Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

reaching for the stars

von juliemyg
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Han / Han Jisung Hwang Hyunjin
20.05.2020
01.07.2020
7
17.881
9
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
04.06.2020 3.356
 


Auf seinem Weg nach Hause hatte Jisung den Blick kontinuierlich auf den Weg vor sich gerichtet, einen kleinen Kieselstein dabei frustriert vor sich her kickend. Sein Tempo war zügig und er konnte es kaum mehr abwarten, endlich Zuhause zu sein. Wo er sich in seinem Zimmer verkriechen und den heutigen Tag vergessen konnte.

„Hyung, ich versteh' ja, wenn du schlecht drauf bist, aber der Stein kann jetzt wirklich nichts dafür“, ergriff Jeongin zum ersten Mal, seit sie das Schulgebäude verlassen hatten, das Wort.

Etwas überrascht schreckte Jisung daraufhin aus seinen – mehr oder weniger – trübseligen Gedanken, stolperte dabei über seine eigenen Beine und wäre wahrscheinlich ungemütlich auf den Boden gefallen, wenn Jeongin ihn nicht noch rechtzeitig am Arm gepackt und festgehalten hätte.

„Danke“, grummelte er leise, den Kopf dabei hochrot.

„Ich weiß ja nicht, ob dich das jetzt irgendwie aufmuntert, aber ich mag Hyunjin auch nicht sonderlich“, fuhr der Jüngere dann fort, nicht weiter auf Jisungs Tollpatschigkeit eingehend, weil er wusste, dass es ihm unangenehm wäre und sein Freund heute sowieso nicht den besten Tag hatte.

Jeongin hatte zwar Spaß daran, sich ständig über den Älteren lustig zu machen und das auch offen zu zeigen, doch wusste er, wann es besser war, die Klappe zu halten.

Schließlich waren sie trotz allem ja Freunde.

„Felix hat Hyunjin anfangs auch nicht gemocht“, Jisung spuckte ihm die Worte schon beinahe verächtlich entgegen, doch wusste Jeongin, dass der Ältere tief im Inneren einfach nur verletzt war.
„Doch hat dieser Mistkerl scheinbar eine Aura, die jeden, der ihm zu nahe kommt, in ihren Bann zieht und plötzlich ist er der neue beste Freund, mit dem man lacht und Geheimnisse teilt und seine Haare färbt“

„Du klingst verdammt eifersüchtig, weißt du das?“, fragte Jeongin, während sie in eine kleine Seitengasse einbogen. Ein Schleichweg, der ihnen zehn Minuten Fußmarsch nach Hause ersparte.

Und ja, Jisung wusste es. Konnte es inzwischen auch nicht mehr verstecken. Es passte ihm eben nicht, dass Felix mit Hyunjin befreundet. Trotzdem hatte er vor seinem besten Freund nie wirklich zugegeben, wie sehr ihn das Ganze eigentlich verletzte. Er wollte nicht, dass Felix sich schlecht fühlte, weil dieser sowieso nicht verhindern könnte, weiterhin mit Hyunjin Kontakt zu haben und ihn zu sehen. Und sei es bloß beim Tanztraining.

„Kannst du es mir verübeln?“, stellte Jisung daraufhin seufzend die Gegenfrage und aus dem Augenwinkel sah er, wie Jeongin knapp den Kopf schüttelte.

„Nicht wirklich“, antwortete dieser. „Geht mir ja genauso“

Und das erste Mal seit langem hielt Jisung inne. Nicht körperlich, sondern viel mehr geistig. Denn hatte ihn eine Erkenntnis getroffen, die er bislang scheinbar komplett ausgeblendet hatte. Es war beinahe so, als hätte Jisung vergessen, dass Felix ja auch Jeongins bester Freund war.

„Oh“, entkam es ihm dann unüberlegt und für einen Augenblick konnte man nur das Knirschen kleiner Kieselsteine unter ihren Schuhsohlen und das Aneinanderreiben des Stoffes ihrer Hosen beim Gehen hören.

„Tut mir leid, Jeongin, daran hab ich überhaupt nicht gedacht“

Von all seinen Freunden konnte Jisung mit absoluter Gewissheit behaupten, Felix und Jeongin am längsten und wahrscheinlich auch am besten zu kennen. Getroffen hatte er beide damals, als er selbst kaum größer als die Küchentheke im Haus seiner Eltern gewesen war und er sich ständig den Hocker aus ihrem Badezimmer hatte holen müssen, um ans Süßigkeitenfach heranzukommen.

Felix, einen Tag jünger als Jisung, war damals ein kleiner, quirliger Bengel gewesen, der mit seinen Eltern gerade erst nach Korea gezogen war und deswegen noch keine wirklichen Freunde gehabt hatte. Stattdessen hatte er viel zu viele Flausen im Kopf gehabt, im Kindergarten immer für Trubel gesorgt. Und wenn Jisung zu dem Zeitpunkt nicht genauso gewesen wäre, hätte er Felix wahrscheinlich als unfassbar nervig empfunden und sich gar nicht erst mit ihm angefreundet.

Jeongin hatten sie kurze Zeit später kennengelernt. Ein stiller, augenscheinlich schüchterner Junge, kleiner als die restlichen in seinem Alter und deswegen oft der Ausgeschlossene. Jisung und Felix hatten ihn eines Tages durch Zufall draußen im Garten der Kita beim Fangen spielen alleine in einer Ecke herumsitzen sehen und ihn spontan unter ihre Fittiche genommen. Von dem Augenblick an waren sie unzertrennlich gewesen – Jisung und Felix immer darauf achtend, Jeongin vor all dem Übel und Hänseleien der Größeren zu schützen.

Jisungs Eltern hatten die drei immer Goldenes Trio genannt, als sie sie so hatten spielen sehen, über nichts und doch wieder alles lachend. Und auch wenn Jisung zu dem Zeitpunkt noch nicht genau verstanden hatte, was sie damit gemeint hatten, hatte er gewusst, dass es etwas Gutes gewesen sein musste. Bei der Art, wie seine Eltern sie immer mit solch liebevollen Augen angesehen hatten.

Es war alles gut gewesen, er hatte tolle Freunde, tolle Eltern, glückliches, unbeschwertes Leben für einen fünfjährigen Jungen. Doch, wie das Schicksal es eben wollte, hatte er eines Tages Hwang Hyunjin kennengelernt.

Seine erste Begegnung mit ihm war so unbedeutend gewesen, dass Jisung sich im Nachhinein nicht einmal mehr daran erinnern konnte. Die erste wirkliche Erinnerung, die er mit Hyunjin teilte, und die sich so anfühlte, als wäre sie erst vor ein paar Wochen gewesen, war, als Hyunjin auf Jisungs Sandkuchen getreten war. Das schrille Lachen konnte er bis heute noch in seinen Ohren schallen hören.

Jisung, den Tränen nahe, war daraufhin wütend aufgesprungen und Hyunjin schreiend nachgejagt, wäre dabei beinahe über den Rand des Sandkastens gestolpert. Ungeschickt war er eben auch schon damals gewesen.

Und verdammt, Hyunjin war unfassbar schnell gewesen, hatte, trotz des geringen Altersunterschiedes zwischen den beiden, viel längere Beine als Jisung gehabt. Und dieser hätte ihn wahrscheinlich auch nicht mehr eingeholt, wenn er selbst keine bessere Kondition als Hyunjin gehabt hätte.

Während der Größere nämlich nach und nach langsamer geworden war, hatte Jisung sein Tempo beibehalten, sodass er Hyunjin bald darauf dicht genug auf den Fersen gewesen war, um ihn am Jackenzipfel zu packen. Jedoch hatte er sich zu früh gefreut, denn war Hyunjin keine zwei Sekunden später im noch nassen Gras (es hatte die Nacht zuvor in Strömen geregnet) ausgerutscht und hatte Jisung mit sich zu Boden gerissen.

Jisung hatte sich weder großartig verletzt, noch hatte es sonderlich weh getan, doch hatte er spüren können, wie sich der Stoff seiner Kleidung langsam aber sicher mit Wasser vollgesogen hatte. Er hatte den kalten Grund unter sich gespürt, das Gras unter seinen Handinnenflächen, mit denen er versucht hatte, seinen Sturz größtmöglich abzufangen, kitzelnd. Und er hatte Hyunjin neben sich ächzen hören können.

Entschuldige dich wenigstens bei mir, hatte dieser Jisung wütend an den Kopf geworfen, nachdem sie von ihren beiden Erzieherinnen ausgeschimpft worden waren und jetzt im Krankenzimmer darauf hatten warten müssen, von ihren Eltern abgeholt zu werden. Der spaßige Tag im Kindergarten war für sie beide mit dieser Aktion vorbei gewesen.

Ich soll mich bei dir entschuldigen? Du bist hast meinen Sandkuchen kaputt gemacht. Du musst dich bei mir entschuldigen, hatte Jisung daraufhin gemeint, seine Stimme war zwar erschreckend ruhig gewesen, doch hatte man ihm den Zorn noch immer im Gesicht ansehen können. Seine Wangen hatten geglüht.

Deinen blöden Sandkuchen kannst du nochmal machen, meine Klamotten sind dreckig, ich bin nass und mir ist kalt, Hyunjins Stimme hatte gebebt und Jisung hatte schon befürchtet, er würde ihm in der nächsten Sekunde an den Hals springen. Wenn ich krank werde ist das deine Schuld, Blödmann.

Jisung war erschrocken über Hyunjins Wortwahl gewesen. Seine Eltern hatten ihm den Gebrauch jeglicher Beleidigungen immer strengstens verboten.

Wen nennst du hier Blödmann, du Dummkopf-“, Jisung hatte sich bereits darauf gefasst gemacht, Hyunjin noch weitere Schimpfwörter, die er irgendwann irgendwo von irgendjemandem aufgeschnappt hatte, als ein empörtes Jisung ertönt war. Jener hatte diese Stimme sofort als die seiner Mutter identifiziert. Sowohl erschrocken als auch ertappt, war Jisung herumgefahren, hatte seine Eltern, die mit undefinierbaren Gesichtsausdrücken im Türrahmen gestanden waren, mit großen Augen angesehen.

Mama-, seine Stimme war plötzlich mehrere Oktaven höher gewesen und war er etwas in sich zusammengeschrumpft.

Ab jenem Tag hatte Jisung sich fast tagtäglich mit Hyunjin in die Haare gekriegt – meist über die belanglosesten Kleinigkeiten. Doch hatte es ihn nicht wirklich gestört und dachte er erst gar nicht daran, sich bei dem Größeren für irgendetwas zu entschuldigen.
Denn trotz allem hatte Jisung es genossen ein Kind zu sein, hatte es genossen jung zu sein und Spaß mit seinen Freunden zu haben. Keine Verpflichtungen zu haben. Wenn das das Leben ist, hatte er gedacht, dann kann es für immer so bleiben

Naiv war Jisung als kleines Kind schon immer gewesen, das gab er im Nachhinein ganz offen zu. Aber noch nie hatte er sich mit einer Aussage so sehr getäuscht wie mit dieser. Denn war das Leben in Wirklichkeit keineswegs so, wie es damals gewesen war oder wie Jisung geglaubt hatte, dass es immer sein würde.

„Hyung, ist schon okay“, ertönte plötzlich wieder Jeongins Stimme. Jisung hatte für einen Augenblick vergessen, dass er nicht alleine war. „Ich mag Hyunjin nicht, das stimmt, aber ich habe mit ihm nichts zu tun. Im Gegensatz zu dir habe ich keinerlei Beziehung zu ihm“

Jisung seufzte, legte den Kopf in den Nacken und blickte Richtung Himmel, der so trüb war, wie er sich derzeit innerlich fühlte.

„Um ehrlich zu sein, würde es mich nicht wundern, wenn ihr beiden euch gleich bei eurem ersten Treffen direkt an die Gurgel geht“, meinte Jeongin dann und sowohl er als auch Jisung wussten, dass der Jüngere dabei nicht einmal übertrieb.

„Vielleicht ignoriere ich einfach, die Sache mit dem Partner einfach, und arbeite stattdessen alleine an dem Projekt“, schlug Jisung vor, der Gedanke kreiste ihm schon seit der Pause im Kopf herum.

„Ich glaube eher, du solltest ignorieren, dass es Hyunjin ist, der dein Partner ist“, erwiderte Jeongin.

„Wenn das so einfach wär, wie es sich anhört, Innie“, seufzte Jisung, sein Blick fiel auf einen kleinen Stein vor ihm und ohne lange darüber nachzudenken, kickte er ihn mit dem Schuh ein paar Meter weiter nach vorne. Er musste den Jüngeren nicht einmal ansehen, um zu wissen, dass dieser die Augen verdrehte.

„Ich weiß, dass das alles unfair ist, dich unfassbar nervt und dir weh tut“, sagte Jeongin dann. „Ich finde das, was Felix da macht auch nicht gerade klasse, glaub mir. Ich vermisse es auch, Zeit mit euch zu verbringen ohne dass mindestens einmal der Name Hyunjin fällt und damit die ganze Stimmung kippen lässt. Ich finde es überhaupt schade, dass wir kaum mehr Zeit nur zu dritt verbringen“

Momente wie diese gaben Jisung immer das Gefühl, viel zu egoistisch zu sein. Zu egoistisch zu denken, zu handeln und sich zu verhalten. Er hätte daran denken müssen, dass Jeongin auch nur sie hatte. Klar, war er mit Leuten aus seiner Jahrgangsstufe befreundet, aber zählte er sie nie wirklich zu seinen engen Freunden.


Das sind nur Schulfreunde, was sollen die schon hier, hatte er gemeint, als Felix und Jisung ihm einmal vorgeschlagen hatten, doch ein paar Leute aus seiner Klasse zu seinem Geburtstag einzuladen. Solange ich euch habe, brauch ich nicht noch mehr beste Freunde.

„Aber Felix hat recht gehabt, hörst du?“, fuhr Jeongin dann fort und Jisung konnte seinen brennenden Blick auf sich spüren. Eines seiner Talente. Jeongins Blick war schon immer scharf gewesen, seine Augen wie zwei Laser, stechend, und Jisung konnte ihnen oft nur schwer standhalten.

„Du brauchst Hyunjin für das Projekt. Andernfalls könnte es darauf hinauslaufen, dass du die Klasse wiederholen musst. Im Gegensatz zu ihm bist du eine absolute Niete in sowas, und das weißt du. Denk dran, was du deinen Eltern zum letzten Schuljahresende versprochen hast“

Natürlich hatte Jisung daran gedacht. Der Gedanke hämmerte beinahe tagtäglich gegen seinen Schädel, erinnerte ihn kontinuierlich an das Versprechen, das er seinen Eltern nach Vergabe der Jahreszeugnisse im letzten Jahr gegeben hatte. Dass er sich in der Schule bessern und Prioritäten setzen würde. Dass er nicht nochmal nur gerade noch das Schuljahr bestehen würde.

„Das hätte ich schon fast vergessen“, kam es trocken von Jisung und Jeongin kicherte, stieß ihn freundschaftlich in die Seite.

„Du weißt ich will dir nur helfen“


Natürlich wusste Jisung das. Und inzwischen war er sogar der Meinung, dass Jeongin ihm derzeit eine größere Hilfe als Felix war. Und das, obwohl er Witze auf Jisungs Kosten machte und ihm ständig auf die Nerven ging.

„Ach Innie, wann bist du bloß so erwachsen geworden?“, es klang weniger wie eine tatsächliche Frage, sondern eher wie eine Aussage. In Jisungs Augen war er meist noch immer der schüchterne Junge von früher – zumindest war es das, was er ihn ihm zu sehen versuchte. Denn die Tatsache, dass selbst Jeongin inzwischen so erwachsen war, führte ihm erneut vor Augen, dass auch sie nicht von der Zeit verschont blieben.

„Ich hab einen kleinen Bruder. Mir bleibt nichts anderes übrig, ich muss ja schließlich ein gutes Vorbild sein“, Jeongin lachte, als Jisung ihm durch die Haare wuschelte, schlug halbherzig seine Hand weg.

„Hyung, meine Frisur“, jammerte er, aber wusste Jisung, dass der Jüngere nur Spaß machte. Jeongin hatte sich noch nie wirklich um Dinge wie perfekt sitzende Haare oder teure Klamotten geschert.

„Schon gut, schon gut“, lachte Jisung.

Sie waren nicht mehr weit von zu Hause entfernt und ihre Wege würden sich bald trennen, wohnten sie trotz allem jedoch nur ein paar Straßen voneinander entfernt. Als Kinder hatten sie diese geringe Distanz sehr geschätzt und auch jetzt war sie noch immer praktisch. Immerhin war es dadurch viel einfacher, sich öfters zu treffen.

„Wegen der Sache mit Hyunjin“, meinte Jisung dann etwas zögerlich. „Darüber muss ich glaub ich erst noch einmal eine Nacht drüber schlafen. Bis jetzt fühlt sich das Ganze alles andere als gut an und mein Magen gibt mir das Gefühl, ich müsse mich gleich jeden Moment übergeben“

„Vielleicht schreibst du heute Abend einfach einmal Felix und fragst ihn nach Hyunjins Handynummer? Danach kannst du dann immer noch entscheiden, ob du ihm schon heute oder erst wann anders schreiben willst“, schlug Jeongin dann vor und Jisung nickte. Das Haus des Jüngeren erschien in ihrem Blickfeld. „Und im Notfall kannst du ja doch nochmal versuchen, mit eurer Lehrerin zu reden. Mit etwas Glück hat sie Verständnis, wenn du ihr die Umstände erklärst“

Jisung sah Jeongin an und zog eine Grimasse.

„Verständnis für eine Kindergartenfehde? Wohl eher weniger. Sie hat Hyunjin ja nicht erst ausreden lassen, als er damit anfangen wollte“


Jeongin zuckte mit den Schultern.

„Wer weiß“, meinte er. „Kannst es dir ja als Plan B aufheben“


Er lachte, als er Jisungs gequälten Gesichtsausdruck sah.

„Das wird schon, Hyung, Kopf hoch“, und als sie an seinem Haus angekommen waren, drückte er Jisung kurz an sich. Das tat er nicht oft und schon gar nicht von sich aus und deswegen war Jisung dankbar, dass heute einer dieser besonderen Tage war, an dem der Jüngere ihn freiwillig umarmte ohne dabei das Gesicht zu verziehen.

„Wir sehen uns dann morgen in der Schule, in Ordnung? Schreib mir, falls es irgendwelche Neuigkeiten gibt und versuch dich erst gar nicht wegen der Sache mit der Handynummer zu drücken, du kommst nicht drum herum“

Jisung fand es schon fast erstaunlich, wie Jeongin ihm mit bloßen Worten den Hintern versohlen konnte, ihn auf die rechte Bahn lenkte. Er wusste, dass er alles, was der Jüngere heute zu ihm gesagt hatte, hatte hören müssen. Er hatte es größtenteils bereits im Vorhinein gewusst, aber brauchte er die Sicht eines – mehr oder weniger – Außenstehenden, um sich wirklich sicher zu sein.

„Keine Sorge, Innie, mach ich nicht“, versicherte Jisung ihm dann, woraufhin Jeongin zufrieden nickte. Ob Jisung sich wirklich an die Aussage halten würde, wusste er bislang noch immer nicht genau. Es würde ihn jedenfalls eine Menge Überwindung kosten, Felix nach Hyunjins Nummer zu fragen und noch eine viel Größere, diesem dann auch noch tatsächlich zu schreiben.

Immerhin passten Jisung und Hyunjin einfach nicht zusammen.

Zwei Menschen so unterschiedlich wie hell und dunkel, die sich seit Kindheitstagen nicht ausstehen konnten, sollten jetzt urplötzlich miteinander auskommen, um ein gemeinsames Schulprojekt auf die Beine zu stellen.

Es war absolut absurd und Jisung hätte beinahe darüber gelacht, wenn nicht er derjenige wäre, der in diesem Schlamassel steckte. Er fühlte sich wie im falschen Film.

„Ach und Hyung?“, rief Jeongin ihm dann nach, als er schon beinahe an der Haustüre und Jisung um die nächste Ecke war. Der Gerufene blieb stehen, sah den Jüngeren fragend an.

„Vergiss nicht, Changbin wegen Chans Geburtstag zu schreiben! Wir müssen uns noch immer überlegen, was wir ihm schenken und wo wir feiern“

Jisung streckte daraufhin den Daumen in die Luft, als Zeichen, dass er verstanden hatte, ehe er sich von Jeongin abwandte und weiterging.

Chans Geburtstag.

Jisung hätte es schon wieder fast ganz vergessen. Es war bereits Ende September, was bedeutete, dass Chans Geburtstag vor der Tür stand. Changbin, Jeongin, Felix und Jisung hatten sich schon seit Wochen den Kopf darüber zerbrochen, was sie dem Ältesten schenken könnten, und noch immer waren sie zu keinem wirklichen Ergebnis gekommen.

Jisung hatte zuerst den Vorschlag gebracht, ihm doch neue Kopfhörer zu kaufen, da seine bisherigen eben schon ziemlich alt gewesen waren und der Ton auch nicht mehr sonderlich gut gewesen war. Doch war diese Idee geplatzt, nachdem Chan vor zwei Wochen mit einem brandneue, super teuren Paar Kopfhörer ins Studio spaziert war.

Manchmal muss man sich auch mal was gönnen, hatte er bloß gesagt, als er die sprachlosen Gesichter von Jisung und Changbin gesehen hatte. Die beiden hatten sich daraufhin nur stumm angesehen, den Mund noch immer offen stehend, und in den Augen des jeweils anderen die langsam aber sicher aufsteigende Panik erkennend.

Es war ziemlich schwer Chan ein wirkliches Geschenk zu machen und das, obwohl er eigentlich ziemlich viele Dinge mochte.

Was die Sache mit der Location betraf wollte Jeongin nur, dass Jisung Changbin daran erinnerte, dass es jetzt eine abgemachte Sache war, dass die Feier bei ihm zu Hause stattfinden würde.

Jisung konnte sich bereits Changbins Gesichtsausdruck ausmalen, der Ältere war über den Vorschlag nämlich ganz und gar nicht begeistert gewesen. Nicht etwa, weil er keinen Platz hatte, sondern viel mehr eher ganz im Gegenteil. Changbins Familie war nun eben einmal wohlhabend, besaß ein großes Haus und einen riesigen Garten und Changbin befürchtete, dass die Party auf irgendeine Weise ausarten könnte. Und dann hätte er nämlich den Salat.

Zwar würden Changbins Eltern zum Zeitpunkt der Feier noch immer nicht im Land sein – sein Vater war vorgestern beruflich für vier Wochen in die Staaten geflogen und seine Mutter hatte sich – laut Changbin – anscheinend spontan dazu entschieden, mitzukommen, doch war der Ältere dennoch nicht sonderlich angetan von der Idee.

Zugegeben konnte Jisung Changbins Sorge nachvollziehen, er selbst würde auch eher ungern irgendwelche Menschen für eine Party in sein Haus lassen, wenn an dessen Decke ein Kronleuchter hängen würde, der mehr kostete, als Jisungs Eltern in einem Monat verdienten. Aber hatten sie ja auch nicht vor, Wildfremde und – noch viel wichtiger – vor allem nicht allzu viele Gäste einzuladen. Gerade genug, um ihrem Freund eben einen schönen Abend zu bereiten.


author's note:

AHHHHHHH!!1!!!11!1!!

Ich schreie noch immer noch wegen dem Video, dass vorhin gepostet wurde. Mein Mund war legit die ganze Zeit so :O und ich musste erst mal ne Stunde mit ner Freundin telefonieren, um mich zu beruhigen lmao.

Hyunjins Frisur (AKDJEKSJFJKFKJJE!!!) war legit eine der besten Entscheidungen, die ihre stylists jemals getroffen haben, no joke. UND MINHO UND CHAN SLEEVELESS *chef kiss* Ich bin suddenly wieder hetero lf

Sie sehen alle so unfassbar gut aus ich bin instant wieder am simpen nh.

Auf jeden Fall war ich jetzt so hyped und alles, dass ich mich dazu entschlossen hab, das Kapitel heute schon hochzuladen. Sonst hätte ich es wsl morgen oder so gemacht lol.

Wobei man das heute vielleicht mehr als einen Filler betrachten kann? Keine Ahnung, dass war aber denk ich aber das letzte Mal, dass ich etwas weiter auf die Anfänge von Hyunjin und Jisungs Feindschaft eingehe lol. Die eigentliche Action fängt jetzt erst an wuhu ich bin irgendwie selber gespannt, wie sich das Alles noch so entwickelt.

Auf jeden Fall wünsche ich euch allen noch eine schöne restliche Woche (und vielleicht haben ein paar von euch ja auch wie ich gerade Pfingstferien :D)


PS: Das Kapitel hat genau 3131 Wörter und das ist absolut irrelevant, aber ich fand das so satisfying, dass ich es euch kurz mitteilen wollte lmao.


Liebe Grüße und man hört sich c:
Julie
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast