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Long way to happiness

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
Draco Malfoy Hermine Granger Scorpius Malfoy
21.05.2020
29.11.2020
34
118.647
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04.10.2020 3.457
 
P.O.V Draco

Er konnte es nicht glauben. War es gerade wirklich geschehen? Hatte Hermine ihn wirklich geküsst? Unsicher verharrte er, traute sich nicht, die Augen zu öffnen. Was würde er sehen? Leere? War das alles vielleicht nur ein Produkt seiner Fantasie?

Aber er spürte es doch. Spürte die zarte Haut ihrer Taille unter seinen Fingerspitzen. Spürte ihren erhitzten Atem an seinem Hals, ihre Hände an seinen Wangen, ihre Beine an seinen. Und er spürte noch etwas mehr als nur deutlich. Ihre Mitte auf seiner. Er schluckte. Das hier konnte unmöglich ein Tagtraum – ein Hirngespinst, entstanden aus seinen Sehnsüchten – sein. Zittrig atmete er aus, als seine Lider sich hoben.

Es war echt! Er sah sie, wie sie eng an ihn gepresst auf ihm kauerte. Er musste schlucken, als plötzlich eine unerklärliche Euphorie in ihm aufstieg. Gut, vermutlich nicht unerklärlich, doch er hatte mehr als genug Sorgen und Gründe, diese Euphorie nicht zuzulassen. Er stand nach wie vor vor der Problematik, wie er weiter mit Lucius verfahren sollte, hatte keine Ahnung, wie er die Betreuung seines Sohnes stemmen sollte und musste zudem insgesamt sehen, wie es nun weiter ging. Die bald entstehenden Gerüchte, die mit der Verkündigung seiner Vaterschaft einhergehen würden, blendete er vorerst aus. Könnte er sich in dieser Situation überhaupt vollkommen vorbehaltlos auf Hermine einlassen? Er war sich nicht sicher.

Einerseits wollte er sie – an seiner Seite. Aber andererseits… sie waren schon einmal an einem ähnlichen Punkt angelangt – und ein mehrwöchiges Schweigen hatte gefolgt. Ihn schauderte. Egal, was geschah, aber es durfte sich nicht wiederholen. Und dafür würde er sorgen.

Mit einem Mal prasselten ihre Worte der letzten Minuten erneut auf ihn ein. Ein Keuchen entwich ihm. Hatte sie es wirklich gesagt – wenn auch recht indirekt? Gesagt, dass sie mehr für ihn empfand – ihn vielleicht sogar…

Er wagte es nicht, den Gedanken zu Ende zu führen. Zu aufgewühlt war er – und zu groß wäre die Enttäuschung, sollte er sich irren.

Rastlos wanderten seine Augen über ihre Gestalt, suchte ihren rehbraunen Blick. Als er ihn fand, wich ihm die Luft aus den Lungen. Nicht etwa, weil sie ihn hassverzerrt musterte, im Gegenteil: ihre Augen strahlten Liebe, Sicherheit, Wärme und Freude aus, dass ihm schwindlig wurde. Irgendetwas sagte ihm, dass dies hier viel zu schnell ging, doch eine innere Stimme konterte sarkastisch. Es hatte drei Wochen gedauert, wenn nicht sogar Monate. Sie waren schon so lang getrennt – gewesen?

Allein der Gedanke daran sorgte dafür, dass er die Brünette auf seinem Schoß ein Stück näher zog. Es war die Hölle, das Leben ohne sie. Sie jedes Mal zu sehen, wenn er seinen Sohn anblickte und dennoch zu wissen, dass sie kein Teil von ihnen war. Jede Person mit ihr zu vergleichen. Und jetzt sollte er sie einfach wieder haben?

Er war versucht, genießend die Lider zu senken, als die zierliche Gryffindor begann, zärtlich über seine Wangen zu streicheln, doch zu groß war seine Angst, sie wäre verschwunden, sollte er die Augen wieder öffnen. Ein glückseliges Lächeln lag auf ihren Lippen. Ihren geschwollenen Lippen. Es war echt.

Ohne weiter darüber nachzudenken, ließ er seine rechte Hand aufwärts wandern, bis sie schlussendlich auf ihren rosigen Wangen verharrte. Dieser Blick! Zielstrebig senkte er seinen Kopf – immer weiter. Es kam ihm vor, als könnte er ihre Wärme spüren, ebenso ihren sanften Atem, der seine Lippen streifte. Er überbrückte die letzte Distanz.
Es war ihm, als wäre ein magisches Feuerwerk in seinem Bauch explodiert – genau wie damals, wann immer er sie geküsst oder berührt hatte. Und doch war es tausendmal besser. Er spürte sie, schmeckte sie, roch sie. Diese zarten, geschwollenen Lippen. Ihre Lippen.

Es war vergleichbar mit dem Moment, in dem ein ehemals Abhängiger sein Rauschmittel wieder konsumierte – er wurde sofort rückfällig. Hoffentlich meinte Hermine es ernst, denn nun konnte er sie erst recht nicht mehr gehen lassen. Nie wieder! Es würde ihn kaputt machen, das wusste er. Die letzten Monate waren Beweis genug – Immerhin hätte er ohne seinen Sohn aufgegeben. Seit seiner Geburt war Scorpius der einzige Sinn, den Draco in seinem Leben noch gesehen hatte, und nun gab es eine Chance, dass es insgesamt wieder lebenswert wurde – auch für ihn selbst. Durch Hermine.

Er hätte nicht sagen können, ob Sekunden, Minuten oder gar Stunden vergangen waren, als sie sich schließlich voneinander lösten - nur, dass es seiner Meinung nach viel zu schnell der Fall war. Ihr liebevolles Lächeln entschädigte ihn zumindest ein wenig, ebenso wie die stetige Wärme, die ihre Hand auf seiner Wange ausstrahlte. Als die Brünette letztendlich zu sprechen begann schien es ihm jedoch, als wäre mit einem Schlag all die Müdigkeit, die Erschöpfung, der letzten Stunden zurückgekehrt. Die Blase, in denen sie sich befanden, zerplatzte unwillkürlich – und schneller als er ahnte, geschweige denn wollte, waren sie zurück. Zurück in der Realität.

„Wie geht es jetzt weiter?“ Sie sprach mit einer solchen Euphorie, während ihre Augen Erleichterung, Zuneigung und freudiger Erwartung ausstrahlten, dass er sich unwillkürlich fragte, ob sie die Tragweite sämtlicher Umstände überhaupt erfasste.

Natürlich, sie wusste nicht, was er wusste, aber mit Lucius hatten sie schon mehr als genug Probleme und zumindest auf ihn selbst käme in den nächsten Tagen einiges an Stress zu. Matt stöhnte er auf, als er sich einige wirre Strähnen aus dem Sichtfeld schob. Er schloss die Augen.

„Ich weiß es nicht. Ich wurde für übermorgen vom Ministerium ins Manor vorgeladen – vermutlich wollen sie über Lucius Verbleib verhandeln. Außerdem muss ich mich nach einer neuen Bleibe für uns und meine Mutter umsehen, den verpassten Stoff nachholen und meine Vaterschaft offiziell machen – die Reaktionen darauf will ich mir gar nicht erst vorstellen. Dazu muss ich mich weiterhin um unsere Pflichten als Schulsprecher kümmern, aber vor allem muss ich mir etwas einfallen lassen, wie ich Scorps’ Betreuung händeln will.“

Hermine rutschte aus seinem Schoß ein Stück nach Hinten und er sah, wie ihre Euphorie allmählich der Verunsicherung gewichen war. „Wie meinst du das?“

„Was genau?“ Er verdrehte leicht die Augen, doch sie überging seine Geste kommentarlos.

„Mit der Betreuung unseres Sohnes…“

Er kam nicht umhin zu bemerken, wie gut es sich anhörte. Ihr Sohn – ihr gemeinsamer Sohn! Anders als bei ihrem ersten Gespräch klang es wirklich, als würde ihr dieser Umstand nichts mehr ausmachen. Als würde sie es nicht nur akzeptieren, sondern sich ernsthaft darüber freuen.
Leider rückte die Realität viel zu schnell wieder in seinen Fokus.

Er räusperte sich. „Naja, ich kann ihn ja schlecht allein lassen. Pansy und Blaise haben meistens mit mir Unterricht und ein Fremder als Betreuer ist keine Option. Leider gilt gleiches für meine Mutter. Wie es aussieht werde ich ihn meistens mit in den Unterricht nehmen müssen und ich werde das Gefühl nicht los, dass es auf Dauer schief gehen wird. Meine letzte Hoffnung bleibt Astoria. Sie wollte nach Möglichkeit auf unsere Schule wechseln. Damit hätte ich immerhin einen Betreuer mehr.“

Hermines verwunderter Blick traf ihn. „Wieso ist Narzissa keine Option?“
Er nahm den Blickkontakt auf, doch die Gryffindor strahlte nichts als Unwissenheit und Sorge aus. Konnte es etwa sein, dass McGonagall niemand außer ihn über die Tücken der neuen Schutzbarriere aufgeklärt hatte? Irritiert schüttelte er den Kopf. Wieso? Das ergab überhaupt keinen Sinn und selbst wenn – man hätte doch wohl beide Schulsprecher eingeweiht, oder?

„Die Schutzbarriere? Du weißt doch Bescheid, oder?“ Mit einem Kopfschütteln verneinte sie. Er seufzte auf. „Der Kamin war unsere einzige Möglichkeit, das Schloss regelmäßig zu verlassen. Durch einige neue Schutzzauber ist es auf Dauer extrem kräftezehrend, die Barriere zu durchdringen. Ich würde es machen, keine Frage, aber ich will weder Scorpius noch meine Mutter einem derartigen Risiko aussetzen. Und bis ich eventuell eine neue Unterkunft gefunden habe, die bezugsfertig ist, und ich wieder einen Kamin anschließen lassen kann, wird es noch einige Wochen dauern – wenn es diesmal überhaupt wieder genehmigt wird!“

Er schwieg, während er sie weiterhin ansah. Hermine hatte ihren Blick auf die Kissen gesenkt und knabberte wieder mal nachdenklich an ihrer Unterlippe. Eine Geste, die ihn schier verrückt werden ließ – erst recht in ihrer Position! Ein Knurren unterdrückend – es war einfach zu lange her – umfasste er zärtlich ihr Kinn um es anschließend in seine Richtung zu drehen. Sie wich seinem Blick aus!

Skeptisch hob er die Augenbraue, sie nicht aus den Augen lassend. „Was ist los? Woran denkst du?“

Sie zögerte, bis sie schließlich doch aufsah. „Ich könnte doch auf ihn aufpassen. Es gibt einige Fächer, die in den bestehenden Lerngruppen fortgeführt werden – häusergetrennt. Oder wir könnten uns abwechseln wer ihn mitnimmt.“

Unwillkürlich schüttelte er den Kopf, doch als sich ein schmerzerfüllter Ausdruck auf Hermines Gesicht schlich wurde ihm klar, wie missverständlich diese Geste war – zu spät. Er konnte nicht verhindern, dass sie eilig aufstand. Mit ihm zugewandten Rücken stand sie plötzlich vor ihm. Verdammt! Er streckte die Arme aus, wollte die Brünette zu sich zurückziehen, doch sie wehrte seine Versuche vehement ab.

„Verdammt, Hermine! So meinte ich das doch gar nicht.“

„Ach nein? Weißt du was: das ist mir egal! Das schlimmste daran ist, dass ich es verstehen könnte. Ich könnte verstehen, dass du mir unser Kind nicht überlässt!“ sie lachte bitter auf. Irgendwo tief in ihm explodierte es. Wie konnte sie so etwas denken?! Von ihm und von sich selbst? Umstandslos stand er auf, packte sie bestimmt – wenn auch nicht grob – an den armen und wirbelte sie herum.

„Jetzt hör mir ganz genau zu! Ich habe nie behauptet, dass ich dir nicht zutrauen würde, für Scorpius zu sorgen – was im Übrigen auch kompletter Schwachsinn ist! Aber hier geht es nicht um mich. Salazar, hast du einmal an die Konsequenzen gedacht? McGonagall würde wissen wollen, warum du dich um ihn kümmerst. Die anderen Schüler würden reden. Du könntest deine Verbindung zu uns nicht mehr geheim halten…“

„… Und wenn ich das gar nicht will? Es ist mir egal, okay?! Sollen sie es wissen!“ Niedergeschlagen schüttelte er den Kopf, als er erneut ihre Hände auf seinen Wangen spürte. Ihre Stimme klang plötzlich um ein Vielfaches verständnisvoller. „Jedes meiner Worte war ernst gemeint! Sag es McGonagall, den Professoren, den Schülern! Ich stehe zu euch.“

Sie atmete tief durch. „Von mir aus gehen wir jetzt zu ihr.“

Er sah, wie sie bereit im Begriff war, sich umzudrehen, doch er hielt sie auf. „Warte! Noch nicht. Du solltest es zuerst deinen Freunden sagen. Ich glaube nicht, dass sie begeistert sein werden, wenn sie es als Letzte erfahren. Zumindest Harry, Ron und Ginny.“

Ein Schatten huschte über ihr Gesicht. „Ich schicke den Jungs eine Eule. Vielleicht haben sie demnächst Zeit für ein Treffen. Das mit Ginny hat sich eh erledigt.“

„Wie meinst du das?“

Sie blickte auf. Ein innerer Kampf zeichnete sich in ihren Augen ab, doch er verstand es nicht. Was meinte sie? Warum reagierte sie so? Bildete er es sich bloß ein oder schimmerten tatsächlich Tränen in ihrem Blick. Ihm stockte der Atem. Was, wenn in seiner Abwesenheit etwas passiert war? Vielleicht war Ginevra etwas geschehen – und er war nicht hier gewesen.

Als Hermine sprach, klangen ihre Worte plötzlich hohl – als hätte es die vergangenen, glücklichen Minuten niemals gegeben. „Sie weiß es schon. Sie hat dich und dieses Mädchen belauscht. Du weißt schon, in Hogsmeade. Als wir am Sonntag unterwegs waren hat sie mich zur Rede gestellt. Seitdem ignoriert sie mich.“

Unwillkürlich erstarrte er mitten in der Bewegung. Ginny hatte sie belauscht? Aber er hatte niemanden gesehen! Sie hatte ihn auch nicht angesprochen, also wie konnte das sein? Der tiefbetrübte Ausdruck auf dem Gesicht seines Gegenübers verursachte ein unangenehmes Stechen in seiner Brust. Es war seine Schuld. Astoria und er hätten besser aufpassen sollen. Verdammt, warum hatten sie keinen Stillezauber genutzt?

Hermine stand nach wie vor unbewegt da und ließ sich anstandslos in seine Arme ziehen. Er spürte, wie sie sich niedergeschlagen an ihn drückte, den Kopf in seine Halsbeuge vergraben. Vorsichtig strich er über ihr volles Haar, während er krampfhaft nach etwas suchte, das sie ablenken könnte. Unsicher sah er auf sie hinab.

„Hast du vor, den restlichen Unterricht heute noch zu besuchen?“ Mit einer Geste, die ihn leicht an ein bockiges Kind erinnerte, verneinte sie. Sein Versuch, ein Schmunzeln zu unterdrücken, misslang kläglich.

Sein Kopf neigte sich wie von selbst, als er ihr einen letzten kurzen Kuss auf die Lippen hauchte. Er bemerkte, wie sie in seinen Armen erzitterte, sobald sein Atem ihr Ohr traf. „Na wenn das so ist: Was hältst du davon, wenn ich dich offiziell mit unserem Sohn bekannt mache?“

Ein leichtes Lächeln legte sich auf ihre Züge. „Dieses Angebot würde ich nur allzu gerne annehmen.“

Ohne zu zögern entließ er sie aus seiner Umarmung, fasste ihre Hand und zog sie unablässig in Richtung seines Zimmers. Er spürte, wie ihre Schritte immer langsamer wurden – wie sich die Unsicherheit unter ihre Freunde mischte. Sie dachte einfach zu viel nach. Wenn Draco in ihren letzten gemeinsamen Jahren eines gelernt hatte, dann, dass sich Hermine viel zu schnell in Selbstzweifeln verlor. Es war ihm ein Rätsel. Wie konnte jemand, der offensichtlich so perfekt war, derart unsicher sein? Es einfach nicht bemerken?

Als sie vor seiner angelehnten Tür zum Stehen kamen schien es, als sei jeder noch so kleine Muskel ihres Körpers auf Äußerste angespannt. Ein Umstand, des sich nicht im Geringsten verbesserte, als plötzlich leise Geräusche aus dem Raum klangen. Entweder schlief sein Sohn unruhig oder er war dabei, aufzuwachen. Für Dracos Vorhaben wäre letzteres wünschenswert.

Ein letztes Mal drückte er aufmunternd ihre Hand, bevor er die Tür vorsichtig aufschob. Tatsächlich. Ihr Kind lag verschlafen auf dem Bett, doch seine Augen hatte es leicht geöffnet. Mit wenigen Schritten hatte er das Bett erreicht, sich neben Scorpius gesetzt und den Kleinen in seine Arme genommen. Hermine hielt sich derweil im Hintergrund. Es läge also an ihm, den Kontakt zwischen beiden herzustellen – wobei Scorpius, wenn er ehrlich war, wohl der leichtere Part werden würde. Sein Sohn scheute keine Kontaktaufnahme, doch seine Mutter war da ganz anders. Fast schon unbeholfen.

„Na, wer ist denn da wach geworden? Hast du gut geschlafen, Kumpel?“ Ein unkoordiniertes Nicken folgte seitens des Kleinkindes, doch es war offensichtlich, dass ihm der Schlaf noch in den Knochen steckte. Zumindest war er noch nicht wirklich auf der Höhe.

„Schau mal, Scorp. Dein Papa hat dir Besuch mitgebracht. Weißt du, wer das ist?“

„Papa.“ Draco konnte ein Lachen nicht unterdrücken. Nein, sein Kind war eindeutig nicht wach. Schmunzelnd wuschelte er durch den blonden Flaum, der den Kopf seiner Miniaturausgabe bedeckte.

„Du kleiner Quatschkopf. Ich bin doch dein Papa. Aber weißt du, wer das ist?“ Er deutete auf Hermine, die unbewegt hinter ihm stand und das Schauspiel beobachtete. „Das ist deine Mama.“

Allmählich klärte sich der Blick des Kleinen, der langsam die Hand hob und mit ausgestrecktem Finger auf seinen Vater zeigte. „Papa.“

Vorsichtig bedeutete Draco der Gryffindor in seinem Rücken, sich zu nähern, während er die Hand seines Sohnes ergriff. „Genau, Kumpel. Ich bin dein Papa, und das“ er führt den Finger so, dass er auf die Brünette deutete „ist deine Mama. Komm, versuch es mal. Ma-Ma.“

Er nickte ermunternd, als einige Sekunden Schweigen herrschte. „Mamm.“ „Gar nicht mal so schlecht.“

Hermine hinter ihnen schluckte hörbar. Ihr war anzusehen, dass sie absolut keine Ahnung hatte, wie sie sich nun verhalten sollte. „Ich…“ sie brach ab.

„Willst du ihn mal halten?“

Sie nickte nahezu sofort, dennoch knetete sie unsicher ihre Hände. „Was, wenn ich ihn fallen lasse?“

Ihren Einwand ignorierend zog Draco sie zu sich – erneut auf seinen Schoß – ehe er ihr vorsichtig den Jungen übergab. Locker legten sich seine Arme um beide. Die beiden wichtigsten Menschen in seinem Leben. Er wusste nicht, wann er das letzte Mal etwas Derartiges empfunden hatte, doch eines war sicher. Er wollte dieses Gefühl nie wieder missen. Es war richtig, genau so, wie es war.

Er legte das Kinn auf Hermines Schulter. Ein Teil von ihm hoffte, dass er es nicht übertrieb, doch er brauchte diese Nähe gerade und Hermine stieß ihn nicht fort. „Keine Sorge. Das hast du mich bei seiner Geburt auch gefragt, aber du hast ihn niemals fallen gelassen.“ Er wusste um die Doppeldeutigkeit seiner Worte, doch sie schien es nicht zu bemerken.

Stattdessen lehnte sie sich weiter an ihn, während sie auf ihren Sohn hinablächelte. „Ich weiß.“

Sein Gehirn brauchte eine Weile, bis es den Sinn hinter ihren Worten verstand, doch er keuchte auf, als es soweit war. „Du erinnerst dich?“
Nachsichtig schüttelte sie den Kopf. „Nein. Aber in manchen Momenten sehe ich Bilder. Vermutlich sind es Fetzen und Fragmente einzelner Erlebnisse.“

Bildete er es sich bloß ein oder gewannen ihre Wangen tatsächlich etwas an Farbe? Er unterdrückte ein Grinsen, betend, dass sein Pokerface saß. „Und was genau?“ Irritiert blickte sie auf, mied jedoch weiterhin seine Augen. „Ich meine, welche Bilder du genau siehst.“

Nein, es war keine Einbildung! Ihre Haut hatte inzwischen den Teint einer Tomate angenommen. Auch war ihre Stimme Oktaven höher, als sie antwortete. „Nichts spezielles. Dies und das eben.“

Grinsend biss er sich auf die Innenseite seiner Wange. Vielleicht sollte er sie von derartigen Fragen verschonen – vorerst. Er wollte sein Glück ja nicht überstrapazieren. Womit er allerdings nicht rechnete war, dass sie erneut das Wort ergriff. „Ich muss dir im Übrigen etwas gestehen.“

Geschlagen schloss er die Lider. Ein solcher Einstieg verhieß nur eines: Unglück! Egal, was nun kam – es würde ihm vermutlich nicht gefallen. Schnell ging er im Kopf etwaige Optionen möglicher Dinge durch, die darauf zutrafen, doch er zwang sich selbst, diese Gedanken aufzuhalten. Er durfte jetzt nicht den Teufel an die Wand malen!

Auffordernd brummte er, was der Gryffindor offenbar ein amüsiertes Lachen entlockte. Biest! „Ich war nie im Cottage. Da, ja, aber nicht drinnen.“

Überrascht sah er sie an. Er hatte mit so einigem gerechnet, aber nicht damit. Für einen Moment überlegte er, ob er ihr deshalb böse sein sollte, doch ihr Anblick machte es ihm nahezu unmöglich. Wie sie Scorpius in den Armen hielt, der mit ihren Locken spielte, und ihm immer wieder zärtlich über Schopf und Wangen strich.

„Warum?“ „Na hör mal! Du hast das Grundstück mit fast einem Dutzend Zaubern gesichert. Ich hänge einfach an meinem Leben. Also hab ich gepokert - erfolgreich.“

Unsicher kratzte er sich am Kinn. „Vielleicht ist es gut so. Wir können nochmal neu anfangen. Ohne den ganzen Ballast von früher, meine ich.“

Ihr Blick wurde prüfend und ein gewisser Tadel schwang in ihren Worten mit. Ihm dämmerte, dass sie sich allmählich auf kritische Gefilde zubewegten. „Ich weiß, dass wir um dieses Thema bisher einen Bogen gemacht haben, aber ich dachte eigentlich, dass klar ist, dass ich meine Erinnerungen wiederhaben will. Das steht nicht zur Diskussion, Draco.“

Fieberhaft suchte er nach Worten, doch ihm war, als wäre sein Kopf leer. Wie sollte er ihr seinen Standpunkt klarmachen, ohne einen Streit zu provozieren? Das Geräusch des zuschlagenden Portraitlochs riss ihn aus seinen Überlegungen, doch nur wenige Sekunden später wurde ihm bewusst, dass er vermutlich gerade vom Regen in die Traufe gekommen war. Nur einer kannte außer ihnen die Losung.

Es war zu spät. Noch ehe er irgendetwas hätte unternehmen könnten, stand plötzlich die Schulleiterin vor ihnen. „Mister Malfoy! Wenn ich sage – um neun in meinem Büro – ist das ein klarer Hinweis darauf, dass ich noch anderes zu tun habe, als Ihnen hinterherzulaufen. Dabei sollte man meinen, in Ihrem Alter wäre Pünktlichkeit kein Fremdwort mehr.“ McGonagalls mürrischer Ausdruck wandelte sich in einen überraschten, als sie Hermine bemerkte. Eine steile Falte erschien auf ihrer Stirn, als sie sich der Position gewahr wurde, in der sich ihre Schulsprecher befanden.

„Miss Granger. Ich werde diesen Anblick“ sie deutete auf die jungen Erwachsenen hinab „vorerst übergehen. Wenn Sie nun also die Güte hätte, mich und ihren Kollegen allein zu lassen. Es gibt einiges zu besprechen! Wie ich sehe haben Sie unseren Gast, der für diesen Umstand verantwortlich ist, schon kennengelernt.“

Draco sah, wie Hermine sich langsam von ihm löste, doch weder ließ sie Scorpius los noch machte sie Anstalten zu gehen. Stattdessen war ein entschlossener Ausdruck auf ihre Züge getreten. Sie lächelte auf ihn hinab, ehe sie ihn mit einer Kopfbewegung aufforderte, aufzustehen. Ihre Stimme war fest, als sie sich an den Professor wandte.

„Bei allem Respekt, Professor, doch ich denken, dass mich dieses Gespräch ebenfalls betrifft.“

Herausfordernd hob die Angesprochene den Blick. „Wir werden keinerlei Thematiken ihres Aufgabenbereichs als Schulsprecher diskutieren, Miss Granger. Sind sie also immer noch der Annahme, ihre Anwesenheit wäre hier erforderlich?“

Hermine nickte.

„Und weshalb, wenn ich fragen darf?“ Für einen Moment bewunderte der Blonde Hermine dafür, dass sie unter dem Blick der Schulleiterin noch nicht zusammengeschrumpft war. Wenn man ihn fragte, brauchte McGonagall eindeutig Urlaub, so angespannt und launisch, wie sie in letzter Zeit war.

Plötzlich spürte er eine Bewegung an seiner Hand, nur um zu sehen, wie Hermine sie lächelnd fest mit der ihren umschloss. Sie hielt Blickkontakt, selbst, als sie McGonagall letztendlich antwortete. „Sie besprechen, wie sie die aktuelle Situation händeln sollen, richtig? Und da es hier auch um meinen Sohn geht, verlange ich, dabei zu sein!“
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