Herz aus Eis

GeschichteDrama, Romanze / P18
Loki OC (Own Character)
21.05.2020
24.05.2020
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23.05.2020 1.784
 
So. Ich hab bis vier gebraucht um müde genug zu werden um einzuschlafen, fast geschafft, da treibt irgendwer seine Kühe am Haus vorbei, die megalaut ihre Glocken läuten! Jetzt bin ich wieder hellwach, kann nicht schlafen... Tja. Überarbeite ich eben Kapitel 2 und lade es gleich hoch, damit die paar, die die Story bereits gefavot haben (Danke, btw), zum Frühstück was zum Lesen haben.
Übrigens, kleine Anmerkung, ehe ich es vergesse. Ich hab Natalia hier ein paar Jährchen älter als im Original gemacht und das mit ihrem Vater ebenso lang vorher passieren lassen, damit sie für gewisse Ereignisse später in der Geschichte alt genug ist. OMG, es dämmert schon. Ich glaub, mir hat jemand Vampirblut eingeflösst, dass ich so nachtaktiv bin. Na dann hau ich mich hin, wenn ich Glück hab schlafen die Kinder bis acht... Drei Stunden Schlaf, jippieh!
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Mir taten von dem schnellen Marsch schon die Füsse weh und ich spürte meinen Arm kaum noch, als der Weihnachtsmann endlich mal stehen blieb. Grund dafür waren offenbar zwei Männer, die uns gerade über den Weg gelaufen waren.
»Vater!«, sagte der Blonde von denen laut. Der andere hatte schwarze Haare. »Schon zurück? Wie ist es gelaufen?« Er war gross und breit wie ein Kleiderschrank.
»Es ist Midgard, das macht mir keine Schwierigkeiten«, antwortete der Weihnachtsmann.
»Dann ist sie das also«, stellte der Schwarzhaarige fest und sah mich an. Er machte mir nicht so viel Angst, wie die beiden anderen. Er wirkte ruhiger und freundlicher. Er würde mir garantiert nicht wehtun. »Vater, ich weiss nicht, was du getan hast, um sie herzubringen, aber gestatte mir, dass ich sie zu Freya bringe. Ich fürchte, du jagst ihr Angst ein und das dürfte für deine Pläne kontraproduktiv sein.«
Der Weihnachtsmann sah kurz zwischen mir und dem schwarzhaarigen Mann hin und her, dann liess er mich los. »Gut, Loki. Sieh zu, dass sie nicht wegläuft.« Er ging und nahm den Blonden mit, mit dem er eine angeregte Unterhaltung begann.
Ich sah den beiden einen Moment nach, dann wandte ich mich dem Schwarzhaarigen zu, der in die Hocke gegangen war um mit mir auf Augenhöhe zu sein.
»Du musst keine Angst haben. Mein Vater wird dir nichts tun.« Mein Arm war da anderer Meinung. »Er ist etwas ungeschickt im Umgang mit Leuten, die von uns nicht wissen, aber er wollte dir nicht wehtun. Das ist natürlich keine Entschuldigung, aber man wird dir alles erklären. Sagst du mir, wie du heisst?«
Ich wollte ihm vertrauen, und dass ich das wollte, ohne ihn gross zu kennen, machte mich schon wieder skeptisch. »Ich... Mom sagt, ich darf nicht mit Fremden reden.«
Er nickte. »Da hat sie Recht. Aber ich bin sicher, dass wir nicht lange Fremde sein werden. Ich bin Loki. Prinz von Asgard.«
Ich sah ihn an. Ein Prinz? Einem Prinzen musste man seinen Namen sagen, wenn er danach fragte, oder? »Ich heisse Natalia«, sagte ich. »Loki ist ein komischer Name«, rutschte es mir raus, ehe ich mich zurückhalten konnte.
Loki sah mich an, sein Mundwinkel zuckte, als wollte er lachen. »Tatsächlich? Nun, ich habe den Namen Natalia noch nie gehört.« Er reichte mir die Hand. »Also, Natalia. Kommst du mit mir mit? Es gibt da ein paar Leute, die du kennen lernen solltest. Keine Sorge, sie werden dir nichts tun. Aber sie können es kaum abwarten, dich zu treffen.«
Vorsichtig gab ich ihm meine Hand. Sein Griff war leicht und seine Haut kühl. »Was sind das für Leute?«, fragte ich.
Loki lächelte. »Das werden sie dir selber erklären. Aber du brauchst keine Angst zu haben. Sie werden sehr nett zu dir sein.« Er führte mich weiter, passte sich einem Tempo an, mit dem ich mich wohlfühlte und hielt meine Hand so, dass er mich halten konnte, sollte ich stolpern, aber ohne mir wehzutun. Jedenfalls bis wir vor einem Haus stehen blieben. Nachdem Loki geklopft hatte, stellte ich mich hinter ihn.
Es dauerte nicht lange, bis jemand öffnete. »Prinz Loki. Was verschafft uns die Ehre?«, fragte eine Frau.
»Lady Freya, immer wieder eine Freude.« Loki zog mich vorsichtig hinter sich hervor. »Der Allvater hat das Mädchen gefunden, von dem wir kürzlich erfahren haben. Ich fürchte er hat die Kleine erschreckt, aber ich bin sicher, ihr werdet schnell ihr Vertrauen gewinnen können. Ihr solltet ihr das alles schonend beibringen.« Dann wandte sich Loki mir zu. »Es hat mich sehr gefreut, deine Bekanntschaft zu machen, Natalia. Keine Sorge. Freya ist die letzte, die du fürchten musst. Ich bin sicher wir sehen uns bald wieder.« Er liess meine Hand los und verabschiedete sich von der Frau, die wohl Freya war. Verdammt. Jetzt war der einzige, den ich hier ein wenig mochte, weg.
Aber die Frau sah mich freundlich an. Sie sah noch sehr jung aus, gerade so erwachsen. »Natalia heisst du also, ja? Komm doch rein. Du siehst sehr aufgeregt aus. Das ist verständlich. Aber bitte, hab keine Angst. Dir wird niemand was tun.« Sie streckte mir ihre Hand entgegen.
Ich nahm sie und folgte Freya vorsichtig nach drinnen. Die Einrichtung war merkwürdig. Trotzdem war es hell und freundlich. Es sah aus wie in einem Märchenfilm.
In etwas, dass ich als das Wohnzimmer einstufte sassen ein Mann in Freyas Alter und eine Frau, die nur wenig älter als meine Mutter aussah. Beide wandten sich uns sofort zu. »Mutter, Bruder, das ist Natalia«, stellte Freya mich vor. »Natalia. Mein Bruder Freyr und unsere Mutter Skadi.«
Ich guckte verdattert. »Ihr beide heisst genau gleich?«, fragte ich nach.
Freya lachte. »Nein«, erklärte sie und wiederholte die Namen. Diesmal hörte ich einen kleinen Unterschied. Und die andere Frau hiess Skadi, na das war leicht auszusprechen. »Setz dich«, sagte Freya dann und bot mir einen Sessel an.
Ich kletterte rein und hatte das Gefühl, er war viel zu gross für mich. Wenn ich meinen Rücken an den Sitz lehnte, reichten meine Knie nicht mehr über die Kante und meine Beine ragten in die Luft.
Alle drei sahen mich freundlich und auch ein wenig neugierig an. Sie wirkten kein bisschen verärgert, trotzdem fragte ich: »Habe ich was falsch gemacht?«
Freya schüttelte den Kopf, unterdrückte dabei offenbar ein Lachen und Freyr fragte: »Wie kommst du darauf?«
Erstere setzte sich zu letzterem und sah Skadi an. »Du solltest es ihr erzählen. Du kennst die Geschichte am Besten. Wir beide haben ja erst vor zwei Wochen davon erfahren.«
Skadi seufzte. »Das werdet ihr mir wohl ewig nachtragen.« Sie sah mich an. »Da wo du herkommst, gibt es ein Buch. Die Edda. Sagt dir das etwas?«
Ich schüttelte den Kopf.
»Gut«, sagte Freyr. »Das Meiste ist sowieso vollkommener Blödsinn.«
»Ruhe«, befahl Freya und verpasste ihm einen Tritt.
»Streiten immer noch wie Kinder«, stellte Skadi fest, ehe sie sich wieder mir zuwandte. »Nun gut, dann werde ich dir eine kurze Geschichte erzählen. Sie fängt mit der Göttin des Winters an. Sie ist in ihrer Ehe mit dem Gott des Meeres unglücklich, hat aber zwei wunderbare Kinder. Nur irgendwann hält sie es nicht mehr aus. Sie geht auf die Erde, dort verliebt sie sich in einen gewöhnlichen Menschen und sie wird schwanger. Sie bleibt um ihren Sohn zur Welt zu bringen, aber dann wird sie von ihrem Mann gezwungen zurückzukehren. Er hat ihr gedroht, das Kind zu ertränken, so hat sie keine andere Wahl als es bei seinem Vater aufwachsen zu lassen und es nie wieder zu sehen. Aber hin und wieder erkundigt sie sich nach ihm. Die Zeit vergeht, das Kind wird erwachsen, aber aus ihm ist kein guter Mann geworden. Er hat geheiratet und eine Tochter gekriegt, aber seine Mutter war so enttäuscht von ihm, dass sie irgendwann aufgehört hat, über ihn nachzudenken, selbst nach dem Tod ihres Mannes. Bis sie vor kurzem erfahren hat, dass die kleine Tochter vor ihrem Vater solche Angst hatte, dass sie ihn mit Eiszapfen getötet hat.«
Ich hatte gebannt zugehört, aber jetzt starrte ich sie überrascht an. »Eiszapfen...«, wiederholte ich. »Du redest von mir.«
Skadi nickte.
»Aber dann...« Ich war völlig verwirrt. Mein Vater war ihr Sohn gewesen? Dann wäre Skadi meine Grossmutter! Und Freya und Freyr ... »Ist das wahr?«, fragte ich vorsichtig.
»Kleines, das ist jetzt sicher viel für dich. Ich verstehe wenn du mir nicht glaubst, aber ...«
»Bist du wirklich eine Göttin?«, wollte ich wissen.
»Ebenso wie die Zwillinge.« Sie zeigte auf die beiden auf dem Sofa, die mich nach wie vor anlächelten, aber auch ein wenig besorgt wirkten. »Allerdings ist das bei mir komplizierter. Ich wurde zwar zur Göttin erhoben, aber als Eisriesin geboren.«
»Aber du bist doch normal gross!«
Skadi lachte. »Meine wahre Gestalt ist seit Jahrtausenden verborgen.«
»Macht nichts, du gefällst mir so.« Mir fiel was ein. »Und ich bin hier, weil ich meinen Vater getötet habe...«, erinnerte ich mich und meine Aufregung war sofort gedämpft. Zerknirscht sah ich Skadi an. »Er war dein Sohn. Bist du nicht sauer auf mich?«
Skadi schüttelte den Kopf und schenkte mir ein sanftes Lächeln. »Ich war enttäuscht von ihm, das habe ich bereits erwähnt. Und wie er dich behandelt hat. Ein unschuldiges Kind...« Sie kam zu mir und streichelte meine Wange. »Du hast keinen Grund, dich schlecht zu fühlen. Ich werde dir beibringen mit deinen Fähigkeiten umzugehen. Keins meiner Kinder hat meine Kraft geerbt. Umso stolzer bin ich, dass du sie hast. Es ist eine uralte Gabe, im Ausmass wie du sie hast, nur wenigen Auserwählten vorbehalten. Ich werde dir mehr davon erzählen. Aber nicht mehr heute. Du musst viel verarbeiten.«
»Wann kann ich wieder zu meiner Mutter?«, wollte ich wissen.
Für einen Moment senkte Skadi den Blick. »Ich weiss es nicht.«
»Hat der Weihnachtsmann sie umgebracht?«, sprach ich meine schlimmste Angst aus.
»Der was?« Skadi war verwirrt.
»Ich vermute, sie meint Odin«, erklärte Freya, die mir einen dampfenden Becher hinhielt.
»Keine Sorge. Selbst wenn Odin sie ausser Gefecht gesetzt hat, wird sie unverletzt aufwachen. Trink das hier, das beruhigt dich ein wenig.«
Vorsichtig nahm ich den Becher. Es schien ein Tee zu sein, es duftete nach Kräutern und Honig. Vorsichtig nahm ich einen Schluck. Vor allem Honig. Mich packte das Heimweh und während ich den Becher langsam austrank, begann ich wieder zu weinen.
Alle drei blieben bei mir, redeten mir gut zu, versprachen mir, dass sie für mich da sein würden. Es wurde eine schmerzhafte Mischung aus Kummer und dem Gefühl der Geborgenheit. Zuletzt merkte ich, wie Freya mir vorsichtig den Becher aus der Hand nahm, Skadi mir einen Kuss auf die Stirn drückte und Freyr mich auf seine Arme nahm und nach einem kurzen Weg in ein Bett legte. Die Laken waren weich, aber noch kühl. Sie waren so nett zu mir, aber ich war nicht wie sie. Sie waren Götter und auch wenn meine Grossmutter eine war, machte mich das nicht zu einer von ihnen. Mit diesem einsamen Gedanken schlief ich ein.
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