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.^~°~^. Zinos Abenteuerbuch

von - Leela -
KurzgeschichteAbenteuer / P12 / Gen
Zino
21.05.2020
23.02.2021
16
22.043
2
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23.02.2021 893
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern am Ende des Kapitels.
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Zino ist der Held der Stunde. Und man könnte sagen, diesmal besonders, denn diesmal waren auch die Umstände besonders! Aber lassen wir ihn selbst erzählen – sobald er wieder in der Lage dazu ist…

Wohlverdiente Ruhe…

Feiern mit Freunden ist eine tolle Sache – wenn man es nicht übertreibt. Auch das ist aber kein Problem, wenn man am nächsten Tag die Gelegenheit hat, sich von der Nacht zu erholen. Nun, als wir den Geburtstag von Ariu feierten, lief das ganze so ab:
      Die Stimmung war bombastisch, es waren viele Leute gekommen, die Musik war großartig, es wurde viel getanzt, gelacht und sich unterhalten, und Ariu füllte mich ab, weil er Spaß daran hatte. Die Nacht ging ins Land, und am Morgen erkannte der Rest, zu dem auch ich gehörte, daß wir vor Erschöpfung nicht mehr nach Hause kamen. Also stapelten wir uns in Arius Partykeller, und ich stellte mich darauf ein, den Tag dort zu verschlafen.
      Das ganze funktionierte gefühlte vier Minuten lang. Dann rüttelte jemand vehement an meiner Schulter.
      Ich muß dazu sagen, daß Boo sich schon relativ früh verabschiedet hatte und die Nacht vermutlich gemütlich in seinem Bett verbracht hatte. Der Glückliche! Jetzt stand er neben mir und versuchte mich wachzubekommen. Ich hörte wie aus weiter Ferne Worte wie »Notfall«, »Baum« und »Zeldonette«. Für alle die, die nicht aus Gaya kommen: Zeldonettes sind kleine katzenähnliche Wesen. Ihr ahnt, worauf das hinausläuft?

Die Kombination hätte nicht ungünstiger sein können. Ich hatte mich mit Gewalt aus meiner ruhigen Schlummerposition gerissen. Schlaftrunken folgte ich Boo zu seinem Wagen, und stand wenige Augenblicke später vor dem Baum, in dem sich die Zeldonette verstiegen hatte. Um den Baum herum hatte sich ein Haufen aufgeregter Kinder versammelt. Der städtische Kindergarten!
      Die Mission war klar. Die Herausforderung auch! Es gibt keinen ungünstigeren Zeitpunkt um zeldonmüde zu sein, als wenn man eine Zeldonette aus einem Baum retten mußte. Aber ich war ja nicht umsonst der gayanische Nationalheld.
      Boo reihte sich bei den Kindern mit ein und beobachtete mich ebenfalls. So viel dazu!
      Ich senkte die Ohren und sah beklommen an den Ästen des Baumes hoch. Vielleicht wurde es gar nicht so schwer. Wenn das Tier nur nicht ganz oben sitzen würde! Ich nahm einen tiefen Atemzug und begann zu klettern. Wußtet ihr, daß man weniger Kraft hat, wenn man müde ist? Ich bekam es gerade zu spüren.
      Ich zog mich auf die unteren Äste, lehnte mich gegen den Stamm und wäre am liebsten postwendend wieder eingeschlafen. Das war aber aufgrund des Gekreischs der Kinder nicht möglich! Im Gegenteil, bei dem Gebrüll, das plötzlich aufbrandete, bekam man ja kein Auge zu.
      Angespannt raffte ich mich auf und kletterte eine Ebene höher. Das gleiche Spiel von vorne. Als ich über einem Ast hing, schloß ich einfach die Augen. Schon wieder brüllten die Kinder los. War das denn unbedingt notwendig?
      Je höher ich kam, desto komplizierter wurde es. Die Äste, auf denen ich stand, wurden immer dünner und elastischer. Ich war noch ein Stück von dem Tier entfernt, das auf dem obersten Ast saß und mich kritisch beäugte.
      Ich suchte mir sicheren Halt auf der nächsten Ebene, umfaßte den Stamm, der nach oben hin auch immer dünner wurde, und schloß erneut die Augen. Das Gebrüll der Kinder war hier etwas leiser geworden. Das zumindest war hier oben ein Vorteil.
      Nachdem ich mir zumindest eine Minute gegönnt hatte, um meinem benebelten Gehirn Ruhe zu gönnen, nahm ich das letzte Stück in Angriff. Dort, wo es am gefährlichsten war, und ich wirklich Konzentration brauchte! Unter mir schwankten die dünnen Äste, der Baumwipfel neigte sich unter meinem Gewicht, und ich hatte Kopfschmerzen von meinem Schlafmangel. Dafür war ich an meinem Ziel angelangt und sah mich Auge in Auge mit der Zeldonette.
      Und jetzt kommt das paradoxe. Als es da oben unruhig wurde, fühlte sich die Zeldonette anscheinend nicht mehr wohl. Sie legte die runden Ohren an, und sprang, ohne mich auch nur zu berühren, den Baum herunter!
      Ich behaupte, sie wäre jederzeit von allein den Baum runtergekommen! Auch ohne daß ich ihre Ruhe gestört hatte, hätte sie die Äste wie eine Treppe zurück nutzen können. Wahrscheinlich hatte sie ohnehin nur hier ihren Frieden vor den Kindern gesucht. Das Resultat war, die Zeldonette war unten, und ich hing hier auf dem Baum fest.
      Für den Abstieg hatte ich keine Kraft mehr. Ich hatte automatisch Arme und Beine um den Stamm, so man ihn hier noch so nennen konnte, geschlungen, um so etwas ähnliches wie Halt zu finden. Diese Position konnte ich nun nutzen, um zu schlafen. Was unter mir passierte, blendete ich jetzt völlig aus. Wahrscheinlich lief Boo gerade aufgeregt durch die Gegend um jemanden zu finden, der den gayanischen Nationalhelden aus dem Baum retten konnte…


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Die Vorgabe für Kalenderwoche 08/2021 von mir war:
      In der denkbar ungünstigsten Situation ist eurem Charakter zum einschlafen zumute. Aus welchem Grund kann er kaum die Augen offen halten, und was hat das für Konsequenzen in seiner aktuellen Situation?
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