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OneshotFreundschaft, Schmerz/Trost / P16
Seo Changbin
20.05.2020
20.05.2020
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like a streetlight
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After the end of a lonely day
I’m standing in the air
in the middle of a lonely night
and try to smile brightly



Die Nacht zog sich wie eine schwarze Decke über Seoul, die Luft war kühl und als ich oben auf dem Hausdach stand, wurde ich von den dominanten Lichtern der Metropole erdrückt. Tief atmete ich ein und wieder aus, sodass kleine Atemwölkchen in die Luft stiegen. Tränen rannten mir schon seit Minuten-oder Stunden? über die Wangen, sodass ich eher vor dem Schmerz, als der Kälte zitterte.

Kleine Dämonen hatten sich in meinem Kopf zu einem Kaffekränzchen getroffen und hämmerten gegen meinen Verstand. Sie nagten und ärgerten mich, schienen mich verrückt zu machen. Mein Handydisplay zeigte drei Uhr nachts an, meine Augen waren müde und mein Körper schlaff und erschöpft. Ich schmeckte Salz und bittere Traurigkeit, die ich versuchte runterzuschlucken, aber der Kloß in meinem Hals saß fest und drückte mir die Lunge zu. Ich schluchzte jämmerlich auf.

Hör auf zu weinen, Changbin.

Versuch zu lächeln, ein bisschen. Ein Stück, ein Licht, ein Strahlen, ein Lächeln.

Mein Finger glitt wie von selbst auf die Instagram App und ich las unter meinen letzten Post nur Komplimente.
Wie talentiert ich doch war.
Wie hübsch ich doch war.
Wie dankbar sie mir doch waren.

Nette, einfühlsame und taktvolle Kommentare, die mich für einen kurzen Moment aufschreien ließen. Irgendwo hupte ein Auto, eine Sirene heulte und der Straßenlärm rauschte in meinen Ohren. Meine Finger zitterten, mein Atem ging stoßweise und eine unheimliche Angst breitete sich wie Parasiten in mir aus.

Es tut mir so leid, Stays.

Ich kann nicht der sein, auf den ihr euch verlassen könnt. Ich bin schwach, so unendlich schwach. Es ist so unfair von mir, dass ich mich auf euch verlasse, aber ihr euch niemals auf mich verlassen könnt. Es tut mir so unglaublich leid, aber ich würde euch nur enttäuschen. Ich wollte immer für euch stark sein, aber, ich will nicht der Grund sein, warum ihr euer Vertrauen und Stärke in mich verliert, nur weil ich meine Kraft verlier‘. Ich lachte immer, lächelte immer, aber ich wollte nicht, dass ihr mein wahres Ich seht.


Die Tränen brannten wie Feuer auf meiner Haut und als ich sie wegwischte, kamen immer noch mehr. Ich hasste es zu weinen, alles war klebrig und ich fühlte mich so wertlos. Zitternd trat ich wieder den Rückweg an, obwohl meine Brust schmerzte und mein Herz sich verzog, die dunklen Gedanken überschwemmten die hellen und eine tiefe Dunkelheit breitete sich in meinem Kopf aus.
Im Dorm schienen die anderen Jungs schon zu schlafen, also schlich ich auf Zehnspitzen in mein Bett und als ich die warme Decke über meinen Körper spürte, die Wärme in die sie mich einlullte, so musste ich leicht Lächeln, während die Tränen auf meinen heißen Wangen sich versiegelten.

Am nächsten Tag fühlte ich mich ausgelaugt und kraftlos, träge stand ich auf, meine Beine wackelten, aber ich lächelte.

Für einen kurzen Moment stand ich am Türrahmen und beobachtete meine fröhlichen Member beim Frühstück.
Ein zerreißender Schmerz machte sich in mir breit, sie brauchten mich, das merkte ich, jedoch fühlte sich das leer an. Sie verließen sich auf mich, ich wollte das auch, aber ich verließ mich nur noch auf mich selbst. Der Schmerz wuchs mit jeden dieser unnötigen Gedanken. Ich wollte auch jemand, der einfach fragte, bist du okay?

„Changbin, komm essen“, Hyunjin winkte mich zu ihnen und lächelnd lief ich auf sie zu, versteckte meine Dämonen hinter meinen Augen.
Den Tag über trainierten wir wieder, ich alberte mit den Membern rum, machte für sie einen strahlend gelben Tag, obwohl er eigentlich graute. Ich leuchtete für sie, obwohl die Straße schwarz war, doch sie kamen alle unter mein Licht und waren dankbar.

Irgendwann saß ich alleine in einem Studio und arbeitete an einem Song. Die Wände kamen immer dichter und die Töne hallten wieder, ein einsamer Tag, ich fühlte mich allein, obwohl sie alle nebenan waren.

„Alles okay, Changbin-ah?“, fragte mich Chan, als wir abends im Dorm ankamen, „du wirkst heute so träge.“
Ich lächelte müde und nickte dann.
„Es ist alles gut“, versuchte ich zu strahlen, während eine dunkle Hand um mein Herz griff und es einschloss. Ich wollte etwas sagen, ich schluckte, aber ich konnte nicht. Lächelnd lief ich in mein Zimmer und mit der Einsamkeit kämpfend legte ich mich unter die Decke.

Ich hatte immer beschlossen, dass ich mich nur auf mich selbst verließ, aber wer war jetzt da, um mir seine Hand zu reichen. Wer war jetzt da, um mich in seine Arme zu schließen? Ich wollte weg von den unnötigen Gedanken, die nicht wichtig waren und doch so wichtig, um sie gedacht zu haben. Ich brauchte doch nur jemanden, aber ich hatte Angst, sie zu enttäuschen, sie durften nicht die Dunkelheit sehen, die mich wie eine Gewitterwolke umgab. Flauschig, eingedeckt und doch triefend nass, voller Regen und Blitze, Donner und Gewalt.

Ich lächelte wieder unter all den Tränen.


like a streetlight
like a streetlight

After the end of a lonely day
I’m standing in the air
in the middle of a lonely night
and try to smile brightly




„Changbin-ah, ich weiß ja nicht, wie lange du deine Tränen noch verbergen willst, aber selbst eine Laterne geht mal kaputt.“

Sieben Jungs reichten mir ihre Hand.



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Nachdem ich »Streetlight« von Changbin und Chan gehört hab, war ich das erste mal taub von meinen Gefühlen, beim zweiten Mal musste ich weinen.
Der Text traf da, wo es am meisten weh tat und ich glaube, wir alle können ihn so gut „relaten“.

Changbin ist ein außergewöhnlicher und talentierter Rapper und Artist, aber auch er ist ein Mensch. Ich hab das Gefühl, gerade Changbin und Chan fressen sehr viel in sich hinein, ohne darüber zu reden.
Chan sprach in einem Interview auch mal darüber, dass Changbin mal eine sehr schwere Zeit hatte.

Ich weiß selber, wie schwer es ist über seine Probleme und mentale Gesundheit zu sprechen und auch wie aussichtslos es manchmal scheint, aber es gibt immer Menschen, die helfen und die zuhören.

Deshalb bin ich auch so dankbar, dass Changbin so ein Song gemacht hat. Dass er nicht im Song gesagt hat, dass es irgendwann wieder alles okay wird, denn so hat man erst wirklich verstanden, wie verzweifelt er war und dass er mit dem Song einfach mal alles ausdrücken wollte, was ihn belastet hat.

Danke Changbin, dass du immer lächelst, obwohl es die manchmal einfach scheiße geht.

Ich hab lange überlegt, ob ich was dazu schreiben soll zu dem Song, aber er ist mir so lange im Kopf herumgespukt, ich musste einfach, auch um meine Gefühle dazu rauszulassen. Ich könnte immer noch jedes Mal weinen, wenn ich den Song hör. Dieser trifft nämlich so krass.

Redet mit jemandem, es hilft total. Das verspreche ich euch. Auch wenn ihr euch nicht traut, schluckt einmal eure Angst herunter oder schreibt alles auf und zeigt es jemanden. Es ist so erleichternd, als hätte sich ein großer Klotz von deinem Herzen entfernt. Das Gefühl ist es alle mal wert, als all der Schmerz den man jahrelang ausgehalten hat, die Erleichterung ist es wert, dass ich es jederzeit wieder tun würde.

Mental health is important.

»It’s okay not to be okay«

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