Three Flames

von DeanGold
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Jiang Cheng Jin Ling Lan Zhan OC (own charakter) Wei Ying Xue Yang
18.05.2020
15.08.2020
9
30.955
1
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5 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
18.05.2020 2.950
 
(Achtung: Diese Geschichte ist die Fortsetzung meiner Story The Secret.
Sie basiert auf den dortigen Geschehnissen. Ich empfehle The Secret zu lesen, damit ihr die Handlung hier besser versteht)

Und ja, ihr seid richtig, es geht hier um Grandmaster of Demonic Cultivation / Mo dao zu shi / The Untamed...
Lasst euch nicht von den fremden Namen im ersten Kapitel irritieren :D
Ihr werdet den Zusammenhang verstehen, wenn ihr weiterlest...
***

Das Schiff wankte unter den gewaltigen Wellen des Unwetters, das die pechschwarzen Abgründe der See offenbarte. Liang Sho saß in Lumpen auf einem heruntergekommenen Holzgestell, das er seit einigen Monaten als sein Bett bezeichnete. Sein Gesicht war beschmutzt, sein blondes Haar hatte seinen weizengoldenen Schimmer verloren. Er blickte gedankenverloren zur runden Fensterluke, hinaus in die Dunkelheit.
„Er wird zurückkommen“, sagte Qi Ming, der neben ihm saß und vorsichtig die Hand auf Liang Shos Arm legte. Sie war kühl und so erschrak Liang Sho im ersten Augenblick, bis er sich an die Berührung gewöhnt hatte. Liang Sho senkte den Blick.
„Wir hätten nie auf dieses Schiff gehen dürfen… Wer weiß, ob es uns zu deinem Vater bringt.“
Qi Ming drückte seine Hand. „Lass uns die Hoffnung nicht aufgeben.“, sagte er sanft. „Vater ist irgendwo da draußen. Er wird all unsere Fragen beantworten, das spüre ich! Du verstraust mir doch, oder?“
Liang Sho blickte Qi Ming an.
Obwohl auch er gezeichnet war von den vielen Leiden ihrer Reise, schien der Glanz seiner großen, murmelförmigen Augen nie zu verblassen. Während Liang Sho dazu neigte ein melancholischer Pessimist zu sein, konnte man Qi Mings Lächeln niemals trüben.
Er lehnte den Kopf an Qi Mings Stirn und streichelte sein Haar.
„Ich habe dir nie dafür gedankt, was du für mich getan hast…“, flüsterte Liang Sho. „Wären wir uns nicht begegnet… ich wüsste nicht wo ich jetzt wäre.“
Qi Ming schlang die Arme um seinen Nacken, ein Kuss schien sich anzubahnen, doch dann schraken beide auseinander. Die Tür zu ihrer Zelle schlug auf und jemand wurde hineingeworfen.
„Zhao Zhi!“ Liang Sho fuhr auf, sein Gesicht erfüllt von Panik. Er stürzte zu Boden und besah das zusammengeknüllte Häufchen Elend, bestehend aus blutdurchtränkten Leinen und zerwühlten Haaren, das nur noch entfernte Ähnlichkeit mit seinem besten Freund aufwies. „Was haben sie dir angetan!? Diese… diese Mistkerle!“ Liang Shos Schultern zitterten, als er Zhao Zhi auf den Rücken drehte. Sein Gesicht, einst so rein und lilienweiß, war unter den blauen Flecken und Schwellungen kaum noch erkennbar.
Qi Ming kniete sich neben die beiden, während Liang Sho Zhao Zhi in den Armen wog und schluchzte. „Zhi Zhi-Ge…!“, rief er verzweifelt. „Sag doch etwas! Sie… werden dich doch nicht totgeprügelt haben… doch nicht wegen einer solchen Kleinigkeit…?!“
…doch Zhao Zhi regte sich nicht und Liang Sho konnte seine Tränen nicht zurückhalten.
„A-Sho…“, flüsterte Qi Ming, doch seine tröstende Stimme drang kaum zu ihm durch. „Du hast dein Bestes gegeben… aber ich bin nicht sicher, ob wir ihm noch helfen können…“
„Sag so etwas nicht! Zhi Zhi ist stark! Er würde niemals aufgeben!“, rief Liang Sho verzweifelt. „Wir müssen ihn retten!“
Liang Sho wollte Zhao Zhis Körper vom Boden aufheben, doch er war fast doppelt so schwer wie er selbst und so benötigte er Qi Mings Hilfe, um ihn aufs Bett zu legen. Er holte eine Schüssel Wasser und säuberte Zhao Zhis Gesicht, bis man seine Züge wiedererkannte. Qi Ming kümmerte sich unterdessen um die Wunden an seinen Armen, doch die Leidenschaft, mit der Liang Sho ihn versorgte, ließ ihn bald zurückweichen. Er schien nur seinem eigenen Handeln zu vertrauen und so setzte sich Qi Ming wenige Zeit später auf das gegenüberliegende Bett, während Liang Sho bei Zhao Zhi blieb.
Liang Sho und Zhao Zhi kannten sich schon sehr lange. Bereits als Liang Sho noch im Schloss seines Vaters gewohnt hatte, waren sie sich im Dorf über den Weg gelaufen.
„Ein Prinz und ein Stalljunge können keine Freunde sein!“, hörte er seinen Vater schimpfen. Er war nie begeistert davon gewesen, dass sich Liang Sho heimlich unter die einfachen Leute gemischt und Bekanntschaft mit einem Bürgerlichen gemacht hatte. Seine Strafen hatten Liang Sho und Zhao Zhi jedoch nie davon abhalten können Freunde zu werden.
Zhao Zhi war, trotz seiner niederen Abstammung, ein gutaussehender junger Mann mit breiten Schultern, ebenmäßiger Haut und einem markanten Gesicht. Als Landarbeiter trug er die Haare kurz, damit sie ihm bei der Arbeit nicht in die Stirn fielen.

Lan WangJi setzte den Pinsel ab. Die Kerze war ausgebrannt und kein Licht fiel mehr auf sein beschriebenes Pergament. Er erhob sich leise, denn Wei WuXian schlief bereits, um nach einer Feuerquelle zu suchen. Raschelnd wanderte er am Bett vorbei.
„Hmm… Gege… willst du nicht ins Bett kommen…? Es ist mitten in der Nacht.“, knurrte Wei WuXian. Lan WangJi drückte ihm einen Kuss auf die Wange und hauchte „Bald…“
Wei WuXian drehte sich wieder um und begann zu schnarchen, während sich Lan WangJi an den Schreibtisch zurücksetzte und die Kerze neu entflammte. Er las noch einmal, was er zuvor geschrieben hatte.
Zhao Zhi…
Dieser Charakter faszinierte ihn. Als er begonnen hatte über Liang Sho zu schreiben, war Zhao Zhi nur einer von vielen Nebencharakteren gewesen. Eine Figur, die er hatte erfinden müssen, um die Handlung in Gang zu bringen, doch nun, auf Seite Hundertzwanzig, wo Liang Sho und Zhao Zhi so viele Hindernisse gemeinsam bewältigt hatten, war eine intensive Freundschaft zwischen ihnen entstanden, die ihn bis weit nach Mitternacht an sein Manuskripten fesselte.
Eine aufregende Romanze schien sich anzubahnen. Der Gedanke daran verursachte ein heißes Kribbeln in ihm. Am liebsten wollte er seitenlang darüber philosophieren, wie gutaussehend dieser so männliche, doch gleichzeitig so sanftmütige junge Bursche war, doch er musste sich zügeln, um seinen weiteren Handlungsverlauf nicht zu gefährden. Eigentlich hatte er die Geschichte so konzipiert, dass Qi Ming und Liang Sho zusammenfanden, doch Qi Ming saß gerade auf dem anderen Bett und beobachtete die Szene von Weitem.
Was habe ich ihm nur angetan…? dachte Lan WangJi. Er verdient es nicht zur Zweitbesetzung zu werden. Er hat sich Liang Sho gegenüber stets vorbildlich verhalten.
Qi Ming war, genauso wie Liang Sho, von adeliger Abstammung. Jung, schlank und gutaussehend außerdem lebensfroh und charmant. Die Frauen liebten ihn, er hingegen hatte nur Augen für Liang Sho.
Liang Sho und Zhao Zhi waren ihm begegnet, als sie sich auf die Suche nach dem Ursprung des Elends gemacht hatten, das seit geraumer Zeit in Liang Shos Königreich herrschte. Qi Mings Vater trug die Schuld daran, dass es dem Königreicht schlecht ging, denn vor Jahren hatte er mit Liang Shos Vater Krieg geführt und einen Fluch ausgesprochen.
Seit dem war er spurlos verschwunden, nicht einmal Qi Ming wusste, wo er steckte. Auf der Suche nach seinem Vater hatte sich Qi Ming den beiden angeschlossen. Er vermutete, dass er sich im Verbotenen Land aufhielt, denn dorthin zogen sich alle zurück, die ihr restliches Leben nicht mit Verfolgung und Schmach zu verbringen wollten. Menschen, die etwas Unverzeihliches getan hatten. Qi Mings Vater zu finden und den Fluch zu lösen war Liang Shos einzige Chance sein Königreich zu retten. Vor diesem Hintergrund hatten sie sich an Bord des Schiffes geschlichen, auf dem sie nun wie Gefangene behandelt wurden...

Lan WangJi seufzte schwermütig, die Müdigkeit ging nun unaufhaltsam in all seine Glieder über. Er säuberte den Pinsel und verschloss das Tuscheglas. Als er sich ins Bett legte und noch eine Weile zur schwarzen Decke starrte, wusste er, dass er dringend eine zweite Meinung brauchte.
Er beschloss Wei WuXian gleich am nächsten Morgen um Rat zu fragen. Dann fielen ihm die Augen zu.

Lan WangJi musste sein Vorhaben noch eine Weile zurückhalten, denn am nächsten Tag wurden er, Wei WuXian und einige andere Kultivisten des Lan Clan während des Frühstückes hinaus in den Hof kommandiert.
Es war sehr früh, die Sonne noch nicht aufgegangen. Müdigkeit lag auf den Gesichtern der Kultivisten, doch Lan XiChen wirkte unruhig. Auf seinem Gesicht lag eine alarmierende Anspannung.
„Es gibt einen Notfall.“, sagte er und wanderte vor ihren Augen auf und ab. „Ich brauche eure volle Unterstützung. Caiyi wurde soeben überfallen. Es handelt sich um eine Horde rachsüchtiger Geister unbekannten Ursprungs.“
„Schon wieder?“, flüsterte Lan SiZhui Lan JingYi zu, der bei der Aussage bleich im Gesicht wurde. Bereits die letzten Geisterplagen hatten dem jungen Kultivisten große Angst gemacht. Er umklammerte den Griff seines Schwertes und versuchte sich nichts anmerken zu lassen.
In letzter Zeit häuften sich die Anschläge rachsüchtiger Geister und es bereitete dem Gusu Lan Clan große Sorgen. Die Welt schien sich in den vergangenen Jahren zum Schlechten verändert zu haben. Noch nie war die Aktivität böser Kreaturen so hoch gewesen, doch die Suche nach den Ursachen hatte bisher keine Ergebnisse hervorgebracht.
Da der Gusu Lan Clan mittlerweile eng mit dem Yunmeng Jiang Clan zusammenarbeitete, war es für die Kultivisten ganz normal von einigen Soldaten des Jiang Clan bei ihrer Mission begleitet zu werden.

Bereits als sie in Caiyi eintrafen spürten sie die Energie der verlorenen Seelen überall. Dichter Nebel hing über dem Wasser und stieg auf bis zu den grauen Dächern der weißen Häuser.
Die Umgebung erschien menschenleer, als das Boot des Gusu Lan Clan am Hafen hielt.
Sie kletterten an Land und durchstreiften die merkwürdig schweigenden Straßen.
Wei WuXian fand die Szenerie höchst beunruhigend. Normalerweise war Caiyi ein menschengeflutetes, sonniges Städtchen, in dem er in den letzten Jahren viel mit Lan WangJi unternommen hatte. Entweder waren sie durch die Gassen gewandert, um sich die Marktstände anzusehen, oder in ein verlockendes Lokal mit Spezialitäten eingekehrt und jedes Mal mit mindestens drei Krügen Kaiserwein nachhause gegangen. So finster hatte er Caiyi nie gesehen.
„Sie verstecken sich vor uns…“, murmelte Wei WuXian. „Ich werde sie herauslocken!“
Er setzte die weiße Flöte an die Lippen, die er von Lan WangJi zur Hochzeit bekommen hatte. Lan JingYi hielt sich ängstlich an Lan SiZhuis Ärmel fest.
Plötzlich erklang das merkwürdige, von Hall untermalte Lachen einer Frau. Es wirkte seltsam realitätsfern.
Lan WangJi fand sofort die Richtung heraus, aus der es kam. Er wusste, dass Schwerter gegen Geister nutzlos waren und so holte er mit einer eleganten Bewegung seine weiße Guqin hervor. Hinter der Holzwand eines Hauses kam nun der Kopf einer bleichen Frau hervor. Ihr Haar schwarzes Haar war mit einer dünnen Silbernadel hochgesteckt, ihre Lippen rot wie Blut.
„Na also, wurde auch Zeit!“
Wei WuXian war der einzige von ihnen, der weder Angst noch Anspannung verspürte. Er stützte die Hände in die Hüften.
„Du hättest dich ruhig etwas früher zeigen können, oder wolltest du erst in den Genuss meines Flötenspiels kommen?“
„Folgt mir…! Folgt mir…!“, rief die melodiöse, hohe Geisterstimme.
Sie legte ihre rot lackierten Fingernägel auf das Holz und begann damit zu scharren. „Meister ruft Euch…! Er hat großartige Dinge vor…! Ihr werdet sehen…!“
„Wer ist dein Meister?“, fragte Wei WuXian und tat ein paar Schritte auf sie zu.
„Wei Ying!“, rief Lan WangJi. Er wusste, dass sich Wei WuXian in große Gefahr begab, wenn er allein auf den Geist zu ging, sie hatten sich schließlich noch kein Bild von seiner eigentlichen Macht machen können. Obwohl er eigentlich auch die anderen Kultivisten beschützen wollte, folgte er nun Wei WuXian, getrieben von der alten Gewohnheit auf Wei WuXian aufpassen zu müssen.
„Ihr werdet es erfahren, junger Herr! Meister ist gar nicht weit… er ist allgegenwärtig… Seine Kraft ist in dieser Stadt… und bald ist sie überall…!“
Wei WuXian verdrehte die Augen. „Bla, bla! Immer dieses mystische Gerede um den heißen Brei! Wieso haltet ihr Geister euch immer für so unheimlich? Ich bin schon hunderten von euch begegnet und immer wieder langweilt ihr mich mit derselben Art zu reden!“
Er setzte die Flöte an die Lippen. „Ich sage es noch einmal: Wer ist dein Meister und wo verstecken sich die anderen?“
„Ich gebe Euch Antworten, Herr, doch Ihr müsst mir zuerst folgen…! Ich bringe Euch zu ihnen…!“
„Ob irgendjemand darauf reinfällt?“ Wei WuXian begann zu spielen, seine Augen verdunkelten sich. „Du hast es so gewollt, Lady.“
In diesem Moment jedoch, bemerkte Lan WangJi etwas. Ein eigentümlicher Schatten fiel hinter der Hauswand zu Boden, viel größer als das, was die Frau hinter der Hauswand hervorblicken ließ.
„Wei Ying!“
Sofort ließ er die Finger über die Saiten der Guqin gleiten, blaue Energiewellen schossen durch die Luft, doch der Geist ließ sich davon nicht aufhalten.
In rasender Geschwindigkeit schoss ihr Kopf hinter der Hauswand hervor und den Kultivisten bot sich ein widerwärtiger Anblick. Ihr Kopf saß nicht wie bei normalen Menschen auf einem Hals, sondern auf einem meterlangen, schlangenartigem Gebilde.
Wei WuXian erschrak und ließ die Flöte sinken. Da wand sich der überlange Hals, transparent und nicht greifbar, um seinen Körper, bis er ihn eng umschlungen in der Luft hielt.
Die anderen Kultivisten zogen erschrocken ihre Schwerter, während sich Wei WuXian unter Schmerzen wand. Der Geist schien ihn zerquetschen zu wollen.
Schweißtropfen bildeten sich auf Lan WangJis Stirn. Erneut schlug er in die Saiten der Guqin, doch der Geist schien davon unbeeindruckt zu bleiben.
„Ihr könnt nichts gegen mich ausrichten!“, lachte ihre schrille Stimme und jagte allen Anwesenden einen Schauer über den Rücken. „Meister ist mächtig! Mächtiger als ihr alle zusammen! Die Welt wird schon bald in Dunkelheit versinken und Euer Tod ist der Anfang von alle dem…!“
Wei WuXian empfand große Schmerzen. Die dunkle Energie, die er in all seinen Gliedern spürte, hinterließ Spuren. Wunden entstanden überall dort, wo das Monster ihn festhielt. Einschnitte bildeten sich, Blut quoll heraus. Ein fremder Energiestrom versuchte sich Einlass zu verschaffen.
Stimmen lagen in der Luft, die er vor langer Zeit schon einmal gehört hatte… In der Einsamkeit der Grabhügel.
Das Tiger Yin Siegel…
Plötzlich wusste er, was er tun musste.
Eine längst vergessene Melodie bildete sich auf seinen Lippen und er begann zu pfeifen. Es handelte sich nicht um die reinen, heilenden Töne, die ihm der Gusu Lan Clan beigebracht hatte, sondern um eine schwingende, verbogene Tonabfolge aus einem verbotenen Buch…
Da hielt der Geist inne, die Schlinge um Wei WuXians Körper wurde lockerer und endlich löste sich der schlangenartige Hals von ihm.
Er stürzte zu Boden, aufgefangen von Lan WangJis Armen, doch Wei WuXian pfiff weiter, bis der Geist wieder hinter dem Haus verschwunden war.
Dann sackte Wei WuXian erschöpft in sich zusammen. Die Kultivisten eilten zu ihm, um sich nach seinem Wohlbefinden zu erkundigen.
„Lan Long Hun!”, rief Lan SiZhui. “W-Was war das für ein schauerlicher Geist…?!”
Wei WuXian versuchte aufzustehen, doch sein weißes Gewand war blutdurchtränkt und er musste sich an Lan WangJi festhalten, um aufrecht zu stehen.
„Das Tiger Yin Siegel…!“, rief er atemlos. „Es ist wieder aktiv!“
„Das Yin Siegel?!“, wiederholte Lan WangJi. „Unmöglich! Du hast es zerstört!“
Wei WuXian biss sich auf die Lippe. In dieser Hinsicht hatte er Lan WangJi nicht ganz die Wahrheit gesagt und nun musste er es in dieser misslichen Lage zugeben.
„Man kann es nicht zerstören, Lan Zhan…. Nicht mal ich, sein Erschaffer, kann das… Ich habe es vor Ewigkeiten in den geheimen Kammern des Yunmeng Jiang Clan versteckt und mit Bannsprüchen versiegelt, doch… es jemand scheint meine Formeln aufgehoben und es entwendet zu haben…!“
Lan WangJi erblasste. „Wie konntest du mir so etwas verschweigen…?!“
Schuldgefühle stiegen in Wei WuXian auf.
„Ich dachte es wäre sicher! Niemand weiß von den Grabmälern des Yunmeng Jiang Clan! Die Formeln, die ich verwendet habe, stehen in keinem einzigen Buch! Ich habe sie selbst entwickelt, es ist unmöglich, dass sie jemand entschlüsselt hat! Ich verstehe es nicht…!“
„…und diese Geister stehen ganz sicher unter der Kontrolle des Siegels, Wei Xiong?“, fragte Lan SiZhui. „Könnte es sich nicht um etwas Anderes handeln?“
„Wenn es etwas Anderes wäre hätte meine Melodie nicht funktioniert…!“, sagte Wei WuXian. „Sie wird diesen Geist nur besänftigen, nicht vertreiben… Er ist nur vorübergehend betäubt. Sobald er wieder zur Besinnung kommt, wird ihn nichts aufhalten können! Wir müssen von hier verschwinden! Unter diesen Umständen sind wir machtlos!“

Also zogen sich die Kultivisten des Gusu Lan Clan aus dem verfluchten Caiyi wieder zurück, jeder in seinen eigenen Gedanken versunken.
Während das Boot durch den Nebel schweifte, starrte Lan WangJi mit tief in die Stirn gezogenen Augenbrauen auf die unbewegte Wasseroberfläche.
Wei WuXian näherte sich ihm vorsichtig.
„Lan Zhan…“, begann er. „Ich wollte es dir ja sagen, aber…“
„Du hast mich belogen.“, sagte Lan WangJi kühl.
„Ich wollte dich nicht beunruhigen!“ Wei WuXian legte eine Hand auf Lan WangJis Schulter, doch das besänftigte ihn nicht.
„So warst du schon immer…! Du hast immer geglaubt alles unter Kontrolle zu haben!“, raunte Lan WangJi. „Ich dachte du hättest dich geändert…!“
„Lan Zhan…“ Wei WuXian spürte wie Lan WangJi bebte und schlang die Arme um ihn, manchmal half das Lan WangJi zu beruhigen, doch dieses Mal wand er sich einfach heraus.
„Du wolltest es nicht irgendwann wieder verwenden… oder?“
Angst spiegelte sich in Lan WangJis dunklen Augen. „Hast du es mir deshalb nicht gesagt?!“
„Lan Zhan, du verstehst das völlig falsch! Ich bin zufrieden mit dem, was mir Gusu beigebracht hat! Die dunkle Seite reizt mich nicht mehr!“, beteuerte Wei WuXian. „Ich habe mich wirklich verändert, das musst du mir glauben! Ich würde nicht all das aufs Spiel setzen, was wir uns aufgebaut haben.“ Seine Fingerspitzen strichen sanft über Lan WangJis Kinn. „Du bist das wichtigste in meinem Leben… weder das Tiger Yin Siegel noch irgendeine andere höhere Macht kann das ändern…“
Erst diese Worte schienen Lan WangJi allmählich zu erwärmen. Seine Augen wanderten über Wei WuXians mit Blut beflecktes Gewand. Er krempelte den weiten Ärmel hoch, um Wei WuXians Wunden zu betrachten.
„Die Einschnitte sind tief.“, bemerkte er erschrocken. „Wie kannst du aufrecht stehen…?“
Gerade in diesem Augenblick verließen Wei WuXian die Kräfte. Er sank in Lan WangJis Arme und lächelte entschuldigend.
Lan WangJi streichelte seine Schulter. „Wei Ying… du hast noch nie zugegeben, wenn es dir schlecht ging…“, seufzte er. „Ich werde mich um dich kümmern.“
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