Aingeru Aroha - Engelsblut (Band 3)

GeschichteRomanze, Fantasy / P18
19.05.2020
02.08.2020
75
121.581
9
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
19.05.2020 1.580
 
Kapitel 1



Die Tage vergingen, während Aaron unnatürlich schnell heilte. Schon nach nur wenigen Tagen fühlte er sich besser und die gröbsten Wunden schienen geschlossen zu sein. Gleichzeitig machte er sich jedoch immer mehr Sorgen um Saori.

Denn diese hatte einige Probleme mit der Heilung. Da ihr Körper so zierlich war, verheilten die Wunden relativ langsam. Aber auch, weil sie nicht genügend aß, um Energie zu bekommen. In der Zeit verließ sie Aarons Zimmer überhaupt nicht, da es ihr schwerfiel, sich durch die Nähte richtig zu bewegen. Auch der verletzte Flügel war nicht sehr schnell im Heilen.

Doch Aarons Worte, dass er sich in sie verliebt hatte, beflügelten sie irgendwie. Nie hätte das Dämonenmädchen gedacht, dass das möglich war. Es machte ihr nichts aus, wenn es ihr nicht so gut ging. Aber es freute sie, dass der Engel sich um einiges besser fühlte.

Die Katudjalls waren die gesamte Zeit über bei ihr und spielten mit Saori. Als würden sie wissen, dass sie sich benehmen mussten, waren sie mustergültig brav.

Aaron verließ nur selten sein Zimmer und dann auch immer nur sehr kurz. Stattdessen blieb er bei Saori, las ihr vor, spielte mit ihr Schach, oder erzählte ihr Geschichten.

Wie auch die Tage zuvor, kam er heute mit einem Teller zurück. Er hatte angefangen ihr persönlich das Essen zu holen und dabei waren immer ein paar Gerichte, die sie noch nicht kannte.

Wie immer war sie anfangs sehr skeptisch und misstrauisch, doch meistens ließ sie sich überreden und gab dann ihr Urteil darüber ab, ob sie es mochte oder nicht. Noch immer trug sie seinen Morgenmantel, der richtig kuschelig, aber nicht zu warm für sie war.

Nicht einmal Leika war in der Zeit zu ihnen gekommen und sie vermutete, dass Aaron sie absichtlich abschirmte. Dafür war sie sogar dankbar, wenn sie ihre Ruhe hatte.

Bei dem Engel wurde ihr nie langweilig, da er dir Tage so abwechslungsreich wie möglich gestaltete. Sobald Aaron das Zimmer betrat, hielt sie Ronny fest, denn er war in einer Angriffslaune.

Aaron stellte das Tablett auf den Tisch und widmete sich dann Saori. "Wie geht es dir heute?", fragte er sie sanft. Er versuchte sein Bestes, damit sie schneller heilte, doch in diesem Bereich gab es kaum Fortschritte. Dafür in einem anderen.

Jaromir war festgenommen worden und sein Dämon ebenfalls gefangen. Er hatte die Insel des Engels verwüstet und sehr viele Leben gefordert. Etwas, was der Königin überhaupt nicht zugesagt hatte.

Als Ausgleich für den Ärger, den Jaromir Aaron gemacht hatte, hatte dieser überlebende Sklaven bekommen, um die sich aktuell Leika kümmerte. Sie mussten sich einleben und lernen, wie das Leben hier war. Aaron sah ab und an nach ihnen, doch er brauchte noch immer Ruhe und er wollte Zeit mit Saori.

„Es geht. Der Flügel heilt schlecht“, gab sie zu und schimpfte Ronny, als sein Dämonenschwänzchen aufgeregt wedelte, nachdem er Aaron fixiert hatte. Seit dem Vorfall war er ihm gegenüber freundlicher geworden, doch an diesem Tag schien er einfach eine Laune zu haben. Vielleicht hatte Ronny verstanden, dass der Engel ihr nicht schaden wollte.

„Aber dass Ihr etwas zum Essen geholt hab, heitert mich auf“, lächelte Saori ihm entgegen. Ihr Magen knurrte ein wenig, aber so großen Hunger hatte sie trotzdem nicht.

Der Engel schenkte zwei Gläser mit einer Saftmischung ein, von der er glaubte, dass sie Saori schmecken würde und brachte sie ihr ans Bett. "Jaromir wurde festgenommen", erklärte er ihr, als er ihr das Glas reichte.

Bei dem Namen zuckte sie richtig heftig zusammen. Die Erinnerungen kamen in einer riesigen Welle herein, die ihr übel zusetzte. Beinahe verschüttete sie den Saft, der eine rötliche Farbe aufwies. „Was bedeutet das?“, fragte sie unsicher. Mit so etwas war sie nicht vertraut. Was hieß das, festgenommen zu werden? Genauso wie sie am Anfang?

"Er sitzt im Kerker der Königsfamilie, weil er einen anderen Engel angegriffen und einen Dämon freigelassen hat", erklärte Aaron ihr und hielt ihre Hände sanft. "Das heißt, dass er uns nicht mehr gefährlich werden kann", fügte er er sanft hinzu.

„Wirklich?“, hauchte sie atemlos. Eine Welle der Erleichterung breitete sich in ihr aus. Sie hatte Angst gehabt, dass er und der Dämon kommen und sie erneut angreifen würde.

"Ja und wegen dieser Sache wurde auch das Fest verlegt", erklärte er ihr. "Es gibt noch kein genaues Datum, aber da die Königin dich bereits in Augenschein genommen hat, ist es nicht mehr so wichtig."

„Das Fest wurde verschoben?“, fragte sie geschockt. Und sie hatte gedacht, sie würde dem Tanz und den anderen Engeln entkommen. „Wieso ist das nicht mehr so wichtig?“

Aaron legte einen Flügel um sie. "Weil du nicht gefährlich bist. Es gibt andere, wichtigere Dinge, die gerade mehr Aufsehen erregen, als du."

„Ihr seht mich nicht als gefährlich, die anderen hingegen schon“, brachte sie es auf den Punkt. „Was sonst ist wichtiger, als ein Mitglied der Akilahs gefangen zu haben?“

Saori lehnte sich erschöpft an den Engel, dessen Berührung nicht mehr so schmerzt wie nach dem Vorfall. Das war wenigstens gut, denn sie hatte seine sanften Hände vermisst.

"Jaromir hat geplant einen anderen Engel durch einen Dämon zu töten", erklärte er leise. "Weil er dich haben wollte, wie es scheint", fügte er hinzu und hielt sie fest. "Ich verstehe nicht, was er sich davon erhofft hat, aber so etwas darf es nicht geben."

So wichtig war sie doch gar nicht ... es wäre etwas anderes gewesen, wenn er wirklich einen ihrer Brüder gefangen hätte. „Ich dachte, das gibt es nur bei Dämonen ...“, murmelte sie leise. Saori führte das Glas an ihre Lippen und probierte das Getränk. Das Mädchen stutzte für einen Moment, weil sie nicht wusste, was für ein Geschmack das genau sein sollte und betrachtete es misstrauisch.

"Richtig und nun wird gerade geprüft, wie tief diese Sache ging. Dass Jaromir den Dämon Befehle geben konnte kam nicht gut an", seufzte er und nahm ebenfalls einen Schluck. "Es ist Apfel mit Kirsche."

Das Getränk war süß und sauer gleichzeitig, aber sehr fruchtig. Noch einmal nahm sie einen Schluck, welchen sie in ihrem Mund ließ, bevor sie schluckte. „Vielleicht haben sie zusammen gearbeitet? Ein Dämon lässt sich normalerweise nichts von einem Engel sagen“, überlegte sie halblaut.

"Ja, das ist auch meine Befürchtung. Aber niemand kann sagen, wie das zu Stande gekommen ist", seufzte Aaron, der sein Glas leerte.

Leicht zuckte die Dämonin mit den Schultern. „Ich hoffe ... er wird wirklich nichts mehr tun können. Er war wirklich beängstigend. Kalt, schleimig, widerlich und ... hinterhältig“, fand sie. Zumindest war das ihre Meinung. Und sie hatte sich auf seiner Insel auch nicht wohl gefühlt. „Bestimmt sind sie auch nicht begeistert, weil Ihr so verletzt worden seid ...“, vermutete sie.

Aaron fuhr ihr durch die Haare. "Nein, sind sie nicht", stimmte er ihr zu und gab ihr einen sanften Kuss. "Ich wollte nur, dass du weißt, dass er keine Probleme mehr machen wird."

„Vor allem, weil Ihr mein Halsband abgenommen habt ... und somit zugelassen habt, dass ich meine Kräfte einsetzen kann“, sagte sie, wobei sie das Wort Kräfte speziell betonte. Saori war nicht stark und hatte nichts ausrichten können.

Es war kein Wunder, dass die Leute nicht begeistert waren, wenn ein Dämon ohne Halsband herumlief.

"Ich werde dir eines geben, was nur so aussieht", entschied er sich schließlich. "Um die anderen zu beruhigen."

„Es ist besser, das Richtige anzulegen. Somit wird es keine Missverständnisse geben und man muss nicht aufpassen, dass etwas herauskommt“, beharrte Saori. Gerade wenn sie Angst hatte, nutzte sie ihre Flügel, um Wind zu erzeugen oder das schwarze Feuer. Das hatte sie mit dem Halsband nicht tun können.

"Wenn du das möchtest", sagte er leise. Ihm behagte es nicht. Er wollte, dass sie sich schützen konnte.

„Es ist für jeden besser. Was, wenn jemand etwas merkt? Dann gibt es nur Probleme ...“, erwiderte sie mit einem schulterzuckend. Nachdenklich kraulte sie die Katzen auf ihrem Schoß, die sich an sie gekuschelt hatten. Die letzten Tage waren sie sehr lieb gewesen und hatten auf sie aufgepasst.

"Ich möchte, dass du dich erst erholen kannst", meinte Aaron sanft.

„Ich kann mich nicht verwandeln ... dazu fehlt mir die Kraft“, gestand Saori ihm. Es machte kein Unterschied, ob sie es nun trug oder nicht. In ihrem Zustand war sie zu nichts imstande.

"Aber sag mir, wenn es dir soweit besser geht, dass du das kannst. Damit du dich heilen kannst", bat er sie und hatte bereits Mal gebeten ein neues Halsband anzufertigen.

„Ich werde mich nicht verwandeln. Es ist zu unsicher und gefährlich, wenn jemand etwas mitbekommt. Ich werde auch so gesund“, sagte sie leise zu ihm. Ihr Glas hatte sie nur zur Hälfte geleert, als sie es ihm zurückgab.

"Hast du deine Tablette schon genommen?", fragte er und strich ihr sanft eine Strähne aus dem Gesicht.

„Nein, sie liegen in Eurem Nachtschrank. Die Katzen wollten damit spielen“, lächelte das Mädchen ihn leicht an. Die hatte sie deswegen aufgeräumt, damit sie nicht gefressen werden konnten.

Sie vergaß oft, die Tabletten zu nehmen, weil sie es nicht gewöhnt war, regelmäßig so etwas zu müssen. Würde Aaron sie nicht daran erinnern, würde sie die gar nicht nehmen. Saori verstand sowieso nicht, für was sie gut sein sollten.

Das Mädchen mochte es, wenn er ihr Haar, welches geöffnet war, ihr nach hinten strich. Dabei bekam sie ständig ein warmes Gefühl in ihrem Herzen.