Reif für die Insel

von ruawei
GeschichteHumor, Romanze / P12
Dr. Anja Licht Franz Hubert Johannes Staller
19.05.2020
23.05.2020
3
2.889
2
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
23.05.2020 962
 
(Kurze Anmerkung: Das Kapitel ist jetzt quasi der Pflichtteil (Staffel 5, Folge 10). Danach geht es dann mit der "Kür" weiter. Weiterhin viel Spaß ruawei).

Während Hubert und Staller am nächsten Tag zur Mittagszeit wegen illegalen Glücksspiels in einem Wirtshaus ermitteln mussten und gerade drei Kartler befragten, hörten sie einen Schuss. Der vierte Mann der Schafkopfrunde hatte sich allen Anschein nach während ihrer Anwesenheit im Nebenzimmer erschossen. Wenig später erschien Doktor Hartwich am Ort des Geschehens. "Finger weg von meinem Tatort!", raunzte er die beiden Gesetzeshüter an. "Wer ist jetz er?", fragte Hansi überrascht. Der Arzt stellte sich als Anjas Vertretung vor, dann wollte er noch tadeln wissen: "Sie haben doch noch nichts angefasst mit Ihren Patschefingern? Stichwort Polizeischule erster Tag?"
Hansi war sichtlich verärgert, dass er nichts von Anjas Abwesenheit wusste. "Jetzt woast des ja!", antwortete Hubsi lapidar. Derweil klatschte Hartwich wie vor Schülern einer ersten Klasse in die Hände, um sich deren Aufmerksamkeit zu sichern: "So, Sie haben jetzt bestimmt noch was Wichtiges zu erledigen. Knöllchen verteilen, eine entlaufene Katze finden", wandte er sich hämisch an seine beiden Gegenüber. "Wo ist denn die Anja hin?", fragte Hansi weiter, ohne auf ihn einzugehen. Während Hubsi versuchte, sich Anjas Aufenthaltsort ins Gedächtnis zu rufen, fuhr Hartwich wieder dazwischen. Mit einem: "Meine Herrn, wenn Sie Ihren hochintellektuellen Disput bitte nach draußen verlagern!" schickte er die beiden Polizisten wie zwei kleine Kinder aus dem Zimmer. Damit hatte auch Hansi die Bekanntschaft des hochnäsigen Mediziners gemacht.

Dieser ließ bei den anschließenden Besuchen der beiden Polizisten in der Pathologie keinen Zweifel daran, dass er ihnen komplett fehlende Fachkompetenz, ja eigentlich völlige Ahnungslosigkeit unterstellte.
Allerdings stießen Hubert und Staller im Rahmen ihrer Nachforschungen auf immer mehr Indizien, dass es sich bei dem Fall nicht um Selbstmord, sondern um einen wie auch immer gearteten Mord handeln könnte. Doch das entweder zu bestätigen oder ausschließen war dem überheblichen Pathologen nicht möglich.

Als die zwei Ermittler wenig später mit ihrem Vorgesetzten, Polizeirat Reimund Girwidz, im Wolfratshauser Polizeirevier zu einer Lagebesprechung zusammensaßen, ließ dieser die Bombe platzen: Doktor Hartwich hatte sich für die Stelle von Anja in der Pathologie im Wolfratshauser Krankenhaus beworben. "Können Sie sich das vorstellen? Ein bisschen frischer Wind?", fragte Girwidz seine beiden Mitarbeiter etwas kleinlaut. "Heißt des, der Doktor Hartwich will den Job von der Anja?", fragte Hansi ungläubig. Da riss Hubsi endgültig der Geduldsfaden. Er blickte seinen Vorgesetzten drohend an und seine Augen funkelten gefährlich, dann legte er los: "Jetzt muss ich amal eins sagen. Die Anja ist eine Riesen-Nervensäge. Sie muss immer das letzte Wort haben und ich würde sie im Leben nicht mehr heiraten ...!"
"Lügner!", grätschte sein Gewissen dazwischen. Hubsi machte eine kurze Pause, bevor er eindringlich weitersprach: "... aber fachlich, da macht ihr keiner was vor!"
"Ja", sagte Girwidz nur ausweichend.

"Anjas Job ist in Gefahr!", hämmerte sein Gewissen, als Hubsi und sein Partner das Büro ihres Chefs verlassen hatten. "Mach was!"

Während die beiden Polizisten später wieder mit ihren Streifenwagen unterwegs waren, um ihre Befragungen fortzusetzen. überlegte Hubsi immer noch angestrengt, dann nahm er seufzend sein Telefon zur Hand und wählte die Nummer seiner Ex-Frau. Aber er erreichte nur die Mailbox. Verärgert steckte er sein Smartphone in die Jackentasche. Typisch! Er ermittelte hier auf Hochtouren und kämpfte nebenbei noch um ihren Job, aber anstatt ihm ewige Dankbarkeit zuteilwerden zu lassen, ging Anja nicht einmal an ihr Handy. Dementsprechend schlecht gelaunt war er, als ihn seine Ex-Frau endlich zurückrief. "Ja super, dass du auch amal anrufst!", brauste Hubsi auf, als er das Gespräch annahm, und schon lagen sich die zwei Ex-Eheleute wieder in den Haaren. "Jetzt schnauz mi ned an! Meinst, i glotz im Urlaub die ganze Zeit auf mei Handy und schau, ob vielleicht mein Ex-Mann anruft?", fragte Anja säuerlich. "Des woas i ned", antwortete Hubsi wahrheitsgemäß. "Was is denn überhaupt?", wollte Anja nun wissen. "Ach so, ja. Ich bräucht einen Crash-Kurs von dir in Sachen Blutgerinnung und Schmauchspuren", erklärte Hubsi besänftigend. "Geh Hubsi, des is jetz doch ned dei Ernst! Dass ich dir das, was ich jahrelang gelernt hab, jetzt schnell einmal so nebenbei am Telefon erklären soll!", entrüstete sich Anja. "Musst halt selber mal a Buch lesen! Sonst noch was?"
"Naa. Naa, eigentlich ned!", beendete Hubsi nachdenklich das Telefonat.

Danach ließ er sich von Hansi erneut vor dem Wolfratshauser Krankenhaus absetzen, um wieder nach der Tante Elli zu sehen, doch in Wirklichkeit wollte er noch einmal der Pathologie einen Besuch abstatten. Aber nun war der Nebeneingang zum Institut für Rechtsmedizin verschlossen, nirgends ein Schlüssel zu finden und sein ansonsten todsicherer Trick mit der Kreditkarte hatte diesmal auch keinen Erfolg. "Mit der Kartn hast da koa Chance!", hörte er plötzlich eine Stimme hinter sich. Verblüfft drehte er sich um. Hansi kam auf ihn zu, mit einem Dietrich in der Hand, und in Nullkommanix war die Türe auf. "Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt!", summte Hubsi dankbar den Schlager aus den dreißiger Jahren, als sie zu zweit den Gang zu Anjas Reich entlangschlichen.
Mithilfe ihrer Fachliteratur, die sich Hubsi dort "ausborgte", gelang es den beiden Polizisten wenig später, dem verhassten Mediziner einige Oberflächlichkeiten in seiner Arbeit nachzuweisen, die so bei Anja nicht vorgekommen wären. Damit war nicht nur dessen Stellengesuch vom Tisch, sondern Hubert und Staller hatten auch wieder einmal in kurzer Zeit einen Mord, sogar einen gemeinschaftlich begangenen, aufgeklärt und gleich drei Täter dingfest gemacht. Zufrieden kehrten sie ins Revier zurück.