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Long way to happiness

GeschichteRomanze / P18
Draco Malfoy Hermine Granger Scorpius Malfoy
21.05.2020
26.10.2020
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98.978
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23.05.2020 3.152
 
P.O.V Draco

Seit einer gefühlten Stunde saß er nun schon auf einer der Bänke nahe der Terrasse im Garten und diskutierte mit seiner Mutter. Entnervt ließ Draco seinen Kopf nach hinten fallen, unwillig Narzissa weiterhin dabei zu beobachten wie sie Runde um Runde vor ihm ihre Bahnen zog und dabei schimpfte wie ein Rohrspatz. Ihre Versuche ihn durch Zetern ohne Unterlass zu überzeugen waren aussichtslos, doch obgleich sie sich dieser Tatsache eigentlich bewusst sein sollte gab sie nicht auf, woraus resultierte, dass er seit über einer halben Stunde überhaupt nicht mehr zu Wort gekommen war.

Die Sonne brannte sengend heiß auf ihre Köpfe nieder und obwohl hohe Temperaturen im August nichts Ungewöhnliches waren bekam Draco Jahr für Jahr den Eindruck, dass die Sommer immer unerträglicher würden. Aus diesem Grund trug er heute lediglich eine kurze Jogginghose und ein hellblaues T-Shirt, anders würde er es sicherlich nicht aushalten.

Narzissa hingegen, gekleidet in ein luftiges Kleid, welches bis zum Boden ging, schien die Hitze überhaupt nicht wahrzunehmen. Ihr Sonnenhut saß mittlerweile schräger auf ihrem Kopf als beabsichtigt, der rote Stoff ihres Gewandes wallte um ihre schmalen Beine, während sie unbeirrt mit energischen Schritten weiter auf und ab lief.

„Du musst zurück! Was denkst du kannst du ihm bieten ohne vernünftigen Schulabschluss? Du hast die Möglichkeit das letzte Jahr vollständig wieder aufzuholen. Und du hast mich! Ich weiß ja, deine alten Klassenkameraden kommen auch nicht alle, dennoch! Du bist mein Sohn, die anderen interessieren mich nicht! Wie willst du eine Arbeit finden ohne deine UTZs? Ich weiß wir sind nicht gerade arm, aber du kannst dich nicht auf dem Familienerbe ausruhen, du bist ein Vorbild! Ich meine, du ...“

„Mutter, hol Luft. Es reicht!“, unterbrach ihr Sohn sie barsch.
Draco war genervt! Er bereute zutiefst den Brief, der ihn vergangene Woche aus Hogwarts erreicht hatte, achtlos im Lesezimmer des Manors liegen gelassen zu haben. Seit seine Mutter ihn fand, drehte sich beinahe jede Konversation der beiden nur darum, ob er das Angebot McGonagalls, das siebte Schuljahr zu wiederholen annehmen sollte oder nicht. Obwohl man bei diesen Konversationen ehrlicherweise eher von Diskussionen und ewigen Monologen seitens Narzissa sprechen musste.

Natürlich, auf der einen Seite wollte er seinen Abschluss. Er wollte arbeiten, sein eigenes Gold verdienen und so seine Familie ernähren, aber andererseits hatte er auch eine Verantwortung Scorpius gegenüber. Mit der Geburt seines Sohnes hatten sich seine Prioritäten merklich verschoben.

Er liebte den kleinen Sonnenschein einfach über alles. Er wusste, Narzissa dachte nicht über die Konsequenzen nach, die der Schulbesuch für Draco mit sich zog. Sie verstand nicht welcher Zusammenhang zwischen Scorpius und Hogwarts bestand, soweit dachte sie bisher noch nicht, und er machte ihr auch keinen Vorwurf daraus. Sie wollte das Beste für ihren Sohn, wie er das Beste für Scorp wollte.

Eigentlich war es verblüffend, wie viele der Sprüche, die Eltern ihren Kindern um die Ohren hauten letztendlich wirklich stimmten. Man verstand sie erst richtig, wenn man selbst Kinder hatte. Eltern wollten meist wirklich nur das Beste, auch wenn das aus der Perspektive des Kindes oft etwas anderes war. Eltern waren auch nur Mensch, die Fehler machten - sich irren konnten.

Draco seufzte auf, fuhr sich mit einer Hand übers Gesicht und atmete tief durch.

„Hör zu, ich weiß du meinst es gut, okay?! Aber hast du mal daran gedacht, was das alles bedeuten würde? Ich müsste auf Hogwarts leben, käme gerade mal am Wochenende nach Hause, wenn überhaupt. Und zwar ein ganzes Jahr lang. Ich hätte keine Zeit mehr für ihn und das kann ich ihm nicht antun.“

Narzissa hob zu sprechen an, doch er unterbrach sie direkt.
„Das heißt nicht, dass ich ihn dir nicht überlassen würde. Ich vertraue die, Mum! Aber ich bin sein Vater, er braucht mich.“

Ein leichtes Lächeln schlich sich auf die Lippen der anmutigen Hexe. Ihr Sohn war erwachsen geworden. Eine Tatsache die gleichsam erfreulich wie erschreckend war. In ihrem Kopf war er immer noch der kleine Junge, der sich beim gemeinsamen Versteckspiel in ihrem geliebten Rosenbüschen versteckte und jedes Mal davon ausging, dass sie – trotz der zahlreichen Schrammen in seinem Gesicht und den kindlichen Fußspuren nahe der zerstörten Stöcke – niemals wusste, wo sie ihn finden würde. Zu diesen Zeiten war er ein fröhliches, aufgewecktes Kind, was sich allerdings änderte als Lucius ihn „unter seine Fittiche“ nahm.

„Schatz, ich verstehe dich ja, aber bist du dir im Klaren darüber welche Chancen du aufgibst? Du bist einer der Besten deines Jahrgangs. Wir finden schon eine Lösung, aber du brauchst deinen Abschluss.“

„Und wie sähe diese Lösung aus, Mutter? Ich lasse meinen Jungen nicht tagelang allein!“

„Ich weiß Draco. Hör zu, ich beantrage bei McGonagall eine Erlaubnis dich nur für den Unterricht ins Schloss zu schicken. Wohnen ...“

„Nein! Sie soll nichts von ihm wissen. Sie würde Fragen stellen. Das kommt nicht in Frage!“
Ein kalter Schauer rann über den Rücken des jungen Blonden. Er vertraute der neuen Schulleiterin Hogwarts´, keine Frage, aber sie verkehrte bevorzugt mit Leuten, die nichts von der Existenz seines Sohnes wissen durften.

Unbeeindruckt von seinem Einwurf überging Malfoys Mutter seine Worte geflissentlich. Sie wusste auf welche Personen ihr Sohn anspielte, an wen genau er dachte - sie kannte ihn. Eine Mutter kannte ihr Kind. Eigentlich. Und Draco war überzeugt davon, dass selbst Lucius, wäre er hier, seinem Verdacht zugestimmt hätte, seine Mutter würde das Auffliegen seines Geheimnisses geradezu provozieren.

„Wohnen würdest du wie immer hier. Ich könnte mich morgens und mittags um meinen Enkel kümmern und wenn du nachmittags oder abends wiederkommst hast du Zeit für ihn. Außerdem muss sie nichts von ihm erfahren. Ich werde ihr lediglich mitteilen, dass deine Anwesenheit im familiären Umfeld dringend von Nöten ist.“

Einen Augenblick lang überlegte Draco wen Narzissa mit Sie meinte, doch er war sich sicher, dass sie um die Doppeldeutigkeit ihrer Worte wusste. Er versuchte sich zu entspannen.

„Von mir aus, informiere sie und bitte um ein Gespräch, nach Möglichkeit kommende Woche. Ich möchte es selbst mit ihr klären. Und Mutter … Danke!“

~⦁●⦁~

Scorpius spielte oben in Dracos altem Spielzimmer. Astoria war nach wie vor bei ihm. Seit knapp einem Monat kam sie beinahe täglich vorbei. Es war als hätte es die Trennung der jüngsten Greengrass von den Malfoys während des Krieges nie gegeben. Doch sie war da, die Erinnerung an die Zeit, in der sie von ihrer zweiten Familie nichts gehört hatte mit Ausnahme dessen, was man von klatschsüchtigen Hexen auf den Straßen und den nach Skandalen heischenden Artikeln im Tagespropheten aufschnappen konnte.

Viele der Slytherins verloren zu dieser Zeit den Kontakt zueinander. Einige aus Selbstschutz, andere um ihnen liebgewonnene Freunde und Familien aus dem Fokus des dunklen Lords und seiner Todesser zu halten. Keiner konnte dem anderen vertrauen. Denn natürlich war das Haus Salazar Slytherins für seine Loyalität bekannt, doch wenn es hart auf hart kam konnte keiner wirklich wissen, wem die Treue des Gegenübers letztendlich gelten würde.

Erst nach Voldemorts Fall begann Narzissa allmählich die junge Brünette wieder zu kontaktieren. Damals war sie sich unsicher, ob Astoria den Kontakt zur Familie Malfoy überhaupt weiterhin wünschte.

Doch nun saß sie hier, auf dem Boden neben Scorpius und beobachtete mit einem Lächeln auf den Lippen wie der kleine Junge ein ums andere Mal seine magische Bahn, ein exaktes Abbild des Hogwartsexpresses, im Kreis fahren ließ, während er ihr fasziniert und staunend hinterher blickte.

Draco besah sich der Situation, wobei er mit vor der Brust verschränkten Armen am Türrahmen lehnte.
Zu Beginn hatte er es noch beunruhigend gefunden wie er auf dieses Kind reagierte – sich nicht satt sehen konnte, egal was sein Sohn tat. Doch inzwischen war es ihm egal.

Es war normal.

Sollte nicht jeder Vater so empfinden wie er, diese Dinge fühlen und spüren wie er es nun tat? Natürlich gab es offenbar auch Ausnahmen, man nehme allein schon seinen eigenen Erzeuger, Lucius. Er konnte sich keiner Situation entsinnen, in der Lucius ihn je so angesehen hatte wie er es nun bei Scorp tat. Mit diesem Stolz, diesem Glück und dieser Liebe im Blick, als habe endlich alles einen Sinn, einen Mittelpunkt, den er nun in dem Jungen vor sich gefunden hatte.

Alles was sein Sohn tat glich für Draco einem Wunder. War das verrückt? Vielleicht. Aber so empfand er nun mal. Möglicherweise war er auch nur schockverliebt und es würde vergehen, wer wusste das schon? Doch er hoffte, dass dem nicht so war.

Skorpius Malfoy würde für ihn immer sein Wunder sein.

Sein Wunder – ihr Wunder. Manchmal stellte er sich vor, wie diese Momente mit ihr wären. Wenn sie anstelle von Astoria hier sitzen würde, ihn mit einem glückseligen Lächeln bedenkend, wie sie es kurz nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes getan hatte. Wenn Scorp sie erheitert durch sein Spiel mit einem erfreuten Glucksen anblicken würde statt Astoria. Wenn alles anders wäre.

Ohne Frage, er war der jungen Slytherin dankbar für ihre Unterstützung, sowohl in Form ihrer Hilfe, wenn es um die Betreuung seines jüngsten Familienzuwachses ging, als auch als gute Freundin, welche immer wieder ein offenes Ohr für ihn hatte.

Außer ihr wusste eben niemand Bescheid, mit dem er sonst sprechen könnte. Weder Blaise noch die anderen hatte er bisher eingeweiht und vorläufig würde er es wahrscheinlich auch nicht. Er wollte, aber sollte er auch? Es würden zwangsläufig Fragen aufgeworfen werden, die zu beantworten er nicht im Stande war. Und die Sicherheit seines Erben würde er niemals gefährden, soviel stand fest.

Aber Astoria war eben nicht Sie. In keinerlei Hinsicht. Nie würde irgendjemand ihren Platz einnehmen können – ihr das Wasser reichen. Das wollte er auch gar nicht. Sie war einmalig und die Einzige, die er jemals wirklich wollen würde, auch wenn der ständig wiederkehrende Gedanke an sie ihn gleichzeitig mit Wut und Frustration erfüllte.

„Papa“, ertönte plötzlich eine helle Kinderstimme, die ihn aus seinen Grübeleien riss. „Da!“

Unwillkürlich begann Draco zu lächeln und kniete sich neben Scorpius auf den Boden.

„Ui, da hast du aber eine tolle Lok von deiner Oma bekommen, mein Großer“, versicherte er seinem Sohn, welcher ihn daraufhin nur stolz angrinste und auf seinen Vater zu zu krabbeln begann, nur um sich anschließend an dessen Oberschenkeln hochzuziehen. Mit seinen kurzen Ärmchen umschlang er ihn bestmöglich und kuschelte seinen blonden Lockenkopf an die Brust seines Vaters. Dieser schloss seine Arme rasch um das Kleinkind, nur um ihn enger an sich zu pressen.

Wehmut stieg in Draco auf. Egal wie sehr sein Sohn äußerlich auch nach ihm kommen mochte, sein Wesen hatte er zweifelsohne seiner Mutter zu verdanken. Und dieses Grinsen … verschmitzt, stolz, eben typisch Sie.

Er sah sie überall. In ihrem Sohn, in seiner Umgebung, es war zum verrückt werden! Automatisch verglich er andere Menschen mit ihr. Diesen Mut, den Stolz, den unglaublichen Gerechtigkeitssinn, die Intelligenz, den unerschütterlichen Glauben an das Gute, die Loyalität und das permanente Streben nach dem Besten für all jene, die ihr am Herzen lagen.

Nie hatte er einen auch nur annähernd vergleichbaren Menschen getroffen. Sie war anders als alle die er zuvor kannte. Aber sie hatte nun ihr eigenes Leben. Ein anderes – ohne ihn und Scorpius.

Er liebte sie, also würde er sie gehen lassen. Er musste es tun. Sie leben lassen, und zwar eben so, wie es sie glücklich zu machen schien.

~⦁●⦁~

Es war früh. Sehr früh.

Dennoch, oder gerade deswegen war er spät dran.

Dracos Übereinkunft mit seiner Mutter lag fünf Tage zurück.
Laut deren Aussage hatte die Schulleiterin einem Gespräch zugestimmt, nachdem Narzissa sie grob über den Sachverhalt informiert hatte. Eigens für dieses Gespräch hatte sie sogar ihren Kamin für Draco öffnen lassen.

Und nun? Nun stand er hier – um Punkt 06:00 Uhr – übermüdet, nervös und … allein.

Das Büro der Professorin war verlassen und erweckte zudem den Eindruck, dass schon lange mehr keiner diesen Raum betreten hatte. Eine dünne aber dennoch gut sichtbare Staubschicht bedeckte die schlafenden Portraits ebenso wie die zahlreichen Bücher, die sich in den decken-hohen Regalen stapelten. Der Schreibtisch war viel zu geordnet, die Dokumente darauf viel zu akkurat gestapelt, als dass hier jemand noch vor kurzem gearbeitet haben könnte – nicht einmal die Hauslehrerin der Gryffindors.

Der Slytherin schluckte. Nichts hatte sich verändert - und doch war alles anders. Die Sessel standen da wie immer, ebenso war die Anordnung der anderen Möbel beibehalten worden.

Erst jetzt fiel ihm auch eine gestalterische Neuheit auf. Ein neues Portrait hatte sich in die Reihe der ehemaligen Professoren und Schulleiter eingereiht.

Professor Severus Snape.

Sein Patenonkel. Ehemals Lehrmeister in Zaubertränke und Verteidigung gegen die dunklen Künste. Später Schulleiter und Nachfolger Dumbledores. Im Krieg tätig als Doppelspion. Ermordet vom dunklen Lord höchstpersönlich.

Ein Seufzen entwich ihm. Auch wenn niemand es gewusst hatte – am aller wenigsten Snape selbst – war er für Draco mehr ein Vater als Lucius Malfoy es je sein könnte.
Er wusste wie er mit der ruppigen Art dieses Mannes umzugehen hatte, verstand es hinter seine kalte Fassade zu blicken und seine Empfindungen zwischen den Zeilen zu lesen.

Severus Snape war im Inneren nie der kaltherzige Mann gewesen, den er stets mimte. Er war lediglich gezeichnet. Vom Krieg, dem Tod seiner ersten großen Liebe, dem Verlust seiner Zweiten an einen Anderen – seinen damals besten Freund wohl gemerkt – und der Einsamkeit, die damit und mit der Entfernung von seinen anderen Lieben einher ging.

„Mister Malfoy, ich bin erfreut, dass Sie es einrichten konnten.“

Aus seinen Gedanken gerissen fuhr Draco erschrocken herum. Von ihm unbemerkt hatte Professor McGonagall das Arbeitszimmer betreten und stand nun vor ihm, auf der anderen Seite des hölzernen Schreibtisches und hielt ihm – ein kleines Lächeln um die Mundwinkel – die ausgestreckte Hand entgegen.

Sie sah gealtert als, stellte er fest, während er die ihm dargebotene Hand ergriff und kurz schüttelte, ehe sie die Verschränkung lösten und dem jeweils anderen gegenüber Platz nahmen. Auch an ihr schien die letzte Zeit nicht spurlos vorbeigegangen zu sein.

„Nun denn, was verschafft mir die Ehre dieses Besuches? Ich nehme doch stark an, dass es mit dem bevorstehenden Beginn des neuen Schuljahres in Verbindung steht. Allerdings muss ich gestehen, dass Ihre Mutter mehr als nur wortkarg war. Hätten Sie vielleicht die Güte, mich aufzuklären?“

Erwartungsvoll blickte sie ihn an, die Augenbrauen angehoben, aber dennoch mit einem freundlichen Blick, den sie ihm bis dato noch nie hatte zuteilwerden lassen.

Er räusperte sich. Ihm war sehr wohl bewusst wie entscheidend dieses Gespräch unter Umständen für ihn und auch für seinen Sohn werden konnte. Für ihre Zukunft.

„Sie gehen recht in dieser Annahme Professor. Es wäre mir wirklich ein Anliegen die Schule abzuschließen, allerdings gestaltet sich dies aktuell in meiner familiären Situation etwas schwierig. Um es auf den Punkt zu bringen; ich habe Sie aufgesucht in der Absicht eine Sondergenehmigung zu beantragen.“

Auf dem Gesicht der Rektorin zeichnete sich deutlich ihre Verwirrung ab, jedoch war Draco nicht sicher, ob sich diese auf seinen Sprachgebrauch oder sein Anliegen als solches bezog. Er hasste es so zu sprechen. Gestellt und unnatürlich. Dennoch kam er gut damit aus – mit Förmlichkeiten und Etikette. Werte, die er seinem Sohn vorleben wollte – ihm beibringen.

„Und worum handelt es sich bei dieser Sondergenehmigung?“

Er atmete noch einmal tief durch. Nun hieß es alles oder nichts.
Auch wenn Minerva McGonagall nicht den Eindruck machte, ein impulsiv handelnder Mensch zu sein, wusste Draco aus Erfahrung, dass sie zwar immer lang und sorgfältig überlegte, meist aber bei ihrer ersten Meinung blieb.

Würde sie seinen Ersuch jetzt ablehnen standen seine Chancen mehr als schlecht.

„Ich bitte Sie mir den Schulbesuch zu ermöglichen. Allerdings wäre dies nur möglich sollten sie zustimmen, dass ich weiterhin im Manor leben kann. Es ist für mich und meine Familie von Nöten. Ich bitte sie Professor, wäre es nicht von äußerster Wichtigkeit würde ich sie niemals damit behelligen.“

„Mister Malfoy, erlauben Sie mir nach dem Grund für diesen Umstand zu fragen? Immerhin wäre dies mit einem immensen Aufwand verbunden.“

Das war es. Genau diese Frage hatte er krampfhaft vermeiden wollen. Was sollte er jetzt bitte sagen? „Geht Sie überhaupt nichts an“ oder „Ach, nur mein Sohn – Sie wissen schon, der von dem fast keiner weiß“. Er konnte es ihr nicht sagen – nicht jetzt zumindest.

„Ich verstehe Ihre Frage Professor und sie ist durchaus berechtigt. Allerdings ist es mir nicht möglich Sie einzuweihen. Noch nicht. Daher muss ich Sie bitten, mir einfach zu vertrauen.“

Salazar, Merlin und was-wusste-er-noch! Sein Gebrauch des Wortes bitten hatte heute definitiv einen neuen Rekord erzielt.

„Ich würde regulär mit den anderen Schülern meines Jahrgangs den Unterricht besuchen. Sollte es notwendig sein auch etwaige andere schulischen Veranstaltungen. Am Abend könnte ich zu Fuß oder mit dem Besen nach Hogsmeade und von dort aus apparieren. Morgens wäre ich pünktlich zum Unterricht wieder zu Gegend. Ich verspreche es Ihnen. Es wird funktionieren und es ist wirklich wichtig. “

Jetzt war es endgültig raus. In seinem Kopf ratterte es.
Normalerweise war der blonde Slytherin ein Meister im Deuten der Mimik seines Gegenübers, doch nun hatte er keinen blassen Schimmer wie der Professor entscheiden würde.

Es kam ihm vor als versuche ihr Blick ihn zu durchleuchten. Sekunden verstrichen, doch es fühlte sich an wie Stunden. Verdammt, warum war es so nervös? Vielleicht weil sich hier ein nicht unerheblicher Teil seiner Zukunft entschied und er praktisch machtlos war, schoss es ihm durch den Kopf.

Dieses Gefühl. Vielleicht war es nicht so drastisch, doch selbst diese kleinsten Empfindungen der Ohnmacht verursachte in seinem Inneren seit jeher eine extreme Unruhe. So war es schon immer. So war er schon immer.

Während der gesamten Zeit hatte die Hexe ihm gegenüber den Blick nicht abgewandt. Konnte sie ihm nicht einfach antworten? Ein einfaches Ja oder Nein? Stattdessen beobachtete sie ihn wie ein Tier aus der magischen Forschungsabteilung des St. Mungos.

„Nun, wenn dem so ist muss ich Sie ebenfalls um etwas bitten. Natürlich gehen mich Ihre privaten Befindlichkeiten nichts an...“

Gut erkannt, dachte Draco, biss sich jedoch rechtzeitig auf die Zunge. Nicht in alte Verhaltensweisen zurückfallen, schollt er sich. Dieses auf-die-lange-Folger-gespannt-werden tat ihm eindeutig nicht gut!

„… allerdings geht es hier auch um die Sicherheit der Schule. Ihre Idee, jeden Tag die Tore und magischen Barrieren zu durchqueren ist scheinbar nur unzureichend durchdacht. Es soll niemand eindringen können, jedoch sollen mögliche Spitzel ebenfalls nicht permanent von innen nach außen gelangen. Ein Passieren der Bannzauber stellt keine Gefahr dar, doch auf Dauer würde Ihre Kräfte stark aufgezehrt werden.“

Was?! Ungläubig blickte der Slytherin sein Gegenüber an. Der Krieg war vorbei, wer sollte bitte Hogwarts angreifen? Und noch wichtiger, wer sollte es als Maulwurf ausspionieren? Gerade als er etwas einwerfen wollte fuhr sie ungerührt fort.

„Ich wäre bereit Ihnen Ihren Wunsch zu erfüllen. Unter einer Bedingung. Ich könnte einen speziellen Kamin freischalten lassen, nur für Sie passierbar und mit einer direkten Verbindung zum Manor.“

„Aber?“

„Ich brauche einen Grund, Mr. Malfoy. Einen Grund, Ihnen eine derartige Befugnis auszustellen.“

Nun wurde es ernst! Gespannt auf das, was folgen sollte, lehnte der Malfoy-Spross sich erwartungsvoll nach vorne: „Und was stellen Sie sich in diesem Punkt vor, Professor?“

„Ich hatte Sie in diesem Jahr für ein besonderes Amt vorgesehen. Übernehmen Sie den Posten des männlichen Schulsprechers, Mr. Malfoy. “
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