Wahre Freundschaft soll nicht wanken

GeschichteFamilie, Freundschaft / P6
Lily Potter Petunia Dursley Severus Snape
21.05.2020
24.05.2020
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23.05.2020 1.308
 
Severus

Ich sitze ungeduldig auf unserer Haustürschwelle. Ob Lilli wirklich kommt und meine Freundin sein möchte?
Vielleicht war sie nur höflich und hat mich vergessen.
Nach Schulschluss bin ich schnell zum Fahrradständer gelaufen. Von dort beobachtete ich die beiden Schwestern. Petunia hat Lilli gleich geschnappt und ist mit finsterer Miene losmarschiert. Die beiden Schwestern ähneln sich kein bisschen. Lilli strahlt wie ein Stern, wohingegen Petunia so schaut, als drücke ihr der Schuh.
Hoffentlich ist Lilli bald da. Ich werde immer nervöser.

Plötzlich ertönt eine laute unangenehme Stimme.
„Lilli, da kannst du doch nicht reingehen. Dort drin ist alles verwildert. Bestimmt ist der Garten voll mit Spinnen und ekligen Nacktschnecken. Du wirst nur dreckig.“
„Keine Sorge Schwesterchen, mir passiert schon nichts. Sagst du Mom und Dad, dass ich etwas später da bin?“
Lilli ist tatsächlich gekommen. Ich erhebe mich und laufe ihr entgegen.
Noch einmal ertönt Petunias Stimme. „Lilli tu es nicht. Du kennst ihn doch gar nicht.“
„Er heißt Severus Snape, geht in mein Klasse und ist mein Freund. Wir sehen uns dann später!“

Sie versucht gerade das Gartentor aufzubekommen. Es klemmt ein wenig. Dad hatte noch keine Zeit sich darum zu kümmern. Meine Eltern teilen sich die Arbeit. Er macht den Garten und sie den Haushalt. Drinnen kann Mom zaubern, ohne dass ein Muggel sie entdeckt.

„Warte ich helfe dir.“ Ich gehe hin und öffne die Tür. „Schön, dass du gekommen bist.“
„Ich habe doch gesagt, ich komme.“
Lilli schaut sich im Garten um. „Hier ist alles so verwildert. Überall Blumen und Schmetterlinge. Es ist als wäre man wie durch Zauberei an einen anderen Ort gelangt.“
„Durch Zauberei?“ frage ich verwirrt.
„Wie bei DEN CHRONIKEN VON NARNIA. Die Kinder gehen durch den Schrank und kommen in die verwunschene Welt von Narnia. Kennst du die Geschichte?“
„Ja, ich habe den zweiten Band gelesen.“

Plötzlich fängt Lilli zu lachen an. „Ist es so lustig, dass ich Bücher lese?“, frage ich erstaunt.
„Entschuldige Severus. Ich habe an den Löwen aus Narnia denken müssen und an deinen Kater. Es war, als ob der stolze Löwe gerade zu einem niedlichen Kater geschrumpft ist. Das sah so lustig aus.“
Lilli lacht immer weiter. Ihr Lachen ist so ansteckend.
„Lilli so lustig ist das eigentlich gar nicht.“, versuche ich sie lachend zu beruhigen.
„Es tut mir leid, manchmal fallen mir Sachen ein und ich fange dann einfach an zu lachen. Petunia kann das nicht leiden. Sie meint es nervt sie.“
„Ich finde es schön, wenn du lachst. Außerdem zeigt es doch, wie viel Fantasie du hast.“
„Danke, dass ist nett von dir.“

Wir haben aufgehört zu lachen. Es entsteht eine Pause und ich werde etwas verlegen. Ich habe mich noch nie so lange mit jemanden unterhalten. Worüber reden denn Freunde so?
Lilli erlöst uns. „Wo ist denn dein Kater?“
Ach ja, den hatte ich ganz vergessen. „Wir müssen ihn herlocken. Miez, Miez, Miez!“, rufe ich laut.
Lilli wundert sich. „Du rufst Miez und dann kommt dein Milosch?“
„Ja, so funktioniert das meistens. Er weiß, dass ich nachmittags zu Hause bin und ist oft schon in der Nähe. Außerdem haben Katzen ein gutes Gehör.“
„Du hast recht. Da kommt er.“  

Milosch erscheint zwischen den Hecken und schmiegt sich sofort an mich. Ich kraule über sein schwarzes Fell. Er legt sich auf den Rücken und fängt an zu schnurren.
„Darf ich ihn auch mal streicheln?“, fragt Lilli.
„Na klar, aber du solltest die Konsequenzen kennen.“
Lilli hatte bereits die Hand ausgestreckt, hielt jedoch inne. „Was für Konsequenzen? Kratzt er oder beißt? “
Ich versuche meine Stimme möglichst bedrohlich klingen zu lassen: „Nein. Viel schlimmer. Wenn du ihn streichelst, wird er anfangen dich zu mögen. Und wenn er dich mag, werden bald kleine blutige und vor allem tote Mäuse vor deiner Türschwelle liegen.“
Lilli wirkt verunsichert. „Du machst Witze.“
Ich schaue ihr ernst ins Gesicht. „Nein. Die Katzen kümmern sich um ihre Familie und bringen den Jungen die Beute. Da Milosch weiß, dass du keine Mäuse fangen kannst, legt er sie dir vor die Tür. Es ist fast wie ein kleines Geschenk. Wenn du heute also noch ein Freund gewinnen möchtest, kannst du ihn gerne streicheln.“
Lilli beißt sich auf die Unterlippe. Sie scheint zu überlegen. Dann zuckt sie mit den Schultern und beginnt den Kater zu streicheln.

„Sein Fell ist ja ganz weich. Bist du ein schöner Kater.“
Milosch steht auf und kuschelt sich an Lilli. Ich erhebe mich.
„Bleibst du kurz bei ihm, ich will ihm seine Wurmtabletten holen.“
Lilli verzieht das Gesicht. „Wurmtabletten? Gibst du ihm Würmer in Form von Tabletten zu schlucken?“
Ich muss lachen. Lilli scheint sich wirklich nicht mit Tieren auszukennen.
„Nein, das sind Tabletten, die die Bandwürmer aus dem Darm entfernen.“
Lilli schaut mich immer noch fragend an. Ich erkläre es ihr. „Die Katzen essen wilde Mäuse. Diese Mäuse haben oft Bandwürmer, die dann wiederum die Katzen bekommen. Weil ich nicht weiß, ob Milosch welche hat, gebe ich ihm regelmäßig eine Wurmtablette. Und, magst du Milosch immer noch streicheln?“

Lilli nimmt demonstrativ ihre zweite Hand und krault dem Kater weiter über den Bauch. Ich freue mich. Lilli ist cool. Sie lässt sich nicht von toten Mäusen und Würmern abschrecken.
Schnell gehe ich rein, hole die Tabletten aus der Küchenschublade und eine Wienerwurst aus dem Kühlschrank. Draußen zerteile ich die Wurst und verstecke die Tablette darin. Milosch isst alles auf und verschwindet dann.
„Er geht schon?“, wundert sich Lilli.
„Tja, so ist das bei Katzen. Sie haben ihren eigenen Kopf.“, erkläre ich.
„Du hast es wirklich sehr schön hier.“  

Ich bin mir nicht sicher, ob sie es wirklich ernst meint. Ich mag unseren Vorgarten auch. Von draußen kann man kaum das Haus erkennen, weil die Büsche so hoch sind. In einer Ecke breitet sich die Brombeere aus und der Rasen wird nur hinterm Haus gemäht. Der Weg vom Gartentor zur Haustür ist eigentlich nur noch zu erkennen, weil wir Drei jeden Tag darüber laufen. Es ist eher ein Trampelpfad als ein Weg.  Unsere Nachbarn haben sich immer wieder beschwert. Sie halten uns für unordentlich, undiszipliniert und seltsam. Meine Eltern stört das nicht. Mom ist die meiste Zeit in der Zauberwelt und Dad mag es, wenn alles so naturbelassen ist.  Er meint: „Nur wenn es summt, brummt und zwitschert ist es ein richtiger Garten.“
Anderen gefällt es leider nicht so gut. Einmal war sogar das Ordnungsamt da. Herr Miller hatte geglaubt wir haben Ungeziefer auf unserem Gelände. Dabei fängt doch Milosch alle Mäuse. Manchmal bringt der Kater auch fette Ratten oder kleine Maulwürfe mit. Die Beamten waren daher schnell wieder weg. Bisher hat noch keiner unseren Garten schön gefunden.

„Danke, ich mag unseren Garten auch sehr.“
„Liiilliiii !!!“ schreit es plötzlich von vorne. „Mom und Dad, möchten dass du nach Hause kommst!“
Lilly schaut traurig. „Ach wie Schade, ich wäre gerne noch bei dir geblieben. Aber wir können uns ja morgen wieder treffen.“
„Lillii, komm jetzt endlich!!“
„Ich komme schon Petunia!“, ruft Lilli zurück und sagt dann zu mir: „Es tut mir leid, meine Schwester wartet nicht gerne. Bis morgen also.“
„Ja, bis Morgen also.“, echoe ich ihr nach.

Lillie geht zu Tür und winkt mir zum Abschied. Ich winke meiner neuen Freundin zurück. Ich bin glücklich. Als Lilli nicht mehr zu sehen ist, gehe ich zu meinem alten Fahrrad in den Schuppen.

Dad sitzt drinnen und schraubt an seinem Rad.
„Hi Sev. Ich wusste gar nicht, dass du schon zu Hause bist. Hattest du einen schönen Tag?“
„Ja, ich habe unsere Nachbarn kennengelernt. Kann Lilli mein altes Fahrrad bekommen. Sie hat leider keins.“
Papa hebt eine Augenbraue hoch. „Klaro, dann habe ich hier ein bisschen mehr Platz. Am besten machst du es sauber, während ich das Loch im Reifen flicke. Danach mache ich uns Abendbrot.“
Ich hole einen Eimer mit Wasser und einen Lappen. Ich freue mich schon auf Morgen. Hoffentlich freut sich Lilli über mein altes Rad.
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