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reaching for the stars

von juliemyg
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Han / Han Jisung Hwang Hyunjin
20.05.2020
01.07.2020
7
17.881
9
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
18.06.2020 3.288
 
Guten Morgen.
Es ist bereits ziemlich spät - oder früh, wie man es nimmt, und ich sitze schon gefühlte Ewigkeiten an diesem Kapitel lmao. Mein Gehirn ist ziemlich Matsch gerade und ich hab das Gefühl, die Buchstaben schon doppelt zu sehen. Deshalb entschuldigt, falls sich irgendwelche dummen Fehler eingeschlichen haben D:

Aber hey, dass hier wird die allererste wirkliche Hyunsung interaction in dieser Fanfiktion, so enjoy it xD

Über das Comeback müssen wir nicht reden (also doch, schon), ich denke, das hat so ziemlich jeden von uns von den Socken gehauen. Ich bin noch immer ziemlich sprachlos at how versatile they are. Das ganze Album itself klingt sehr anders als ihre bisherigen Alben, und doch so sehr nach ihnen :,) ich bin so proud :( Haven klingt btw in den ersten paar Sekunden lowkey wie ein Avicii Song (also meiner Meinung nach) :D und ich bin lowkey (highkey) obsessed mit Phobia, das ist most likely mein favorite Song vom Album c:

Anyways, ich für meinen Teil gehe jetzt ins Bett, man hört sich und ich wünsch euch viel Spaß mit dem Kapitel :3

- Julie



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„Werd bitte endlich erwachsen“

Jisung war sich ziemlich sicher, dass das nicht gerade das Klügste war, was er dem Tänzer hätte an den Kopf werfen können, als er diesen am nächsten Morgen vor Unterrichtsbeginn alleine im Schulflur vor dessen Spind abfing. Doch war es eben das Erstbeste gewesen, was ihm spontan eingefallen war.

Oder vielmehr, was ihm impulsiv herausgerutscht war, ehe er die Worte auch nur ansatzweise hatte überdenken können.

Der Angesprochene hob daraufhin seinen Blick von einem Buch, in welches er bislang scheinbar vertieft gewesen war, sah Jisung aus dunklen Augen mehr als nur desinteressiert an.

„Was ist denn jetzt schon wieder dein Problem, Han?“, wollte er ziemlich gelangweilt klingend wissen, deutete ein Gähnen an und lehnte sich mit der Schulter lässig gegen seine Spindtür.

Jisung plusterte die Wangen auf, frustriert darüber, den Kopf tatsächlich etwas in den Nacken legen zu müssen, um Hyunjin in die Augen sehen zu können.

Diese verdammten langen Beine.

„Was mein Problem ist?“, wiederholte er Hyunjins Worte mehr als nur empört, seine Stimme klang dabei ungewollt hoch und er musste sich zusammenreißen, nicht auf der Stelle an die Decke zu gehen.

„Dasselbe könnte ich dich fragen. Immerhin bist du derjenige, der sich anscheinend zu schade dafür ist, auf eine einfache Nachricht zu antworten“

„Komm mal runter“, Hyunjin verdrehte die Augen. „Wenn du nicht wie ein kleines Grundschulmädchen schreiben würdest, hätte ich das vielleicht sogar getan“

Jisung konnte buchstäblich spüren, wie sein Gesicht heiß wurde und ihm die Röte in die Wangen stieg. Jedoch nicht vor Verlegenheit – zumindest nicht nur – sondern vielmehr vor Zorn.

Er biss sich auf die Zunge, um den kaum älteren Jungen nicht sofort wieder eine dumme Beleidigung entgegen zu schleudern. Und dass, obwohl ihm gerade genügend davon im Kopf herumschwirrten. Er musste des Projektes zuliebe versuchen, sich wenigstens ein Mal hinsichtlich Hyunjin und seinen provozierenden Bemerkungen zusammenzureißen.

„Ach halt die Klappe“, fauchte Jisung deswegen bloß. „Glaubst du etwa, mir macht es Spaß, mich wegen eines blöden Schulprojektes auf dein Niveau herablassen zu müssen? Vertrau mir, Hwang Hyunjin, ich hätte weitaus Wichtigeres zu tun als meine kostbare Zeit mit jemanden wir dir zu vergeuden“

Er lachte bitter und Hyunjins Gesicht verzog sich daraufhin zu einer Grimasse.

„Tut mir ja echt unfassbar leid, deine Seifenblase platzen zu lassen, Han“, fing Hyunjin dann spottend an, in seinen Augen funkelte dieser bestimmte hämische Ausdruck, der Jisung immer so zur Weißglut brachte.

„Aber es ist doch ganz offensichtlich, dass ich hier derjenige mit dem höheren Niveau bin“, mit diesen Worten ging Hyunjin ein wenig in die Knie, sodass er letztendlich auf Augenhöhe mit Jisung war.

„Findest du nicht?“

Er lächelte den Kleineren zuckersüß an, zeigte ihm eine Reihe weißer Zähne.

Jisung schnaubte, wollte etwas kontern, wollte diesem langbeinigen Idioten an den Kopf werfen, er solle seine Arroganz bloß nicht mit seinem nicht existenten Niveau verwechseln. Doch ertönte in seinem Kopf plötzlich eine Stimme, die gefährlich nach Felix klang.

Weißt du, Ji, manchmal muss man einfach über etwas hinwegsehen können.

„Wie sieht dann dein Plan aus, hm?“, schnauzte er deshalb nur. „Willst du mich weiterhin ignorieren, bis das Projekt fällig ist und wir beide eine schlechte Note kassieren, nur, weil du dich geweigert hast, ein einziges Mal von deinem hohen Ross zu steigen?“

Hyunjin zog die Nase kraus, kratzte sich dabei mit zusammengekniffenen Augen am Kopf und versuchte so scheinbar den Anschein zu erwecken, als würde er tatsächlich scharf nachdenken.

„Lass es mich so sagen, dass dein kleines Spatzenhirn es auch ganz sicher versteht“, fing er dann süffisant grinsend an, schlug dabei sein Buch zu. „Du kannst mich nicht dazu zwingen, mit dir gemeinsam an diesem Projekt zu arbeiten“

Er machte eine kurze, absolut übertrieben dramatische Sprechpause.

„Wobei, warte, doch. Du kannst es ja gerne versuchen“, seine Augen funkelten spitzbübisch, erinnerten Jisung an den fünfjährigen Jungen, der Hyunjin einst gewesen war.

„Versuch mich zu zwingen, Han Jisung“, mit jedem Wort war er Jisungs Gesicht ein kleines Stück näher gekommen, der daraufhin das dringende Bedürfnis hatte, ein paar Schritte zurückzuweichen. Er fühlte sich mehr als nur unwohl, dem Tänzer so nahe zu sein, dass es fast den Anschein hatte, als würde er das Muttermal unter Hyunjins Auge durch ein Vergrößerungsglas betrachten.

„Geh mir noch mehr auf die Nerven, als du es sonst eh schon tust. Verpetz mich meinetwegen auch bei Frau Min, stell mir beim Vorbeigehen ein Bein oder wirf mir beim Völkerball absichtlich einen Ball ins Gesicht, mir ganz egal, solange du dir eine Sache hinter deine Ohren schreibst..“, er machte erneut eine Pause, seine Nasenspitze berührte schon beinahe die von Jisung, so nahe waren ihre Gesichter sich inzwischen.

Aus dunklen Augen sah er Jisung ungeniert an.

„Ich werde auf keinen Fall, und damit meine ich, unter keinerlei Umständen, mit dir zusammen an diesem verdammten Projekt arbeiten, hast du verstanden?“

Und mit diesen Worten entfernte er sein Gesicht wieder von dem von Jisung, richtete sich langsam wieder auf, sodass er auf den Kleineren herabblicken konnte.

„Von mir aus kannst du auch eine Portion Spaghetti mit Tomatensoße über mich kipp-“, er unterbrach sich selbst und für den Bruchteil einer Sekunde huschte erneut ein spöttisches Grinsen über sein Gesicht. In einer fließenden Bewegung ließ er das Buch, welches er bislang noch in der Hand gehalten hatte, in seinem Spind verschwinden und verschloss diesen, ehe er eine gespielt bestürzte Miene aufsetze.

„Oh nein, warte–“, theatralisch hielt er sich die Hand vor den Mund, zwinkerte Jisung dann herausfordernd zu.

„Das hatten wir ja schon einmal, mein Fehler“

In seinen Augen glänzte die Streitsucht und Jisung wusste, dass Hyunjin auf diese Auseinandersetzung gewartet hatte. Sich danach
verzehrt hatte. Dass er alles dafür gegeben hätte, dass ihr Gespräch in genau diese Richtung verlaufen würde.


Denn zierte ein mehr als nur zufriedener Ausdruck sein Gesicht, als er Jisungs Reaktion sah. Mund offen stehend, zu perplex über Hyunjins Dreistheit, um auch nur ein einziges Wort herauszubringen. Und mit einem triumphierenden Lächeln auf den Lippen und einem letzten charmanten Zwinkern in die Richtung des Kleineren, machte Hyunjin auf dem Absatz kehrt und ließ Jisung einfach auf dem Schulflur stehen.

Dieser hatte sich bereits wenige Augenblicke später bereits wieder gefangen, Wut kochte langsam aber sicher in ihm auf, begann, in seinem Inneren zu brodeln.

Jisungs Hände ballten sich zu Fäusten, er wollte etwas schlagen,
musste etwas kaputtmachen. Am liebsten würde er Hyunjin, der gerade um die nächste Ecke gebogen war, hinterherlaufen und ihn mit seinen Schuhen bewerfen.


Jisung hatte das dringende Bedürfnis zu schreien, den angestauten Frust herauszulassen. Und wahrscheinlich hätte er das sogar getan, wenn ihn das Klingeln zur ersten Schulstunde nicht daran erinnert hätte, dass er sich noch immer im Schulgebäude befand und dass er jetzt Unterricht hatte.


Jedoch war Jisung sich sicher, dass Hwang Hyunjin ihm irgendwann noch seinen letzten Nerv rauben würde.




„Chan hat doch letztens mal erwähnt, dass sein jetziger Monitor nicht mehr lange durchhalten wird. Wie wärs, wenn wir ihm einen Neuen besorgen?“, fragte Jeongin in die Runde, während sie zu dritt in der Cafeteria saßen. Mal wieder.

Denn Felix hatte seit Anfang der Mittagspause Sondertraining, wie er selbst es immer so schön nannte. Jedoch war Jisung sich durchaus bewusst, dass das nur eine euphemistische Umschreibung für Einzeltraining mit Hyunjin war.

Und Chan war nicht anwesend, weil er dienstags und donnerstags nach der Schule immer noch Schwimmtraining hatte und, als Captain des Schwimmteams ihrer Schule, in den großen Pausen schon immer alles vorbereitete und sich zudem mit ihrem Trainer über neue Trainingsmethoden beriet.

Das kam Jeongin, Changbin und Jisung heute jedoch gerade recht, weil ihre Unterhaltung sowieso nicht für Chans neugierigen Ohren gedacht war und sie somit in Ruhe dessen kommenden Geburtstag besprechen konnten.

„Die Idee mit dem Monitor kannst du gleich wieder vergessen, Zwerg“, entgegnete Jisung dann wohlmöglich etwas zickiger als eigentlich beabsichtigt und bekam daraufhin sofort ein empörtes „Hey, ich bin größer als du!“, an den Kopf geworfen.

Zugegeben, Jisung hatte sich noch immer nicht komplett von seinem Gespräch mit Hyunjin erholt, war sogar noch ziemlich angefressen deswegen. War es den ganzen Schultag über schon gewesen.

„Jisung hat schon recht, Innie“, gab Changbin zu. „Einen guten Monitor, der für Chan auch wirklich brauchbar ist, können wir uns auf keinen Fall einfach mal so spontan leisten. Außerdem bezweifle ich, dass Chan so ein teures Geschenk überhaupt erst annehmen würde.

Er würde uns wohl viel eher bloß 'nen Vogel zeigen, dachte Jisung, musste bei der Vorstellung sogar ein wenig schmunzeln. Schließlich war dieser Gedanke nicht einmal abwegig und wäre es auch nicht das erste Mal gewesen.

Doch als Jisung plötzlich Changbins forschenden Blick auf sich spürte, verschwand das angedeutete Lächeln auf seinen Lippen und er wich den Augen des Älteren bewusst aus.

„Das ist aber noch lange kein Grund, Jeongin so anzufahren. Was ist los mit dir, Ji? Du bist schon den ganzen Tag über so komisch drauf“

Es war keine große Überraschung, dass Changbin ihn auf seine schlechte Laune ansprach. Jisung hätte sogar fast wetten können, dass er es bereits viel früher machen würde und nicht erst zur Mittagspause.

„Binnie-hyung hat recht“, stimmte Jeongin dem Älteren zu. „Ist irgendetwas passiert?“

Jisung grummelte daraufhin bloß, den Blick nach unten auf seinen bereits leeren Teller gerichtet.

„Hwang Hyunjin ist passiert“

Seine Worte waren vielmehr ein unverständliches Nuscheln gewesen, doch als seine Freunde nicht direkt nachhakten, sondern stattdessen Schweigen aufkam, wusste Jisung, dass sie ihn sehr wohl verstanden hatten.

„Oh, ja, richtig“, Jeongin schien bereits verstanden zu haben. Letztendlich war es ja er gewesen, der Jisung quasi dazu genötigt hatte, den ersten Schritt zu machen und Hyunjin anzuschreiben.

„Du hast Felix gestern ja noch nach Hyunjins Nummer gefragt. Sag nicht, ihr habt dann
tatsächlich schon miteinander geschrieben.


Er hatte den beiden bislang noch nichts von dem Vorfall von heute morgen erzählt und, wenn Jisung ganz ehrlich war, wollte er das auch nicht unbedingt. Am liebsten wollte er das Geschehene sofort wieder vergessen. Oder, noch viel besser, einfach ungeschehen machen.

Rückblickend war es wohl mehr als nur lächerlich von ihm gewesen, zu glauben, er könnte einfach so eine normale Unterhaltung mit Hyunjin führen. Denn selbst wenn Jisung es schaffte, sich halbwegs zusammenzureißen, bestand ein Gespräch immer aus mindestens zwei Personen. In seinem Fall aus ihm und Hyunjin. Und genau da scheiterte der Plan einer anständigen Unterhaltung nämlich dann.

An Hyunjin.

Denn Hyunjin wollte sich bei Jisung nicht zusammenreißen, das wusste er. Er wollte seine Zunge nicht zügeln müssen, wollte Jisung provozieren, wollte Streit suchen, wollte ihn zur Weißglut treiben. Und genau aus diesem Grund würde es wohl unmöglich sein, mit dem Tänzer zusammenzuarbeiten. Zumindest solange dieser noch sein unverschämtes Mundwerk besaß.


„Schön wärs“

Jisung schnaubte verächtlich.

„Dieser Mistkerl hat meine Nachrichten einfach ignoriert und als ich ihn heute vor dem Unterricht abgefangen hab, hat er sich bloß über mich lustig gemacht, meinte, ich würde wie ein kleines Mädchen schreiben und solle doch versuchen, ihm Spaghetti über den Kopf zu kippen, um ihn dazu zu bringen, mit mir gemeinsam an dem Projekt zu arbeiten“

Erneut herrschte Schweigen und Jisung hob erstmals den Kopf von seinem Teller, sah zuerst in Changbins und dann in Jeongins Gesicht. Die beiden sahen ihn aus großen Augen schon beinahe geschockt an.

„Du hast bitte was gemacht?“, hakte Changbin, der anscheinend als Erster seine Stimme wiedergefunden hatte, ungläubig nach.

Hyung, das kannst du doch nicht machen!“, kam es ebenso entrüstet von Jeongin.

Jisung klappte der Mund auf. Mit einem Mal fühlte er sich wie im falschen Film.

„Sagt mal, habt ihr mir überhaupt zugehört?“, wollte er entrüstet von den beiden wissen.

Machten sie jetzt etwa ihn dafür verantwortlich, dass Hwang Hyunjin so ein verdammter Idiot war?

„Hör zu, Jisung-hyung“, Jeongin sah ihn strafend an. „Das Motto, mit dem wir an deine Projektarbeit mit Hyunjin herangehen, nennt sich 'Waffenstillstand' und nicht 'Den Feind konfrontieren und dadurch nur noch wütender machen, als er es nach den jahrelangen Streitereien und der zusätzlichen Portion Spaghetti mit Tomatensoße in seinem Schritt eh schon ist', verstanden?“

Am liebsten wollte Jisung einfach nur über Jeongins, ja, schon fast lächerlich klingende Predigt lachen, doch war ihm danach nicht wirklich zumute.

Er hasste sich dafür, dass seine Emotionen sich so extrem von dem schwarzhaarigen Tänzer beeinflussen ließen. Dass Hyunjin ihm mit so etwas Banalem, wie einer seiner dummen Aussagen, sofort den ganzen Tag versauen konnte.


„Das ist nicht so einfach, okay?“, erwiderte er stattdessen nur frustriert, ließ sich nach hinten gegen die Rückenlehne seines Stuhls fallen.

„Er ist so unfassbar schwierig – unsere ganze bisherige Beziehung ist schwierig. Ich hab keine Ahnung, wie unsere Lehrer sich diese Zusammenarbeit vorstellen, wenn wir es nicht einmal schaffen, eine normale, gesittete Unterhaltung auf Augenhöhe zu führen, ohne dass einer von uns irgendeinen dummen Kommentar von sich gibt“

Verdammter Hyunjin mit seinen blöden Sprüchen und seinem idiotischen Grinsen. Hyunjin, der Jisung den ganzen restlichen Schultag über keines Blickes mehr gewürdigt hatte, sondern stattdessen die ganze Zeit über mit irgendeiner Drittklässlerin abgehangen hatte.

Nicht, dass Jisung seine Aufmerksamkeit unbedingt gewollt hätte. Und doch ging es ihm irgendwie auf die Nerven.

Er seufzte.

„Könnten wir das Thema einfach lassen, bitte? Mein Leben dreht sich schon genug um diesen Idioten und wir haben gerade wirklich weitaus Wichtigeres zu tun“

Jisung hatte es ziemlich satt, jede freie Minute damit zu verschwenden, sich über diesen arroganten Idioten aufzuregen. Und das hatte er heute definitiv schon mehr als genug getan.

„Ich krieg davon noch graue Haare“

Jeongin und Changbin hatten daraufhin nichts mehr erwidert, sich nur noch einen, für Jisung ziemlich nichtssagenden, Blick zugeworfen.

„Dann stellt sich uns also noch immer die bereits allseits bekannte Frage, was wir Chan zu seinem Geburtstag schenken wollen“, Changbin klatschte bei diesen Worten in die Hände, wollte dadurch wohl motiviert wirken. Doch sein Gesichtsausdruck zeigte, wie verzweifelt er inzwischen schon war.

Und Jisung konnte es ihm nicht verübeln.

Immerhin ging es ihnen inzwischen insgeheim allen so.

Schließlich hatten sie sich über die letzten Wochen hinweg bereits unzählige Male den Kopf über das perfekte Geschenk für Chan zerbrochen.

Erfolglos, wie man unschwer erkennen konnte.

„Wie wärs, wenn wir mal versuchen, außerhalb der Box zu denken?“

„Welche Box?“, Jeongin und Changbin sahen Jisung verwirrt an.

„Na ja“, fing dieser dann etwas unsicher an. „Wir sind irgendwie die ganze Zeit so unfassbar darauf fixiert, Chan etwas zu schenken, das mit Musik zu tun hat“

Changbins Stirn zog sich bei den Worten in Falten.

„Du willst damit also sagen, wir sollten uns nach etwas ganz anderem umschauen?“

„Nicht ganz anders“, erwiderte Jisung. „Natürlich muss es schon etwas sein, das Chan Freude bereitet, aber eben vielleicht etwas, das nicht unbedingt was mit Musik zu tun hat“

Er überlegte kurz.

„Etwas, das er sich in naher Zukunft wahrscheinlich selbst nicht kaufen wird“

Für Jisung klang der Gedanke, jetzt, nachdem er ihn laut ausgesprochen hatte, ziemlich einleuchtend.

Denn Chan würde sich irgendwann einen neuen Monitor kaufen. Chan würde seine Computermaus, die kaum noch reagierte, irgendwann durch eine Neue ersetzen. Chan würde alles, was er zum Produzieren von Musik benötigte, selber kaufen.

Was also könnten sie ihm stattdessen schenken, das ihm ebenfalls Freude bereiten würde und er sich wohl nicht selber kaufen würde, weil kostenspieligere Dinge, die er zum Produzieren brauchte, vorerst eine höhere Priorität für ihn hatten?

Jisung erinnerte sich an die vielen Gespräche, die er bereits mit Chan geführt hatte.
Einige waren dabei greifbarer als andere und die Worte hallten noch deutlich klarer in seinem Kopf wider. Die meisten dieser Gespräche waren dabei wohl im Studio entstanden. Viele davon um drei Uhr morgens, wenn Chan mal wieder nicht schlafen konnte und Jisung und Changbin sich ebenfalls geweigert hatten, nach Hause zu gehen, ehe der aktuelle Track fertiggestellt war.


Er erinnerte sich an die Verzweiflung und die Erschöpfung, die diese Erinnerungen mit sich brachten und er wusste auch, dass viele künftig entstehende Erinnerungen diese Gefühle noch mit sich bringen würden.

Das Trio war, trotz ihrer immensen Liebe für Musik und das, was sie taten, schon oft an dem Punkt angelangt, alles schmeißen zu wollen. Und wahrscheinlich würden sie auch noch sehr oft wieder an diesem Punkt anlangen.


Beispielsweise, wenn ihnen brauchbare Ideen fehlten und jegliche Inspiration wie eine Rauchwolke vor ihren Augen verpuffte. Der bedeutsame Unterschied jedoch war, dass sie diesen Gedanken, diesem plötzlichen Wunsch des Aufgebens, nicht nachgeben würden. Keiner von ihnen hatte je wirklich vorgehabt, die Musik aufzugeben.


Inspiration kann man nicht erzwingen, Jisung, hatte Chan einmal zu ihm gesagt, nachdem dieser das bereits zehnte Blatt aus seinem Block herausgerissen und zusammengeknüllt hatte, weil ihm einfach keine passende Lyrics in den Kopf kommen wollte. Er war den Tränen nahe gewesen.

Sie muss einen finden.

Jisung wollte sich gar nicht erst vorstellen, wie oft er wohl schon schluchzend und frustriert und mit den Nerven komplett am Ende, zusammengebrochen wäre, wenn Chan nicht an seiner Seite gewesen wäre, seinen Rücken getätschelt und ihn aufmunternd angelächelt hätte.

Du hast niemandes Erwartungen zu erfüllen.

Es war, als würde Chans Blick immer genau das sagen wollen. Doch wusste der Älteste, dass es Jisung selbst war, der immer unfassbar hohe Erwartungen an sich hatte und diese Worte ihn deshalb in keinster Weise aufbauen würden.

Stattdessen sagte er deshalb jedes Mal: Ist schon okay, Jisungie.

Und plötzlich erinnerte Jisung sich an den einen Tag, an dem nichts so wirklich funktionieren wollte und die angespannte Stimmung sie beinahe in dem kleinen Raum zu erdrücken versuchte, bis Chan dann irgendwann seufzend aufgestanden war und wortlos den Strom abgestellt hatte. Auf einen Schlag war das Licht im Studio erloschen und Dunkelheit hatte sie umhüllt.

Und jetzt beruhigend wir uns erst einmal und lassen unsere Gedanken zur Ruhe kommen, hatte Chan gesagt und obwohl Jisung sein Gesicht nicht hatte sehen können, hatte man anhand seiner Stimme gemerkt, dass Chan keinerlei Widerspruch geduldet hätte.

Und Jisung dachte daran zurück, wie sie sich an jenem Tag zu dritt auf die kleine Couch im Studio gequetscht und stundenlang einfach nur geredet hatten. Über ihre Ängste und über Dinge, die sie motivierten und inspirierten. Und hatte Chan auch viel von seinem Leben damals in Australien erzählt, Jisung und Changbin an Erinnerungen aus seiner Kindheit teilhaben lassen, die im spontan so in den Sinn gekommen waren.

Und plötzlich erinnerte Jisung sich an einen bestimmten Satz, den Chan damals von sich gegeben hatte und der eigentlich so beiläufig geklungen hatte, dass Jisung ihn schon längst wieder hätte vergessen müssen. Und irgendwie hatte er das ja auch. Aber gerade eben, ja, gerade eben war es ihm wieder eingefallen und er spürte Freude in sich aufkommen, weil er wusste, dass ihm gerade die Idee für ein tolles Geburtstagsgeschenk für Chan gekommen war.

Und als hätten Jisung und Jeongin sich davor gedanklich abgesprochen, öffneten sie zeitgleich den Mund, die Augen dabei ganz groß und vor Begeisterung beinahe wortwörtlich funkelnd, und sagten: „Ich weiß, war wir Chan schenken können“
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