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Ich will ne Lanze brechen für Hufflepuff

Kurzbeschreibung
GedichtHumor, Poesie / P6 / Gen
20.05.2020
20.05.2020
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Ich will ne Lanze brechen für Hufflepuff. Klar konnotiert ist das ganze Haus mit frechen Verleumdungen. Verträumt lungern sie in den Gängen, befinden sich in den Fängen des Mittelmaßes, hängen zwischen Tür und Angel der Spannung und des Spaßes. Halt so dazwischen. Im Spalt von den anderen, tun sie mehr schlecht als Recht mitmischen. Nehmen nicht Platz an diesen Tischen, wo die Post abgeht, Harry Potter, der tolle Hecht. Oder die Malfoy-Gang, die durch die Nacht zecht. Man hört keinen Satz drüber, dass den Huffelpuffs auch mal der Sinn nach dem Rampenlicht steht. Von allen anderen anpampen, nicht ihr seid’s, um die es sich hier dreht. Ihr seid mehr bewegliche Deko, das nicht sehr redliche Retro, weil es eurem Haus schon immer gestattet wurde, zu verbleiben. Jemand wird ja gebraucht, sich das magisch-grause Treibgut einzuverleiben. Hattet genug Mittelmaß, um euch mit Teilnehmerurkunden einzureiben.      
Mann, seht euch doch mal an, wird den Hufflepuffs gesagt. Gelb, dass ihr’s überhaupt wagt, in den gleichen Gängen wie die anderen an Magie-reichen Zauberern mit erhobenem Haupt zu wandeln, die kostbare Luft raubt und eure gleich-mittelmäßigbleibend Befriedigend-ZAGs schweitreibend auszuhandeln …


Der Name Helga vertritt doch schon alles, wofür ihr steht.  Das ist was schales, ein ungelenker Schritt in Tölpelei, der da mitweht. Helgas kochen und putzen anderen Erbrochenes hinterher. Das Bäuerliche in ihnen nutzen, das fällt ihnen nicht sehr schwer. Aber über Wochen haltende Schutzzauber sprechen? Gegen Todesser-Moloch fechten und Todesflüche brechen? Sich mit den dunklen Mächten anlegen und komplizierteste Zauberformeln in die Weltgeschichte unterrichten, des Erhalts des Guten wegen? Mitnichten. Ihr seid mehr für simplere Schichten. Hantiert mit leichteren Gewichten. Lauscht gerne kurzen und einfachen Geschichten mit bunten Bildern. Lieber in der Kindersektion wildern als sich mit hochtrabenden bedeutungsträchtigen und heftigen Dingen beschäftigen über die Gelehrte und Führungspersonen Hymnen singen.      
Hufflepuffs seien anders, wie gesagt. Da sei keiner, der mal was wagt. Kann der sich mal trauen, auf den Putz zu hauen, aufhören, auf der Schutzfolie herumzukauen und das Wagnis einmal auspacken, von den Ketten in der Gruft befreien und nen Schimpfwort aufgebracht und unbedacht in die Nachtluft schreien!      
Das ist eher das Ding von den Gryffindors um den Auserwählten. Bei den Hufflepuffs spricht man vom Auserzählten, vom Wicht, vom Arbeitslosen in Bälden, denn macht der überhaupt Hausaufgaben? Schnaubt er nicht bei alltäglichem Federkielschaben, wenn mal Unterricht ist und kein Abenteuer-haben? Den interessiert die Schule im Grunde doch null. Erigiert elektrisiert, wenn Blut die Wände ziert und ein verfluchtes Mädchen im Hogsmeadeschnee friert. Danach steht ihm doch nur der Sinn! Deswegen kann Justin Finch-Fletchley von sich strebsam behaupten: Dass ich mit stolz nen Hufflepuff bin.
Die Hufflepuffs haben in ihm übrigens auch ne Berühmtheit, der auch nicht so ungestüm scheint, wie der Lauch, Potter. Besser bekannt unter flotter Statist Nummer 27. Lässt er zwar nicht in kargen Kammern Basilisken sterben oder Oger-Kadaver verderben, vermag er dennoch, um unsere wummernden Herzen zu werben. Sein mildes Wesen und seine bestimmte Loyalität lässt er durch’s Lesen in Band 2 und im herben Band 5, zwar nur kurz doch nicht zu spät auf uns abfärben. Was für ein Spiel ist das? – Ein subtiler Satz für die Ewigkeit. Viel Tiefe und doch bequeme Glückseligkeit, ein Satz für die Allzeit, nachdem man anständig schweigt und seinem Verstande eine neue Seins-Ebene aufzeigt. Was für ein Spiel war das eigentlich mit dem flotten Schlangengerangel, Potter?


Und auch sonst wissen die Mitglieder Hufflepuffs zu überzeugen. Ernie MacMillan und Hannah Abbott, die sich keinem Scheinwerferlicht-Trend beugen, die Truppe bekennt sich vehement unter Zeugen zur Pflicht des Unterrichtsalltags und bricht damit nicht. Richtig so! Sie verleben die normale Schulerfahrung, lernen im Unterricht, auch wenn der keine Offenbarung ist, beschweren sich nicht, wehren sich nicht gegen Hausaufgaben und halten Schulregeln in Ehren. Baden Bärendienste von den anderen Häusern aus. Da schient’ste mal nen normalen Ausflug nach Hogsmeade zu unternehmen, hebst nen Krug voll Butterbier, haust dir einen zu viel hinter den Bug, von dem dir Rosmerta abriet, kaufst Berty Bott Bohnen, die bald schon in deinem Magen wohnen und willst dich vom Schulstress erholen, wegen dem du dir die Haare raufst, denkst, wenigstens heute werden dich die Hauptfiguren verschonen, denen du sogar noch nen Lächeln schenkst und dann doch, obwohl dir die Truppe sonst schon immer deine Ruhe raubt, zu deinem Unwohle ganz unverhohlen, müssen die wieder ihre Show abziehen, als säßen sie auf heißen Kohlen.


Es ist tatsächlich zum Drachen melken, denn rächts sich auch nie, die können machen, was die wollen, lassen’s noch so sehr krachen und kriegen noch so sehr geschollen, die fliegen nicht aus diesem Sauladen von Schule. Es sind die Statisten, die baden gehen, den tristen Hintergrund beleben müssen, die Szenen verdeckt und unscharf überstehen müssen, den Anschein erwecken, den Zwisten der Hauptgören zuzuhören und schwören, man habe nicht rüber in die Kamera geschaut, Schande über mein Haupt, hab ich’s doch getan. Die Statisten, die die Halle füllen, die Jubelrufe beim Gewinn Gryffindors brüllen, sind diejenigen, die regelmäßig zum Unterricht erscheinen, bei denen es keinen interessiert, wenn sie hin und wieder trotz des Gebens ihres Besten wegen Schulstress weinen. Die graue Masse, die ne Gasse für die richtig Wichtigen bildet, in den Ecken verschwindet. Die keine Extrapunkte erhält, für die man keine bunten Kontaktlinsen bestellt, den Kraftakt des Gebrauchs dann bei Reizung einstellt, Vernunft zeigt und die Entscheidung zugunsten der Gesundheit fällt. Das passiert keinem Hufflepuff.


Was für einen schlechten Ruf Hufflepuff doch aufzuweisen hat. Dabei ist Slytherin das Haus, welches ernsthaft all die bösen Zauberer- und Hexengrößen zusammenzuschweißen schafft! Bitte nimm mich in dein Haus auf, liebste Sprout! Denn dein ist die lebendige Gemeinschaft, auf dem man eine bodenständige Existenz aufbaut. Man kennt’s, Gryffindor ist vorlaut, Ravenclaws können nicht aus ihrer strebsamen Haut und einem jeden graut es vor dem verdorbenen im dunklen Stigma verlorenen Slytherin mit ihrem angeborenen Verbrechersinn.  Die Hufflepuffs hingegen sind tüchtig und loyal. Das sind ihre Attribute. Manche nennen sie schal, doch sind das alles gute Seelen, die das Haus da um sich schart, die ihre einfache Art nicht verhehlen. Ein bisschen treudoof, scheuen sie den Hof, wenn’s gewittert und blitzt, niemand, der ungefragt Trankzutaten stibitzt oder Schmierereien an Wände zittert. Die gehen ihrem Trott nach. Stehen aber in nichts nach. Drehen sich in ihrem schicken Gemach nur ihren dicken Hausaufgabenaufsätzen zu und hören zu, während der Lehrer spricht, verbleiben auf ihren Plätzen, obwohl sie das Licht auf Harry blendet, denn der Lehrer beendet den Unterricht, dass ist ihre scheinbar unscheinbare Sicht.


Doch wie läuft es wirklich ab in dem Haus der Dachse? Liegt da wirklich jeder brav, nicht, aufgehäuft, knapp nach dem Sandmann im Bett und ist nicht mehr auf Achse? Gibt’s da wirklich kein kleinwenig herumgefaxe? Schlafen selig und träumen vom Pflanzen-Herumgewachse, kein auf-den-Blumentöpfen-Herumtanzen, all die pflanzlichen Substanzen ausschöpfen und Kräuterschnäpse köpfen? Wer weiß denn, ob hinter geschlossenen tristen Türen nicht doch die Eulenpost abgeht, bis spät in die Nacht das Gras von den Statisten gekostet wird und Sprout, weit weg von eingerostet, von der Lehrerkonferenz abhaut und auf einem Stapel Butterbierkisten mit ihren Hufflepuff-Friends kräftig aufdreht und abdancet. Und wer ist eigentlich das Party-Gespenst der Hufflepuff-Bude? Ah, genau! Der fette Mönch, der Gude! Dem muss man bestimmt nicht erklären, wie man richtig lebt und mit schwerem Magen durch die Gänge schwebt. Klar, der predigt und betet überwiegend, und ist eigentlich schwer zu ertragen, doch unter der Kutte liegen einige feine Flaschen Feuerwhiskey begraben, die es teuer in sich haben! Bei dem beleibten Bär geht man nicht leer aus. Seine gutmütige Art kommt nicht von ungefähr.


Man muss nicht immer zum Heldentum streben oder das Superschurkendasein leben. Was würde Harry drum geben als Lehrkraft voll im Lehrsaft zu stehen, welche Ideen für phantasievolle, freie Texte den SchülerInnen bei ‚Stupor‘, ‚Gurken‘, ‚Sparschwein‘ vorschweben. Dass er die mit Genuss durchlesen würde dürfte klar sein. Stattdessen muss er mit Verdruss nen Kuss eines Dementoren abwehren oder die verqueren unausgegorenen Attacken des Toren Voldemorts über sich ergehen lassen und seine Sachen packen, um Horkruxe allerorts, meistens verirrt, aufzuspüren und verstehen, dass es ein normales Leben für ihn nicht geben wird. Tolle Berty-Botts-Bohne mit Wurst-Geschmack. der Durst ist trotz allem irgendwann gestillt. Dann doch lieber mit einem Notendurschnitt von 3, irgendwas nen Allerwelts-Job mit gebührend Spaß ausüben, an trüben Tagen mit Frau und Kind zu Hause weilen, an schönen Tagen in die Winkelgasse eilen und dem heilen Allerwelts-Leben frönen. Daran könnte man sich gewöhnen. Das Beste ist, die Hufflepuffs kümmern sich genau um diesen Mist, der im Nachhinein schlicht keiner ist. Die sogenannte Resterampe, das Auffangbecken für einfache Recken, die einfach kein Fach rulen, sich vor den Coolen verstecken, die sich im Vordergrund suhlen, nicht anecken und in Schwächen der anderen puhlen. Sie sind real und das ist ihr Ziel. Die Bauern im Spiel der Denkenden und Lenkenden, die viel mehr zu geben haben als ihre Plätze auf Bänken und Statistennamen an Filmenden. Sie sind die, die zuletzt lachen, wenn der Abspann endet und man keinen Gedanken mehr an die Statisten verschwendet. Der Hufflepuff kann dann unbehelligt durch die Gassen flanieren und muss sich nicht für seine Schauspielleistung genieren. Er muss sich nicht mit den Großen messen. Im wild tosenden Meer der Filmwelt, ist er alsbald vergessen. Doch, dessen sei man sich bewusst, die Lust am Leben behält man sich, wenn man mit dem taffen Wunsch nach Hufflepuff unter den sprechenden Hut sich stellt.
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