Long way to happiness

GeschichteRomanze / P18
Draco Malfoy Hermine Granger Scorpius Malfoy
21.05.2020
27.09.2020
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21.05.2020 1.257
 
Der flackernde Schein des Kaminfeuers durchzuckte den stilvoll eingerichteten Raum, tanzte unruhig über die zahllosen Buchbände der vor Jahrhunderten verfassten Werke, deren Schreiber lägst nicht mehr auf Erden weilten, erleuchtete die im Halbdunklen liegenden Ecken und das antik wirkende Mobiliar.

Ein niedriger, aus edlen Hölzern geschnitzter Tisch auf einem beigefarbenen, handgewebten Teppich bildete das Zentrum des Zimmers, dessen Ausmaße vielmehr einem kleinen Saal entsprachen. Darum gruppiert eine Sitzlandschaft, bestehend aus zwei ebenfalls in beigen gehaltenen Sesseln, die die kurzen Enden des Tischchens flankierten, und einem breiten Ledersofa, dessen dunkelblaue Kissen die erdigen Farbtöne der Wohnlandschaft durchbrachen.

Von ihm aus hatte der Sitzende ein ungehindertes Blickfeld auf die weitläufigen Gartenanlagen des Anwesens, deren Grenzen sich durch die ausladende Fensterfront nicht ausmachen ließen. Die beiden parallel zueinander liegenden Wände wurden durch hölzerne Bücherregale verdeckt, welche bis unter die Decke gingen, was zur Folge hatte, dass die oberen Reihen im Normalfall nur über eine Leiter erreichbar wären.

Der riesige Schreibtisch unmittelbar neben der Tür, auf welchem sich zahlreiche Bücher, Dokumente und Akten stapelten wirkte dennoch unbenutzt, beinahe drapiert, um möglichen Gästen die enorme Beschäftigung und Erhabenheit des Hausherrn zu suggerieren. Die angrenzende Minibar hingegen schien ihrem Zweck wesentlich häufiger zu erfüllen, zumindest wenn man nach dem Inhalt, der sich dort befindlichen Flaschen ging.

Dennoch hielt der Mann, welcher auf einem der Sessel lehnte und den Blick entspannt, wenn auch wehmütig und freudig zugleich auf seinen Schoß gerichtet hatte, kein Glas mit dem in der Kehle angenehm brennenden Alkohol in der Hand. Er war groß, gut gebaut. Weder wirkte er schmächtig, noch war er ein schrankbreiter Muskelprotz. Sein Körper war definiert, sein Hemd passte ihm wie maßgeschneidert und ließ jedes Mal erkennen, wenn er sich anspannte. Das Gesicht nahezu perfekt, symmetrische Züge. Ein spitzes Kinn, eine gerade Nase, hohe Wangenknochen und stahlgraue Augen, die von hellblonden, fast weißen Wimpern umrahmt wurden.

Auf seinen Lippen lag ein leises Lächeln, als er weiterhin den kleinen Jungen beobachtete, der auf seinen Oberschenkeln saß und friedlich vor sich hinschlummerte. Er war zwar noch nicht einmal ein Jahr, ihm aber wie aus dem Gesicht geschnitten. Bereits jetzt beherrschte er das schiefe Lächeln des Mannes, der über den seligen Schlaf des Kleinkindes wachte. Er wirkte ohnehin wie seine exakte Kopie. Als hätte jemand Kinderbilder des jungen Erwachsenen hervorgekramt und zum Leben erweckt.

Es war ein anstrengender Tag für den kleinen Mann gewesen. Ein ursprünglich als Spaziergang geplanter Ausflug mit seiner Großmutter hatte in einer Shoppingtour geendet, von der sie erst nach mehreren Stunden zum besorgten Vater zurückkehrten. Der fehlende Mittagsschlaf hatte sich bereits am frühen Abend bemerkbar gemacht, und obwohl sein Sohn schon auf seinem Schoß einschlief, nachdem er erst drei Seiten vorgelesen hatte, endete er erst mit der letzten Buchseite. Seitdem betrachtete er sein schlafendes Ebenbild und brachte es einfach nicht fertig, ihn in sein Bettchen zu bringen.

Sein Sohn war ein Wunder. Ein lebendes Wunder, so kam es ihm immer wieder vor.

Nie im Leben hätte er sich selbst als Vater gesehen, erst recht in seinem Alter, doch jetzt konnte er sich ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen. Sein Kind war sein Lebensinhalt, der wichtigste Grund, weshalb er gekämpft hatte, statt aufzugeben. Und es hatte sich gelohnt.

Niemals würde er ihn hergeben, für kein Gold der Welt. Es gab nur wenige Menschen, die er so bedingungslos liebte und brauchte, doch er wusste bereits bevor sein Sohn das Licht der Welt erblickte, dass er alles für ihn geben würde, auch sein eigenes Leben.

Das machte Eltern wohl aus, nahm er mit einem bitteren Beigeschmack an, denn er war nicht der Einzige, der alles für diesen Jungen opfern würde – sogar ihn selbst.
Er fragte sich, wie es nun weiter gehen würde. Dreieinhalb Monate waren seit der alles entscheidenden Schlacht vergangen.

Dreieinhalb Monate, in denen die gesamte Zauberwelt wieder aufatmen konnte.
Dreieinhalb Monate, in denen sein Kind endlich sicher war.
Dreieinhalb Monate, in denen er ihn nicht mehr verstecken musste.
Dreieinhalb Monate, in denen allmählich Normalität in seinen Alltag Einzug hielt.

Und Normalität war das, was er nun dringend brauchte. Es war schwer gewesen seinen Sohn zu versorgen, verstecken und zu beschützen, ohne Aufsehen zu erregen. Er musste weiterhin seine Rolle spielen. Es war keineswegs ungefährlich, das Spiel, welches er gespielt hatte.

Am Tag treuer Anhänger des dunklen Lords, in der Nacht Spion für den Orden. Alles in der Hoffnung, dem kleinen Jungen eine bessere Zukunft zu ermöglichen als er selbst sie damals hatte – ein sicheres Leben. Das Einzige was ihn hatte zögern lassen war die Gewissheit der Einzige zu sein, der von der Existenz des Kleinkindes wusste. Wäre ihm etwas zugestoßen wäre der Junge verloren, das wusste er. Doch ihm blieb keine Wahl, um ihn zu beschützen. Er könnte ja nicht ewig so weiter machen, darauf wartend, dass jemand anderes ein ähnliches Risiko einging.

Weder seine Familie noch seine Freunde wussten damals um die Geburt seines Erben, das war unvermeidlich. Lediglich zwei Menschen kannten die Wahrheit. Es diente zum Schutz aller Beteiligten. Direkt und indirekt. Wissen bedeutete zwar Macht, aber auch Gefahr. Eine Gefahr, die sie niemandem hatten aufbürden wollen. Gerne hätte er jemanden ins Vertrauen gezogen, nur um eine Rückversicherung für seinen Sohn zu haben, sollte ihm etwas geschehen, wovon er während des Kriegsgeschehens immer ausgehen musste.

Das Kind zuckte im Schlaf, doch das Lächeln auf seinen Zügen führte direkt dazu, dass sich sein Vater entspannte. Was immer sein Junge auch träumte, es schien nichts Schlechtes zu sein.

Innerhalb von wenigen Augenblicken brachte das kleine Geschöpf ihn von seinen tristen Gedanken ab. Brachte ihn dazu das ganzer Leid zu vergessen, das er gesehen und selbst erlebt hatte. Es war vorbei, sie könnten neu anfangen. Vielleicht sollten sie England verlassen, irgendwo neu Fuß fassen und die Vergangenheit endgültig hinter sich lassen.

Doch tief in seinem Inneren wusste er, dass er es nicht können würde.

Langsam, darauf bedacht das Kind nicht zu wecken, stand der junge Mann auf, die Arme schützend um den schmalen Körper seines Sohnes gelegt. Der Teppich dämpfte die Geräusche seiner schwarzen Lederschuhe auf dem hölzernen Parkettboden ab. Mit leisen Schritten trat er aus dem Zimmer hinaus, schloss mit einer Hand die Tür, seinen Sohn mit der Anderen fest an seine Brust gepresst. Er durchschritt den Flur, passierte die marmornen Treppen, bevor er am Ende des Ganges eine Tür öffnete.

Sein Schlafzimmer.

Zwar lag jenes, welches er für sein Kind geplant und ausgestattet hatte seinem eigenen direkt gegenüber, doch die vergangenen Monate hatte er sich daran gewöhnt mit ihm im Arm einzuschlafen. Die Sorge um ihn hatte Spuren hinterlassen, denn befanden sie sich nicht beieinander, konnte er kein Auge zu machen, auch wenn es lediglich ein Gang war, der sie trennte.

Im Zimmer angekommen drapierte er vorsichtig die Kissen an den Betträndern, ehe er das Kleinkind sanft auf das Bett legte. Schnell zog er sich bis auf die Boxershorts aus, ging zügig ins Badezimmer und machte sich fertig. Immer wieder ertappte er sich dabei, wie er am Türrahmen lehnte und nach dem kleinen Jungen sah.

Bald stand er vor dem Bett, hob vorsichtig die Decke an, kroch darunter und schlang seinen Arm um das Kind. Als würde es die Anwesenheit seines Vaters spüren presste es sich automatisch enger an ihn.

Er löschte mit einem letzten Wink des Zauberstabes das Licht. Ja, er war glücklich wie es jetzt war.

Doch nein, etwas Entscheidendes fehlte. Jemand entscheidendes. Gedankenverloren strich er über die blonden Löckchen, die den Kopf seines Sohnes bedeckten.

Der Brief, der vor wenigen Stunden von einer Eule der Hogwarts Schule für Zauberei gebracht worden war, lag vergessen auf dem Tischchen im Lesezimmer.
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