Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Only Us

Kurzbeschreibung
SongficAllgemein / P16 / Het
Bellatrix Lestrange Lucius Malfoy Narzissa Malfoy
19.05.2020
19.05.2020
1
3.894
9
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
 
19.05.2020 3.894
 
Ihr habt diese Geschichte für den HP Award 2019/2020 als beste Songfic nominiert. Und - obwohl (oder vielleicht auch gerade weil) - nicht besonders viele Leser in dieser Kategorie abgestimmt haben,  darf ich mich über den 1. Platz freuen. Tausend Dank an die beiden, die für diese Geschichte gestimmt haben. ;) XD  :*

Cissa Black hat die Geschichte auf >> YouTube ganz wunderbar vertont. Hört rein, abonniert den Kanal, es lohnt sich auf jeden Fall.

Eine Widmung:


Für meinen kleinen Bruder. Danke für die Musik.


Anmerkung:
1. POVs: Kursiv für Narcissa, „Standard“ für Lucius
2. „Only Us“ ist ein Game-of-Thrones-Song. Ich selbst habe keine einzige Folge GOT gesehen und musste bei der Textzeile This hopeless doomed devotion an Lucius Malfoy und seine Hingabe an Voldemort denken. Aus diesem Gedanken formte sich diese kleine Songfic.

Zu dieser Geschichte gibt es eine Fortsetzung - eigentlich ein Prequel: Keep My Heart Beating

Der dritte Teile ist online: Certain Things

Disclaimer: Alle bekannten Figuren und Orte gehören der wunderbaren JKR, ich habe sie nur ausgeborgt und verdiene nichts damit.
Das Lied gehört Miracle of Sound.

Viel Spaß.

~~°~~



When bells of shame have faded
And I remain reviled
Let vengeance roar for blood and war
Behind a scornful smile

„Glocken der Schande“ nennt Bellatrix das Glockengeläut der Kirche nah am Grimmauldplatz Nr. 12. Es ist ihr zu muggelhaft. Sie hat ein ernsthaftes Problem mit Muggeln, seit ihr ein halbwüchsiger Junge eine dicke Strähne ihres wundervollen Haares abgeschnitten hatte. Die Rache, die folgte, war eigentlich ganz witzig: Bellas Magie brach aus und belegte den etwa 13-jährigen mit einem Fluch, der ihm eine Glatze, dafür aber einen weißen Bart, der fast bis zu den Knien reichte, bescherte. Da ist sie gerade einmal acht gewesen.

Natürlich wird den Kindern der meisten Reinblüter beigebracht, dass Muggel von Natur aus böse sind, dumm, unwürdig, und so weiter. Die Liste lässt sich beliebig erweitern. Ich habe keine persönlichen Probleme mit Muggeln oder Muggelgeborenen, so lange sie sich benehmen. In Hogwarts war sogar eine Muggelgeborene aus meinem Jahrgang, Francesca Bonville, in Slytherin. Sehr kluges Mädchen. Immer hilfsbereit. Hat den einen oder anderen von uns vor unsinnigen Nachtschichten bewahrt, indem sie uns hilfreiche Tipps gab. Damit stieg zwar ihr Ansehen in unserem Haus, allerdings wurde sie nie als gleichwertig betrachtet, eben, weil sie muggelgeboren war.

Mittlerweile ist Bella 21 Jahre. An ihrem Hass auf Muggel hat sich nichts geändert. Er ist eher noch stärker geworden. „Können wir nicht endlich rein?“ motzt sie auch schon los. Sie erachtet es als absolute Zumutung, dass wir nicht direkt in das Haus apparieren können, sondern tatsächlich wie schnöde Muggel durch die Haustür treten müssen. Das liegt allerdings an den Schutzzaubern, die den Zutritt von Unbefugten verhindern sollen.

Tante Walburga feiert heute ihren 45. Geburtstag. Und da haben alle Verwandten anwesend zu sein. Als offizieller Verlobter von Bellatrix muss auch Lucius Malfoy teilnehmen. Ich freue mich, ihn wiederzusehen. Er war in Hogwarts mein Aufpasser, mein großer Bruder. Schlangen gehen niemals alleine zum Unterricht, in die Bibliothek oder zum Essen. Zwar wird uns Hinterlist nachgesagt, doch ich schwöre, dass manche Gryffindors weitaus hinterlistiger sind, als es die Slytherins jemals sein könnten.

Wir verbrachten wirklich viel Zeit miteinander, haben über alles Mögliche und Unmögliche geredet. Und ich muss gestehen, dass ich vielleicht ein klein wenig verliebt in ihn war. Aber als Verlobter meiner Schwester war er natürlich tabu. Es hat auch von seiner Seite niemals Annäherungen gegeben.

Die Hochzeit der beiden ist für nächstes Jahr angedacht. Bella ist zwei Jahre älter als Lucius, deswegen die lange Wartezeit. Lucius möchte noch seine dreijährige Ausbildung im Ministerium beenden, bevor er heiratet.

Als wir eintreten, hören wir schon Gesprächsfetzen aus dem Salon. Kreacher, Tante Walburgas missmutiger kleiner Hauself, führt uns dorthin und kündigt uns an. „Die ehrwürdige Familie Black. Master Cygnus, Miss Druella, Miss Bellatrix und Miss Narcissa.“ Lucius, der bereits anwesend ist und sich mit Onkel Orion unterhält, entschuldigt sich bei diesem und kommt auf uns zu, um uns zu begrüßen. Formvollendet, wie immer.

Während des Essens unterhalten Lucius und ich uns angeregt, da er zwischen Bella und mir sitzt und sie ihm nicht einmal die grundlegendste Höflichkeit entgegenbringt. Wenn sie doch mit ihm spricht, dann tut sie es in einem Ton, der Kristall klirren lässt. Niemand, außer mir, hört den Spott und die demütigenden Worte, mit denen sie ihn bedenkt. Was ist bloß in sie gefahren? Lucius hat ihr nie etwas getan. Ich bewundere seine Selbstbeherrschung; andere Männer hätten schon andere Saiten aufgezogen. Hätte sie es je gewagt, mit Sirius oder Regulus so zu sprechen, wäre nach ihrem Blut verlangt worden, ehe die beiden sie ins nächste Jahrtausend gehext hätten.

Sobald es die Höflichkeit erlaubt, verabschiedet sich Lucius, was mir sehr leid tut, denn ich hätte mich gerne noch länger mit ihm unterhalten. Bella lacht nur höhnisch.


The vow, the kin, the rival
A vision violent, vile
These questions three have haunted me
Since I was but a child

„Ich werde Bellatrix nicht heiraten, Vater!“ „Es wurde so beschlossen, schon lange vor Euer beider Geburt. Die Älteste der Blacks für den Ältesten der Malfoys.“ Ich bin verzweifelt. Ich will diese verrückte Frau nicht heiraten. So betrunken kann ich gar nicht werden, so viele Zaubertränke kann ich gar nicht zu mir nehmen, dass ich mit ihr…ganze Schwärme von Flubberwürmern kriechen über meinen Rücken und Nacken, wenn ich auch nur daran denke, sie auf irgendeine Weise zu berühren. Ganz anders als Narcissa.

Ich weiß, dass es in unseren Kreisen verpönt ist und doch...ich glaube, ich hatte mich schon als 13-jähriger in dieses süße Mädchen verliebt. Natürlich schützte ich ihren Anstand, habe sie nie unsittlich berührt oder sie auch nur auf ihre Lippen geküsst. Von ihren Freundinnen wusste ich, dass sie an keinem Mitschüler romantisches Interesse zeigte.

„Vater, bitte. Ich flehe Euch an! Wir werden nicht einmal die Ehe vollziehen können, weil wir uns schon auf der Hochzeitsfeier verfluchen werden.“ Doch mein Vater schüttelt den Kopf. Abraxas ist ein Mann, der zu seinem Wort steht, das weiß ich. Ich werde es nicht schaffen, ihn umzustimmen. Außer…ja, außer…ich lächle innerlich. Es gibt einen einzigen Grund, dass mein Vater einen Wortbruch begehen oder es zumindest so hinbiegen würde, das nicht unsere Familie als die wortbrüchige dasteht.

„Vater, Ihr wünscht Euch doch auch Enkelkinder?“ Abraxas sieht mich an, als wären mir Hörner gewachsen. „Was soll diese törichte Frage. Natürlich möchte ich Enkelkinder. Der Name Malfoy soll noch in 1.000 Jahren etwas bedeuten.“ „Und die Malfoys waren schon immer etwas Besonderes, nicht wahr, Vater?“ Der Ältere nickt, obwohl er bestimmt nicht weiß, worauf ich hinauswill. „Dann stellt Euch vor, Vater, wie Eure Enkelkinder aussehen würden, wenn Bellatrix die Mutter wäre.“ Ich lasse ihm etwas Zeit; Abraxas hebt lediglich eine Augenbraue.

„Vater, Eure Enkelkinder wären nur etwas Gewöhnliches, denn wir wissen doch alle, dass sich die dunklen Merkmale immer gegen die hellen durchsetzen.“ Mein Vater schweigt weiter, obwohl ich in seinen grauen Augen die ersten Zweifel sehe. „Narcissa ist hell wie der Mond, wo ihre Schwester dunkel wie der Saturn ist. Stellt Euch Eure Enkelkinder mit Narcissa als Mutter vor. Nie wird es leuchtendere Kinder geben, Vater. Stellt Euch einen Jungen vor, Vater, mit Narcissas silberblonden Haaren und den diamantenen Augen der Malfoys. Er wäre ein Juwel sondergleichen, eine Vision! Vater, stellt Euch den Neid der anderen vor – und ich nenne keine Namen –, denen ein solches Enkelkind niemals vergönnt sein wird!“

Ich erkenne den genauen Moment, in dem er den Plan fasst, Narcissa zu meiner Braut zu machen.

So much I have lost and so much I resent
My spite became the steps upon the stairway of descent

Die Hochzeit von Molly Prewett und Arthur Weasley ist – wie jede Reinblüterhochzeit – ein Großereignis. Die ehrwürdigen Familien sind alle über die eine oder andere Ecke direkt oder indirekt miteinander verwandt und es wird erwartet, dass man die Familien einlud; genau so, wie erwartet wird, dass man erschien. Selbst, wenn man sich auf den Tod nicht ausstehen kann – wie im Falle von Arthur Weasley und Lucius Malfoy. Schon in der Schule hatten die beiden kein gutes Haar einander gelassen. Deshalb sitzen die Malfoys irgendwo an den äußeren Tischen, sehr weit entfernt von allen Weasleys. Nur verstoßene Familienmitglieder werden nicht eingeladen, wie Andromeda zum Beispiel, die von unseren Eltern verstoßen wurde, weil sie sich vom muggelstämmigen Ted Tonks hatte schwängern lassen.

Unsere Eltern sind da sehr engstirnig. Ich selbst bin auch für die Reinhaltung des Blutes und seit meiner Geburt darauf vorbereitet worden, einem reinblütigen Mann eine gute Ehefrau zu sein. Doch kann ich mich auch der Idee der wahren Liebe und der damit einhergehenden Gleichgültigkeit gegenüber der Herkunft nicht ganz verschließen, auch wenn sie in unseren Kreisen seltener ist als ein Tansanit. Heimlich haben Andromeda und ich uns immer wieder geeult. Ihren Briefen zufolge dürfte sie sehr glücklich mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter sein.

Bellatrix neben mir zerrupft vor lauter Langeweile den kleinen Blumenstrauß, der jeder Hexe bei Ankunft im Austausch für den Zauberstab überreicht worden war. Die Zauberer hatten winzige Feuerwhiskeyflaschen erhalten. Die Zauberstäbe werden sicher verwahrt, um Duelle zu vermeiden. Reinblüter kämpfen nicht mit Fäusten.

Bella sieht so wunderschön aus in dem schulterfreien Kleid aus dunkelvioletter Seide, ihre schwarzen Haare fließen wie ein Wasserfall über ihren Rücken. Heute ist – und das gestehe ich Molly neidlos zu – nur die Braut schöner als Bellatrix. Ich streichle ihre Hand. „Bella, lächle. Dein Zukünftiger ist auf dem Weg hierher.“

Mein Magen verkrampft sich, als ich das sage. Es tut weh, das sagen zu müssen. Aber Lucius ist nun einmal Bellatrix zugedacht, nicht mir. Und das, obwohl Bella meist nur ein abfälliges Schnauben für den jungen Mann übrig hat. In dieser Ehe wird es nicht den geringsten gegenseitigen Respekt geben. Ich kenne Bella gut genug, um zu wissen, dass sie ihn alleine Kraft ihrer höhnischen Worte entmannen wird. Sie braucht dazu nicht einmal einen Fluch.

Lucius kommt in Begleitung an unseren Tisch. Er begrüßt er und stellt den leidlich gutaussehenden, dunkelhaarigen Mann als Rodolphus Lestrange vor. In Bellas Augen blitzen Interesse und – ist das Trotz? - auf. Ich kenne diesen Blick. Sie wird sich in Schwierigkeiten bringen. Schon bejaht sie Mr. Lestranges Frage nach einem Tanz und lässt sich von ihm auf die Tanzfläche ziehen. Auffordernd hält Lucius mir seine Hand hin und ich folge ihm ebenfalls in die Mitte des Raumes.

Schicklich wäre ein Tanz; wir beide tanzen schon den dritten. Irgendwann habe ich Bella aus den Augen verloren. Plötzlich sehe ich meine Mutter am Rand der abgegrenzten Fläche stehen, die mir unauffällig winkt. Ich entschuldige mich bei Lucius und er führt mich zu meiner Mutter.

„Mutter, ist alles in Ordnung?“ Sie lächelt gezwungen. „Kommt mit, alle beide.“ Mutter führt uns in einen kleinen Nebenraum, in dem Bellatrix, Mr. Lestrange, Vater und Abraxas Malfoy versammelt sind. „...gedenkst du zu tun, Cygnus?“ höre ich Abraxas noch sagen. Vater sieht mehr als nur ein wenig verstimmt aus. Mr. Lestrange scheint verlegen, Bella trotzig.

„Was ist geschehen?“ wirft  Lucius die Frage in den Raum. Abraxas Augenbraue wandert zu seinem Haaransatz. „Bellatrix ist beschädigte Ware.“ In mir zieht sich alles zusammen, als er auf diese Weise von meiner Schwester spricht. Obwohl man bei den Reinblütern tatsächlich „beschädigt“ ist, wenn man als Frau nicht unberührt in die Ehe geht. „Mr. Lestrange und Ms. Black waren nicht diskret genug.“ Sein Blick fällt auf mich. „Nun, Cygnus, du wirst verstehen, dass unter diesen Umständen eine Heirat zwischen meinem Sohn und deiner Ältesten auf keinen Fall in Frage kommt.“

Er wendet sich direkt an mich. „Mein Kind, bist du versprochen?“ Ich schüttle den Kopf. „Nein, Sir.“ „Bist du gewillt, statt deiner Schwester in den Vertrag einzutreten, um die Ehre deiner Familie wiederherzustellen?“ Es wundert mich über alle Maßen, dass Abraxas mich fragt und es nicht einfach mit meinem Vater vereinbart, wie es üblich wäre. Aber hier bietet sich eine Chance, die nur alle hundert Jahre einmal vorkommt. Ich könnte einen Mann heiraten, den ich respektiere, verehre und ja, in den ich sogar ein klein wenig verliebt bin. Für einen Moment fühle ich mich wirklich schlecht, denn ich würde mein Glück auf dem Unglück meiner Schwester aufbauen. Doch andererseits würde keine Ehe Bella glücklich machen, hat sie sich doch mit Leib und Seele dem Mann namens Voldemort verschrieben, der einige ungesunde Ansichten hegt.

Ich sehe Abraxas fest in die Augen. „Ich trete in den Vertrag ein.“ Mein Vater nickt sein Einverständnis. „Bella! Du und Mr. Lestrange werdet schnellstmöglich heiraten. Das ist das Mindeste, was die Familie Black von Ihnen erwarten kann, Rodolphus.“ Ergeben bejaht Mr. Lestrange den Befehl meines Vaters; auch Bella sieht in seinen Augen, dass sie es nicht weiter treiben sollte. „Ja, Vater.“ Nachdem alles zu seiner Zufriedenheit gelöst wurde, klatscht Vater in die Hände. „Lasst uns die neuen Verträge begießen.“

Ich halte Bella zurück. „Warum, Schwester?“ Bellatrix lässt ein Lachen hören, das mich fröstelt. „Oh, Cissy, ich wollte einfach etwas Spaß. Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich vor Rodolphus unberührt war? Bis jetzt wurde ich nur nicht erwischt. Ich wollte nie eine Ehe mit Lucius Malfoy. Wir haben beide einen zu starken Willen. Keiner würde sich dem anderen unterordnen. Es gäbe nicht einmal Kompromisse. Du bist weicher und klüger als ich, Cissy. Wenn du wolltest, könntest du Lucius gängeln, ohne, dass er es bemerkt.“

Sie wendet sich zur Tür, doch bevor sie diese öffnet, wendet Bella sich nochmals zu mir. „Ich wollte hoch hinaus, Schwester. Durch meinen Trotz habe ich mir selbst die Treppe zu meinem Abstieg gebaut.“ Mit diesen Worten verlässt sie den Raum, ihre Haare und ihr Kleid wie eine Fahne hinter ihr herflatternd.


Let it all burn down around us
Let the cruel consume the just
Let the sin we swim in drown us
Let the world shatter
Into dust

Vater hat mir nie verraten, was er Rodolphus versprochen hatte, damit ich Narcissa heiraten konnte. Ich bin beiden so dankbar dafür, obwohl mich die Last der Schuld manchmal erdrückt und ich das Gefühl habe, in meiner Sünde zu ertrinken.

Bellatrix hat nie zugelassen, dass Rodolphus sich ihr wie ein Ehemann nähert. Ich habe ihn in ein furchtbares Schicksal geführt. Rodolphus versichert mir zwar immer wieder, dass er sich anderweitig austobt, trotzdem ist es grausam. Vor allem in Anbetracht dessen, dass ich eine Frau haben durfte, die ich liebe und die mich auch liebt.

Nothing else matters
Only us

Seit der Geburt unseres wunderschönen Sohnes habe ich so viele Ängste ausstehen müssen. Der Dunkle Lord holt Lucius ständig an seine Seite. Mein Mann verfällt zusehends. Abraxas steht oft an meiner Seite; er ist ganz vernarrt in Draco, nennt ihn „mein kostbarstes Juwel“. Doch auch er kann Lucius nicht aus den Fängen dieses Zauberers befreien. Er rät mir zur Geduld.

Heute ist Samhain und während ich versuche, Draco und mich selbst mit verzauberten Fledermäusen und fliegenden Kesseln abzulenken, wandern meine Gedanken zu Lucius, der heute schon wieder vom Dunklen Lord gerufen worden war. Was wollte er an einem unserer Feiertage von meinem Mann? Konnte er unsere Familie nicht einmal in Ruhe lassen?

Ein Donnern an der Haustür reißt mich aus meiner sowieso kaum vorhandenen Konzentration und die Kessel fallen mit lautem Getöse auf den Marmorboden. Draco beginnt zu weinen, während Dobby, unser Hauself, zur Tür stürmt und sie öffnet. Lucius steht in der Tür, kann sich kaum auf den Beinen halten. Dobby lässt ihn ins Wohnzimmer und sanft auf die Couch schweben.

Mit schreckgeweiteten Augen sieht er mich an. „Der Dunkle Lord ist gefallen, Liebste.“ Dann umfängt ihn gnädige Ohnmacht. Und während ich mich um seine Wunden kümmere, bete ich zu Merlin und Morgana, dass ER gefallen bleiben möge und sich nie wieder an meiner Familie vergreifen kann.

Ich bete um Frieden und für meine Familie, die alles ist, was zählt.


When kings have long been buried
When vows have long been lost
When the night brings fear then the lion's tears
Shall fall on fire and frost

Die letzte Schlacht hat begonnen. Der Dunkle Lord verspottet Dumbledores Andenken. Trotz allem war er, der nun schon lange begraben ist – und auch, wenn ich ihn noch immer verachte – ein großer Mann, fast königlich in seinem Bestreben nach dem höheren Wohl, von dem er schon gefaselt hatte, als ich ein Schüler war. Und doch starb er durch die Hand eines seiner engsten Vertrauten, nichts ahnend, dass er eine Schlange an seiner Brust nährte. Einer Schlange, die meiner Geliebten einen Schwur leistete, der Narcissa hat wissen lassen, dass auch Severus für immer verloren ist für uns, als das goldene Band um ihr Handgelenk sich löste.

Ein grüner Blitz und Potter fällt. Der Dunkle Lord schickt meine Frau, um ihm den Tod des Jungen-der-lebt zu bestätigen. Mit einer Eleganz, die ihresgleichen sucht, kniet Narcissa sich neben Potter und sucht nach Lebenszeichen. Dann der erlösende Satz: „Er ist tot!“ Ich reiche Narcissa meine Hand, um ihr beim Aufstehen zu helfen und kurz meine ich, einen Schatten von Verrat in ihren Augen zu sehen. Aber das kann nur eine Täuschung sein.

Der Dunkle Lord zwingt den Halbriesen, Potter zum Schloss zu tragen. Dieses Etwas lässt ein Heulen hören, das in meinem Körper vibriert. Heute Nacht werden noch mehr Löwen weinen und keine ihrer Tränen wird das Feuer in unseren Seelen löschen oder den Frost in ihren Herzen schmelzen können.

This hopeless doomed devotion
The poison that I crave
I jilt the new to return to you
Endure you till my grave

*) Zitternd lege ich meine Hand auf die Brust des jungen Potter. Da! Ich spüre ein Flattern.  Ich beuge mich nahe an ihn heran, meine Haare verdecken unsere Gesichter. „Lebt Draco noch? Ist er im Schloss?“ Oh, bitte, bitte, all ihr großen Götter, lasst es ihn gehört haben, denn meine Stimme ist kaum mehr als ein Hauch. Ein ebenso leises „Ja“ lässt meine Finger an Potters Brust verkrampfen. Mein Sohn, mein wunderschöner Sohn, er lebt. Es geht ihm gut. Ich stärke die Mauern in meinem Kopf, während ich die Worte spreche, die ER hören will.

Die Freudenschreie, die folgen, lassen meine Knochen zu Eis erstarren. Wie blind sind wir gewesen? Wie blind bin ich gewesen? Diese hoffnungslose, zum Scheitern verurteilte Hingabe an ein Monster. Lucius an IHN, ich an Lucius. Wo war mein Lucius geblieben? Der Lucius, der unseren Sohn und mich auf Händen getragen hatte? Der Lucius, der nichts hätte zwischen uns kommen lassen? Wann war mein Mann so ein Fanatiker geworden? Unseren Sohn, unseren einzigen Sohn, hat er an diesen Wahnsinn verkauft.

Er reicht mir seine Hand, ich blicke ihn an. Seine Augen verengen sich für den Bruchteil einer Sekunde. Hat er etwas gemerkt? Nein, er lässt sich durch den Schmerz des Wildhüters ablenken, als wir uns geradezu in einer Prozession auf das Schloss zubewegen.

Ich habe Lucius von ganzem Herzen geliebt; ein Teil von mir liebt ihn immer noch, denn er hat mir Draco geschenkt. Doch wie oft habe ich mich in letzter Zeit danach gesehnt, einfach zu gehen. Nur der Gedanke an meinen Sohn lässt mich weitermachen, lässt mich das bittere Gift schlucken, anstatt es auszuspucken.

Nur für meinen Sohn werde ich Lucius bis zu meinem Grab ertragen.


And I'm no man of honor, my guilt runs dark and deep
My oaths betray each other till there's nothing left to keep

Mit einem Mal ist Potter verschwunden. Der Dunkle Lord brüllt vor Zorn. Mein Griff um Narcissas Hand wird fester, ich sehe sie an, doch sie lässt ihren Blick über die Menge schweifen. Ich erkenne den genauen Moment, als sie Draco sieht, denn ein kleines Lächeln umspielt ihre Lippen.

Wann hat sie das letzte Mal so gelächelt, wenn sie meiner ansichtig wurde? Ich muss gestehen, es entzieht sich meiner Erinnerung. Ihre glatte Stirn runzelt sich. Ich folge ihrem Blick. Draco steht inmitten der Hogwarts-Schüler und schüttelt fast unmerklich den Kopf. Narcissas Augen weiten sich, ihre Hand verkrampft in meiner, bevor sie sich lockert und mich loslassen will, nachdem sie bereits einen Schritt Richtung Schloss gemacht hat.

Ich lasse sie nicht los, ziehe sie etwas zur Seite. Ein beinahe hasserfüllter Blick aus blauen Augen trifft mich. Erstarrt erkenne ich, dass sie unseren Lord und mich verraten hat. Mich, der ich sie liebe, wie noch niemals jemanden zuvor! Und das erste Mal in unserem gemeinsamen Leben zischt sie mich durch zusammengebissene Zähne an.

„Lucius, ich werde zu meinem, zu unserem Sohn gehen. Ob es dir gefällt, oder nicht. Keine Mutter sollte ihr Kind alleine lassen müssen. Entscheide dich. Bleib hier und töte mich. Oder lass mich gehen und bleibe hier.“ Ihre Miene wird weicher. „Oder komm mit mir, Lucius. Noch ist Zeit, obwohl es beinahe zu spät ist. Entscheide dich, welcher deiner Schwüre dich mehr bindet.“

Als ob ich sie töten könnte. Als ob ich sie allein gehen lassen würde. In diesem Moment kämpfen zwei Eide in mir. Aber nur für den kürzesten Augenblick. Der Eid, den ich vor dem Dunklen Lord ablegte, verblasst gegen den Eid, den ich Narcissa am Tag unserer Vermählung geschworen habe.

Let it all burn down around us
Let the cruel consume the just
Let the sin we swim in drown us
Let the world shatter
Into dust
Nothing else matters
Only us

Seine grauen Augen glitzern; er erinnert sich. Er erinnert sich an den Schwur, zwar nicht unbrechbar, aber nicht weniger bedeutend: „Selbst, wenn die Welt zu Staub zerfällt, wird nichts zählen, außer uns.“

Mein Griff um seine Hand wird fester, gemeinsam laufen wir zum Schloss. Die anderen sind zu beschäftigt, Flüche zu sprechen und ihnen auszuweichen, als dass sie unsere Flucht bemerkt hätten. Endlich erreichen wir die andere Seite und ich kann Draco in die Arme schließen. Die Umarmung ist kurz, denn schon streift uns beinahe ein Stupor. Draco hält mich auf Armeslänge von sich, während Lucius den Protego spricht. „Mutter, Vater, Ihr müsst euch entscheiden. Jetzt! Ich werde hierbleiben und an Potters Seite kämpfen!“


And they will raze our towers
And spit upon our names
And the ravens black over the fields of ash
Will whisper our tales of shame

In den klaren Augen meiner Liebsten erkenne ich die Entscheidung, die sie bereits getroffen hat. Nach all den Jahren, die sie stets an meiner Seite war, werde ich heute und morgen und die nächsten Jahre, so Merlin mich lässt, an ihrer Seite sein. Wie konnte ich nur all die Jahre denken, dass sie mich brauchte, wenn in Wahrheit ich derjenige bin, der ohne sie nicht leben kann? Verließe sie mich, würde ich den Avada auf mich selbst sprechen.

Ihre Augen leuchten, als ich nicke. „Wir werden es danach nicht leicht haben.“ Narcissa sieht mich weiter an. „Man wird auf unseren Namen spucken. Man wird uns von allen Seiten anfeinden, denn für die einen sind wir Verräter, für die anderen auf ihren Vorteil bedachte Überläufer.“

Meine Frau lächelt mich an, wirklich an; das Lächeln erreicht auch ihre Augen. „Aber wir werden es zusammen durchstehen, Lucius. Als Familie.“

Und zum ersten Mal in all diesen Jahren sage ich die drei Worte, die in unseren Kreisen, wenn überhaupt, höchstens hinter verschlossenen Türen gemurmelt werden, in der Öffentlichkeit, auch wenn es außer meiner Frau und meinem Sohn niemand hören wird: „Ich liebe Euch.“

So let it all burn down around us
Let the cruel consume the just
Let the sin we swim in drown us
Let the world shatter
Into dust
Nothing else matters
Only us


*) Szene auszugsweise aus Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, S. 734
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast