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Warten das der Regen aufhört

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Etsuya Eizan Nene Kinokuni
18.05.2020
19.05.2020
2
4.733
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19.05.2020 3.641
 
Den Weg zu Nene’s Apartment verbrachten sie zum größten Teil mit Schweigen.  Hin und wieder fragte er sie danach was ihre Klasse grade in Erdkunde behandelte oder wie sie die neue Mathelehrerin fand. Sie gab höflich die Antworten dazu aber nie führten sie zu einem größeren Gespräch.

Schließlich blieb sie auf einmal abrupt stehen, sodass er es zu erst gar nicht bemerkte und noch so um die drei Zentimeter weiterlief bevor er bemerkte das etwas neben ihm fehlte. Gerade rechtzeitig, denn noch ein weiterer Schritt und der Regenschirm in seiner Hand hätte nur noch die Hälfte ihres Kopfes geschützt.

Als er dann also fragend den Kopf runter in ihre Richtung drehte, sah sie ihn nur ruhig und ohne jegliche Emotion an. "Wir sind da.” Erklärte sie, kurz und einfach wie so oft.

Er wollte zum Haus vor dem sie standen aufsehen, doch der Regenschirm erschwerte dieses Vorhaben immens. Und während er am herumexperimentieren war den Regenschirm so weit zu heben, dass er was sehen konnte aber nicht sich selbst und seine Kollegin nass zu machen, hörte er wie Nene neben ihm anfing in ihrer Tasche zu kramen bis sie etwas zu fassen bekam was sich durch das Klimpern verdächtigt nach einem Schlüssel anhörte.

“Nun gut...”  Murmelte sie, ein wenig mehr zu sich selbst bevor ihre Stimme ein kleines bisschen lauter wurde. “Kommst du dann, Eizan?”

Etsuya wandte seinen Blick zu ihr zurück und sagte erst einmal nichts. Irgendwie erwartete er immer noch irgendein Zeichen, dass das Ganze hier ein Witz oder Streich oder sonst was war. Die Kinokuni die er gewöhnt war sah ihn als einen barbarischen Kriminellen an, keine Person die sie in ihr Haus einladen würde. Allerdings machte die Kinokuni die er gewöhnt war auch nicht gerade viele Scherze.

So brummte er schließlich. “Ja, ja!”

Für’s Erste blieben das die letzten gesprochen Worte, als Nene schließlich nur nickte und begann voran zu schreiten. Sie schloss die Tür auf, während er ihren Regenschirm schloss. Die beiden traten ins Gebäude und sie lief schnurstracks zum Fahrstuhl, wobei er nur folgen konnte. Das Warten auf den Fahrstuhl und die Fahrt in diesem blieb schweigsam.

Erst als sie schließlich vor der Tür von Nene’s Apartment standen und diese aufschloss, kamen Worte zurück ins Spiel.

“Na dann.” Sie nahm einige Schritte in ihr Apartment, zog dabei ihren Mantel aus und drehte sich danach zu ihm. “Willkommen.” Ihr Augenkontakt mit ihm war nur von kurzer Dauer, da sie gleich danach ihm wieder den Rücken kehrte um sich nach etwas zu bücken. “Zieh bitte deine Schuhe aus, ich hab hier Hausschuhe.” Sie drehte sich wieder zurück, nun mit einem Paar grauer, simpler Hausschuhe in der Hand die sie ihm hinhielt.

Kurz musterte er diese, bevor er sie letztendlich entgegen nahm. Während er das tat, hörte er sich selbst sagen. “Natürlich. Entschuldige die Störung.” Überraschung durchlief ihn, als diese von ihm gesprochenen Worte sein Ohr erreichten. Für seine Verhältnisse war das gerade aber wirklich sehr höflich gewesen.

Nene machte eine flüchtige Geste mit der Hand. “Mach dir deshalb keine Sorgen.” Man konnte jedoch auch einen Hauch Überraschung in ihrer Stimme ausmachen. Sie entschied sich nicht allzu viel darüber nachzudenken und lieber damit zu beginnen ihre Schuhe selbst auszuziehen und danach in ein Paar pinker Hausschuhe zu schlüpfen. Er tat es ihr gleich und trat dann schließlich ins Apartment.

Es war alles sehr sauber und minimalistisch. Was Dekoration anging war definitiv gespart worden und Nene hatte sich zum größten Teil auf das Nötigste beschränkt. Nur hier und da könnte er kleine Ornamente die Kraniche oder Blüten darstellten entdecken.

Nene, die bereits ihren Mantel weg gehangen hatte, machte ein Handbewegung zum Sofa, das in der Mitte des Raumes stand, und erklärte. “Du kannst dich da hinsetzten, ich werde- Oh!” Sie unterbrach sich selbst als sie den Blick selbst zum Sofa wandte und ein Buch auf den grauen Kissen liegen sah. Sofort nahm sie Kurs darauf zu und erklärte, versucht mit fester Stimme. “Ah...Das tut mir Leid. Das Ganze ist natürlich spontan. Hätte ich gewusst, dass ich Besuch bekomme, hätte ich natürlich aufgeräumt.” Sie hob das Buch auf und lief dann mit schnellen Schritt zum Bücherregal. “Ich hoffe, dass kannst du verstehen.”

Etsuya spürte den Drang zu schmunzeln. Nene’s Apartment war so sauber, dass man sich womöglich im Boden spiegeln konnte und sie entschuldigte sich für ein Buch auf einem Sofa, als ob sie ihn in das unaufgeräumteste Zimmer des Jahres geführt hatte. Irgendwie fand er das....süß.

Was dachte er sich denn da?!

Doch es war geradezu anstrengend nicht leicht zu Lächeln als er ihr antwortete. “Mach dir deshalb keine Sorgen.” Er hielt den nassen Regenschirm in seinen Händen ein Stück nach oben. “Wo soll der hin?”

Nene war gerade fertig damit geworden das Buch zurück ins Regal zu stellen, natürlich nach Nachnamen der Autoren geordnet, und drehte ihren Kopf zurück zu ihm. Als sie den Regenschirm sah, färbten sich ihre Wangen leicht rosa. “Oh....” Sie versuchte zwar ruhig zu wirken, doch stürzte beinahe in seine Richtung. “Das tut mir ebenfalls Leid.” Sie hielt die Hände aus und er gab ihr den Regenschirm. Nachdem so getan war, drehte sie sich blitzschnell weg von ihm um den Regenschirm wegzubringen.

Es beschlich Etsuya das Gefühl, dass sie nicht gerade oft Besuch bekam und gerade im Inbegriff war im Kopf die Schritte durchzugehen die eine gute Gastgeberin erfüllen musste. Das mir den Buch und Regenschirm hatte sie vollkommen aus dem Konzept gebracht und sicherlich ermahnte sie sich gerade selbst in der Stille.

Süß. Wirklich niedlich.

Beinahe wollte er ihr bereits sagen, dass er sich mehr willkommen fühlte als sonst und es nichts gibt worüber sie sich Sorgen machen müsse, doch kurz davor biss er sich doch auf die Zunge.

Krieg dich wieder ein! Erklärte er sich selbst, streng. Hör auf so weich zu sein!

“Brauchst dich nicht entschuldigen.” Erklärte er, versucht in einer taffen und unberührten Stimme, als ob ihm alles egal wäre wie auch sonst. Doch irgendwie hörte er doch so ein untypisch, freundliches Versichern in der Stimme mitschwingen.

Innerlich schüttelte er sich kurz. Verdammt, war das Ganze hier seltsam! Dann beschloss er einfach ihren Worten zu folgen und betont cool die paar Zentimeter zum Sofa zu laufen um sich dorthin zu setzen.

Normalerweise würde er nun seinen Arm über die Lehne werfen und die Beine weit voneinander weg strecken um so viel Platz vom Sofa einzunehmen wie möglich. Er hatte es immer als Ausdruck für Dominanz und Macht angesehen. Er stand über Regeln und ungeschriebenen Gesetzten. Er konnte tun was er will. Doch zum ersten Mal in seinem Leben, kam ihm das irgendwie als unhöflich vor und so verschränkte er einfach nur Arme und Beine als er sich setzte und ließ dabei uncharakteristisch viel Platz für eine weitere Person auf dem Sofa.

Nene schien das zu bemerken als sie zu ihm trat, ein weißes Handtuch in der Hand, was man daran sah, dass ihre roten Augen kurz überrascht aufleuchteten als sie seine Sitzposition musterte. Sie schaffte es allerdings schnell wieder Kühle und Distanz in ihre Miene zu bringen. “Ich hab dir ein Handtuch gebracht, falls du dich abtrocknen willst.”

Das war die einzige Warnung die er bekam bevor sie das Handtuch letztlich in seine Richtung warf. Er konnte es jedoch fangen und murrte danach. “Eh....Danke.”

Nene nickte, bevor sie sich wieder wegdrehte. “Ich werde was kochen.”

So verschwand seine Retterin in der Küche und er blieb allein zurück auf dem Sofa.

Etsuya konnte es immer noch kaum fassen. Seit wann war sie so nett zu ihm?

Misstrauisch ließ er seinen Blick noch einmal durch das Apartment wandern, versucht eine versteckte Kamera zu erblicken oder einen blonden Haaransatz von dieser Plage Terunori, der gut aus einer Ecke springen könnte und laut “HA” rufen könnte. Doch nichts.

Und er hatte auch noch immer nichts entdeckt, als Nene dann schließlich mit einem Tablett zurück zu ihm kam. Eben genanntes Tablett stellte sie vor ihm auf den Kaffeetisch und sagte. “Es ist nicht gerade viel, aber es wird dich aufwärmen.”

Auf dem Tablett sah er eine kleine, mit Malerei hübsch verzierte, Schüssel Suppe vor sich hin dampfen. Daneben stand ein klassisch, japanischer Teekessel wie zwei Tassen.

Nene kniete sich vor den kleinen Tisch und hob die Teekanne an um die Flüssigkeit darin in die Tassen zu füllen. Mehr Dampf stieg dabei auf, als das rote, hell klare Gebräu in die Tasse Floß. “Das ist Hagebuttentee.” Erklärte Nene, während sie mit scharfen Blick die Tasse im Auge behielt, sodass auch ja nichts überfloss. “Ich weiß, dass du Kaffee lieber magst aber Tee beugt Erkältungen besser vor und wie mir Arato-san erzählt hat, soll gerade Hagebutte dazu gut sein.”

Großartig. Danke, Arato-san.

Missmutig knirschte Etsuya mit seinen Zähnen. Er konnte seinen schieren Enthusiasmus für Hagebuttentee nur kaum im Zaum halten.

Er verbiss sich jeglichen, sarkastischen Kommentar über seine unsterbliche Liebe zu Hagebuttentee und knurrte stattdessen. “Ich werd schon nicht krank, Kinokuni.”

Nene hob den Kopf und fixierte ihn mit schneidend scharfen Blick. “Mit diesem Tee und ein wenig Glück vielleicht nicht, Eizan.” Behauptete sie, im regelrechten Befehlston, was ihn wissen lassen ließ, dass er dieses Apartment nicht verlassen würde ohne den ganzen Hagebuttentee runtergewürgt zu haben.

Nene war fertig damit geworden beide Tassen zu füllen und stand auf. Sie zog sich einen Stuhl heran um sich darauf zu setzten und ihm gegenüber zu sein.

Sie nahm sich ihre Tasse und schenkte ihm schließlich wieder Blickkontakt. “Ich hoffe die Suppe wird dir schmecken.”

Für einige Sekunden blieben seine gelben Augen an ihr hängen, bevor er sie zur Suppe und der Tasse Tee wandern ließ.

“Danke für das Essen...” Murmelte er und griff nach der kleinen Schüssel, sowie dem Löffel.

Es war keine Überraschung, aber die Suppe schmeckte köstlich und bereits der erste Löffel wärmte ihn auf wie es beinahe nur die Sonne tun könnte. Der Hagebuttentee war nicht ganz sein Fall, doch könnten Nene’s scharfe Augen ihn sofort wieder abkühlen sollte er sich beschweren, und so trank er ihn einfach brav.

“Hätte ich gewusst, dass jemand kommt hätte ich Udon gemacht.” Machte sie einen Versuch Konversation zu beginnen. “Ich habe mich vor nicht allzu langer Zeit mit Nakiri-san darüber unterhalten.”

“Hm.” War Etsuya’s Antwort, als er nur einen weiteren Löffel Suppe nahm. Wieder durchströmte ihn die Wärme und für
einen kurzen Moment schien es ihm als hätte er in der Frühlingssonne blühende Kirschbäume vor sich die sich sanft im Wind Wogen.

Als er den Löffel wieder in die Suppe tauchte, dem lauten Prasseln des Regens draußen gegen die Fenster lauschend und den blutroten, dampfenden Hagebuttentee im Augenwinkel, brannte ihm eine Frage auf die Zunge.

Es war alles zu nett und perfekt.

Das war er nicht gewöhnt.

“Isshiki hat erwähnt, dass sich einer seiner Wohnheimkumpanen ebenfalls gut mit Udon auskennen soll....Der mit der Brille...” Erzählte Nene weiter, schon fast eher zu sich selbst.

“Kinokuni.” Hörte sie dann auf einmal und blickte vom Tee in ihren Händen auf.

Ein bisschen unsicher, ein bisschen nervös rührte Etsuya in seiner Suppe bevor er schließlich einen langen Seufzer tätigte und sie ansah.

“Warum kümmerst du dich um mich?”

Nene’s Augen weiteten sich ein wenig.

Da es ihm das Gefühl gab, er müsse sich weiter erläutern fügte er hinzu, oder versuchte es zumindest: “Es ist nur.....Ich dachte......naja......du bist immer so....”

Verdammt, schon das zweite Mal diesen Tag rang er nach Worten. Sowas von Untypisch.

Sie beendete den Satz. “....Du dachtest ich mag dich nicht?”

Er hasste unnötiges Drumherumgerede, aber das war irgendwie zu geradeheraus und direkt für seinen Geschmack. So dauerte es einige Momente bevor er schließlich “...Ja” Sagte.

Nun war es Nene die seufzte, während sie langsam ihre Tasse wegstellte.

“Um ehrlich zu sein...” Begann sie, ein Anschein von zögerlicher Vorsicht in ihrer Stimme. “...du...kannst es einem manchmal schwer machen, was das angeht.”

Sofort zog er eine Grimasse, selbst nicht wirklich wissend warum. Es stimmte was sie sagte, er konnte es Leuten wirklich sehr schwer machen.

“Deine Moral lässt ziemlich zu wünschen übrig, genauso wie deine Manieren von Zeit zu Zeit, du ziehst dich an wie ein Hooligan, du hast dein Temperament nicht unter Kontrolle...” Etsuya’s Miene verfinsterte sich mehr und mehr. “....manchmal machst du seltsame Gesichter. Du kannst wirklich so ein Barbar sein-“

“Ich hab’s kapiert!” Polterte er und erschreckte sie damit ein wenig. Er räusperte sich. “Sorry.” Doch gleich danach wurde seine Stimme wieder ein wenig lauter. “Aber genau das meinte ich, du kannst mich doch gar nicht leiden! Auch damals, nach dem Regiment de-” Er unterbrach sich selbst. Auf diese Stufe, hatte er es nicht bringen wollen.

Fürs erste schwieg Nene und starrte auf den Hagebuttentee.  Dann entfuhr ihr schließlich ein weiteres Seufzen. “Rindou-senpai wollte, dass ich dich aufhalte....”

--

Es war nach ihrem gemeinsamen Scheitern im Regiment de Cuisine gewesen.

Laut hatte er rumgezetert. “VERDAMMTE SCHEISSE! DAS IST DOCH VERFICKT NOCHMAL NICHT ZU FASSEN!”

Genervt hatte Nene einen Schluck Tee genommen. Wie sollte sie sich darauf konzentrieren zu kompensieren das erste Mal in ihrem Leben auf ganzer Linie versagt zu haben wenn dieser Affe hier rumkrakelte?

“Etsu-nyan, ist wirklich sauer oder?” Hatte Momo kommentiert, flach wie eh und je. Somei, der neben ihr gesessen hatte und sich einen der Kekse nahm die sie für ihre kleine Trauerfeier gebacken hatte, nickte. “In der Tat. Hoffen wir, dass er nichts kaputt schlägt.”

Eishi hatte verschreckt gejapst. “Da....Das wird er doch nicht wirklich tun, oder?”

Fast wie auf Kommando hatte Eizan eine unschuldige Pflanze umgetreten und brüllte. “FUCK!”

“Barbar.” Hatte Nene in ihre Teetasse gemurmelt.

Doch dann hatte Etsuya etwas erstmalig Interessantes gekreischt. “ICH WERDE DIESE VERFICKTE SCHULE VERLASSEN!”

Das war der Moment in dem Rindou aufgehorcht hatte. Empört schnappte sie nach Luft. “Nein, das wirst du ganz sicher nicht, Eizan!”

Doch Etsuya war so in Rage gewesen, dass er nur noch weiter irgendwelche Schimpfwörter gebrüllt hatte und schließlich die Tür auftrat und lauthals davon gedampft war.

Nene hatte einen weitern Schluck Tee genommen, in der Hoffnung sie konnte nun endlich in Ruhe nachdenken. Doch irgendwie hatte sie der Gedanke, Eizan könnte Totsuki verlassen nicht los. Irgendwas an diesen Gedanken war für sie....falsch.

Rindou hatte die Arme verschränkt und schnaubte. Danach hatte sie sich zu Nene gedreht um nun die Arme wieder auseinander zu nehmen und sie stattdessen auf ihre Hüften zu stemmen. “Nene!” Hatte sie im Befehlston gesagt. “Halt ihn auf!

Sie hatte überrascht aufgesehen. “Was? Warum ich?” Rindou Hatte begonnen zu erklären. “Weil du die einzige Person bist auf die er hört.” Doch das hatte Nene nur noch mehr überrascht. “Was....? Nein....Wie kommt du denn darauf?”

Doch dann hatte sich auch Momo ins Gespräch gebracht. “Rindou hat recht, Kinokuniyan.” “Natürlich hab ich das!” Hatte Rindou sich gefreut. “Aber wirklich Nene, ist dir das nie aufgefallen? Wenn es um dich geht verhält sich Eizan anders!”

Nene’s Augen hatten sich ein wenig geweitet.  “Meint ihr das Ernst?”

“Absolut.” War Rindou’s Antwort gewesen, Momo hatte genickt.

“Wenn jemand Eizan aufhalten kann Totsuki zu verlassen...” Hatte Rindou gemeint. “Dann bist das du, Nene.”

Zuerst hatte sie sich gesagt, dass sie das nicht zu interessieren hatte was Eizan tat.

Doch letztendlich war sie doch aufgestanden. Sie hatte sich einfach nicht konzentrieren können, hatte sie sich gesagt als sie dann schließlich die Richtung einschlug in die Etsuya gegangen war.

Sie hatte ihn schnell gefunden. Er hatte sich auf eine der Sofas im Hotel geworfen und grummelte vor sich hin.

Einen kurzen Moment hatte sie noch gezögert bevor sie den Kurs aufnahm.

“Eizan.” Hatte sie sich kühl wie immer angekündigt bevor sie um das Sofa herumlief um ihn ansehen zu können.

Er war sichtlich überrascht gewesen und zog die Augenbraue hoch. “Was?!” Hatte er dann gepoltert.

Sie hatte einen Schritt vorwärts getan, eine ruhige, steinerner Miene auf ihrem Gesicht. “Meintest du das Ernst?” Hatte sie gerade heraus gefragt. Er hatte geknurrt. “Was meinst du?!”

Ihr Blick war eisern geblieben. “Das was du vorhin gesagt hast. Das mit...” Eine kleine Pause. “....dem Verlassen von Totsuki?” Kurz war Verwirrung über sein Gesicht gehuscht, doch dann hatte er bereits die Arme verschränkt, beinahe wie ein trotziges Kind. “Was geht dich das an, Kinokuni?”

“Gar nichts.” Hatte sie ehrlich gesagt. “Aber trotzdem frage ich mich, warum du jetzt einfach wegrennst?” Sie hatte Schärfe in ihre Stimme gelegt, um es noch eindringlicher zu machen.

Dann hatte sie einen Schritt zurücknehmen müssen als er urplötzlich aufsprang und fauchte. “Was zur Hölle soll das denn heißen?!” Ihr Blick war immer noch kühl geblieben. “Du läufst davon.” Etsuya hatte sie wütend angesehen, doch es fiel kein einziges Schimpfwort.

Schließlich hatte er sich weggedreht. “Halt dich aus meinem Leben raus, klar?!”

Dann war sie einige Schritte vorwärts gegangen, wieder um ihn herum, ihre scharfen roten Augen fixierten seine.

“Du wirst Totsuki nicht verlassen, Eizan.”

Seine Augen hatten sich geweitet.

--

“Rindou-senpai....” Murmelte Etsuya und starrte auf seine Suppe. Er wusste nicht, warum aber irgendwie fühle er Enttäuschung in sich aufglühen.

Doch das verschwand mit nur einem Mal, so schnell wie es gekommen war als er Nene sagen hörte. “Aber ehrlich gesagt, wollte ich auch nicht dass du gehst.”

Er blickte wieder auf. Der Blick der ihn traf war ernst und er konnte darin kein Anzeichen einer Lüge erkennen.

“Ich glaube, damals wollte ich einfach, dass du bleibst damit ich mich selbst besser fühlen kann.” Erklärte sie und wandte den Blick wieder ab.

Nun stutzte er, überrascht und leicht verwirrt.

Nene kratzte mit ihrem Daumen sanft an ihrer Tasse und presste die Lippen zusammen. “Die senpais waren sowieso kurz vor dem Abschluss. Wärst du weg, wäre ich...... als einzige Verräterin zurückgeblieben.”

Seine Stirn legte sich in Falten. Doch bevor er etwas sagen konnte, erklärte Nene schon weiter. “Ich glaube ich hatte damals vielleicht Angst, von allen Seiten den Hass abzubekommen. Und vielleicht habe ich mich besser gefühlt zu wissen, dass du dann zumindest auch da wärst. Du der sowieso bereits der Buhmann der Schule ist....” Sie stellte die Tasse zurück auf den Tisch. “Es war sicherlich selbstsüchtig.” Sie suchte seinen Blick erneut und legte Eindringlichkeit in ihre Stimme um zu zeigen, dass ihre folgenden Worte ernst waren. “Doch ich sehe das Ganze nun anders.”

“Ach....” Kam es von Etsuya, der einen neuen Löffel Suppe nahm.

“Tatsache ist, du hast Schreckliches getan.” Bevor er irgendwie protestieren konnte, sagte sie bereits. “Doch ebenso habe ich Schreckliches getan.”

Sie dachte daran zurück, wie sie während der Promotion Exams auf drei Schüler aus Satoshi’s geliebten Wohnheim getroffen war. Sie spielte die Erinnerung ab wie Yuki Yoshino nach ihrem Verlust in Tränen auf die Knie gefallen war und laut und voller Miserie in den Himmel geschrien hatte. Wie Ryoko Sakaki sie umarmte während Tränen ebenso über sein Gesicht liefen. Wie Zenji Marui, der Junge der sich gut mit Udon auskennen sollte, sie nur fassungslos ansehen konnte, bleich wie ein Geist. Und sie war einfach an ihnen allen vorbei gegangen ohne ihre Miene zu verziehen.

Hätte es das Regiment de cuisine nie gegeben, wären sie alle weg gewesen. So wie auch Alice Nakiri, Ryo Kurokiba, Akira Hayama, Isami Aldini, Ikumi Mito, Shun Ibusaki, Daigo Aoki, Shoji Sato und Hisako Arato, die ihr den Hagebuttentee empfohlen hatte. All deren versprechende Karrieren wären mit nur einem Mal beendet gewesen? Und für was? Eine hirnrissige Ideologie die sowieso nicht funktionieren würde.

“Und trotz das ich sie vollkommen ungerührt von der Schule geworfen hätte wäre alles nach Plan gelaufen sind sie.....” Für einen kurzen Moment presste sie die Lippen zusammen. “Sind sie alle nett zu mir....Ich fühle ich hab es überhaupt nicht verdient, doch trotzdem geben Sie mir eine zweite Chance und...” Sie nahm einen tiefen Atemzug, bevor sie ihn wieder fixierte. “....ich denke mir, warum sollte ich dir nicht auch eine geben?”

Seine Augen weiteten sich ein wenig und auf einmal fand er sich auf einmal ungewöhnlich sprachlos.

Und auch nach einer langen Pause, konnte er nur stammeln “Aber....dir....dir ist doch schon bewusst, dass ich....was...was nun ja...meine Gräueltaten überwiegen schon...irgendwie....”

“Trotzdem.” Antwortete sie bloß. Er lehnte sich ein Stück zurück und nahm den letzten Schluck Hagebuttentee.

Es herrschte Schweigen. Absolutes Schweigen. Und es brauchte die zwei einige Minuten, bis sie die Bedeutung des Schweigens erkannten.

Etsuya sprach es als Erster aus. “Es hat.....aufgehört zu regnen.” Sie warf noch einmal einen Blick zum Fenster, um noch einmal sicher zu gehen und erklärte dann. “Stimmt.”

Die beiden Blicke trafen sich und für einen kurzen Moment war wieder Ruhe, als die beiden sich nur ansahen.

Etsuya stand schließlich auf und räusperte sich. “Tja, ich denke das ist dann meine Zeit zu gehen, oder? Ich muss noch wohin.” Ein wenig verlegen, strich Nene sich eine Haarsträhne zurück. “Oh, natürlich.” Sie stand ebenfalls auf um ihn zur Tür zu begleiten.

Er hatte Hausschuhe schnell abgestreift und seine Schuhe wieder an. Gerade als er sich aufrichtete, drückte Nene ihm einen Schirm in die Hand. “Falls es doch noch mal anfangen sollte...” Murmelte sie. “Bring ihn mir einfach morgen zurück.” Er zögerte kurz, nahm ihn dann aber an. “Geht klar.”

Dann drehte er sich weg, lief zur Tür und machte diese auf. Er tat einen Schritt hinaus, doch dann hielt er inne und drehte seinen Kopf.

“Kinokuni.”

“Ja?”

Nach einigen Momenten Schweigen, sagte er dann. “Danke. Für die Suppe, den Tee, den Regenschirm und......und....für alles andere.”

Sie blinzelte ein paar Mal, etwas überrascht, bevor sie antworte. “Kein Problem.”

Er nickte ihr noch einmal zu bevor er aus dem Apartment trat. “Bis morgen, dann.” “Bis Morgen.”

Als die Tür sich schloss, sank Nene zu Boden. Hitze brannte in ihrem Kopf. Doch genauso erging es Etsuya, der sich kurz gegen ihre Tür lehnte und sich auf die Lippen biss.

Ihren Regenschirm drückte er dabei fest.

Schließlich schüttelte er seinen hochroten Kopf und machte sich mit schnellem Schritt auf dem Weg zum Fahrstuhl.
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