Ein vergessenes Leben

GeschichteAllgemein / P12
Alexander "Alec" Lightwood Clarissa "Clary" Fray Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Raphael Santiago Simon Lewis
21.05.2020
06.06.2020
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22.05.2020 1.072
 
2. Danach

Freya Ridings – “Lost without you”

Clary war jetzt noch nicht mal eine Woche weg und es zerriss mir das Herz. Jede Sekunde hoffte ich das sie einfach wieder zur Institutstüre reingelaufen kommen würde, dass das alles nur ein schlechter Traum war. Wie sollte ich ohne Sie leben? Sie hatte sich für uns alle geopfert und diesen Preis dafür gezahlt, aber warum nur hatte sie uns nichts davon erzählt? Warum hatte sie diese Last auf sich genommen?
Die warmen Tränen rannen über meine Wange. Ich saß in Ihrem Zimmer auf dem Bett und hielt ihre Zeichnungen in der Hand. Immer wieder strich ich über die Oberfläche, als wäre es ihre zarte Haut oder ihr weiches Haar.
Jahrelang war ich nur der Krieger Jace, der Shadowhunter, der keinen Schmerz kannte gewesen, war zur perfekten Waffe geformt worden. Doch diese Liebe hatte mich so angreifbar gemacht, so verletzlich wie ich es noch nie war.
„Jace, hier bist du.“ hörte ich Alec sagen, als er das Zimmer betrat und mich aus meinen Gedanken Riss. Ich sah ihn an, doch mir fehlten die Worte. Wie sollte ich ihm meinen Schmerz beschreiben, das gebrochene Herz in meiner Brust erklären?
„Jace, ich kann mir vorstellen wie es dir geht, wir trauern alle um sie.“ Sagte er, als habe er meine Gedanken erraten. Er kam ein Stück auf mich zu, aber ich regte mich nicht. Eine Weile blickte er mich schweigend an ehe er schließlich sagte: „Zumindest kannst du dir sicher sein, dass sie jetzt nie wieder in Gefahr sein wird.“ Seine Worte klangen nicht überzeugend. Er war schon immer ein schlechter Lügner gewesen.
Er setzte sich neben mich aufs Bett und legte mir tröstend die Hand auf die Schulter.
„Woher willst du das wissen?“ flüsterte ich „Wir dürfen ja nicht einmal nach ihr schauen, müssen uns komplett von ihr fernhalten, wie soll ich da wissen ob es ihr gut geht, oder ob sie jemals in Gefahr ist? Auch in der Mundie Welt gibt es Gefahren“ sagte ich mit gebrochener Stimme, während die Tränen weiter mein Gesicht herabrannen. Alec atmete tief ein und wieder aus, er setzte an etwas zu sagen, doch bevor er dazu kam unterbrach ich ihn wieder.
„Wie soll ich ohne sie leben Alec? Du als mein Parabataï musst mich doch verstehen können.“
„Jace das tu ich doch auch. Denkst du etwa ich spüre den Schmerz nicht den du grade erleidest? Ich fühle doch all den Schmerz mit dir, jede Sekunde davon wie es dir das Herz zerreißt, wie du leidest, wie du trauerst und wie du dich nach ihr sehnst. Aber ich kann dir nicht sagen wie du ohne sie leben sollst. Als ich Magnus verlassen musste dachte ich auch ich würde nie wieder in meinem Leben jemanden lieben können.“
„Das hilft mir nicht. Für euch gab es ein Happy End, das bleibt mir jedoch verwehrt.“ Meine Stimme war lauter und aggressiver geworden.
„Beruhig dich wieder.“ “Wie soll ich mich denn bitte Beruhigen? Clary ist weg! Für immer! Da gibt es kein „das wird schon irgendwie wieder“. Nein ich habe sie für immer verloren.“ Schrie ich jetzt schon und sackte in mich zusammen. Die Tränen flossen mir nun hemmungslos an meinem Kinn herab. Alec legte die Arme um mich und hielt mich fest, während ich schluchzend an seiner Brust lehnte.
Es tat so weh.
Die Liebe seines Lebens in so kurzer Zeit zweimal zu verlieren war unerträglich. Keine klinge dieser, oder irgendeiner anderen Welt, konnte einen solchen Schmerz versuchen wie es die Liebe vermochte.
„Ich habe dich für die Nächsten zwei Wochen freigestellt, damit du erstmal wieder auf die Beine kommst.“ Da war er wieder, der Institutsleiter in ihm der mit sachlichem Handeln eine Situation regeln wollte, doch dann seufzte er „Wenn ich doch nur irgendetwas tun könnte, um deinen Schmerz zu lindern.“ Da sprach wieder sein Bruder, sein Parabataï.
Ich richtete mich wieder auf und sah ihm in die Augen. „Ich werde Magnus fragen ob er einen Trank für mich hat, er hat mich schon einmal Clary vergessen lassen, dann kann er das auch wieder tun.“ Sagte ich, als ich mir die Tränen aus dem Gesicht gewischt hatte und meine Stimme wieder halbwegs gefangen hatte.
„Nein auf gar keinen Fall. Das kann nicht dein Ernst sein.“
„Doch es ist mein voller ernst, wie sonst soll ich jemals wieder ein normales Leben führen?“
„Der Schmerz wird vergehen, natürlich ist das jetzt noch schwer zu glauben, aber du bist nicht der erste der seine Liebe verliert. Sieh doch nur bei Luke, der erst seinen Parabataï und dann Jocelyn verlor. Er hat durchgehalten und eine neue Liebe gefunden.“ Ich wusste das er mich nur aufmuntern wollte, doch das half nicht, der Schmerz in meiner Brust war unverändert.
„Komm mit, ich habe mir den restlichen Tag frei genommen, das wir dich auf andere Gedanken bringen können.“ Er stand auf und ergriff meine Hand, um mich vom Bett zu ziehen. Nur wiederwillig folge ich seinem Wunsch und erhob mich vom Bett.
„Alec ich will hier nicht weg und was hast du überhaupt vor?“ Fragte ich ihn noch während er mich schon halb aus dem Raum geschliffen hatte.
„Lass dich überraschen“. Ein kurzer Blick in den Spiegel zeigte mir das meine Augen immer noch rot und verquollen waren. Ich wollte nicht von hier weg, der Raum und die Dinge in ihm waren das letzte was mir von Clary geblieben war. Doch sehr offensichtlich war das Alec egal. Ich gab mir also einen Ruck und versuchte mich wenigstens für die nächsten paar Stunden von ihm ablenken zu lassen.    
Sein Optimismus war ansteckend. Was würde ich nur ohne ihn tun? Er kannte mich eindeutig besser als jeder andere Mensch. Ob es daran lag das wir durch die Rune verbunden waren, oder weil er einfach schon so lange an meiner Seite war, kann ich nicht sagen. Bei dem Gedanken huschte mir das erste Mal ein Lächeln über die Lippen, doch gleichzeitig bereitet es mir Schuldgefühle. Alec blieb abrupt stehen. „Hey, du muss dich nicht schlecht fühlen, es ist nicht so also ob es ihr auch schlecht geht und du jetzt alleine eine gute Zeit verbringst. Sie erinnert sich nicht an uns. Also komm jetzt.“ Manchmal frage ich mich ob er nicht doch meine Gedanken lesen konnte. Er hatte recht, mein schlechtes Gewissen war vollkommen unangebracht hier.
Und so schritten wir durch das Eingangsportal nach draußen.

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Hoffe ihr hattet spaß beim lesen :)
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Danke.
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