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Unterbewusst

von kuroo-kun
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteSci-Fi, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Data Geordi LaForge
19.05.2020
19.05.2020
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813
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19.05.2020 813
 
»Computer, bitte lade für uns Programm La Forge P7.«

Geordi und Data standen vor Holodeck 3, beide in Pullover und Hosen gekleidet, die Geordi als kuschelig beziehungsweise gemütlich bezeichnete.

»Geordi, bist du sicher, dass wir diesen Test nicht genauso gut in deinem Quartiert durchführen könnten?«

»Absolut«, antwortete Geordi mit breitem Lächeln. »Es geht um Atmosphäre, Data. Die kann ich so in meinem Quartier nicht herstellen. Schließlich wollen wir erforschen, was dein Emotionszentrum schon kann.«

»Programm geladen, Sie können eintreten.« Die Tür zum Holodeck öffnete sich und Geordi schob Data hinein.

Sie standen in einem kleinen Raum, der dem Wohnzimmer ihres Sherlock Holmes Programms ähnlich war. Holzfußboden, dunkle Tapete, ein Kamin und davor ein Sofa statt zweier Sessel. Unverkennbar England des späten 19. Jahrhunderts. Der Raum lag in relativer Dunkelheit, nur das Kaminfeuer spendete Licht, das kaum über das Sofa hinweg reichte. Auf einem kleinen Tisch neben dem Sofa standen zwei dampfende Tassen. Direkt vor dem Kamin lag eine Matratze mit zwei Decken.

»Warum liegt eine Matratze vor dem Kamin?«, fragte Data. »Das Sofa scheint mir ein absolut adäquates Sitzmöbel zu sein.«

»Es geht nicht darum, adäquat zu sein«, erklärte Geordi. »Komm, nimm dir eine Tasse, zieh die Schuhe aus und setz dich auf die Matratze.«

Data tat genau das und stellte dabei die Tasse hinter sich, um sie nicht versehentlich umzustoßen. Im Schneidersitz, die Decke im Schoß sah er zu Geordi. Der arrangierte die Decke über seinen vor sich leicht angewinkelten Beinen. Data runzelte die Stirn.

»Bist du krank Geordi? Das Kaminfeuer in Kombination mit deinem Pullover sollte warm genug sein. Eigentlich sogar zu warm.«

»Da hast du recht, aber was tut man nicht alles. Computer, bitte reduziere die Wärmeemission des Kamins um 50 Prozent und setzte die Raumtemperatur auf 21 Grad Celsius, bevor ich einen Hitzschlag bekomme.« Der Computer piepste. »Viel besser, danke sehr.« Er sah zu Data und grinste. »Entspann dich, Data. Setz sich bequem, leg die Decke über.«

Data tat es und griff nach seiner Tasse, auch wenn er sich weder mehr noch weniger entspannt dadurch fühlte. Dann rutschte Geordi näher zu ihm, schob einen Arm unter seinen und lehnte den Kopf an seine Schulter. Das holografische Feuer vor ihnen knackte und flackerte. Erst, seit sich sein Emotionszentrum ausgebildet hatte, konnte er den Anblick wertschätzen.

»Menschen sind von Feuer fasziniert, seit sie es gebändigt haben.« Geordis Stimme klang wärmer als gewöhnlich und erfüllt von einer Emotion, die Data als pure Entspannung beschreiben würde. »Dass wir es nie ganz bändigen werden, ist wohl Teil der Faszination.«

»Ich habe nie verstanden, warum einzig das Ziel von Wert sein soll und nicht bereits der Weg«, sagte Data. »Hätte ich mein Streben nach Menschlichkeit nach dieser Prämisse ausgerichtet, hätte ich nie angefangen. Das Ziel zu erreichen, ist zu unwahrscheinlich. Der Weg ist das, was uns voranbringt.« Data nahm einen Schluck des noch immer warmen Getränks in seiner Tasse. Heiße Schokolade nach Counselor Trois Lieblingsrezept. »Dass ich diesen Geschmack genießen kann, ist ein Geschenk, von dem ich nie geglaubt hatte, dass ich es erhalten würde.«

Geordi wandte ihm das Gesicht zu, ein spielerisches Lächeln auf den Lippen. »Und das ist nicht das einzige, das du jetzt genießen kannst.«

Data dachte 0,74 Sekunden über die Situation nach, dann beugte er sich zu Geordi und küsste ihn. Sie hatten sich schon so häufig geküsst, dass selbst Data einige Sekunden nachrechnen müsste, um die genaue Anzahl zu ermitteln. Und obwohl der Kuss nicht leidenschaftlich, sondern süß und liebevoll war, erwärmte er auf besondere Weise Datas Hauptprozessor. Sicherlich leuchtete seine Aura in Geordis Visor auf. Er fühlte jede Bewegung, jeden kleinsten Druck von Geordis Lippen und Zunge und, ja, er genoss diese Gefühle, die nur Geordi in ihm auslösen konnte. Data zog ihn fester an sich, eine Hand an seinem Rücken, die andere in seinem Nacken und fühlte Geordis Hände an seinem Körper.

Plötzlich spürte er Feuchtigkeit auf seinen Oberschenkeln. Irritiert löste er sich von Geordi und sah das Malheur. Geordi lachte.

»Data, hast du etwa die Tasse losgelassen statt sie wegzustellen?«

»Ich fürchte, das ist exakt, was passiert ist, Geordi.«

»In diesem Fall können wir den Test als erfolgreich abgeschlossen betrachten.«

»Ich habe immer noch nicht verstanden, was der Test war.«

»Ich wollte wissen, ob dich eine Atmosphäre wie diese hier beeinflussen kann.«

»Ich habe keine Beeinflussung bemerkt.«

Geordis Grinsen wurde noch breiter und er deutete auf den nassen Fleck auf Datas Decke und die umgekippte Tasse. Und da verstand er. Um eine bewusste Beeinflussung war es nicht gegangen. Sein Unterbewusstsein war auf das Szenario angesprungen. Was für eine spannende Entdeckung.

»Ich sollte die Hose wechseln«, sagte er dann und schob die Decke mit der Tasse zur Seite. »Mein Zustand ist der Situation nicht angemessen.« Er wollte aufstehen, doch Geordi zog ihn mit einem Lächeln wieder zu sich.

»Meinetwegen musst du keine neue Hose anziehen.«

Datas Inneres pulsierte. Diese Aussicht war ganz nach seinem Geschmack.
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