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Regentage

von CUtopia
OneshotLiebesgeschichte / P16 / Het
Dirk Matthies
18.05.2020
18.05.2020
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Dieses Oneshot ist ein sehr loses Add on zu Folge 307 - Diebe in der Nacht, wo Regina und Dirk am Ende gemeinsam singen. Ja, vielleicht habe ich die letzte Minute der Folge gefühlte tausend Mal angesehen um den Songtext abzuschreiben, da ich das Lied nirgendwo finden konnte, und eine Zeile fehlt auf jeden Fall weil der Dialog die Musik zu sehr in den Hintergrund gedrängt hat um viel zu verstehen, aber ich finde es passt trotzdem.

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Regentage



Ich blinzel durch den Vorhang, seh die graue Wand aus Wolken über Hamburg


Am Fenster läuft ein Rinnsal nach dem andern und ich weiß, da muss ich gleich raus



Dirk Matthies streckte sich mit einem Gähnen, sobald er sich von der Bettkante erhoben hatte und verfluchte innerlich das leichte Knacken in seinem Rücken. Älter werden war wirklich kein Zuckerschlecken.

Die Augen noch halb geschlossen, tappte er langsam hinüber zum Fenster und blinzelte gegen das Licht, das ihm ins Gesicht fiel, als er den Vorhang mit den Fingerspitzen leicht zur Seite schob. Der Blick nach draußen war verschwommen, Regentropfen liefen am Glas herunter, dennoch waren die tief grauen Regenwolken, die sich am Himmel über Hamburg zusammen schoben, klar zu erkennen. Die Bäume am Straßenrand wogten im Wind und immer wieder trieben Böen mehr Regen gegen das Fenster.

Hamburger Schietwetter und Montag… natürlich mussten die beiden Komponenten mal wieder aufeinander treffen.

Wie gerne würde er jetzt wieder ins Bett gehen, sich unter die warme Decke kuscheln und das Unwetter da draußen einfach verschlafen, während andere sich durch den Verkehr kämpften und versuchten, nicht nass zu werden…

Aber leider war das nur Wunschdenken; es gab nichts, was ihn von der Verpflichtung, im Büro zu erscheinen, würde befreien können. Es half wohl alles nichts… Er würde sich einen starken Kaffee kochen und dann ins Auto setzen müssen…

Es sei denn…

Ein Gedanke formte sich in seinem Kopf, und ein schelmisches Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Vielleicht war sein Wunsch doch gar nicht so abwegig…

Dirk zog seine Hand zurück und ließ den Vorhang wieder zu gleiten, sperrte den Regen aus im selben Moment als ein Donnergrollen aus der Ferne ertönte.

Er drehte sich um und stieg über ein paar Kleidungsstücke hinweg, die achtlos auf den Boden geworfen worden waren. Seine Bettdecke lag in einem knittrigen Haufen auf der Matratze und ein Paar Füße lugte darunter hervor; mit einem liebevollen Gesichtsausdruck zog der die Decke über die Füße bevor er sich auf die Bettkante setzte.

Die Decke fing an sich zu bewegen, und vom Schlaf zerzauste blonde Haare kamen zum Vorschein.

“Schon Morgen?”


Montag und die Pflicht ruft


Nein das find ich nich’ gut


Machen wir’s heut’ anders, ziehn den Vorhang wieder vor



Dirk lächelte über ihre verschlafene Stimme, als er sich wieder unter die Decke schob und den warmen Körper an sich zog. “Joa, aber ich hab beschlossen dass noch nich’ Zeit ist.”

“Wie spät?”

“Gleich sieben,” antwortete er mit Bedauern in seiner Stimme, und Regina Küppers setzte sich abrupt auf.

“Schon so spät? Wir müssen aufstehen! Es ist schon längst Zeit! Und du kommst zurück ins Bett?”

“Joa, ich hab ja auch rausgeguckt.”

“Und?”

“Hat mir nich’ gefallen,” erklärte Dirk trocken und zog sie wieder in seine Arme. “Es regnet. Und stürmt. Und naja… da hab ich mir gedacht, dass wir einfach noch ein bisschen liegen bleiben könnten.”

Ihre blauen Augen weiteten sich vor Schock, und sie schüttelte hektisch den Kopf, doch Dirk lockerte seine Umarmung nicht, sondern stahl einen Kuss von ihren Lippen. “Na komm schon. Nur ein Stündchen oder zwei.”

“Dirk, du weißt genau, dass das nicht geht! Wir müssen zum Dienst, es wartet Arbeit auf uns. Nur weil es draußen ungemütlich ist können wir doch nicht einfach… schwänzen!”

Er lachte leise - sie hatte als Kind auf jeden Fall nie die Schule geschwänzt. Verbotene Dinge, oder solche, die sich immerhin verboten anfühlten, machten Regina so herrlich nervös.

“Darf ich dich daran erinnern, dass du die Chefin bist, Regina?”

“Ja, und genau deshalb muss ich mit gutem Beispiel voran gehen!” antwortete Regina, jedoch mit sehr viel weniger Überzeugung als zuvor. Dirk konnte förmlich hören wie sich die Rädchen in ihrem Kopf drehten, und sein spitzbübisches Lächeln und ein weiterer Kuss entlockten ihr ein verzweifeltes Stöhnen.


Nein, nein, heute nicht


Heute gibts nur Sonnenlicht


Weils aus deinem Lächeln sticht


Und aus deinen Augen leuchtet



“Regina…”

Er fuhr wirklich alle Geschütze auf - jetzt gab er ihr diesen Welpenblick, dem sie sich noch nie hatte erwehren können. Wieder entwich ihr ein verzweifelter Laut, denn sie wusste, dass sie bereits verloren hatte. Natürlich wollte sie hier im Bett bleiben und sich in seine Arme kuscheln, anstatt sich draußen durch den vom Regen extrem dichten Verkehr zur Wache zu quälen…

“Dirk Matthies, dein schlechtes Verhalten und dein laxer Umgang mit Regeln hat auf mich abgefärbt!” zischte sie ungehalten, und Dirk lachte.

“Naja, deine Mutter hat mal vor Jahren gesagt dass du dich mal mehr herumtreiben und weniger auf die Arbeit konzentrieren solltest… und ich mag es doch so sehr, wenn du frech wirst.”

Sie schüttelte ihren Kopf, aber fing auch an zu lachen und kuschelte sich noch mehr an ihn. Ihre Blicke trafen sich und er strich ihr das kinnlange Haar aus dem Gesicht.

“Die kommen schon ohne uns zurecht, glaub mir. Hast ja alle gut erzogen.”

Dirk zwinkerte sie an, und ihr Lächeln ließ ihn den Regen vergessen - die Sonne schien hier drinnen nur für ihn zu scheinen. Einen Arm noch immer um sie geschlungen, streckte er sich zum Nachttisch und griff nach ihrem Handy. “Aber weil du auch ein wenig auf mich abgefärbt hast, musst du dem armen Krabbe Bescheid geben. Sonst schickt er noch ein Suchkommando los.”

“Na wenn du meinst,” wisperte sie, ihr Lächeln noch breiter als zuvor, und nahm ihr Handy entgegen. Die Nummer des PK14 hatte sie auf der Kurzwahl, und während sie sich noch an Dirk kuschelte, meldete sich Hannes Krabbe.

“Herr Krabbe, Küppers. Ich wollte nur Bescheid geben dass ich heute etwas später komme. Nein, einfach nur so. Sie kommen schon zurecht. Und ich bin nicht erreichbar. Bis später.”

Schnell legte sie auf, bevor Krabbe groß nachfragen konnte, und ihre Augen blitzten frech als sie ihr Handy wieder weg legte.

“Nun, Herr Matthies, was stellen wir jetzt mit der freien Zeit an?”


Nein heut sollen die andern gehen


Die Welt wird sich schon weiterdrehn


Wenn wir heute mal ein kleines bisschen später aufstehen



Dirk grinste sie an und ließ seine Fingerspitzen neckend über einen Streifen Haut gleiten, der von ihrem verrutschten Oberteil freigegeben wurde. “Naja, was zwei erwachsene Menschen so im Bett tun… Frau Küppers.”

Er tat unschuldig, doch Regina wusste natürlich genau, worauf er hinaus wollte, und sie schüttelte den Kopf, noch immer lächelnd. “Aaaah, daher weht der Wind also. Das alles nur um deine Chefin ins Bett zu kriegen.”

“Frau Küppers!” sagte Dirk mit gespielter Empörung und zog sie enger an sich. “Was sie mir hier wieder unterstellen.”

Regina lachte und rollte sich auf ihn; Dirk schob ihr sanft die Haare aus dem Gesicht. Er mochte die kürzeren Haare an ihr.

Sie küssten sich wieder, und Dirk genoss jede einzelne Sekunde. Wenn er mit ihr zusammen war, fühlte er sich einfach um Jahre jünger, und alles schien so… einfach.

Doch plötzlich lösten sich Regina’s Lippen von seinen und er öffnete die Augen, als sie sich aufsetzte. Sie kaute auf ihrer Unterlippe herum, einen besorgten Ausdruck auf dem Gesicht, und er gab ihr einen fragenden Blick.

“Bist du wirklich sicher dass wir…”

Dirk seufzte innerlich - sie war wirklich unverbesserlich. Ihr Pflichtbewusstsein war wirklich hartnäckig, doch er wusste dass dies nur ein letztes Aufbäumen sein konnte - er musste jetzt nur noch ein wenig bestimmter sein.

“Ja. Die Welt hört sich nich’ auf zu drehen wenn du mal ein bisschen später kommst, und das Revier wird auch nicht einstürzen. Und jetzt komm wieder runter, die ganze Wärme geht verloren.”

Er schlang seine Arme um ihre Taille und zwinkerte zu ihr herauf bevor er sie wieder an sich zog, und Regina entspannte sich langsam wieder. “Du hast ja recht, ich…”

Weiter kam sie nicht - Dirk küsste sie wieder, lange und liebevoll, und alle Gedanken an die Arbeit wurden aus ihrem Kopf gedrängt als sie sich auf ihn konzentrierte. Es war wirklich schwer alte Gewohnheiten zu durchbrechen, doch vielleicht war dies ein wirklich guter Anfang.

Und während Regina sich mit dem Gedanken anfreundete, in Zukunft öfters mal ein bisschen länger im Bett zu bleiben, prasselte der Regen weiter gegen die Scheibe, völlig unbeachtet.


Bisschen später aufstehn


Mal so ‘n bisschen später aufstehn
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