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Das fliegende Schloss einer sonderbaren Familie

von Maggi
GeschichteRomanze, Fantasy / P12
Calcifer Die Hexe aus dem Niemandsland Hauro Hin Markl Sophie
18.05.2020
18.05.2020
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Sophie konnte die Vögel durch die offenen Fenster des Schlosses zwitschern hören. Manchmal setzten sie sich neugierig auf den Balkon oder die Fensterläden, wenn sie solch einem riesigem metallenem Vogel begegneten. Wenn Großmütterchen im Garten saß, manchmal mit und manchmal ohne den spielenden Markl und Hin, bekamen sie Körner zugeworfen. Das brachte nicht nur den Vögelchen Freude, sondern auch der alten Hexe. So hatten es sich die Vögel angewöhnt häufiger vorbeizukommen.
Sophie genoss die Atmosphäre in ihrem fliegendem Schloss. Es war luftig, hell und unbeschwert. Sie hatte sich sehr gefreut, als Calcifer beschlossen hatte bei ihnen zu bleiben. Ganz sicher ging es den anderen ebenso. Ohne ihren Freund war die Gruppe, ihre kleine seltsame Familie, einfach nicht das gleiche.
Sie hielt kurz inne und legte einen Finger in das Buch, welches sie gerade gelesen hatte. Auf diese Weise würde sie die Seite, an der sie gestoppt hatte, später leicht wiederfinden können. Dann sah sie sich um. Großmütterchen lag in der neugebauten Ecke des Wohnzimmers in ihrem Bett und schnarchte leise vor sich hin. Auch wenn Sophie es von ihrem Platz auf der Couch vor der Feuerstelle, wegen den zugezogenen Vorhängen vor dem Bett, nicht sehen konnte, wusste sie, dass Hin sehr wahrscheinlich auf der Decke neben der alten Hexe ausgebreitet lag und zwischendrin verschlafene Streicheleinheiten erhielt. So viel Energie wie dieser Hund beim Herumtoben mit Markl an den Tag legte, trotz seines hohen Alters, benötigte er seinen täglichen Mittagsschlaf genauso sehr wie die alte, schnarchende Frau.
Abgesehen vom leisen Gesang der Vögel, war es sehr ruhig im Schloss. Nach dem gemeinsamen Mittagessen, sie versuchten nun wann immer es möglich war gemeinsam zu essen, hatte sich eine wohlige Ruhe über sie alle gelegt. Markl musste entweder über seine Bücher gebeugt in seinem Zimmer sitzen oder, was deutlich wahrscheinlicher war bei der Menge an Eintopf, die der Junge gegessen hatte, über diesen auf seinem Bett eingeschlafen sein.
Sophie lächelte still in sich hinein. Sie fühlte sich wirklich wohl hier, wohler als sie sich je in ihrem ursprünglichen Zuhause gefühlt hatte. Alle waren hier in ihrer eigenen Art seltsam. Sie passte da perfekt mit rein, dachte sie.
Zufrieden lehnte sich Sophie tiefer in die Couch und schloss die Augen für einen Moment mit einem Lächeln auf den Lippen. Dann sah sie zu Calcifer hinüber. Selbst dieser döste in seiner alt angetrauten Stelle auf ein paar Holzscheiten vor sich hin. Zwischendrin sah man immer wieder ein leichtes Auflodern der Flammen und Sophie fragte sich, was er wohl träumen würde. Ein tiefer, innerer Frieden durchflutete Sophie, als sie so das Schloss und seine Bewohner, alle in sanftem Schlummer besah.
„Was ist los?“, fragte sie eine leise, sanfte Männerstimme.
„Oh.“, erschrak sie sich leicht und versuchte nicht zu laut zu werden, dass sie irgendwen aufwecken würde. „Ich hatte nicht mitbekommen, dass du wach bist.“, sagte sie entschuldigend. Dann sah sie einen Moment in das Gesicht des Mannes, der auf ihrem Schoß ruhte.
„Du hast ja nicht mal die Augen offen. Woher willst du wissen, dass etwas mit mir los sein sollte?“, beschwerte sie sich mit einem halben Lächeln. Hauro grinste, doch behielt seine Augen weiterhin geschlossen.
„Ich muss dich nicht mit meinen Augen sehen, um zu wissen, dass dich etwas beschäftigt.“
Sophie schnaufte und schüttelte leicht mit dem Kopf.
„Weil du ein Zauberer bist?“, fragte sie neckend.
„Nein, also ja, das bin ich natürlich auch. Aber einfach, weil ich dich kenne.“ Er gähnte und sie war froh, dass er sie wenigstens nicht sehen konnte und so ihr rot anlaufendes Gesicht sie nicht verriet. Noch hatte sie sich nicht an diese Vertrautheit zwischen ihnen beiden gewöhnt.
„Hm.“, sagte sie darauf nur.
Doch Hauro wusste jedoch genau, welche Reaktion er in ihr verursacht hatte und schmunzelte.
„Also? Was hat dich zum Nachdenken gebracht?“, fragte er erneut. Er faltete die Hände auf seiner Brust über dem weißen Hemd.
Sophie lächelte, etwas entspannter nun, da ihre Gedanken dahin zurückkehrten, wo sie eben aufgehört hatte. „Nichts besonderes wirklich.“
„Hm?“, hakte Hauro nach und zog eine Augenbraue hoch.
„Ich bin einfach sehr glücklich gerade.“, gestand sie ihm.
Sein Gesicht entspannte sich und seine Züge wurde weicher. Ein herzliches Lächeln bildete sich auf seinen Lippen.
„Gut, ich auch, musst du wissen.“, sagte er ganz leise, aber mit solch tiefer Ernsthaftigkeit, dass Sophies Herz ein wenig schneller schlug. Sie lächelte.
Eine Weile saß sie so da, beobachtete das Spiel des Lichtes auf den Holzdielen, spürte das Kitzeln von Hauros Haaren auf ihren Beinen und sog den frischen Frühlingsduft ein.
„Hauro, bist du wieder eingeschlafen?“, fragte sie nach einer Weile in die Stille.
„Hmhm.“, kam ein uneindeutiges Murmeln von ihm.
„Wann hast du es gewusst?“
„Hm? Wovon redest du? Ich weiß vieles. Du musst schon genauer werden.“, erwiderte er in verschlafener Verwirrung.
„Wann hast du gewusst, dass ich es war unter dem Fluch der Hexe?“, fragte sie mit leiser Stimme.
Nun öffnete er die Augen und sah sie aus deren durchdringender, kristallener Bläue musternd an. Sie hatte das Gefühl, er würde ihr tief in die Seele blicken und kam immer noch nicht über deren Intensität hinweg. Ein Teil von ihr verstand, warum die Leute sagten, er würde alle ins Verderben stürzen. Wer könnte sich dem Einfluss dieses Blickes schon entziehen?
„Ganz genau? Schwer zu sagen... Hm... nach wenigen Tagen schon. Ich kann nicht mehr genau sagen, wann welcher Tag war in dieser Zeit. Es war... schwierig mit den ständigen Wandlungen und dem vielen Schlafmangel. Tage waren wie Nächte und Wochen vergingen in einem gefühlten Augenblick. Doch meine ersten Zweifel hatte ich schon, als ich dich das erste Mal in unserer Stube gesehen habe.“
„Was? Wieso hast du nichts gesagt?“, fragte sie erstaunt und etwas beschämt, hatte sie sich doch so viel Mühe mit ihrer Ausrede gegeben, die sich jetzt scheinbar als völlig sinnlos erwies.
„Was hätte ich denn sagen sollen? Ich wusste es doch nicht genau. Ich wusste doch nicht wer du bist und es gibt nicht gerade viele außer Markl und Calcifer, denen ich vertrauen kann. Es schien mir nur ein viel zu großer Zufall, dass ich ein Mädchen während meiner Flucht in der Stadt treffe, sie dadurch automatisch in Gefahr der Hexe bringe und am nächsten Morgen, nachdem ich sie alle abgehängt habe, steht eine Frau, die offensichtlich unter einem Fluch steht, in meinem Schloss mit Nachricht von der Hexe an mich.“ Er zuckte mit den Schultern und wollte die Augen schon wieder schließen, da für ihn soweit alles zu dem Thema gesagt wurde, als Sophie weitersprach.
„Du wurdest bis dann verfolgt?“
„Naja, sie hatte halt sehr hartnäckige Helferchen und war sehr entschieden in ihrem Ziel.“, er nickte mit dem Kopf in die Richtung der Hexe und verzog das Gesicht in gespielter Entschuldigung.
„Das tut mir leid. Ich wusste das gar nicht.“ Sophie legte eine Hand an ihren Mund und schaute Hauro besorgt an. Seine Hand griff nach ihrer freien, und ihm am Nächsten liegenden, und drückte sie beschwichtigend, nachdem er sie sanft küsste.
„Keine Sorge, ich bin das gewohnt gewesen. Es tut mir eher Leid, dass ich dich da mit hineingezogen habe. Aber dann wiederum, wer weiß, was sonst gekommen wäre, hätte ich es nicht getan.“
Versonnen sah Sophie nun wieder zum tanzenden Licht an der Wand. „Hm, ja das stimmt. Letztlich ist ja alles gut gegangen.“
Hauros Gedanken glitten in seine Erinnerung ab und auch er schaute versonnen an die Decke.

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Als er am Morgen wieder zum Schloss zurückkehrte, nachdem er die gesamte Nacht damit verbracht hatte den Schergen der Hexe aus dem Niemandsland zu entkommen, fand er nicht wie erwartet Markl im Wohnzimmer vor Calcifers Feuer, mit der Nase tief in einem Magielehrbuch sein Käsebrot herunterschlingen. Markl suchte eine brauchbar saubere Kanne aus dem Haufen an ungewaschenem Geschirr vor dem viel zu vollen Waschbecken heraus und berichtete ihm über die neu eingetroffene Post des Königs.
Was ihn jedoch viel mehr verwunderte, war der Anblick, der sich ihm an Calcifers Feuer darbot. Eine kleine, alte Dame stand mit einer Pfanne über Calcifer an der Herdstelle. Ihr Rücken war vom hohen Alter gebeugt und sie lächelte den Feuerdämon zufrieden an, während sie eine Scheibe Speck in der Pfanne briet.
Durch ihre Verbindung war sich Hauro nur allzu bewusst, welche Kraft Calcifer im Allgemeinen und im Besonderen über dieses Haus vermochte. Gegen seinen Willen wäre jemand unbefugtes nie hereingekommen oder wäre gar im Stande auf Calcifer zu kochen. Wer war also diese höchst sonderbare Frau?
Hauros magische Sinne kitzelten seine Nasenspitze und er spürte einen schweren Fluch auf der Frau lasten, konnte diesen aber nicht genau erkennen.
Das Mütterchen wirkte leicht erschrocken bei seinem Anblick, führte ihre Tätigkeit, aber mit vollstem Stolz sich nichts anmerken zu lassen, fort.
Hauro ging auf sie zu und betrachtete sie genauer. Erstaunt fragte er seinen alten Freund: „Calcifer, du tust was sie von dir verlangt?“
„Sie hat mich dazu gezwungen!“, empörte sich dieser daraufhin und ließ freche Flammen am Rand der Pfanne hochzüngeln.
Hauro musste schmunzeln.
„Das ist wahrlich nicht einfach.“ Sein Blick wanderte zu der unbeirrt weiter bratenden Frau neben ihm. Irgendetwas hatte sie an sich, dass ihn das ungenaue Gefühl beschlich, sie zuvor schon einmal gesehen zu haben.
„Ich bin Großmutter Sophie. Wisst Ihr, ich bin die neue Putzfrau.“, antwortete sie ihm mit einem Lächeln.

Sophie...

Dieser Name war ihm seit seiner Kindheit nur allzu bekannt. Er hatte ihn immer als Hintergedanke, der ihn stetig begleitet hatte. Das Mädchen, was er damals auf der Wiese für nur den Augenblick einer Sekunde gesehen hatte und das ihm und seinem gerade neu gefundenen Freund zugerufen hatte, in der Zukunft auf sie zu warten, hatte gesagt sie hieße Sophie. Seitdem horchte er immer neugierig auf, wenn dieser Name fiel, war es doch wieder ein Rätsel, dessen Faszination er sich nicht entziehen konnte. Wann war die Zukunft? Wie lange sollte er warten und worauf genau?
Seine Neugier für Besonderes hatte ihn schon sein ganzes Leben lang begleitet, von seiner Entscheidung an in die Magierakademie einzutreten, über den Tag, an dem er einen Pakt mit einem sterbendem Stern traf, bis zu dem, an dem er ebenso frei beschloss die Akademie und seine Lehrmeisterin wieder zu verlassen. Die Fesseln der Erwartungen von Madame Sulliman hatten ihm nicht zugesagt. Es war, wie einen Vogel in einem Käfig zu halten. Sie hatte sich schon seine gesamte Karriere als Magier bis an den königlichen Hof vorgestellt, wenn nicht sogar sein ganzes Leben für ihn geplant. Doch von Plänen und Regeln hielt Hauro nur sehr wenig. Er sehnte sich vor allem nach Freiheit.
Madame Sulliman war wahrlich nicht glücklich mit seiner Entscheidung gewesen, sie einfach ohne ein Wort zu verlassen, doch Hauro hatte ein Gespräch zu sehr gefürchtet. Er konnte dieses unangenehme Gefühl nicht ausstehen, sich vor anderen zu rechtfertigen oder gar entschuldigen zu müssen. Besonders, da es ja um sein eigenes Leben ging und niemand anderes!
Also ging er einfach. Suchte sich mit seinem Freund einen neuen Weg. Er lernte mehr über die Magie von allen Arten an seltsamen magischen Wesen und obskuren Zauberern. So brachte ihn seine Wissbegierde auf die Hexe, von dessen großen magischen Fähigkeiten er gehört hatte. Sie war, wie er mit wachsendem Alter gemerkt hatte, dass es vielen Frauen so ging, sehr von ihm angetan. Sie trafen sich oft und besuchten magische Veranstaltungen, heckten Zaubersprüche und Beschwörungen aus. Er fand sie äußerst interessant und fühlte, eine vertraute Seele in ihrer Liebe für die Magie gefunden zu haben.
So merkte er in seinem Eifer nicht, dass für die Hexe andere Interessenpunkte ihre Freundschaft begründeten. Die Hexe hatte in seinen häufigen Besuchen und ihren vielen Treffen und Unternehmungen die Magie, die Hauro immer als Grund nannte, nur als Ausflucht angesehen. Viele begehrten sie für ihre Macht und sie konnte mit dieser alles haben, was sie auf der Welt nur begehrte. Für sie war diese Zeit eindeutig in eine bestimmte Richtung gegangen und niemand würde es wollen oder gar wagen sie abzuweisen.
Doch als Hauro das endlich verstand, war es schon zu spät einfach raus zukommen. Er hatte sich geschallt, dafür es nicht früher gemerkt zu haben. Dann hätte er alles mögliche getan, um es zu verhindern, da er das Interesse der Hexe nicht auf die gleiche Weise erwidern konnte.
Indes versuchte sie ihm immer näher zu kommen, ließ ihn keinen Tag mehr alleine und gab ihre vollkommenen Ansprüche ihm gegenüber offen bekannt. Immer weiter eingeengt, sah Hauro für sich keine Wahl, als dass er eines Nachts sich auf die Flucht begab, auf der Flucht vor dieser Frau, die von Gier getrieben, alles besitzen wollte und dabei war ihn zu erdrücken. Es war wieder ein Zeitpunkt, in dem er wegrannte, feige, wie er wusste, dass er war und dem verhassten Gespräch, das ihn sonst zweifelsohne erwartet hätte, entkam.
Um all dem zu entgehen, was sich langsam hinter ihm aufstapelte und in seiner Verfolgung gefühlt stets näherrückte, baute er sich das wandelnde Schloss als Versteck. Eine stete Möglichkeit von ihm sich das Wegrennen zu erleichtern, da es für ihn weiter weglief.

„Ich mache das“, sagte er und schob das Mütterchen sanft beiseite, als er nach dem Holzlöffel in ihrer faltigen Hand griff und ihr diesen abnahm. Als seine Fingerspitzen ihre Haut berührten, kribbelte die Magie des Fluches seinen Arm hinauf. Jetzt konnte er sich vollkommen sicher sein, dass ein Fluch auf ihr lastete. Doch welcher? Er müsste sie weiterhin genau beobachten.
„Reich mir zwei weitere Speckscheiben und noch sechs Eier.“ Hauro klopfte mit dem Löffel an die Pfanne und hielt sie in ihre Reichweite, sodass sie den Speck, der auf dem Teller im Korb neben ihr auf dem Stuhl stand, hineinlegen konnte. Er stellte die Pfanne zurück auf die Kochstelle und nahm ihr die Eier nacheinander ab. Einhändig schlug er sie auf und gab Calcifer die Schalen. Er wusste wie gerne sein Freund solche Leckerbissen mochte, auch wenn Holz ihm als Nährquelle völlig ausgereicht hätte.
„Lecker, lecker!“, bedankte sich Calcifer als er hochzüngelnd die Schalen aß.
„Und wer hat dich eingestellt?“, fragte Hauro nun scheinbar ganz beiläufig beim Kochen, während ein leises Lächeln seine Lippen umspielte.
„Nun, ich mich selbst.“, antwortete sie selbstsicher, „Ich sah nie zuvor so ein schmutziges Haus.“
Hauro musste schmunzeln. Diese Frau war wirklich etwas anderes. Er erwiderte auf diese Antwort hin nichts, wusste er doch wie dreckig sein ach so schönes Schloss war. Zugegeben, er hatte aber weder das Bedürfnis, noch die Zeit oder Kraft in den jetzigen Umständen, das zu ändern. Doch ebenso war ihm bewusst, dass diese seltsame alte Dame mit ihren Worten eigentlich etwas anderes zu verbergen versuchte. War es nur der Fluch, den sie verheimlichen wollte oder war da doch mehr?
„Markl, die Teller!“, rief er seinem jungen Lehrling entgegen und begab sich mit der Pfanne hinüber zum Tisch.
„Ihr habt euch alle gegen mich verschworen!“, beschwerte sich Calcifer und ließ seine Flamme hoch aufflackern.
„Komm zu uns, Sophie.“, lud Markl sie zum Frühstückstisch ein. Sophie nickte zaghaft und kam langsam zu dem Tisch hinüber.
Hauro schob den Berg an Büchern, Schreibfedern, Papierrollen und Flaschen beiseite, um wenigstens genug Platz für ihre Mahlzeit zu schaffen. Markl fuhr mit seinem Hemdsärmel über das Geschirr, um es halbwegs essenstauglich zu machen.
„Setz dich hierhin!“, sagte er zu Sophie.
Diese tat wie ihre geheißen. Markl goss ihr Tee in eine angebrochene Teeschale ein und Hauro schob ihr einen Teller mit Speck und Eiern rüber. Mit leichtem Unbehagen strich sie Krümel und Staubreste auf dem Holz beiseite.
„Nimm dir!“, sagte Markl freudig, dass er überhaupt noch drei nicht komplett dreckverkrustete Besteckteile hatte finden können. „Alle anderen sind schmutzig.“ Von der Auswahl der zwei Löffel und einer Gabel, fiel Sophies Wahl auf einen der Löffel. Sie wischte diesen noch einmal mit ihrer Hand ab, bevor sie sich traute damit zu essen.
„Es gibt hier wirklich viel zu tun.“, murmelte sie zu sich selbst. Ihre eben noch so schnell ausgedachte Ausrede schien scheinbar einen wirklich guter Grund herzugeben.
„Hier bitte, Markl.“, sagte Hauro als er Markl die abgeschnittene Brotscheibe rüber reichte.
„Danke“
Er schnitt eine weitere ab. „Hier, Sophie.“
„Dankeschön.“, am Liebsten wäre Sophie wieder rot angelaufen, wegen seiner seltsamen Freundlichkeit. Er hatte zu ihrer neuen Selbst-Einstellung noch nichts erwidert.
„Also, wir danken für unser täglich Brot.“ Hauro hob seine Teeschale und Markl tat ihm gleich.
„Für unser täglich Brot!“ Dann nahmen beide einen Schluck, noch bevor Sophie soweit war ihre ebenso in Dank anzuheben und davon zu trinken.
„Endlich mal ein richtiges Frühstück.“, freute sich Markl und stürzte sich auf sein Essen. Es stimmte, in letzter Zeit war Hauro viel zu oft nicht da gewesen. Aber dieser Krieg hielt ihn einfach immer auf den Beinen.
Wie der Junge sich so wild mit seiner einen Gabel auf das Frühstück stürzte, hätte man annehmen können, es würde nie wieder eine Mahlzeit in diesem Haus geben. Hauro beobachtete still den Blick, den Sophie ihm zuwarf, als er an seinem Tee nippte. Sie wusste nicht, dass er ihr genau zuhörte.
„Ich werde ihm viel beibringen müssen.“
Hauro wunderte sich, wie lange diese seltsame Frau vorhatte in seinem Schloss zu bleiben. Doch sie schien für ihn keine Gefahr darzustellen. Sie war viel zu interessant, als dass er sie einfach hätte wegschicken können.
„Sag, was hast du da eigentlich in deiner Tasche?“, fragte Hauro, als sie gerade dabei war mit dem Essen zu beginnen. Er spürte die magische Energie besonders stark von dort kommen und konnte nicht mehr an sich halten, sie zu fragen.
Verwirrt hielt Sophie inne. Mit einem Ausdruck der kompletten Ahnungslosigkeit zog sie ein rotes, gefaltetes Blatt Papier hervor.
„Was mag das sein?“, fragte sie in ehrlicher Verwunderung. Hauro hatte so etwas schon einmal gesehen und eine Vermutung schien sich in seinem Hinterkopf zu bilden.
„Darf ich?“, fragte er und hielt ihr seine Hand entgegen, als sie ihm das Papier rüber reichte.
Als seine Fingerspitzen das Papier berührten, entzündete sich die darin enthaltene Magie. Ein schwarzes Zauberfeuer flammte auf und ließ die Zeichen der Beschwörung auf dem Papier aufleuchten. Leicht flackerten die Flammen noch über die Haut an Hauros Hand. Als das Papier auf den Tisch fiel, begann es sich von den Rändern her aufzulösen und das Zeichen brannte sich in die Holzplatte.
Ängstlich starrte Sophie die Stelle an, während Markl sich auf seinem Stuhl nach vorne beugte, um es genauer zu betrachten.
„Eingebrannt. Was ist das?“, fragte er erstaunt.
Ha, hatte er mit seiner Vermutung doch Recht gehabt. Bitter sah er sich die Stelle auf dem Tisch an. Die Hexe aus dem Niemandsland musste Sophie mit einem Fluch belegt haben und ihr, in einer Ahnung, dass sich ihre Wege kreuzen würden, einen für ihn bestimmten Fluch untergejubelt haben. Doch warum dieser Frau?
„Ein sehr alter Zauber. Und stark dazu.“, stellte Hauro fest. Das passte zur Hexe. Sie kannte keine Grenzen und ging in der Magie so weit sie wollte, ohne Rücksicht auf Konsequenzen. Könnte es etwa sein dass...?
„Die Hexe aus dem Niemandsland?“, unterbrach Markl seinen Gedanken. Bei der Nennung des Namens zuckte Sophie kaum merklich zusammen. Hauro beugte sich vor, um die Nachricht des Zaubers genauer betrachten zu können.
„Du, der die Sternschnuppe fing, Mann ohne Herz, dein Herz wird mir gehören.“, las er leise vor.  „Soviel zum Tisch.“, sagte er, als er die Hand ausstreckte. Er legte seine Handfläche auf die eingebrannte Nachricht und strich langsam darüber. Mit Rauch und Funken war das Zeichen schließlich verschwunden, als er die Hand wieder hochhob.
„Oh es ist weg!“, freute sich Markl.
„Das Brandmal schon, aber nicht der Fluch.“, erwiderte Hauro, während er sich die Handfläche rieb. Das war keine gute Nachricht. Diese Hexe würde alles geben, um ihn in ihre Finger zu bekommen und nie wieder herzugeben. Dazu kam noch, dass sie viel zu viel wusste. Hauro musste vorsichtig sein.
„Esst euer Frühstück auf ihr beiden.“, sagte er, als er aufstand. Ohne es auch nur angerührt zu haben, gab er sein noch warmes Essen Calcifer, der es dankbar verschlang.
„Calcifer, verschieb das Schloss um 100 km.“, wies er den Feuerdämon an.
„Lecker, lecker.“
Dann machte sich Hauro auf den Weg die Treppen hoch und ließ die anderen sprachlos zurück. Aber bevor er sich weiter an die Arbeit machen würde, um der Hexe zuvor zu kommen, würde er sich eins nicht nehmen lassen.
„Und heize das Wasser im Bad auf.“, wandte er sich an Calcifer, bevor er die Treppe hinauf verschwand.
„Was? Das auch noch?“, beschwerte sich dieser, doch Hauro war wohl bewusst was für eine Kleinigkeit das für ihn darstellte und er es einfach genoss rummeckern zu können.
Vor ihm stand viel Arbeit, bevor er wirklich zur Ruhe kommen könnte. Da sei ihm ein wenig Entspannung in der heißen Wanne und Selbstpflege doch noch gegönnt.

Sophie hatte schon das halbe Schloss auf den Kopf gestellt, als er aus dem Bad herauskam. Er musste zu geben, dass sein Schloss so deutlich ansehnlicher war. Es schien schon fast einen schicken Glanz zu haben, den er vorher nie bemerkt hatte, doch nicht umhin konnte, es wertzuschätzen. Scheinende Sachen hatten schon immer sein Auge fangen können.
Aber für eine alte Frau hatte sie ungewöhnlich starke Kräfte bewiesen. Hatte sie sogar hinter der großen Kommode geputzt? Wie hatte sie die verschieben können?
Als er die Treppe runter ins Wohnzimmer kam, sah er gerade noch wie Calcifer in dem kleinen Metalltopf vom Holzstück rutschte und mit einem Puff die Flamme erlosch. Hauro spürte ein unangenehmes Ziehen in seinem Brustkorb und ein Gefühl der Schwäche ergriff von seinem Körper Besitz. In wenigen Schritten war er bei ihm und legte das leicht pochende, blau-glühende Etwas, das sowohl Calcifer, als auch ihn am Leben erhielt, in seine Hand. Mit ein wenig Magie versehen, pustete er auf die Flammen und entfachte das Feuer neu.
Sophie kam die Treppen von der Eingangstür hinauf und starrte ihn mit offenem Mund an.
„Bitte ärgere meinen Freund nicht so sehr.“, lächelte er sie an. Sie konnte um die Bedeutung der Verbindung der beiden nicht wissen und er konnte ihn ihr kein Stück bösen Willens erkennen.
„Meister Hauro, gehst du weg?“, fragte ihn Markl. Hauro stellte die Türscheibe auf schwarz und wappnete sich für einen weiteren langen Tag.
„Markl, sag unserer Putzfrau, sie soll das Putzen nicht übertreiben.“, erwiderte er nur. Dann verschwand er in die feurige Dunkelheit. Er musste herausfinden, was es mir dieser Frau auf sich hatte und ob er mit seiner Vermutung richtig lag.

Mit schweren, müden Schritten trat er am frühen Morgen in das Schloss. Die Sonne war noch nicht einmal aufgegangen. Calcifers Feuer schwelte leicht vor sich hin und es war im gesamten Schloss ruhig. Nur ab und zu war das leichte Knacken des Holzes im Feuer zu vernehmen. Nach seiner Flucht vom Kampfgeschehen, hatte seine Kraft nicht mehr ausgereicht, dass er sich komplett zurück verwandelte. Erschöpft ließ er sich auf den Stuhl vorm Feuer fallen. Er legte die klauenartigen Füße auf den Stein der Herdstelle und seufzte tief. Es fühlte sich an als hätte er seit Tagen keine Pause gemacht oder ein Auge zu bekommen. Doch wenn er einen Moment überlegte, stimmte das vielleicht sogar. Er wusste nicht, welcher Tag heute war, noch wann er das letzte Mal in seinem Bett geschlafen hatte. Entweder war es diese aufdringliche Hexe, die sich nicht abschütteln ließ oder es war dieser fürchterliche Krieg. Irgendetwas war immer in seinem Nacken und ließ ihn nicht zur Ruhe kommen.
„Du stinkst.“, grummelte das kleine, orange-rote Feuer. „Nach verbranntem Fleisch und Eisen.“, flüsterte es beklommen.
Es war ja nicht so, dass Hauro das nicht wusste. Er mochte es ja auch nicht. Er hatte das Gefühl, dass der Rauch und aller Dreck jede seiner Poren ausfüllte. Seine Federn klebten und fühlten sich spröde an. Mit letzter Anstrengung verwandelte er sich langsam in seine menschliche Form zurück. Federn schrumpften und Klauen zogen sich langsam zurück. An ihre Stelle traten seine hellen Lederschuhe und feingliedrigen Hände. Langsam färbte sich sein Haar wieder blond und er war wieder er selbst. Doch der Dreck klebte weiterhin an ihm. Er konnte den Ruß noch auf seiner Zunge schmecken.
„Du fliegst zu viel, irgendwann behältst du diese Gestalt.“ Hauro ließ seine Augen noch einen Moment geschlossen. Er hatte genug gelesen, um zu wissen, dass er ein gefährliches Spiel spielte. Eines Tages konnte es sehr gut sein, dass er nicht mehr die Oberhand über sein inneres Monster gewinnen konnte.
Mit seinen dünnen, feurigen Armen zog sich Calcifer einen neuen Holzscheit heran und legte ihn auf seine kleiner werdende Feuerstelle.
„Toll nicht? Das hat Sophie für mich getan.“, freute sich der Feuerdämon. Hauro zog seine Jacke etwas enger an sich, setzte seine Füße auf den Boden ab und lehnte sich etwas nach vorne. Dieses Mädchen... Konnte sie wirklich die gleiche von letztem Morgen gewesen sein? Sie hatte dem Mädchen aus seiner Erinnerung so ähnlich gesehen. Er hatte sich zwar gesagt, er würde sie nicht suchen, da er nicht wusste, was für Magie damals am Werk gewesen sein mochte und ob es nicht genauso gut ein Trick hatte sein können. Doch konnte er nicht anders, als sich ihr zu nähern. Vor allem da diese Holzklötze von Soldaten sie einfach nicht in Ruhe lassen wollten. Diese Situation konnte er nur zu gut verstehen. Ihn wollten die Leute auch nicht in Ruhe lassen. Hatte er so die Hexe auf sie aufmerksam gemacht? Er hätte besser wissen müssen, dass ihre Handlanger ihr Ohr und Auge waren. Dieses Mädchen war wirklich zauberhaft gewesen. Als er gestern das Haus verlassen hatte, hatte er sie nirgends finden können. Doch wusste er auch nicht genau wo er nach ihr hätte suchen können. Es war schließlich ein Festtag gewesen und die Stadt hatte vor Besuchern nur so gewimmelt. Die Menschen in der Umgebung, mit denen er gesprochen hatte, hatten ihm auch nicht weiterhelfen können. Keiner hatte das Mädchen an dem Tag gesehen. Doch so unscheinbar wie sie versuchte zu sein, hatte er sich das auch schon gedacht. Es hatte ihn wieder einige Mühe gekostet von den Frauen, die er gefragt hatte, wieder loszukommen. Es hatte all seinen Charme gebraucht. Hätten die Menschen gewusst, dass er wirklich Hauro war, der Zauberer, von dem es hieß, dass er Mädchen das Herz raus riss und es auffraß, hätten sie einen großen Bogen um ihn gemacht. Es scherte ihn gar nicht mal so sehr, dass die Leute solch wilde Gerüchte verbreiteten. So hielten sie sich wenigstens von ihm und seinem Schloss fern und er hatte etwas Ruhe. Doch wenn sie wüssten wie es in Wahrheit war... Das letzte Mädchen hatte schließlich seinen Stolz zu tiefst verletzt, als sie ihm gesagt hatte, sie ginge mit einem schöneren Mann aus. Die Selbstliebe in sein Aussehen hatte das nicht ertragen können. Außerdem hatte er sich ganz tief innerlich gefragt, wie es dann sein würde, wenn jemand, den er wirklich mochte, seine wirklich hässliche Seite mit Fängen, Klauen und Federn kennenlernen würde.
Als er, nach seinem vergeblichen Suchversuch, wieder hatte heimkehren wollen, hatte er die Ausrufe der Stadtbewohner gehört, dass es zu einer neuen Schlacht gekommen war und Hauro hatte sich auf den Weg gemacht, um wenigstens ein wenig Leid verhindern zu können, auch wenn er schon nicht in der Lage war sein eigenes zu lindern.
Doch diese wiederum lange Nacht, hatte ihn stark ausgelaugt.
„Es ist ein furchtbarer Krieg. Von der Küste im Süden bis zur Nordgrenze steht alles in Flammen.“, sagte er niedergeschlagen.
Sein Freund hörte ihm aufmerksam zu. „Ich hasse das Feuer im Schießpulver. Diese Menschen haben kein Benehmen.“, sagte er missmutig.
Hauro musste bitter lächeln. „Meinesgleichen griff an.“
„Die Hexe aus dem Niemandsland?“, fragte Calcifer nach.
„Nein, drittklassige Zauberer in Gestalt von Ungeheuern.“ Vielleicht plagten ihn auch Schuldgefühle, auf dem Schlachtfeld den Unschuldigen helfen zu müssen.
Calcifer sah ihn erstaunt an, dann verhärteten sich seine flammenden Gesichtszüge.
„Später werden sie weinen, wenn sie für immer so aussehen müssen.“
„Sie werden nicht mehr wissen, was Weinen überhaupt ist.“, erwiderte Hauro mit einem leeren Blick. Würde es ihm auch so ergehen?
„Solltest du nicht zum König kommen?“, fragte Calcifer, um schnell das Thema wechseln zu können.
„So ist es.... ich brauche heißes Wasser im Bad.“, erwiderte sein Freund, als er aufstand.
„Was? Schon wieder?!“, beschwerte sich Calcifer. Es war fast schon ein Ritual unter den Beiden.
Als sich seine Schritte der Treppe näherten, kamen sie an der kleinen Einbuchtung unter der Treppe, dessen Vorhang zugezogen war, zum Stehen. Er wusste, dass Mütterchen Sophie dahinter lag und schlief. Hauro konnte den, jetzt vertrauten, Fluch spüren. Doch war dieser deutlich schwächer als noch am letzten Morgen. Nach kurzem Zögern, zog er leise und vorsichtig die Vorhänge auseinander und betrachtete die schlafende Frau.
Ein schiefes Lächeln legte sich auf seine Lippen. Die Frau in der zurechtgemachten Schlafnische war keine 90, sondern wahrscheinlich noch nicht einmal 20. Er erkannte ihr braunes Haar wieder, auch wenn es nicht in einem langen Zopf geflochten war und über ihr lag der einfache Strohhut mit dem beerenroten Band. Ihre entspannten Gesichtszüge ließen nichts über die gefühlvolle Frau erkennen, die er vor einigen Tagen am Markt getroffen hatte. Sein Lächeln verbreiterte sich als er an die Falten auf ihrer Stirn dachte, wenn sie vor Wut die Augenbrauen zusammen gezogen hatte und die weit aufgerissenen Augen, als er mit ihr in der Luft spazieren gegangen war oder das herzerwärmende Lächeln, als er ihr Lebe wohl gesagt hatte. Selbst ihn hatte es tief berührt, ohne ein Herz zu haben, dass dieses Lächeln hätte wärmen können. Er musste dem Drang widerstehen ihre Haarsträhnen hinters Ohr zu streichen, um sie besser betrachten zu können.
Sein Lächeln verschwand, als ihm klar wurde, dass er zwar Recht mit seiner Vermutung gehabt hatte, aber keine Ahnung hatte, was er nun damit anfangen sollte. Es tat ihm Leid sie mit hineingezogen zu haben. Er hätte es einfach lassen sollen, als er sie gesehen hatte. Aber was wäre dann mit den Soldaten gewesen? Nein, es war so passiert, wie es hatte passieren müssen. Jetzt musste er nur herausfinden, wie er helfen konnte, nachdem er ihr diesen Fluch eingehandelt hatte.
Bedrückt ließ er die Vorhänge wieder zu fallen und machte sich auf den Weg ins Badezimmer.

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Ein Windzug wehte frische Luft in das fliegende Schloss und Sophies glänzende Haare umwirbelten ihr Gesicht. Hauros Hand wanderte nach oben und schob die verirrten Strähnen wieder hinter ihr Ohr.
Diese liebevoll Geste, schreckte Sophie etwas auf und sie errötete leicht. Er liebte das pfirsichfarbene Leben, dass es auf ihre Wangen hauchte. Sein Lächeln wurde breiter und sie strich sich etwas verlegen das restliche Haar hinter ihr anderes Ohr.
Beide waren nicht im Stande den Blick voneinander zu nehmen. Langsam näherte sich Sophies Gesicht seinem, als sie sich vorsichtig runter beugte. Verzaubert von ihrem Anblick und dem ihm noch so unbekannten Herzklopfen, dass es in seiner Brust auslöste, erlosch sein Lächeln und er starrte sie nur noch völlig gebannt an. Dies war stärker als jeder Fluch oder Pakt oder Bannzauber, der ihm bekannt war und er konnte sich ihm nicht entziehen. Es zog ihn zu ihr und er stützte sich mit den Ellenbogen von der Couch ab, um ihrem Gesicht näher zu kommen. Direkt voreinander hielten sie kurz inne, bevor sich ihre Lippen aufeinander legten.
Sophie genoss das warme Kribbeln, das sein Mund auf ihrem auslöste und spürte wie ihr Kopf schwummerig wurde. Für Hauro war das Herzklopfen, das Sophie schon ihr Leben lang begleitete und nur von Hauro verstärkt wurde und ihr somit sehr geläufig war, überwältigend. Er spürte das Blut in seinen Ohren rauschen und seine gesamte Haut schien zu vibrieren. Wie zwei elektrisierte Magnete, hätten sie sich am Liebsten nie mehr von einander getrennt, doch nach einer Weile unterbrachen sie den Kuss dennoch. Hauro war sich auch nicht sicher, ob er sonst früher statt später noch einen Herzinfarkt erlitten hätte. Es schockte ihn immer wieder aufs Neue, was für eine heftige Reaktion diese Frau in ihm auszulösen vermochte.
Sophie fühlte sich warm, ihr Herz, ihre Seele und ihr Körper. Sie hatte eben noch gedacht, nichts könnte sie glücklicher machen als diese entspannte Atmosphäre, doch der Kuss dieses magischen Mannes ließ sie ihre Meinung ändern. Kurz lief ihr der Gedanke durch den Kopf, ob er auch einen Zauber auf sie angewendet hatte, doch irgendetwas in ihr, sagte ihr, dass dem nicht so sei.
Hauro legte sich mit einem verliebten, zufriedenen Lächeln, das Sophies Herz einen Hüpfer machen ließ, wieder auf ihren Schoß. Er schloss die Augen, faltete seine Hände und machte sich bereit sein Schläfchen fortzusetzen.
Sophie beobachtete ihn. Manchmal fand sie es angenehmer ihn im Schlaf zu betrachten, da sie sich dabei selbst unbeobachteter von ihm fühlte. Welch eine Ironie, dachte sie. Vorsichtig strich sie durch seine Haare und verirrte Strähnen aus seiner Stirn. Sie zog ihre Finger wieder weg. Sonst hatte sie das nur gemacht, wenn sie wusste, dass er tief geschlafen hatte und sie nicht bemerken würde. Jetzt war er definitiv noch wach und sie wusste gar nicht, ob es für ihn in Ordnung war, wenn sie seine Haare, die ihm doch so heilig waren, berührte.
Es war kurz still. Dann öffnete Hauro ein Auge und sah hoch zu ihr.
„Warum machst du nicht weiter?“
„Ich- ich wusste nicht-“, stammelte sie und wurde wieder rot. Er schloss sein Auge wieder.
„Bitte mach doch weiter, das war wirklich schön.“ Diesmal sah auch sie eine leichte Röte auf seinen Wangen. Sie lächelte. Das alles war für sie beide noch sehr neu und sie würden sich mit der Zeit erst daran gewöhnen. Doch es war wirklich schön. So strich sie ihm weiter spielerisch durch die Haare und schlug ihr Buch wieder auf.
„Oh nein, jetzt hab ich meine Seite verloren!“, bedauerte sie, ihre Hand aus dem Buch genommen zu haben.
„237“, nuschelte Hauro nur verschlafen und genoss ihre sanften Berührungen an seinem Kopf.
Schnell blätterte Sophie zu der Seite und fand, dass es stimmte. Sie grinste.
„Vielen Dank.“
Doch er war schon eingeschlafen, bevor er es noch hören konnte.
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So vielen Dank für alle, die gelesen haben und lasst mir doch ein Kommentar da und sagt mir einfach wie ihrs fandet oder ob ihr andere Theorien habt. Ich freue mich auch über konstruktive Kritik oder Feedback, was schon gut läuft. Ich muss zugeben bei dieser Geschichte bin ich ungewohnt unsicher, ich weiß nicht genau, warum gerade hier.... Helft mir doch und sagt was dazu :)
Ich hoffe ich schreibe bald das nächste Kapitel, aber zur Zeit ist die Schreiblust da, also wird das sicherlich klappen.
Gruß Maggi :*
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