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reaching for the stars

von juliemyg
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Han / Han Jisung Hwang Hyunjin
20.05.2020
01.07.2020
7
17.881
9
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Dieses Kapitel
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01.07.2020 2.396
 


Changbin sah die beiden abwechselnd ziemlich perplex an, nachdem sie gleichzeitig den exakt gleichen Satz von sich gegeben hatten. Allerdings waren sowohl Jisung, als auch Jeongin darüber nicht weniger überrascht.

„Jetzt spannt mich nicht so lange auf die Folter, ihr Idioten“, grummelte Changbin. „Schießt los, was sind eure Ideen?“

Jisung musste zugeben, dass er ziemlich gespannt auf Jeongins Einfall war, weswegen er ihm mit einem Nicken des Kopfes stumm aufforderte, anzufangen.

„Also“, begann dieser daraufhin sogleich verschwörerisch grinsend, beugte sich dabei etwas über den Tisch, so, als wären die nächsten Worte nicht für die Ohren von irgendwelchen anderen Schülern bestimmt. Sowohl Jisung, als auch Changbin sahen den Jüngsten gespannt an.

„Ich will ja nicht zu viel verraten, aber bin ich bin ziemlich sicher, dass Chan verliebt ist“

Jisung rutschte bei den Worten überrascht die Gabel aus der Hand, die daraufhin mit einem lauten Klirren auf das Teller fiel. Er überzeugt davon, sich gerade mächtig verhört zu haben.

Für ein paar Sekunden gab niemand auch nur einen Mucks von sich.

Jeongin grinste seine beiden Freunde an, war mehr als nur glücklich über ihre perplexen Gesichtsausdrücke.

„Huh?“, war wohl alles, was Changbin von sich geben konnte, während Jisung seinen jüngsten Freund noch immer ziemlich bedröppelt anstarrte.

„Hast mich schon richtig verstanden, Changbin-hyung“

Es war nicht einmal unbedingt die Tatsache, dass Chan verliebt war, die Changbin und Jisung so von den Socken haute, sondern vielmehr, dass Jeongin davon wusste und sie nicht. Klar, Chan und Jeongin verbrachten überraschend viel Zeit miteinander. Vor allem auch nach Schulschluss, weil Chan dem Jüngeren oft bei dessen Hausaufgaben half und demnach quasi sein Nachhilfelehrer war.

Jisung hatte dennoch irgendwie immer angenommen gehabt, dass der Altersunterschied von fast drei Jahren trotzdem eine gewisse Barriere zwischen den beiden war. Doch scheinbar hatte er sich da maßlos getäuscht.

„Ich hab jetzt keine handfesten Beweise, falls ihr das erwartet“, fuhr Jeongin dann unbeirrt fort, lehnte sich wieder zurück. „Aber als ich gestern mit ihm geredet hab, das war noch kurz bevor ihr dann dazugestoßen seid, da hat er sich irgendwie ziemlich verplappert, hat irgendwas von einem Parfüm geredet, das er sich unbedingt holen will, und als ich ihn dann zum Spaß gefragt hab, wen er denn damit bitte beeindrucken will, ist er total rot geworden und hat wie ein dummes Grundschulkind verlegen gekichert“

Die Vorstellung eines kichernden Chans war in Jisungs Augen schon fast lächerlich absurd.

Chan hatte noch nie zuvor irgendwelche Andeutungen gemacht, Interesse an jemanden zu haben, und dennoch war es irgendwie ziemlich naiv von Jisung gewesen, dass dem immer so bleiben würde.

„Weißt du auch, in wen er verliebt ist?“, hakte Changbin neugierig nach, jedoch schüttelte der Jüngste den Kopf.

„Ich habe eine vage Vermutung, aber das bleibt erstmal mein kleines Geheimnis, also versucht erst gar nicht, mich ausquetschen zu wollen“

Jisung wusste, dass Jeongin sein Wort halten würde und er, selbst wenn er ihn später auf dem Nachhauseweg noch einmal darauf ansprechen würde, trotzdem nichts aus ihm herausbekäme.

Und doch frustrierte er Jisung ein wenig, dass Jeongin scheinbar bereits einen Verdacht hatte, während Jisung noch absolut im Dunklen tappte. Schließlich hatte der Jüngste ja auch erst gestern von Chans angeblichen Schwarm erfahren.

Und Jisung hätte eigentlich geglaubt, von sich selbst behaupten zu können, eine ziemlich gute Auffassungsgabe zu haben, und dass er sehr leicht hinter die Fassade von Menschen blicken konnte.

Doch war Chan scheinbar unfassbar gut darin, jegliche Art von Gefühle – zumindest in der Hinsicht – zu vertuschen, denn hatte Jisung wirklich keine Ahnung gehabt.

„Du willst ihm also das Parfüm schenken?“, schlussfolgerte er dann, sah Jeongin interessiert an. Dieser nickte daraufhin so eifrig, dass die Ponyfransen, die ihm ins Gesicht hingen, leicht auf und ab wippten.

„Hat er dir denn den Namen des Parfüms verraten?“, fragte Changbin, Hoffnung schien in ihm aufgekeimt zu sein wie ein Blumensamen im Frühling. Inzwischen wirkte er tatsächlich euphorisch.

„Mhm“, bestätigte der Jüngste. „Habs natürlich sofort gegoogelt, damit ich es nicht vergesse. Billig ist es nicht, aber wenn wir zu viert zusammenlegen, ist es auf jeden Fall machbar. Ich kann euch Bilder davon zeigen, wenn wir später mit dem Bus in die Innenstadt fahren“

Ah, richtig, erinnerte Jisung sich. Hatte er bei dem plötzlichen Wirbel um Chans Liebesleben doch schon glatt vergessen, dass sie nach dem Unterricht ja noch verabredet waren. Dann würden sie die Sache mit dem verflixten Geburtstagsgeschenk ein für alle Mal abhaken können.

Der Gedanke daran war unfassbar erleichternd, denn Jisung war sich sicher, dass er weitere Auseinandersetzungen wegen so einer Kleinigkeit nicht mehr länger hätte ertragen können.

Er hatte ohnehin schon genug Ärger wegen Hyunjin.

Jisung schüttelte den Kopf, konnte es kaum fassen, dass seine Gedanken sich schon wieder um diesen Typen drehten. Es glich ja schon beinahe einem Fluch.

„Was wäre dein Vorschlag gewesen, Jisung?“, etwas erschrocken darüber, plötzlich von Changbin angesprochen zu werden, zuckte Jisung kaum merklich zusammen, kratze sich dann verlegen am Hinterkopf und grinste seine beiden Freunde an.

„Nach Jeongins unerwarteten Enthüllung fühl ich mich mit meiner Idee ja schon fast ein wenig blöd“, gab er peinlich berührt zu. „Aber Chan hat doch mal von seiner Kindheit erzählt, erinnerst du dich, Changbin? Im Studio damals, weißt schon, von Australien und so“

„Er redet fast ständig von Australien“, erwiderte Changbin schmunzelnd, nickte dann jedoch als Zeichen, dass Jisung fortfahren konnte.

„Naja, und ich hab mich mal an das eine Mal erinnert, als er davon erzählt hat, dass er als Kind immer Pokémon auf dem Nintendo DS gespielt hat und er unfassbar traurig darüber ist, dass die älteren Spiele inzwischen wohl als Rarität gelten und kaum mehr zu finden sind“

Er machte eine kurze Pause, stellte sich einen kleinen Chan vor, wie er damals in Australien mit einem strahlendem Lächeln auf dem Gesicht und freudig funkelnden Augen begeistert Pokémon gespielt hatte.

„Ich will ihm eins der alten Spiele besorgen“, sagte er dann, klang überraschenderweise viel entschlossener als er zuerst angenommen hatte. „Und ich denke, ich weiß auch schon wo“




Es waren kaum drei Stunden vergangen, da saßen die drei Freunde gemeinsam im Bus Richtung Innenstadt.

Changbin und Jeongin waren sofort damit einverstanden gewesen, als Jisung vorgeschlagen hatte, in einem etwas älteren – ja, man mochte schon fast sagen, antiken – Gaming Shop, der etwas abgelegen vom Zentrum der Innenstadt lag, nach einem der älteren Pokémon Spiele Ausschau zu halten.

Ich bin mit meinem Vater einmal dort gewesen, hatte Jisung gesagt. Die haben da echt coole Sachen, kann mir vorstellen, dass die das da verkaufen.

Jisungs Freunde waren seit Beginn der Busfahrt in eine angeregte Unterhaltung über irgendeinen Actionfilm vertieft, der scheinbar bald im Kino lief und den die beiden sich unbedingt gemeinsam ansehen wollten.

Jisung selbst hatte sich jedoch nicht wirklich in das Gespräch eingebunden, konnte er sich doch recht wenig für diese Art von Filmen begeistern und somit auch nicht so wirklich mitreden.

Aus dem Grund war er auch ziemlich froh darüber, sich für den Sitzplatz am Fenster entschieden zu haben. Wäre er nämlich zwischen den beiden Quasselstrippen gelandet, hätten sie ihn nur durchgehend von beiden Seiten zugetextet. Und er hätte nicht wirklich viel Lust drauf gehabt, sich ihr Gerede über den möglichen Handlungsstrang, den man bereits aus einem veröffentlichten Trailer erahnen konnte, anhören zu müssen.

Stattdessen hatte er die beiden inzwischen beinahe völlig ausgeblendet, sein Blick war nach draußen geglitten, verfolgte die Gebäude und Fußgänger, an denen der Bus vorbeizog. Schwache Sonnenstrahlen, die sich durch dichte Wolken hindurch kämpften, tänzelten auf seinem Gesicht, wärmten seine Haut.

Es war eine altbekannte Strecke, die Jisung bereits unzählige Male zuvor, sowohl mit seinen Freunden, als auch alleine, gefahren war, und die er somit in- und auswendig kannte.

Er versank in Tagträumen, bekam nur ziemlich passiv mit, wie Changbin ihn irgendwann an der Schulter antippte.

„Wir sind da, Jisung“

Dieser nickte daraufhin, schüttelte kurz kaum merklich den Kopf, um die Müdigkeit, die in ihm aufgekommen war, abzuschütteln.

Kalte Luft schlug ihm entgegen, als er aus dem Bus stieg, und erneut wurde Jisung vor Augen geführt, dass der Sommer sich nun dem Ende zugeneigt hatte und Herbst hereingebrochen war. Das Jahr war wieder einmal viel schneller vergangen als es Jisung lieb gewesen wäre.

Er schlang seine Jacke enger um seinen Körper, hatte keine Lust, sich jetzt auch noch zu erkälten.

„Also, wie sieht der Plan aus?“, fragte Jeongin in die Runde, nachdem sie schon beinahe etwas verloren wirkend vor der Bushaltestelle standen.

„Felix meinte letztens, er würde die Snacks besorgen, darum müssen wir uns also schon mal nicht kümmern“, sagte Changbin.

Jisung wollte schon beinahe so etwas wie „Felix ist in letzter Zeit aber nicht wirklich zuverlässig“, sagen, verbiss sich den Kommentar dann aber doch, weil er wusste, dass er sich dann wieder nur unnötig mit seinen Freunden in die Haare kriegen würde. Vor allem mit Changbin, der Felix mit Zähnen und Klauen verteidigen würde. So wie der Ältere es eben eigentlich immer tat.

Aber immerhin durfte Jisung die Worte stumm in Gedanken aussprechen. Ganz unrecht hatte er schließlich nicht. Felix hatte sie über die letzten Wochen hinweg immer mal wieder sitzengelassen. Jisung konnte es kaum mehr abwarten. Dass der Tanzwettbewerb endlich vorbei war und alles wieder so wie früher werden konnte, er Felix wieder für sich haben konnte und Hyunjin wieder in das hinterste Stübchen seines Kopfes schieben konnte.

„Das heißt also, dass wir uns jetzt in ein paar Läden nach dem Parfüm, von dem Chan Jeongin erzählt hat, umsehen und uns dann auf den Weg zu diesem Gaming Shop machen?“

Keiner schien irgendwelche Einwände gegen Changbins Vorschlag zu haben, stattdessen nickten Jeongin und Jisung. Der hoffte dabei inständig, dass sie in dem Shop auch fpndig werden würden. Sonst würde er seine Freunde praktisch völlig umsonst durch die halbe Stadt gezerrt haben.

„Denkst du, Felix besorgt auch die Chips, die Jisung und ich so mögen?“, wollte Jeongin dann begeistert von Changbin wissen, der daraufhin nur gespielt genervt die Augen verdrehte.

„Wessen Geburtstagsfeier wird das denn bitte, hm? Chans oder die von die und Jisung?“

Jedoch stahl sich ein Lächeln auf die Lippen des Älteren, als er Jeongin durch die dunklen Haare wuschelte.

„Bestimmt“




Keine Stunde später standen die drei Freunde bereits vor dem Eingang des berüchtigten Gaming Shops, den Jisung erwähnt hatte, war es letztendlich doch überraschend leicht gewesen, das Parfüm, von dem Chan scheinbar so schwärmte, ausfindig zu machen.

„Riecht echt... männlich“, war alles, was Changbin gesagt hatte, nachdem Jeongin zuerst Jisung und dann ihm einen, mit dem Inhalt des Parfüms gesprühten Teststreifen, direkt unter die Nase gehalten hatte.

„Na dann passt der Duft ja schon mal definitiv nicht zu dir, Hyung“, hatte Jisung gelacht und daraufhin prompt eine Kopfnuss von Changbin kassiert.

Selbstverständlich hatten sie sich dann dennoch ohne weitere Umschweife dazu entschieden, das Parfüm zu kaufen, auch wenn sie dafür ganz schön was hatten hinblättern müssen. Sie konnten nur hoffen, dass Jeongin sich nicht geirrt hatte und das tatsächlich das Parfüm war, das Chan sich holen wollte.

„Ist wohl tatsächlich eine Art Insider-Laden für Sammler“, stellte Changbin fest, als er durch das Schaufenster ins Innere des Shops schaute, der vollgestellt mit Regalen war.

„Sagte ich doch“, Jisung zuckte die Schultern. Der Laden war nicht sonderlich groß, sondern vielmehr unscheinbar und dennoch schien er nicht wirklich schlecht besucht zu sein. Sonst hätte er wohl auch schon längst zugemacht. „Wenn wir hier nicht fündig werden, dann werden wir bei anderen Läden wahrscheinlich ebenfalls kein Glück haben“

Und mit diesen Worten zog er die Türe auf und betrat mit Jeongin und Changbin, vom Schellen einer Glocke angekündigt, den Shop.

Es war bereits ein paar Jahre her, dass Jisung das letzte Mal hier gewesen war, doch an den Wänden hingen noch immer die selben Poster, von irgendwelchen Charakteren aus alten Computerspielen, von denen Jisung noch nie etwas gehört hatte.

Er wollte bereits um die Eckte Richtung Kasse gehen, um sich dort zu erkundigen, ob der Laden irgendeines der älteren Pokémonspiele auf Lager hatte. Er wusste nämlich, dass es wohl ziemlich zwecklos sein würde, die dutzenden Regale wegen einem einzigen Spiel zu durchwühlen.

Jedoch hielt Jisung ruckartig inne, als aus Richtung der Kasse ein Lachen ertönte, packte seine beiden Freunde ebenfalls an den Jackenärmeln, um sie zum Stehen zu bringen. Jeongin und Changbin sahen Jisung daraufhin verwirrt an, man konnte schon beinahe wortwörtlich die Fragezeichen über ihren Köpfen schweben sehen. Aber Jisung schüttelte abwinkend den Kopf, bedeutete ihnen mit einer raschen Handbewegung, leise zu sein.

„Aber nicht doch, Frau Park, das habe ich doch gerne gemacht“, ertönte die Stimme, zu der das Lachen gehörte. Ein schmeichelnder Unterton lag in ihr. „Ich bin mir sicher, ihrem Sohn wird das Geschenk gefallen. Beehren Sie uns doch bald wieder“

Jisung kannte diese Stimme.

Er würde sie wahrscheinlich selbst noch unter tausenden erkennen.

„Hyunjin“, murmelte er ungläubig. „Was zum Teufel macht der denn bitte hier?“

Letztendlich wagte Jisung es dann doch, um die Ecke zu lugen, um einen Blick auf die Kassentheke erhaschen zu können, musste bei dem Bild, welches sich ihm dort bat, aufpassen, dass ihm der Mund nicht entgeistert aufklappte.

Denn tatsächlich stand dort, hinter der Kasse, niemand geringeres als Hwang Hyunjin, der Frau, die mit dem Rücken zu Jisung stand, sein charmantestes Lächeln schenkend. Er trug ein einfaches weißes Hemd, dessen Ärmel bis zu den Oberarmen hochgekrempelt waren, und eine blaue Schürze um den Oberkörper gebunden.

„Ich wusste nicht, dass Hyunjin hier arbeitet“, kam es von Changbin.

Jisung wandte sich seinen beiden Freunden zu, nachdem diese ebenfalls einen Blick um die Ecke erhascht hatten.

„Ich wusste nicht, dass Hyunjin
überhaupt arbeitet“, flüster-schrie Jisung, sich dabei die Schläfen massierend.


Das konnte doch wohl nicht wahr sein.



author's note:

Auweia... tut mir echt leid, ich hab das letzte Update wirklich voll verpennt. Für mich hat letzte Woche das erste Mal seit dem Lockdown wieder der Präsenzunterricht in der Schule angefangen und das hat mich irgendwie voll überrumpelt und mir meine Zeit so sehr geraubt, dass ich nicht mal mehr dazu gekommen bin, dieses Kapitel nochmal zu überlesen oder gar hochzuladen. Oops.

Das mit dem Pokémonspiel für Chan ist basically ein tribute an mich und meine Kindheit. Ich wollte mir letztens, der Nostalgie zuliebe, selber eins der älteren Spiele auf Amazon kaufen und wär bei den Preisen beinahe aus meinem Bett gefallen. Rip. Gekauft hab ich mir dann aber trotzdem eins, aber eins von den Neueren 3DS Spielen, das bereits gebraucht war. Da war der Preis dann doch einigermaßen annehmbar :D

Jedenfalls wünsch ich euch allen noch eine schöne Woche, hehe.


Liebe Grüße,
Julie
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