Ein vergessenes Leben

GeschichteAllgemein / P12
Alexander "Alec" Lightwood Clarissa "Clary" Fray Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Raphael Santiago Simon Lewis
21.05.2020
23.05.2020
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„Komm schon Clary, du kannst doch nicht das ganze Wochenende im Bett verbringen“, es war Lucy die mit einem Kissen nach mir warf und dabei übermotiviert durch mein Zimmer hüpfte. „Es ist Samstag und wir haben 8, das Wochenende hat grade erst begonnen. Es kann also keine Rede sein von „das ganze Wochenende im Bett““ grummelte ich unter der Bettdecke hervor, ehe sie mir im selben Moment weggerissen wurde. Ich setzte mich auf, räkelte mich und rieb mir den Schlaf aus den Augen. „Sag schon was ist los? Du schmeißt mich doch nicht ohne Grund so früh aus dem Bett.“ „Weißt du ich hab mal ein bisschen nachgedacht und mir ist aufgefallen, dass du seid du bei mir eingezogen bist kaum neue Klamotten gekauft hast und da dachte ich mir um deinen Neustart so richtig zu feiern, kleiden wir dich mal ein bisschen besser ein und gehen heute Abend einen trinken.“ „Und du weißt auch ganz genau wieso ich keine neue Kleidung habe, denn ich habe kein Geld, um mir irgendwelche großen finanzielle Sprünge zu erlauben, geschweige denn einen großen Shoppingausflug.“
„Ach Clary jetzt sei doch kein Frosch. Vielleicht möchte ich dir ja einfach was gutes tun?“ Lucys Familie war stink reich, ihr Vater war irgendein bekannter New Yorker Architekt und ihre Mutter hatte sich ein kleines Schönheitsimperium mit ihrem Namen aufgebaut. Eigentlich bräuchte Lucy auch keine Mitbewohnerin, aber sie mochte die Gesellschaft und die Miete, die ich zahlte, war wohl eher symbolisch, als dass sie die eigentlichen Unkosten deckte. Das sie den Einkauf zahlte war nicht nur so daher gesagt von ihr.
„Ich hab schon genaue Vorstellungen. Du musst als angehende Künstlerin extrovertiert wirken und auch etwas extravagant, wenn du wahrgenommen werden willst.“ Ich wusste das es nichts bringen würde jetzt mit ihr zu diskutieren und erhob mich also aus dem Bett, ohne noch etwas zu sagen. Lucy hingegen war noch voll dabei mir genauestens zu erklären was sie heute alles mit mir vorhatte. Na das konnte ja was werden. Wie ich aus der Nummer wieder raus kam musste ich mir im Laufe des Tages überlegen.

Einige Zeit später fanden wir uns in einer gigantischen Shoppingmall wieder. „Also los geht’s“ kicherte Lucy ganz euphorisch und schritt auf das erste Geschäft zu. Man sollte nicht meinen das die Frau immerhin 2 Jahre älter war als ich. Sie hatte dunkelbraunes langes, glattes Haar. Ihr Makeup saß immer perfekt, ohne dass sie dabei je überschminkt wirkte. Die schwarze enge Jeans mit dem Crop Top ließen ihren Köper perfekt zur Geltung kommen. Sie wusste sich perfekt in Szene zu setzen, dachte ich mir. Neben ihr fühlte ich mich meist eher wie das Mädchen von nebenan. Ich war immer schon eher der Pulli-und-Jenas-Typ gewesen, weshalb ich auch ein bisschen Angst vor dem heutigen Tag hatte. Ich schüttelte den Gedanken ab und sprang ihr hinterher in den Laden.

Und kurz war es wieder da, das Gefühl als würde jemand direkt hinter mir stehen. Ich hatte das die letzten Tage öfters mal gespürt, vor allem im Collage oder auch im Café. Ich schüttelte den Gedanken ab und betrat kurz hinter Lucy den Laden.
Die Frau war der Hammer, innerhalb kürzester Zeit hatte sie Berge an Kleidung zusammen getragen die ich jetzt alle nacheinander Anprobieren musste, ich war zu ihrer persönlichen Schaufensterpupe mutiert.
Röcke, Kleider, Blusen und eine ganze Menge anderer Kleidungsstücke, bei denen ich mir nicht einmal sicher war wie man sie richtig anzog, türmten sich in dem kleinen Tragekörbchen was ich hinter Lucy hertrug.
„Meinst du nicht das reicht erst einmal? Lass mich doch erstmal das hier anprobieren.“
„Ach Clary, du verdirbst einem aber auch den Spaß.“ Grinste sie mich an. “Na gut, also dann auf zur Umkleide.“
Ich hatte mich gerade soweit entkleidet, um das erste Kleidungsstück vom Haufen zu pflücken, als meine Shoppingbegleitung auch schon ihren Kopf am Vorhang vorbei in meine Kabine schob. „Und?“ „Wie soll ich mich denn bitte so schnell umgezogen haben?“ lachte ich und versuchte mir mit dem Rock, den ich in den Händen hielt, etwas meine nackten Stellen zu verdecken. „Jetzt stell dich nicht so an, zuhause rennst du doch auch immer halb nackt vom Bad in dein Zimmer, glaub nicht das der Anblick was Neues für mich wäre.“ Ein verschmitztes Lächeln spielte um ihre Lippen ehe sie sagte: „Aber jetzt wo ich mir dich so anschaue“ sie hielt kurz inne und legte den Zeigefinger an ihre Lippen. „Ich glaube du brauchst auch für unten drunter was neues.“ Sagte sie schließlich, mit einem Ausdruck, der darauf schließen ließ, dass sie sehr selbstzufrieden mit ihrer eigenen Erkenntnis war. „Aber Lucy, wozu denn bitte auch noch neue Unterwäsche? Außer mir bekommt die doch eh keiner zu Gesicht?“ beklagte ich mich „Na wenn das dein einziges Problem ist, dann kriegen wir das auch noch gelöst.“ Sie zwinkerte mir zu und zog den Kopf wieder aus dem Vorhang zurück. „Meld dich, wenn du was zu präsentieren hast.“
Ich nahm also den Rock den ich noch immer schützend vor mir hielt und schlüpfte hinein, schnappte mir ein Oberteil von dem Haufen und präsentierte mich.
So verlief das noch einige weitere male bis ich den gesamten Haufen durch hatte. Jedes Mal, wenn ich den Vorhang zu Seite zog saß davor eine aufgeregte Lucy die es kaum erwarten konnte ihr vernichtendes Urteil über die Looks zu fällen und zu entscheiden was ich behalten sollte und was nicht.
Schluss endlich verließen wir den ersten Laden bereits mit mehreren vollbepackten Taschen. Mein Einwand das das alles viel zu viel sein und es mir unglaublich unangenehm ist das sie so extrem viel Geld für mich ausgibt war ich schlicht egal. „Stell dir einfach vor ich würde die Sachen alle für mich kaufen und dann meinen Kleiderschank ausmisten, sodass du sie bekämst.“ Für sie klang das wie eine Selbstverständlichkeit, dass man Leuten einfach den Inhalt ihres gesamten Kleiderschranks schenkte, für mich war es das bei weitem nicht und würde wohl auch noch sehr lange brauchen, um mit diesem Lebensstiel von ihr klarzukommen.

Als nächstes zog sie mich mit einem Schuhgeschäft. Als erstes hielt sie mir Schuhe mit schwindelerregend hohen Absätzen hin, doch ich konnte sie davon überzeugen, dass wenn ich mir die Beine Brechen würde sie diejenige wäre die mir tagtäglich mein Essen servieren müsste, da ich nicht mehr laufen können würde. Das Argument schien zu greifen, denn die weiteren Schuhe waren allesamt nicht mehr ganz so hoch. „Hier probiere die mal alle an, die sind zum Üben, in einigen Monaten können wir es dann mal mit den höheren probieren“ warf mir 3 Paar Schuhe entgegen und trollte weiter zwischen den Regalen entlang. „Was soll das heißen „wir?“ und überhaupt wieso in ein paar Monaten? Was meinst du damit?“ rief ich ihr irritiert hinterher. „Na spätestens dann gehen wir wieder shoppen.“ Sagte sie mit einer Selbstverständlichkeit, ohne sich dabei auch nur umzudrehen. Diese Frau machte mich wahnsinnig, wie eine Schwester halt.

Zuletzt standen wir nun vor einer Unterwäsche Boutique. Nicht das die verrückte Brünette neben mir schon hunderte Dolle für mich ausgegeben hatte, nein sie dachte immer noch nicht daran mal endlich damit aufzuhören. Alleine hätte ich mir nicht mal die Hälfte der Dinge gekauft, aber ich hatte langsam keine Kraft mehr sie darum zu bitten es doch endlich gut sein zu lassen. Da musste ich jetzt wohl durch und versuchte das ganze wenigstens ein bisschen zu genießen.
Man nahm also Maß von meinem Umfang und begann kurz darauf mir in allen Regenbogenfarben Kleidungsstücke herbeizutragen. Bei einigen Modelen fragte ich mich warum man sie überhaupt anziehen sollte, da sie bei der Menge an Stoff die sie besaßen, kein Stoff das gleiche Ergebnis erzielt hätte. Andere wiederum hatten zwar ausreichend Stoff, allerding war dieser so dünn, dass er nicht dabei half auch nur irgendwas zu verdecken.
„Sag mal ich will doch nicht die nächste Hauptattraktion im Strip Club werden.“ Beschwerte ich mich, als Lucy gerade mal wieder an der Kabine vorbeikam, um die nächste Ladung abzuwerfen, die sie im Laden eingesammelt hatte für mich. „Ach Clary, du bist so süß und unschuldig, das mag ich an dir.“ Ihr breites Grinsen verriet mir, dass sie es ehrlich meinte. „Sag mal hattest du überhaupt schon dein erstes Mal?“ fragte sie mich etwas unerwartet. Ich errötete bei der Frage und blickte verlegen zu Boden. „Ich nehme das mal als ein ‚nein‘?“ Kam die Rückfrage von meiner Mitbewohnerin. „Also zumindest mal nicht bis zu meiner Erinnerungslücke.“ Versuchte ich mich aus der Frage zu Retten. „Wenn du dich nicht erinnern kannst, dann zählt es eh nicht. Und außerdem, lass dir gesagt sein, sowas vergiss man nicht“ Wieder kam ein vielsagendes zwinkern von ihr. Mir blieb nur zustimmend zu nicken, denn was konnte ich schon zu dem Thema beitragen.
Und da war es wieder, das Gefühl einer Präsenz, die ich nicht deuten konnte, doch als ich mich Umblicken wollte, verschwand das Gefühl wieder. Ich befürchtete erneut den Verstand zu verlieren.

Als wir schließlich ein für mich annehmbare Kombi aus bequem genug für mich und sexy genug für Lucys Ansprüche gefunden hatten machten wir uns endlich wieder auf den Heimweg.

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Wie versprochen ein neues Kapitel.
Es ist sogar länger ausgefallen als ursprünglich geplant :)

Lasst mir gerne wieder eure Meinung da.
Danke
eure Thunderbird
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