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reaching for the stars

von juliemyg
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Han / Han Jisung Hwang Hyunjin
20.05.2020
01.07.2020
7
17.881
9
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11.06.2020 3.157
 


„Ich bin zu Hause“, war alles, was Jisung sagte, nachdem er die Haustüre vermutlich etwas zu heftig zugeschlagen hatte. Seine Mutter, die in der Küche stand und dort das Abendessen zubereitete, hatte erschrocken den Kopf gehoben, doch ehe sie etwas sagen konnte, war Jisung bereits die Treppe nach oben in sein Zimmer verschwunden.

Dort angekommen schmiss er seinen Rucksack schwungvoll in eine der Zimmerecken und ließ sich auf sein Bett fallen. Den Kopf im Kissen vergrabend, wollte er am liebsten schreien. Er wollte all den Frust, der sich innerhalb der letzten Stunden in ihm angestaut hatte, einfach nur herausbrüllen.

Doch waren die Wände ihres Hauses nicht sonderlich dick und hatte er nicht wirklich Lust, seinen Eltern erklären zu müssen, wieso er so schlecht gelaunt war.

Stattdessen blieb er einfach regungslos liegen, das Gesicht in den Stoff seines Kissens gedrückt, solange, bis er kaum noch Luft bekam, hoffend, dadurch all die wirren Emotionen in seinem Inneren ersticken zu können.

Er hob den Kopf, der mit Sicherheit hochrot war, holte tief Luft und stöhnte dann genervt. Und frustriert. Und wohlmöglich auch ein bisschen verzweifelt. Verzweifelt darüber, weil die Situation ziemlich aussichtslos schien, aber auch, weil niemand sein Problem, das er mit Hyunjin hatte, so richtig nachvollziehen konnte.

Natürlich, jeder wusste, dass sie sich nicht leiden konnte. Dass ihre Beziehung zueinander über die letzten Jahre hinweg – wenn überhaupt – nur schlimmer anstatt besser geworden war. Und jeder, der Jisung kannte, wusste auch, warum sie sich nicht leiden konnten.

Hyunjin war wie ein Stoff, auf den er allergisch reagierte, wie eine Chemikalie, die seine Haut verätzte oder noch schlimmer, wie ein Gift, an dem er grausam umkommen würde, sollte er ihm auch nur ansatzweise zu nahe kommen.

Zumindest fühlte es sich für Jisung so an.

Und trotz allem pflegten seine Freunde immer wieder zu sagen, dass er überreagieren würde und doch endlich über seinen eigenen Schatten springen sollte.

Und insgeheim wusste Jisung das auch. Er wusste, dass er sich aufführte wie ein Kind, dass bei allem, was Hyunjin betraf, noch immer der damalige, knapp fünf Jahre alte Kindergartenjunge aus ihm sprach. Er wusste, dass er übertrieb und damit jedem in seinem Umfeld wahrscheinlich schon unfassbar auf den Geist ging. Und er wusste auch, dass sie ja bloß einigermaßen miteinander auskommen müssten und sich nicht immer bei der nächstbesten Gelegenheit sofort an die Gurgel gingen, damit seine Freunde endlich Ruhe gaben.

Aber alles in Jisungs Inneren sträubte sich dagegen, auch nur daran zu denken. Sein Magen rumorte bei der Vorstellung, was jedoch auch daran liegen konnte, dass Jisung allmählich Hunger bekam und sein Bauch deshalb knurrte.

Seufzend rollte Jisung sich auf den Rücken, die Augen an die weiße Decke über ihm gerichtet. An ihr klebten noch immer die Leuchtsterne, die er damals als Kind mit seiner Mutter dort angebracht hatte und die in der Dunkelheit, aufgrund des über den Tag hinweg gespeicherten Sonnenlichtes, grünlich leuchteten. Er hatte nie darüber nachgedacht, sie abzuhängen, denn Jisung mochte Sterne. Und auf diese Weise konnte er sie selbst dann sehen, wenn der Nachthimmel mit seinem strahlenden Mond und den vielen unzähligen Sternen von dunklen Wolken verdeckt wurde.

Einzelne Haarsträhnen hingen ihm ins Gesicht, als er sich schließlich aufsetzte und so ausgiebig streckte, dass seine Gelenkte knackten. Er zog sein Handy aus der Tasche, entsperrte es und öffnete den Gruppenchat, den er mit Chan und Changbin hatte.


Die drei Musiktiere


Jisung:
Treffen dieses Wochenende im Studio?


Es dauerte kaum eine Minute, ehe er eine Antwort erhielt.


Changbin:
dieses Wochenende ist bei mir eher schlecht


Jisungs Herz sank ihm in die Hose und der letzte Hoffnungsschimmer einer Ablenkung zerplatzte wie ein zu stark aufgeblasener Luftballon.


Jisung:
Sag doch einfach,
dass du Lix lieber „emotionalen Beistand“
bei seinem blöden Tanztraining leisten willst,
ganz ehrlich


Und mit dieser Nachricht sperrte er sein Handy wieder und warf es genervt auf die Bettdecke neben sich, dachte erst gar nicht daran, nochmal zu antworten. Auch dann nicht, als sein Bildschirm wenige Augenblicke später aufleuchtete, das Zeichen, dass er eine weitere Nachricht erhalten hatte.

Doch musste er kein Hellseher sein, um bereits im Voraus zu wissen, dass es sich dabei entweder um Changbin handelte, der sich empört zu rechtfertigen versuchte, oder Chan, der Jisung mahnend aufforderte, ruhig zu bleiben. In Momenten wie diesen bekam Jisung es nun mal wieder zu spüren, dass Changbin und Chan sich bereits länger kannten.

Und dabei stritt Changbin es inzwischen nicht mal mehr ab. Er versuchte sich zu rechtfertigen, ja, aber leugnete er es nicht. Einfach, weil jeder bereits wusste, dass Felix der Grund war, wieso Changbin in letzter Zeit so gedankenverloren war, hin und wieder Treffen mit Chan und Jisung ausfielen ließ oder seine sonst so harten Raptexte auf einmal nicht mehr ganz so hart waren.

Oder zumindest wusste es jeder, bis auf Felix selbst.

Denn Changbin mochte Felix. Wahrscheinlich mehr, als es ihm selber lieb war.

Bei dem Gedanken an Changbins verträumtes Gesicht, wenn er mal wieder davon erzählte, wie toll Felix beim Tanztraining war, verdrehte Jisung genervt die Augen, würde seinem Freund diesen Ausdruck manchmal am liebsten wortwörtlich aus dem Gesicht schlagen wollen.

Soll ich Felix mal fragen, was er so von dir hält?, hatte Jisung seinen Freund einmal gefragt und daraufhin prompt einen Schlag gegen den Hinterkopf bekommen.

Misch dich da nicht ein, Jisung. Und wehe, du erzählst Felix irgendwas.

Es war nicht so, dass er Changbin seine Schwärmerei nicht gönnte, so eine Art von Freund war er nun wirklich nicht, sondern konnte er diese hormongesteuerte Verliebtheit einfach nicht ausstehen. Zumindest nicht jetzt.

Nicht jetzt, wo er selbst doch am liebsten ständig über sein Leben plagen würde.

Zum Beispiel über die Tatsache, dass Hyunjin ihn dumm angemacht hatte, nachdem Jisung seinen Teller Spaghetti über ihn verschüttet hatte. Oder dass Hyunjin ihn dann ein paar Tage später, als Jisung so gütig war, sich doch noch zu entschuldigen, einfach auf dem Schulflur hatte stehen lassen. Oder dass Hyunjin Felix zu sehr an sich riss und Jisung befürchtete, er könnte von ihm ersetzt werden. Generell hatte er in letzter Zeit ziemlich oft das Bedürfnis gehabt, sich über Hyunjin aufzuregen.

Hyunjin dies, Hyunjin das, hatte Changbin ihn einmal spöttisch nachgeäfft, dreht dein Leben sich auch noch um was anderes?

Und Jisung hatte daraufhin geschmollt und den restlichen Schultag über kein Wort mehr mit dem Älteren gewechselt. Eben genau deshalb, weil Changbin damit einen wunden Punkt getroffen hatte. Und sie beide wussten das.

Denn so sehr Jisung Hyunjin auch hassen mochte, so sehr er sich über alles, was Hyunjin sagte und tat, aufregte, konnte er trotz allem nicht aufhören, über ihn zu reden.

Du gibst ihm zu viel Macht über dich, Jisung, hatte Chan einmal gesagt und damit absolut recht gehabt. Wenn du ihn so wenig leiden kannst, dann ignorier ihn einfach, blend ihn aus und lass ihn erst gar nicht so nah an dich ran. Er braucht dich nicht zu interessieren.

Das war trotz allem leichter gesagt als getan. Denn zugegebenermaßen war es unfassbar schwer, Hyunjin zu meiden. Nicht nur wegen der Tatsache, dass sie gefühlt jeden ihrer Kurse miteinander hatten, sondern auch, weil Hyunjin irgendwie immer überall und kaum zu übersehen war.

Selbst wenn Jisung versuchen würde, Hyunjin zu ignorieren und ihm aus dem Weg zu gehen, würde er wohl oder übel scheitern.

Spätestens dann, wenn er Felix vom Training abholte und Hyunjin verschwitzt und mit nassen, nach hinten gestrichenen Haaren schwer atmend an der Spiegelwand im Tanzstudio lehnte. Oder wenn Jisung jeden Montagmorgen den Raum, in dem er Psychologie hatte, betrat und Hyunjin, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und lässig in seinem Stuhl sitzend, ihm bereits sein widerlichstes Grinsen schenkte.

Jisung konnte ihm nicht entfliehen.




„Und, mein Schatz, wie war dein Tag heute“, als seine Mutter ihn letztendlich zum Essen gerufen hatte, hatte Jisung sich bereits beim Runtergehen der Treppenstufen einige zufriedenstellende Antworten überlegt, die er seinen Eltern auftischen konnte, sollten sie ihn im Fall der Fälle fragen, wie es denn heute so in der Schule gewesen wäre.

Und dieser Fall der Fälle war ziemlich wahrscheinlich gewesen. Jisung war sich nämlich sicher gewesen, dass seine Mutter ihn, wenn vielleicht auch nur indirekt, darauf ansprechen würde, wieso er vorhin so schlecht gelaunt nach Hause gekommen war.

„Ganz in Ordnung“, entgegnete er, während er sich gegenüber von seinem Vater, der daraufhin den Kopf hob und seine Zeitung beiseite legte, auf einen freien Stuhl an den Esstisch setzte. Die Tischoberfläche war voll gestellt mit den verschiedensten Gerichten und Jisung erinnerte sich wieder an die Diskussion, die er erst letztens mit seiner Mutter gehabt hatte, darüber, dass sie für einfache Abendessen zu dritt nicht immer so viel zuzubereiten brauchte.

Seit Jisungs Geburt war seine Mutter, bis auf einen Nebenjob als Bedienung in einem nahegelegenem Restaurant, größtenteils nur noch als Hausfrau tätig. Damals hatte sie ihren Beruf aufgegeben, um sich vollends auf ihren Sohn fokussieren zu können. Und obwohl sie eine Menge Freizeit besaß, wünschte sich Jisung, sie würde es mit etwas anderem verbringen, als bloß ständig in der Küche zu stehen, um seinem Vater und ihm ein üppiges Abendessen auftischen zu können.

„Felix ist in letzter Zeit nur unfassbar beschäftigt wegen des anstehenden Tanzwettbewerbs und wir finden kaum Zeit, uns über Chans Geburtstagsparty Gedanken zu machen“

Es war zwar nicht die komplette Wahrheit über seine miese Laune gewesen, doch wenn Jisung so darüber nachdachte, trug es definitiv dazu bei.

Zerknirscht schob er sich, nachdem sein Vater und seine Mutter ebenfalls zu Essen begonnen hatten, eine Portion in den Mund und begann zu kauen.

„Ist Chans Geburtstag denn nicht schon übernächstes Wochenende?“


Jisung nickte bei den Worten seines Vaters nur stumm, senkte den Blick und starrte auf den Teller vor sich. Es war frustrierend. Zum Haare ausreißen.

Die letzten Tage über hatten sie es tatsächlich mehrere Male geplant gehabt, sich gemeinsam in der Stadt zu treffen, um nach einem passenden Geschenk für Chan zu suchen, doch war mindestens einem von ihnen immer etwas dazwischen gekommen, weswegen sie es wieder und wieder verschoben hatten.

„Wir kommen einfach nicht dazu“, klagte Jisung. Sei es Felix, der spontan ins Tanzstudio musste, Changbin, dem plötzlich ein anderer Termin dazwischen gekommen war oder Jeongin, der seinen kleinen Bruder von der Vorschule abholen musste, weil seine beiden Eltern immer ganztags arbeiteten und deshalb nicht zu Hause waren.

„Und wir wissen noch immer nicht, was wir ihm schenken sollen“, fügte er dann hinzu. „Wir können uns auf nichts einigen und es endet meistens nur in einer sinnlosen Diskussion, weil es immer jemanden gibt, der etwas an einer Idee auszusetzen hat“

Für einen Moment überkam Stille den Tisch. Jisung sah seine beiden Eltern an, die ihm mit leicht gerunzelter Stirn entgegenblickten.

„Was denn?“, fragte er mit einem angesäuerten Unterton in der Stimme.


„Schätzchen, wieso zerbrecht ihr euch denn so sehr den Kopf über ein einziges Geschenk. Es wird nicht Chans letzter Geburtstag mit euch sein und ihr habt ja auch noch die geplante Feier“, seine Mutter sprach in einem ruhigen Ton, der Jisung sofort entspannte und ihm einen Bruchteil des schweren Gewichtes auf seiner Brust abnahm.

„Wir wollen einfach, dass es perfekt ist“, murmelte er dann etwas zögernd. „Chan macht so viel für uns, wir wollen ihm das einfach irgendwie zurückgeben“

Und das war auch so. Chan war bei Streitereien zwar nicht immer objektiv und lag er, so perfekt er auch oft wirken mochte, auch das ein oder andere mal bei etwas falsch, doch war er immer für die anderen da und hörte sich ihre Sorgen an, versuchte, ihnen hilfreiche Ratschläge zu erteilen.

Jisung erinnerte sich an das eine Mal, als Felix sich das Fußgelenk verstaucht hatte und er absolut niedergeschlagen war, weil er deswegen wochenlang im Training aussetzen musste, bis er wieder tanzen durfte. In dieser Zeit war Chan, trotz des Prüfungsstresses, den er gehabt hatte, fast täglich bei Felix Zuhause gewesen und hatte ihn auf andere Gedanken gebracht.

Oder als er einmal mitten in der Nacht ins Studio gefahren war, sich auf den Weg dorthin beim nächstbesten Imbiss noch Essen zum Mitnehmen geholt hatte, weil er gewusst hatte, dass Changbin den ganzen Tag über dort verbracht hatte, ohne auch nur einmal etwas gegessen oder eine Pause gemacht zu haben.

Eigentlich hätte er es nicht wissen können, weil Changbin an jenem Tag keinem von ihnen geschrieben hatte. Und trotzdem war er da gewesen und hatte sichergestellt, dass Changbin etwas aß, hatte ihn letztendlich auch nach Hause gefahren. Jisung war sich sicher, dass es an Chans unfassbar guten Intuition lag.

„Denkst du wirklich, Chan würde wollen, dass ihr euch deswegen streitet?“, wollte seine Mutter dann wissen. „Wenn er sich entscheiden könnte, zwischen eurer Gruppe und einem Geschenk, was denkst du würde er wählen?“

Jisung biss sich auf die Unterlippe.

Seine Mutter hatte ja recht.

Chan würde es sich wahrscheinlich nie verzeihen, wenn er wüsste, dass sie sich seinetwegen so oft in die Haare gekriegt hatten.


„Ich weiß doch auch nicht“, jammerte Jisung dann, schob sich eine weitere Portion Essen in den Mund. Seine Mutter war eine gute Köchin. Vielleicht sollte sie doch noch eine Karriere in der Gastronomie starten. Das Talent dazu hätte sie allemal.

„Es würde schon reichen, wenn wir ihm irgendwas schenken. Aber dann wieder doch nicht, weil es etwas brauchbares sein soll, versteht ihr. Etwas, was zu Chan passt“

„Wie wärs, wenn ihr die nächsten Tage einfach mal in die Stadt geht, hm?“, schlug sein Vater vor, unterbrach Jisung dann mit einer Handbewegung, ehe dieser auch nur ansetzen konnte, etwas einzuwerfen. „Und wenn einer von euch dann an diesem Tag keine Zeit hat, dann soll dem so sein. Wenn ihr euch immer danach richtet, werdet ihr nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen“

Jisung nickte.

Vielleicht sollte er den anderen nachher tatsächlich noch schreiben und sie fragen, ob sie sich morgen nach der Schule in der Stadt nach einem Geschenk umsehen wollten.

„Dann wäre das ja jetzt geklärt“, seine Mutter lächelte ihn an. Dennoch hatte Jisung das Gefühl, ja, befürchtete schon beinahe, dass sie wusste, dass das nicht die ganze Wahrheit gewesen war. Er konnte seiner Mutter selten etwas vormachen, dafür waren sie sich zu ähnlich, dachten zu gleich.

Doch selbst wenn seine Mutter ahnte – oder sogar wusste – dass hinter seiner schlechten Laune mehr steckte, fragte sie nicht mehr weiter nach.

Und Jisung war froh drum.

Er wollte nicht auch noch zu Hause seine Energie an Hyunjin verschwenden müssen.

Sein Zuhause war die einzige, absolute und komplett Hyunjin-freie Zone.




Als er nach dem Essen wieder zurück in seinem Zimmer angekommen war und sich direkt auf sein Bett geschmissen hatte, verschwendete Jisung keine Zeit mehr, sondern griff stattdessen nach seinem Handy und schrieb den anderen.


Känguru-Geburtstag


Jisung:
Habt ihr morgen Zeit,
nach der Schule in die Stadt zu fahren?


Die erste Antwort ließ nicht lange auf sich warten.


Jeongin:
Bin sofort dabei.
Uns bleibt nicht mehr viel Zeit bis zu Chans Geburtstag,
die können wir nicht ständig mit unnötigen Streitereien verschwenden,
dafür gibt es noch zu viel zu tun.

Felix:
Innie hat recht,
wir haben so gut wie noch nichts vorbereitet.

Jisung:
Also seid ihr dabei?


Changbin:
Klar, Ji. Morgen klingt gut.


Jisungs Mundwinkel hoben sich bei dem Spitznamen. Der „Streit“ von vorhin war so gut wie vergessen. Jisung bekam sich oft, sowohl mit Changbin, als auch Chan in die Haare, was wahrscheinlich meistens an ihm selbst lag. Jedoch hatte der Zorn aufeinander bisher noch nie lange angehalten. Waren es eben doch nur Streitigkeiten über Meinungsverschiedenheiten oder irgendwelche Kleinigkeiten, die einander auf die Palme brachten.


Jisung:
Das freut mich, Hyung!
Lix, wie sieht's bei dir aus?


Felix:
Tut mir leid, Ji,
aber ihr werdet auf mich verzichten müssen,
hab morgen nach der Schule direkt Training.


Jisung versuchte, das Rumoren in seinem Magen zumindest einmal in seinem Leben auszublenden. Er hatte es immerhin bereits geahnt. Stattdessen öffnete er Felix' Chat.

Jisung:
Lix..


Felix:
Jisung, es tut mir wirklich leid wegen morgen.
Aber ich kann das echt nicht absagen.

Jisung:
Das meinte ich doch gar nicht.
Ist schon okay, es ist für den Wettbewerb,
schon klar.


Jisung zögerte die nächste Nachricht abzusenden, wusste selbst nicht genau, woher dieser plötzliche Sinneswandel kam.


Jisung:
Ich wollte eigentlich fragen,
ob du mir Hyunjins Nummer schicken könntest.

Jisung:
...wegen dem Projekt.


Er konnte sehen wie Felix mehrere Male zum schreiben ansetzte, dann aber doch wieder aufhörte. Das machte die Sache nicht wirklich besser, doch gab es jetzt kein zurück mehr.

Oh, war das Einzige, was Felix nach knapp einer Minute dann schrieb. Jisung wollte schon aufstöhnen, doch folgte daraufhin ein klar, warte.

Und tatsächlich poppte keine zehn Sekunden später Hyunjins Kontakt in ihrem Chat auf.

Jisung schluckte.

Der schlimmste Part lag noch immer vor ihm. Immerhin würde er Hyunjin anschreiben müssen, egal wie sehr alles in ihm sich dagegen sträubte. Es führte kein Weg daran vorbei.

Zögerlich klickte er auf Hyunjins Kontakt und öffnete dann einen neuen Chat.

Wieso war er auf einmal so nervös?

Schließlich handelte es sich um Hyunjin. Nur um Hyunjin, den er nicht leiden konnte, seitdem er denken konnte. Doch wahrscheinlich war genau das das Problem. Dass er sich dumm dabei vorkam, derjenige zu sein, der nachgab und ihn anschrieb. Eigentlich wollte er Hyunjin diesen Triumph nicht gönnen. Doch hatte Jeongin recht. Er kam nicht drum herum.

„Jetzt oder nie“, murmelte er dann zu sich selbst.


Jisung:
Hyunjin.


Jisung:
Hier ist Jisung.


Jisung:
Felix hat mir deine Nummer geschickt.


Jisung fühlte sich lächerlich. Wie ein Idiot. Am liebsten würde er die Nachrichten einfach wieder löschen.


Jisung:
Wann und wo treffen wir uns?


Jisung:
wegen dem Projekt, mein ich...


Kaum hatte er die letzte Nachricht abgeschickt, sah Jisung, dass Hyunjin online kam. Sein Herz begann mit einem Mal an zu rasen, fluchtartig sperrte er sein Handy und hätte es am liebsten gegen die Wand geschmissen. Seine Ohren begannen zu glühen und erneut vergrub er das Gesicht in seinem Kissen, gab ein klagendes Stöhnen von sich. Seine Emotionen fuhren Achterbahn. Er war aufgewühlt, panisch, wollte die Zeit am liebsten für einen Moment anhalten.



Etwa zehn Minuten später, hatte Jisung sich wieder einigermaßen beruhigt, sein Herzschlag sich normalisiert.

Eine Antwort von Hyunjin hatte er jedoch nicht erhalten, obwohl dieser seine Nachrichten geöffnet und demnach wohl auch gelesen hatte.

Und als er um kurz vor Mitternacht endlich schlafen ging, und sah, dass er auch dann noch immer keine Nachricht von Hyunjin bekommen hatte, wollte er am liebsten im Erdboden versinken, weil er tatsächlich geglaubt hatte, es wäre vielleicht doch keine so schlechte Idee, den ersten Schritt zu machen.

Jisung war echt ein Idiot.


author's note:

Ich wollte den Groupchat von Chan, Changbin und Jisung eigentlich "Die drei Musketiere" nennen aber dann hab ich ausversehen "Musik" anstatt "Muske" geschrieben und fand mich selber so lUsTig, dass ich es einfach gelassen hab. Passt ja auch zu ihnen, nh :D

Auf jeden Fall hoffe ich, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsch jedem noch einen schönen restlichen Feiertag, huiui

Liebe Grüße und man hört sich wieder (es sei denn, ich überlebe Skz' Comeback nicht, was sehr wahrscheinlich ist :D),
Julie
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