazu gezwungen fühlte. Ich wollte es! Und ich habe dir vielleicht nie gesagt, wie ich für dich fühle, aber ich dachte eigentlich, ich hätte es deutlich genug gezeigt.“

Etwas flackerte in seinem Blick. Erkenntnis? Unglaube? Sie wusste, dass er verstand. Draco war nicht dumm, im Gegenteil. Und doch verletzte es sie, dass er so von ihr dachte. Sollte er nicht am ehesten wissen, dass sie niemand war, der sich leichtfertig auf jemanden einließ – emotional und körperlich?

„Weißt du noch, was man uns über die Unverzeihlichen gesagt hat? Du musst es auch wollen. Ich glaube nicht, dass du das jemals getan hast.“ Sie schwieg.

War es der richtige Zeitpunkt? Gab es den überhaupt? Aber sie musste es wissen. Jetzt! Sie mieden dieses Thema immer, schoben es auf, doch sie wusste, dass sie es nicht mehr konnte. Die Unwissenheit machte sie verrückt, wühlte sie auf. Viel zu oft hatte sie zwischen ihnen gestanden – beinahe wie eine unsichtbare Mauer. Sie wollte das nicht! „Warum hast du mir die Erinnerungen genommen, Draco?“

„Nicht, Hermine. Bitte!“

Sie schüttelte den Kopf. „Es steht immer zwischen uns, Draco. Und das wird es auch weiterhin. Ich will das nicht mehr.“

Er stöhnte auf, fuhr sich durch die wirren Haare, doch sie wusste intuitiv, dass er lediglich Zeit schinden wollte. Irgendetwas musste damals passiert sein, das war ihr schon lange klar, doch sie war der Meinung, dass sie ihn lange genug geschont hatte. Sie verdiente die Wahrheit! „Warum jetzt? Ich meine, wir haben gerade genug andere Probleme und…“ „… wir können es nicht gebrauchen, permanent solche Missverständnisse zu haben. Du hast es mir versprochen, Draco. Wenn ich darauf warte, dass du diesen Schritt gehst, werde ich die Antwort nie erfahren, das wissen wir beide.“

Ja, sie wussten es. Er rügte sie nicht dafür, ihn derart harsch unterbrochen zu haben. Vielmehr schien er immer weiter in Gedanken abzudriften. „Du wirst dich nicht dazu überreden lassen zu warten, bis Harry und Ron weg sind, oder?“

Sie sah ihn an, prüfend, doch es schien wirklich, als hätte er sich längst geschlagen gegeben. Sie überwand die letzte Distanz, legte sanft ihre Hände an seine Wangen. Er schloss die Augen, als sie leise antwortete. „Wenn du mir bei Merlin versprichst, mir heute Abend ohne Wenn und Aber meine Fragen zu beantworten – alle Fragen – dann warte ich. Aber nur dann, Draco!“

Eindringlich blickte sie ihm direkt in die Augen, die er bei ihren Worten überrascht geöffnet hatte. Wieder einmal hätte sie in ihnen versinken können. Wieder einmal ließ er sie völlig ungeniert jede seiner Gefühlsregungen sehen. Sie wusste, dass ihm irgendetwas an dieser Frage Angst machte, auch wenn sie beim besten Willen nicht verstand was es war. Sein knappes, kaum merkliches Nicken ließ sie die Mundwinkel heben. Er hatte sich wirklich überwunden!

Gleichzeitig stieg die Nervosität in ihr auf. Ihr Lächeln verrutschte, als ihr bewusst wurde, was das hieß. Es gab nun kein zurück mehr. In wenigen Stunden würde sie die Wahrheit kennen – und sie hoffte inständig, dass diese neu Wissen nicht wieder alles auf den Kopf stellen würde.


P.O.V. Draco

Er wusste nicht, wie oft er in den letzten Minuten schon zu Hermine gestarrt hatte. Im Nachhinein verfluchte er sich für seine Dummheit. Das dieser Streit auf seine Kappe ging war unanfechtbar. Warum hatte er auch geglaubt, sie würde ihn hassen? Sie hatte keinerlei Andeutungen in diese Richtung gemacht, und hätte er sich nicht so abweisend verhalten – vermutlich wäre es gar nicht erst zu ihrer Diskussion gekommen.

Eine Dreiviertelstunde war es nun her, dass sie sein Zimmer verlassen hatten, um zu duschen. Ja, Hermine hatte tatsächlich vorgeschlagen, dass sie es zusammen machen sollten. Ihm war es recht. Dreißig Minuten später saßen sie fertig im Wohnraum, gerade dabei, Scorpius mit seinem neuentdeckten Müsli zu füttern, als ein übernächtigter Harry ins Zimmer geschlurft kaum, ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen. Zu Beginn hatte sich Draco ja nichts dabei gedacht, doch inzwischen war die Stimmung dermaßen unangenehm geworden, dass selbst er unruhig wurde. Rons Ankunft half nicht im Geringsten dabei, dass er sich entspannte.

Nun saßen sie hier, zu fünft, und der Einzige, der sich völlig unbekümmert seinem Frühstück widmete, war sein Sohn, der ihm immer wieder begeistert den Löffel aus der Hand schnappen wollte. Innerlich entschuldigte er sich bei dem Kleinen, aber Scorp bot ihm gerade ein viel zu gutes Alibi, als dass er ihn jetzt wortwörtlich aus der Hand geben konnte.

Abermals spürte er, wie Hermines Knie seines Streifte, als sie nervös auf ihrem Stuhl umherrutschte, während sie offensichtlich mit sich haderte, ob sie einfach irgendeine Phrase in den Raum werfen sollte, um diese unerträgliche Stille zu brechen. Harry starrte konzentriert auf einen Fleck an der Wand. Wohingegen Ron als einziger zu seiner Kaffeetasse gegriffen hatte – was höchstwahrscheinlich seinem Kater geschuldet war. Seinen mörderischen Blick und die weiß hervorstehenden Fingerknöchel der Rothaarigen ignorierte er nach Kräften.

Er konnte sich ein erleichtertes Aufstöhnen nicht verkneifen, als Hermines stiller Kampf endlich ein Ende fand. Sie räusperte sich künstlich. „Und Jungs? Wie habt ihr geschlafen?“

Rons Aufschnaupen war das Einzige, was darauf im Raum erklang, doch allein diese kleine Geste schien schier unerträgliche Schmerzwellen durch seinen Schädel zu senden, wie sein Zusammenzucken vermuten ließ. Er stöhnte gequält und Draco kam nicht umher, Mitleid für den ehemaligen Gryffindor zu empfinden.

„Ist alles okay, Harry?“ Hermines Frage brachte ihn dazu, sich dem Brillenträger zuzuwenden. Verwundert hob er eine Augenbraue. Bildete es sich das ein, oder legte sich da gerade wirklich ein rötlicher Schimmer über das Gesicht des Schwarzhaarigen?
Affektiert lachte der junge Mann auf. „Sicher, Mine. Was sollte denn sein?“

Draco schüttelte den Kopf. Irgendwas war hier faul. Oberfaul! Er traute dem Wunderjungen gerade keinen Zentimeter über den Weg.

„Ich meine, ich war zwar noch nie so froh, einen Zauberstab zu haben, aber…“ er schluckte, ehe er theatralisch die Hände vor sein Gesicht schlug. Was zum…?
„Gott, ich kann nicht glauben, dass ich das gerade gesagt habe!“

Dracos Blick fiel auf Ron, der die Tasse inzwischen so fest umklammert hielt, dass ihn die Angst überkam, sie könnte jeden Moment zerspringen. Entgeistert blickte er die ihm gegenüber sitzenden Männer an, als sich langsam ein Verdacht in ihm breit machte. Einzig Hermine schien die versteckte Bedeutung hinter Harrys Worten nicht zu verstehen.

Hecktisch schüttelte er den Kopf, als er sah, wie sie den Mund aufmachte, doch vergebens. Geschlagen schloss er die Augen, als er ihre Stimme erneut vernahm. „Was meinst du?“ Salazar, sie hatte wirklich keine Ahnung! Warum konnte sich der Erdboden nicht einmal öffnen, wenn man ihn brauchte? Nur ein einziges Mal?!

„Frag doch dein Frettchen. Er sieht zumindest so aus, als hätte er es gerafft.“ Es wäre unnötig zu erwähnen, von wem dieser Kommentar abgegeben worden war. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass sein Kind längst Halbwaise wäre, wenn Blicke töten könnten.

„Ich dachte wirklich, du hast es gestern verstanden, Ron. Bist du nicht eigentlich aus deiner testosterongesteuerten Teenie-Phase raus?“ Oh ja, Hermine war angefressen, dass hörte er mehr als deutlich heraus. Und obwohl er es wirklich süß fand, dass sie ihn verteidigte, ahnte er, was sie damit provoziert hatte.

Er wurde nicht enttäuscht – leider! „Glaub mir, das dachte ich auch. Bis ihr uns mit eurem Gestöhne wachgehalten habt. Also sei dir versichert, dass ich ihm längst eine runtergehauen hätte, wäre da nicht dieser Scheiß Kater!“

Fuck! Er hatte also wirklich recht behalten. Peinlich berührt fuhr er sich fahrig durch die Haare, seinen Blick fest auf die Brünette geheftet. Hermine sah aus, als stünde sie kurz vorm Hyperventilieren. „Ihr, Ihr… was?“

Harry sah überall hin, außer zu ihnen, Ron plante weiterhin seine Ermordung, doch Draco war es egal. Beruhigend legte er ihr die Hand aufs Knie, streichelte sie sanft, und tatsächlich entspannte sie sich. Ihre Augen trafen sich und – ihr Mundwinkel zuckte. Vollkommen synchron lachten sie auf. Gelöst lehnte sie sich an ihn, ihre Freunde einfach ignorierend, während sie ihn grinsend ansah. „Merlin, ist das peinlich.“ Das Schmunzeln schlich sich unbemerkt auf seine Lippen. Salazar, wie recht sie doch hatte!

„Schlimmer geht immer. Versuch zumindest, es so zu sehen.“ Keck zwinkerte sie ihn an, als sie sich langsam vorlehnte, um ihm etwas zuzuflüstern. Eine Gänsehaut breitete sich über seinen Körper aus, als ihr warmer Atem seinen Hals streifte. Irgendwie war er sich sicher, dass sie absichtlich laut genug sprach, dass ihre Freunde es auch hörten. „Sie wissen von Scorpius. Wenn sie also nicht glauben, ich wäre eine zweite Jungfrau Maria, wird ihnen klar gewesen sein, wie unser Sohn entstanden ist. Sie werden darüber hinwegkommen.“

Die Gesichter der beiden Jungs waren herrlich. Einfach herrlich, sodass er einfach losprusten musste, und auch Hermine stieg mit ein.
Harry war es letztlich, der das Gelächter der beiden mit hochrotem Kopf unterbrach. „Wie auch immer. Ich denke, ihr habt uns immer noch einiges zu erklären. Bleibt Malfoy nicht eigentlich auf dem Manor? Und was macht der Kleine bitte auf der Schule? Außerdem habt ihr mir gar nicht erzählt, was gestern los war, dass selbst Hermine den Unterricht schwänzt.“

Abrupt verklangen die gelösten Töne, als der Schwarzhaarige den gestrigen Mittag ansprach. Es war offiziell: Harry war der übelste Stimmungskipper, den er kannte, und genau jetzt hätte Draco ihn am liebsten verflucht.
Auch Hermine war verstummt, sah ihn nun auffordernd an, als er sie stumm betrachtete. Warum musste der Schwarzhaarige jetzt mit der Tür ins Haus fallen? Der Morgen hatte schlimm genug angefangen, und nun zerstörte er diesen unbeschwerten Moment, weil er mal wieder seine Nase in Dinge stecken musste, die ihn nichts angingen?

Er spürte ihre Hand an seinem Oberarm, sah ihr aufmunterndes Lächeln, doch er wusste genau, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis dieser unbekümmerte Ausdruck Entsetzen und Angst weichen würde, als er zu erzählen begann.
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