Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

2020 05 19: Nichts ist unfehlbar [by Lady Duchess]

OneshotDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Derek Morgan Dr. Spencer Reid
19.05.2020
19.05.2020
1
1.163
4
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
 
19.05.2020 1.163
 
Tag der Veröffentlichung: 19.05.2020
Zitat: „Die meisten Menschen sterben nicht auf eigenen Wunsch hin. Für gewöhnlich ereilt sie der Tod gegen ihren Willen.“ (One Piece)
Titel der Geschichte: Nichts ist unfehlbar
Autor: Lady Duchess
Hauptcharaktere: Derek Morgan, Dr. Spencer Reid
Kommentar des Autors: Mein allererster Beitrag zum Jahreskalender 2020! Ich hoffe, er ist mir gelungen! :)



Das Wetter hätte passender nicht sein können.
Grau, windig und Regen, nichts als Regen.
Es war fast so, als würde der Himmel das ausdrücken, wozu sein Körper nicht imstande war.
Wie hatte er nur diese fatale Annahme machen können, dass er ihren Verdächtigen überzeugen könnte, dieses unschuldige und wirklich absolut zufällig vorbeikommende Kind, dass plötzlich auf diesen zulief, weil es die Mutter auf der anderen Seite der Straße sah, nicht zu töten?
Seine Annahme und der Glaube daran, dass der Andere noch einen Funken Menschlichkeit in sich hatte und somit das Kind nicht tötete, war absolut falsch.
Hatten nicht Hotch und Garcia ihnen erst vor wenigen Stunden die Information ihrer Entdeckungen zukommen lassen, dass der Verdächtige schon jahrelang ungehindert mordete und die mehr als zufällig entdeckten Grabstätten seiner Opfer nach den Kriterien des Profiler-Lehrbuchs sagten, dass dieser ein wahres Monster ohne Gewissen ist?!

Nein, er hatte es nicht vergessen, aber anscheinend zu wenig Beachtung geschenkt und sich auf einen anderen Aspekt bei dem Stellen ihres Verdächtigen konzentriert.
Selbst seine so heißgeliebten Statistiken hatten ihm gesagt, dass ihr Mörder ein unschuldiges Kind nicht töten würde, da die Wahrscheinlichkeit bei knapp 5% lag.
5%, die nun ein weiteres Leben gekostet hatten.
Unschuldig und unbarmherzig.
Und sie alle hatten es mit ansehen müssen.

Das innerliche Zittern, dass er die letzte Stunde so gut es ging unterdrückt hatte, bahnte sich nun unaufhörlich einen Weg nach außen.

Nein, er wollte hier nicht anfangen zu weinen!
Schon gar nicht, wenn er Schuld daran war, dass dieses Monster noch eine Familie mehr mit seiner Mordlust zerstört hatte!
Nein, er wollte jetzt keine Tränen vergießen.
Auch würde Hotch sicherlich noch einmal mit ihm sprechen wollen, sobald er mit dem hiesigen Chief des Polizeireviers seine Unterhaltung beendet hatte.
Nein, er …

Ein leises, knarzendes Geräusch und das fast lautlose Schließen der Tür, sagten ihm, dass er nun nicht mehr alleine in dem dunkel daliegenden Besprechungsraum war.

Sich nicht umdrehend, wischte er sich hektisch die doch verräterischen Tränen in seinen Augen mit den Händen weg und starrte stur geradeaus, aus dem Fenster, in den immer stärker werdenden Regen.
Er wollte jetzt mit Niemandem reden.
Warum konnten ihn nicht einfach alle für eine Weile in Ruhe lassen?
Vermutlich war es JJ, die von Hotch geschickt wurde, um ihn zu trösten.
Oder Rossi, der ihm sagte, dass es nicht seine Schuld war.
Oder auch Garcia, die ihn wahrscheinlich etwas aufmuntern und von seinen düsteren Gedanken ablenken sollte.

Nein, er wollte jetzt einfach niemanden sehen!

Die nun spürbare Anwesenheit der anderen Person ignorierend, sah er einfach weiter geradeaus und schaltete auf stumm.

In Gedanken versunken, rezitierte er alles, was er je über das Wetterphänomen Regen gelernt hatte und blendete seine Umgebung einfach aus.

Gerade, als er sich an einen ziemlich kontrovers diskutierten Aufsatz eines bekannten Universitätsprofessors erinnerte, fühlte er die Nähe der anderen Person dicht hinter sich und riss ihn somit aus seiner Konzentration.
Doch die vollkommene Aufmerksamkeit schenkte er dieser erst, als sie ihn leise ansprach: „Reid?“, und dabei ein wenig zusammenzuckte.

Nun mit etwas schneller schlagendem Herzen wusste er nun genau, wer bei ihm war.

Ohne sich jedoch umzudrehen, lauschte er aufmerksam den Worten des Älteren, als dieser nach einer kurzen Pause leise sagte: „Es ist nicht deine Schuld, Reid. Niemand konnte wissen, dass Kellerman so reagiert!“

Einen kurzen Stich im Herzen fühlend und von einer plötzlichen Welle heißen Zorns übermannt, wirbelte er herum und sah in das ernste Gesicht seines besten Freundes, der ihn vorsichtig musterte.

Den Blickkontakt haltend, konnte er in der nächsten Minute dennoch nicht seinen Zorn im Zaum halten und entgegnete wütend: „Das sagt sich so leicht, Derek! Ich war es, der den 5%-igen Aspekt seines Profils ignorierte und mich auf die anderen 95% konzentrierte, damit wir ihn kriegen können! Für diese dämlichen 5%, für meinen Fehler, musste das kleine Mädchen sterben!“
Seine Stimme brach als erneut das Bild des kleinen Mädchens vor seine Augen trat und wandte seinen Blick wieder hastig von seinem Gegenüber ab.
Diesen Anblick würde er nie vergessen.

Der Dunkelhäutige wartete noch einen Augenblick, in dem er ihn ruhig musterte, bevor er leise fortsetzte: „Wieso deine Schuld? Du hast diese Statistiken nicht gemacht, Reid, du merkst sie dir nur! Niemand konnte wissen, dass es so ausgehen würde! Selbst der beste Mathematiker der Welt hätte keine 100%-ige Garantie geben können, dass diese Statistik zu 100% richtig ist und funktioniert! Es sind Wahrscheinlichkeiten, Reid! Es sind empirisch erhobene Daten, ja, und sie sind wichtige Werkzeuge in unserem Job, aber niemand kann vorhersagen oder garantieren, dass sie die letzte, unfehlbare Grenze bilden! Das gibt es nicht. Weder in der Mathematik, noch in anderen Naturwissenschaften, noch in der Natur selbst. Du weißt das!“

Der Ältere unterbrach sich, musterte ihn noch einmal und fügte dann ruhig hinzu: „Es ist nicht deine Schuld, Spence.“

Und allein die Erwähnung seines Vornamens jagte ihm einen kleinen Schauer den Rücken hinunter.
Es war Dereks Ernst, was er da sagte.

Doch sein Verstand rebellierte ein letztes Mal, als er wiederum ansetzte: „Aber ich hätte es verhindern müssen! Ich …“

Aber Derek unterbrach ihn, nahm ihn in dem Moment einfach fest in den Arm, legte behutsam seinen Kopf auf seinen und flüsterte nun: „Die meisten Menschen sterben nicht auf eigenen Wunsch hin. Für gewöhnlich ereilt sie der Tod gegen ihren Willen.“

Erneut machte der Dunkelhäutige eine bedeutungsschwere Pause, ehe er noch ergänzte: „Der Tod dieses Mädchens ist furchtbar und tragisch, aber, und das ist das Gute daran, wir haben ihren Mörder! Und auch den Mörder dieser, bisher 57 Menschen, die er getötet hat. Und dies auch mit Hilfe der Statistiken, die sein Profil untermauerten. Du hast also keine Schuld an ihrem Tod und dieses Monster wird nie wieder jemandem schaden können, jetzt da wir ihn haben!“

Einen Augenblick lang herrschte eine fast erleichterte Stille zwischen ihnen, bevor das zuvor zurückgedrängte Zittern nun mit aller Macht zurückkam.
Mit aller Kraft versuchte er die aufkommenden Schluchzer noch zu unterdrücken, verlor aber den Kampf.
Schließlich entrang sich ein herzzerreißendes Schluchzen, fast gequälter Schrei, seiner Kehle, ehe er sich fest an seinen Freund schmiegte und nun den bitteren Tränen freien Lauf ließ.
Vor Derek musste er sich seiner Tränen nicht schämen und kaum, dass er noch die etwas festere Umarmung des Älteren um sich spürte, dachte er an nichts mehr und versank in seiner Trauer.





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Criminal Minds kenne ich nicht. Die Verbundenheit zwischen den beiden Freunden wurde dennoch deutlich. Man hat gemerkt, wie sehr sie sich aufeinander verlassen können. Das zitat hat hier wirklich gut gepasst.

Eure lula-chan
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast