Aingeru Aroha - Engelsblut (Band 3)

GeschichteRomanze, Fantasy / P18
19.05.2020
29.05.2020
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23.05.2020 1.525
 
Kapitel 10



Anoshka gab dem Engel Bescheid, dass sie bereits auf dem Weg zum Bad war. Sie hatte einen harten Arbeitstag hinter sich und freute sich darüber, dass er sie gefragt hatte.

"Danke. Bitte pass gut auf sie auf", bat er den Arzt und machte sich dann auf den Weg zum Bad. Dabei war er gedanklich bei Saori und was Ikaia über ihre Flügel gesagt hatte. Selbst wenn sie große Flügel bekam, hieß das nicht, dass sie damit fliegen konnte.

Außerdem konnten diese zu schwer werden und ihr mehr schaden, als helfen. War es die richtige Entscheidung gewesen, sie entfernen zu lassen? Solche Dinge waren immer unsicher.

Anoshka hatte sich bereits umgezogen und sich in das warme Wasser gelassen, wo sie auf Aaron wartete. Sie wollte gerne wissen, wie es der kleinen Dämonin ging.

Als Aaron das Bad betrat, zog er seine Tunika aus und ließ sich kurz darauf mit einem Seufzen in das Wasser gleiten. Er wusste, dass er die Entspannung brauchte, doch er würde nicht so lange hier bleiben können, weil er sich Sorgen um Saori machte.

„Ihr seht sehr verspannt aus, Meister“, bemerkte Anoshka leise. Sein sonst so typisches Lächeln war weg, welches er of trug. „Geht es Saori schlecht?“

"Sie ist gerade wach gewesen und hat mich mit ihrem Schmerz sehr hart getroffen", gestand er ihr und war noch immer durch diesen Schlag innerlich wund.

„War es so schlimm? Tut es sehr weh, wenn die Flügel nachwachsen? Oder was ist passiert?“, fragte sie vorsichtig und näherte sich dem Meister vorsichtig. Beruhigend legte sie eine Hand auf seinen Arm und sah ihn entschuldigend an.

Aaron versuchte ihr zu erklären, was vorgefallen war und dann auch, was seine Angst war. Nämlich, dass Saoris Flügel zu schwer für sie wurden. Oder sie damit nicht mehr klar kam.

Schweigend hörte die Weberin ihm zu. Nachdenklich starrte sie in das warme Wasser, in dem sich die beiden entspannten. Erst nach einer Weile sprach sie wieder.

„Ich glaube, Saori ist viel stärker, als sie selbst glaubt. Ja, sie ist nicht das, was sie sein soll. Das Mädchen ist viel zarter und sensibler als die meisten Engel. Aber sie hat eine immense Stärke bewiesen, als sie ihr Leben riskiert hat, um Euch zu schützen“, meinte sie langsam. Obwohl sie körperlich unterlegen war, hatte sie versucht, Aaron Zeit zu schaffen, indem sie abgelenkt hatte. „Wenn sie die Flügel Euretwegen aufgegeben hat, wird sie es sicherlich durchstehen, wenn sie daran denkt, Euch in Zukunft vielleicht besser helfen zu können“, sagte sie nachdenklich. Manchmal half ein Glaube, Berge zu versetzen und sich etwas zuzutrauen.

"Sie ist viel stärker, als sie glaubt, da stimme ich dir zu", meinte Aaron nachdenklich. "Trotzdem mache ich mir Sorgen."

„Das ist verständlich. Das zeigt, dass sie Euch sehr am Herzen liegt“, stimmte Anoshka dem Meister zu. Sie hatte ihren Kopf in den Nacken gelegt und die Augen geschlossen, um sich zu entspannen. „Ich bin mir sicher, es wird einen Weg geben, dass sie sich daran gewöhnt.“

"Ich mache mir auch Sorgen darum, dass wir diese Zeit vielleicht nicht haben", seufzte er. "Der Tanz wurde verschoben, doch niemand weiß bis wann. Ich bin mir aber sicher, dass man von mir noch immer erwartet, dass ich Saori vorstelle."

„Das ist sicherlich so. Aber die Königin wird es sicherlich verstehen, dass ihre Genesung erst einmal Vorrang hat. Sicherlich habt Ihr sie darüber informiert?“, sagte Anoshka, die den letzten Satz als eine Frage klingen ließ.

"Ja, sie weiß bescheid. Auch, was bei Jaromir passiert ist", murmelte Aaron, der die Wärme sichtlich genoss. "Aber das heißt nicht, dass die anderen Engel nicht drängen werden."

„Das größere Problem wird sein, dass sich dieses Ereignis in Saoris Gedächtnis gebrannt hat. Sie wird sicherlich noch ängstlicher sein, wenn sie anderen Engeln vorgestellt werden soll“, sagte Anoshka nachdenklich. Für sie war es wohl die zweite Begegnung mit einem Engel gewesen, der Böses gewollt hatte. Der Aaron hatte töten wollen und etwas mit ihr anstellen.

"Ja, das befürchte ich auch. Ihre Angst ... macht mir richtig Magenschmerzen. Ich habe das noch nie so erlebt", gestand der Engel ihr und tauchte noch etwas tiefer ins Wasser.

„Wieso tut es das?“, erkundigte sich die Weberin bei ihm. Mit einem Seitenblick bedachte sie den Engel, dass er keine Dummheiten machte.

Er zuckte die Schultern. "Ich weiß es nicht."

„Ich habe festgestellt, dass Ihr auf sie sehr stark reagiert. Mehr als zu allen anderen, die hier leben“, bemerkte Anoshka und lächelte. Es war nichts schlechtes, wenn es so war. Nur war es schade, dass er manchmal darunter litt. „Es wäre schön, wenn sie wieder glücklich und aus sich herauskommen würde. Saori war ziemlich liebevoll, als ich mit ihr allein war.“

"Sie ist ein sehr liebevoller Mensch", stimmte Aaron ihr zu. "Sie hat es nicht verdient so zu leiden und dass sie es wegen mir durchstehen muss, macht mir zu schaffen."

„Dennoch war es ihre Entscheidung, die sie für Euch getroffen hat. Nicht, um Euch zu beeindrucken, sondern um Euch zu schützen. Ihr habt Saori nicht dazu gezwungen“, erinnerte sie ihn daran. Anoshka verstand, dass er darunter litt und dass er das nicht abstellen konnte, weil er von Gefühlen lebte.

"Ich verstehe nicht, warum sie das getan hat", seufzte er. Wobei er es vielleicht doch verstand. Hätte er nicht genau die selbe Entscheidung getroffen, wenn es darum gegangen wäre, wie er sie besser beschützen konnte?

„Sie mag Euch sehr“, sagte sie sanft, wobei sie ihre Hand auf seinen Rücken legte, um ihren Worten Nachdruck zu verleihen. „Das allein wird schon ein Grund für sie gewesen sein. Dabei denkt sie nicht über die Konsequenzen nach. Und auch obwohl sie es nicht wollte, hat sie es getan.“

"Ich möchte sie nicht zu Dingen bringen, die sie nicht möchte", gestand er. "Auch nicht für mich."

„Ich glaube, das könnt Ihr nicht ändern“, erwiderte Anoshka noch immer sehr sanft. „Niemand weiß, wie ihre Flügel gewesen wären, wenn sie nun nicht gleichmäßig wachsen würden.“

Für einen Moment schwieg Aaron, bevor er das Thema wechselte. "Und dann ist da noch Tabtiha", murmelte er. Um diese machte er sich besonders Sorgen. Oder eher wegen dieser.

„Ihre Eifersucht?“, fragte Anoshka leise. Diese zeigte sie mittlerweile sogar offen.

"Ja. Ich hatte gehofft das Projekt würde sie etwas auf andere Gedanken bringen, aber nicht einmal dabei scheint sie gewillt Saori zu vergessen. Und sie tut, was sie möchte", seufzte er und fuhr sich durch die Haare.

„Vielleicht versucht Tabitha, Euch dadurch für sich zu gewinnen. Ihr wisst ja, wie eifersüchtig sie sogar auf Männer ist, die mehr Zeit mit Euch verbringen als sie selbst“, seufzte nun auch die Weberin. Tabitha war schon sehr nett, aber in der letzten Zeit war es sehr schlimm mit ihr geworden. Vor allem nachdem Aaron so verletzt zurückgekommen war. Das Dienstmädchen gab Saori die gesamte Schuld dafür und zeigte das auch deutlich.

"Ich hatte gehofft, dass sie dieses Projekt auch dazu nutzen würde", sagte er leise. "Aber sie tut die Dinge, wie sie diese möchte. Als würde sie einen Palast für sich bauen und nicht den kleinen Rückzugsort, den ich wollte."

„Sie hofft, dass Ihr und sie dort viel Zeit verbringen werden. Ich habe mitbekommen, dass sie sogar sich widersetzt, genügend Kühlung einzubauen, damit Ihr Saori nicht mitnehmen könnt“, erzählte Anoshka ihm vorsichtig. Er würde sicherlich nicht davon begeistert sein.

Aaron seufzte. "Wunderbar", murmelte er und fuhr sich durch die Haare. "Vielleicht quartiere ich dann einfach Tabitha dort dauerhaft ein."

„Es tut mir leid, dass Ihr das von mir erfahrt. Es war nur Zufall, dass ich es mitbekommen habe. Wenn Ihr sie dort einquartiert, wird sie noch mehr Hass entgegenbringen“, vermutete Anoshka und stand auf, um das warme Wasser für einen Moment zu verlassen, da sie sich ihre Haare waschen wollte. Dennoch war sie noch in dem gleichen Raum wie Aaron.

"Sie legt es darauf an", seufzte er. "Hätte sie meine Wünsche umgesetzt, dann wäre ich mit ihr vielleicht tatsächlich öfter dorthin gegangen. Aber wenn sie es wirklich tut und Saori somit aussperrt, dann wird sie die Konsequenzen spüren. Danke, dass du es mir gesagt hast."

„Vielleicht solltet Ihr mit ihr reden. Und lässt sich damit locken, Eure Wünsche umzusetzen, wenn Ihr öfters mit ihr dorthin geht“, schlug sie vor, solange sie das Shampoo in den Haaren verteilte.

"Ich rede jeden Tag mit ihr", seufzte Aaron. "Im Moment will ich mich nicht so weit von Saori entfernen. Ich habe Angst, dass ihr etwas passiert, wenn ich nicht da bin, um sie zu schützen."

Solange sie jedoch schlief, konnte er eventuell einen Blick auf das Projekt werfen und mit den Zuständigen darüber reden, was sie tun sollten. „Das Projekt ist Tabithas Möglichkeit, mit Euch zusammen zu sein, auch wenn Ihr es nicht so wollt wie sie.“

"Ich habe Angst, dass jemand meine Abwesenheit aus meinem Schloss nutzen könnte, um Saori zu töten", konkretisierte Aaron. Er traute Tabitha durchaus zu, dass sie so weit gehen würde.