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You are, if you think I`m asking you to marry me...

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Charles Carson Elsie Hughes
17.05.2020
17.05.2020
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Elsie Hughes erwachte früh. Dabei hatte sie vor lauter Aufregung die halbe Nacht wach gelegen. Er hatte ihr einen Antrag gemacht. Er hatte ihr wirklich einen Antrag gemacht! Oh, wie lange hatte sie darauf gewartet, hatte es nicht mehr zu hoffen gewagt.
Und dann hatte er einfach vor ihr gestanden und sie gefragt. Sie hatte erst gar nicht verstanden, worauf er hinauswollte. Sie war verwirrt gewesen. Warum hatte er nur das Haus für sie beide gekauft? Sie hatte doch gar kein Geld, das hatte sie sich ja nun endlich getraut, ihm zu gestehen. Ihr gemeinsamer Traum, ihre Spinnerei, würde immer ein Traum bleiben. Er würde sich doch nicht sie ewig ans Bein binden wollen.
Und dann erwiderte er einfach leise: „Aber darum geht es ja.“
„Um was geht es?“
„Ich möchte gern an Sie gebunden sein!“


Elsie starrte ihn an. Sie glaubte, ihren Ohren nicht trauen zu können. Konnte er…meinte er etwa? Aber nein, das konnte doch nicht sein, oder?
„Ich bin nicht überzeugt, dass ich verstehe, was das heißt“, meinte sie leise und sah ihn unsicher an.
„Das tun Sie, wenn Sie vermuten, dass ich Sie bitte, mich zu heiraten“, hatte er fest erwidert und dabei so selbstsicher geklungen, dass man meinen könnte, es sei ihm leicht gefallen. Doch die Hausdame kannte ihn inzwischen lange, so lange, um in seinem Blick lesen zu können wie in einem Buch. Er hatte schreckliche Angst vor ihrer Reaktion gehabt. Dass er sie kurz darauf besorgt fragen sollte, ob sie nun pikiert sei, würde sie in ihrer Annahme noch bestätigen. Diese Frage war ihm sehr wichtig gewesen, er hatte sie nicht einfach so leichthin gesagt. Es war ihm ernst. Er wollte wirklich sein Leben mit ihr verbringen. Mit ihr – Elsie Hughes! Ihre Augen waren bei seinen Worten groß geworden und sie wusste erst nicht, was sie darauf antworten sollte. Selten war sie um Worte verlegen, doch nun war sie es. Natürlich wollte sie nichts mehr, als ihr Leben mit ihm zu teilen. Sie konnte es sich gar nicht mehr ohne ihn vorstellen. So lange war er schon Teil davon. Sie waren in all den Jahren ihres gemeinsamen Dienstes in diesem ehrwürdigen Haus enge Freunde geworden, Vertraute, Verschworene, Verbündete. Sie konnte sich immer auf ihn und seine Loyalität ihm gegenüber verlassen. Sie gaben einander Halt, besprachen Sorgen und Ängste miteinander. Sie kannten die dunkelsten Geheimnisse des jeweils anderen. Sie konnten miteinander lachen, reden und auch mal schweigen. Wenn sie jemanden zum Reden brauchte, wusste sie, er hatte immer ein offenes Ohr, einen guten Rat und danach einen verschlossenen Mund, bei dem ihr Geheimnis sicher bewahrt war. Sie waren ein gutes Team bei der Leitung des Hauses, ein gutes Team bei allem, was sie taten. Ob sie das wohl auch im Privaten sein konnten? War das mehr zwischen ihnen als nur Freundschaft?
Die Hausdame wusste, er bedeutete ihr sehr viel. Sie spürte schon lange ein warmes, leichtes Gefühl, wenn er mit ihr zusammen war. Sie war glücklich in seiner Nähe, freute sich, wenn er sich ihr anvertraute. Schon lange fühlte sie die aufkeimenden Gefühle, die sie für ihn hegte, und die bedeutend tiefer gingen als nur für einen Freund. Doch reichte das für eine Ehe? Oder waren sie zu lange Freunde, um jetzt mehr daraus werden lassen zu können? Als er ihre Hand ergriffen hatte, damals, als sie mit den anderen Angestellten den Ausflug zum Strand gemacht hatten, hatte sich ein warmes Kribbeln über ihren ganzen Arm ausgebreitet. Seine große Hand in ihrer feinen hatte sich so vertraut angefühlt, so gut. So, als gehöre sie genau da hin.
Und was fühlte er? Warum hatte er das getan? Hatte das Haus auf ihrer beider Namen gekauft, obwohl sie doch kein Geld hatte? Aus Mitleid etwa? Nein, das passte nicht zu ihm. Natürlich war er mitfühlend, doch würde er deshalb keine Immobilie für sie kaufen. Und was hatte es mit dem Heiratsantrag auf sich? Konnte – konnte es wahr sein, dass er dasselbe für sie empfand wie sie für ihn?
Sie sah ihn an und las in seinem Blick wieder einmal wie in einem Buch. Angst lag darin, Angst, abgewiesen zu werden, doch auch Hoffnung, dass sie annehmen könnte. Hoffnung und Liebe. Noch nie hatte er so offen seine Gefühle gezeigt wie jetzt. „Also?“, fragte er unsicher.
„Also“, echote sie, noch immer völlig fassungslos, „das trifft mich ja wie Blitz und Donner!“
„Aber Sie sind nicht pikiert?“, der Butler hob fragend eine Augenbraue.
Sie atmete leicht belustigt aus und ein leichtes Lächeln deutete sich in ihren Mundwinkeln an. „Mr. Carson“, ihre Stimme klang weich, „ich kann Ihnen versichern – das Allerletzte, was ich in diesem Moment bin, ist pikiert…“
Das verschaffte ihm sichtliche Erleichterung. „Lassen Sie sich so viel Zeit, wie Sie wollen“, machte er deutlich, „ich werde Sie nicht bedrängen. Weil ich eines genau weiß“, er holte noch einmal tief Luft, „ich werde niemanden sonst heiraten.“ Bedeutsam blickte er sie an.
Sie war zutiefst gerührt und erneut fehlten ihr vor lauter Gefühlen die Worte. Also reichte sie ihm zunächst einmal stumm seine Tasse Punsch.
„Also dann“, meinte sie dann weich und ergriff ihr Glas mit beiden Händen.
Er legte fragend die Stirn in Falten und sah sie unsicher an. „Was genau – feiern wir eigentlich?“
Sie fuhr sich mit der Zunge über die trockenen Lippen. „Wir feiern die Tatsache, dass ich sogar noch in meinem Alter einen Antrag bekommen kann“, erwiderte sie dann bewegt und lächelte ihm glücklich zu.
„Das ist alles?“, es klang enttäuscht.
Da hatte sie nicht mehr an sich halten können. Sie legte sich eine Hand aufs Herz und holte bewegt Luft. Dann trat sie einige Schritte auf ihn zu, um mit einer Hand seinen Unterarm ergreifen zu können. „Aber natürlich werd` ich dich heiraten, du alter Dummkopf!“, sie schmunzelte, um dann weich zu ergänzen: „Ich dachte schon, du würdest nie fragen!“ Als sie ihn angestrahlt hatte, hatte sie bemerkt, wie bewegt er war. Er hatte Tränen in den Augen gehabt und geschluckt.Für einen kurzen Moment schien es, als müsste er sich sehr beherrschen, um nicht wirklich vor Glück in Tränen auszubrechen. Und das hatte sie sehr berührt.
Sie standen noch lange da und sahen sich einfach nur in die Augen. Mrs. Hughes hatte das Gefühl, als wären es Jahre gewesen und doch nur wie eine Sekunde, als er schließlich blinzelte und sich räusperte. „Wir – sollten wieder nach oben gehen“,meinte er mit belegter Stimme, „die anderen werden sich schon fragen, wo wir bleiben.“
Auch wenn sie ungern diesen Moment verlassen wollte, nickte sie. Widerwillig. Er hatte ja Recht. Zwar würden sie es sicher bald allen verkünden, aber es sollte trotzdem nicht mehr Gerede geben als ohnehin notwendig. Also verließen sie ihr Zimmer und stiegen die Treppe wieder nach oben. Kurz bevor er jedoch die Tür aufmachen konnte, hielt sie ihn jedoch am Ärmel zurück. „Werden wir es den anderen denn sagen?“, hatte sie leise gefragt.
Er runzelte fragend die Stirn. „Wie meinst du das denn?“, wollte er wissen, „wolltest du es etwa geheim halten?“
Sie lachte leise. „Nein, natürlich nicht! Aber wie – ich meine wann…Also...“
Er verstand. „Ich würde vorschlagen, wir erzählen es morgen beim Frühstück?“, schlug er vor, „dann wissen es gleich alle und wir beugen Gerede vor.“
Auch wenn das jetzt alles sehr schnell ging, nickte sie. „Ja, du hast Recht. Lass es uns so machen.“
„Gut“, er lächelte ihr zu. Sie spürte – er war genauso aufgeregt wie sie. Mindestens. „Und“, er zögerte, „ich weiß, die Familie ist dir nicht so wichtig wie mir. Aber...“
„…du willst es ihnen auch bald sagen“, ergänzte sie verständnisvoll, „das ist mir klar. Und natürlich müssen sie Bescheid wissen. Immerhin sind sie unsere Arbeitgeber.“
„Du bist also einverstanden?“
„Ja, natürlich“, sie nickte, „aber erst eins nach dem anderen, ja? Erst mal sollen es morgen die anderen hier unten erfahren.“
„Gut“, er grinste schief, „so und nun lass uns uns wieder ins Getümmel stürzen. Bevor sich die anderen noch fragen, wo wir abgeblieben sind und es doch noch Gerede gibt.“
„Ein guter Plan.“ Gemeinsam stießen sie die Tür auf und mischten sich wieder in die Menge. Gott sei Dank schien es so, als ihr Fehlen unbemerkt geblieben. Kein Wunder – das Fest war in vollem Gange. Doch Elsie bemerkte die nachdenklichen Blicke von Mrs. Patmore, als sie mit Mr. Carson neben sie und Daisy trat. Die Köchin lächelte ihr als Antwort auf ihren fragenden Blick nur wissend zu und schwieg, wofür sie ihr zutiefst dankbar war. Doch sie wusste – die rundliche Frau, die ihr in den vielen, vielen Jahren ihrer engen Zusammenarbeit sehr ans Herz gewachsen und gar zu einer Freundin geworden war, ahnte etwas. Und sie würde bestimmt bald nachfragen. Doch vielleicht konnte sie ihre Neugier ja noch bis morgen zügeln. Besonders da ihnen während der nächsten Feststunden bestimmt kein ruhiger Moment für ein freundschaftliches Gespräch zu zweit blieb. Vielleicht würde sie sich ja wirklich bis morgen gedulden… Mrs. Hughes blickte warm in die Runde und trank still lächelnd einen großen Schluck von ihrem Punsch, all die vertrauten Menschen um sich herum und den Mann, den sie liebte, neben sich.
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