Losing me, losing you

von TheWInd
GeschichteDrama, Tragödie / P18 Slash
HIM
17.05.2020
07.07.2020
50
99.090
 
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17.05.2020 2.998
 
Ville schlug das Herz bis zum Hals. Noch immer umklammerte er sein Handy und lauschte dem nervtötenden Tuten in der Leitung, als sich auf einmal jemand meldete. Er klang verhalten.
„Ville?“
Auch Ville schnappte unwillkürlich nach Luft. „Ja... ich bin es. Jonne... du...“
„Ich will es kurz machen. Ich... habe ein Schreiben vom Gericht bekommen, wegen dem Prozess gegen die beiden Entführer... ich...“
Ville war völlig verspannt, während sich sein Kopf vollkommen leer anfühlte. Sein Mund wurde trocken und sein Herzschlag beschleunigte sich nur noch mehr. Seine Worte klangen holprig. „Ich helfe dir,“ sagte er hastig, „Verstehst du etwas nicht?“
Der andere Mann zögerte. „Was? Doch sicher. Ich bin ja nicht blöde. Ich will nur den Prozess nicht. Und dafür brauche ich wen.“
Der Frontmann war wie vor den Kopf gestoßen. „Was? Warum nicht? Die beiden haben dich...“
Wieder unterbrach ihn Jonne ziemlich grob. „Ich habe nicht vergessen, was sie mir angetan haben, Ville. Oh nein. Aber ein Prozess... was soll das bringen? Ich verstehe den Sinn dahinter nicht. Nur weil die beiden bestraft werden geht es mir doch nicht besser dadurch! Das ist Unsinn...“ Er klang verbittert, vielleicht aber auch ernüchternd. „Ich will, dass dieser Prozess nicht stattfindet.“
Ville war entsetzt.
„Aber... warum denn nicht? Ich verstehe es nicht.“
„Musst du auch nicht,“ sagte Jonne tonlos. „Ich weiß nur nicht, wie man so etwas... macht...“
Der Frontmann holte Luft. „Du musst die Anklage zurück ziehen. Aber Jonne! Das würde ich nicht machen. Es geht um Freiheitsberaubung, um schwere körperliche Gewalt...“ Er musste schlucken, ehe er spürte, wie ihm die Tränen kamen. „Bitte Jonne... was versprichst du dir denn davon?“
„Es geht dich nicht an, Ville. Lass mich damit einfach in Ruhe, ja? Ich will deine Bemitleiden nicht und dein Drängen kannst du dir auch sparen.“
Ville wurde wütend.
„Warum bist du nur so abweisend zu mir? Verdammt, was habe ich dir denn getan um Himmels Willen? Ich wollte für dich da sein, Jonne, immer... und ich...“
Auch der andere Mann schnaubte auf. „Gar nichts hast du getan, Ville. Gar nichts. Du hast es doch zugelassen... Tagelang hatten sie mich in der Gewalt... ich...“ Er brach in Tränen aus, erzählte aber dennoch stockend weiter. „Ich musste ständig auf dem Boden hocken, ich habe mich eingesaut wie ein Tier, ich musste vom Boden essen, auf einer völlig verdreckten Matratze schlafen, ich musste diese widerlichen Videos machen, die Interviews... und...“
Ville war so schockiert, dass er fast nicht mehr sprechen konnte. „Jonne... du kannst es mir erzählen, was immer es auch war. Aber... du musst diesen Prozess zulassen... er ist... wichtig. Für dich und dafür, dass du wieder gesund wirst. Und auch, dass du das alles vielleicht irgendwann einmal hinter dir lassen kannst. Ich bin immer noch für dich da, bitte... ich versuche es wirklich.Ich will dir helfen, aber du musst es auch zulassen, bitte...“
„Nein Ville. Nein! Ich will deine Hilfe nicht. Ich will gar nichts mehr von dir.“ Er holte angestrengt Luft. „Und du hast mir nicht zu sagen, was ich tun soll oder muss, klar? Denn ich muss gar nichts.“ Wieder brach er ab. Und es dauerte eine ganze Weile, ehe er schließlich fortfuhr: „Was sie gemacht haben? Was denkst und denn, haben sie gemacht? Sie wollten ihre Kohle haben, und die haben sie zum Großteil auch bekommen. Das sind Zuhälter... und wie meinst du das mit, ich soll gesund werden? Mir fehlt nichts, ich komme klar. Ich brauche keine Tabletten und verstecke mich hinter irgendwelchen Ausreden... ich bin nicht so krank, wie du vielleicht denkst, Ville. Um mich brauchst du dir keine Gedanken machen. Das musstest du nie.“
Ville überging die Anschuldigen. Er fühlte sich auch so schon elendig genug und merkte, wie stark er zitterte und auch, wie nahe er wieder an einer Panikattacke war.
„Haben sie dich... zum Sex gezwungen?“
Jonne schwieg auf einmal und fast schon bereute Ville seine Worte, doch sie hatten sich ihm förmlich aufgedrängt, sodass er die ihn quälende Frage einfach nicht hatte zurück halten können.
„Jonne?“, fragte er nach einer ganzen Weile in die plötzliche Stille hinein. „Jonne... bist du noch da?“
„Ja. Und ja bin ich.“
„Mein Gott...“, brach es aus Ville heraus. „Jonne ich...“ Er wusste kaum noch, was er sagen sollte. Er war geschockt, auch wenn er natürlich irgendwie damit gerechnet hatte, aber es jetzt aus Jonnes Mund zu hören war einfach noch grausamer. Und es machte das alles irgendwie real. Zu real. Fast glaubte er den Verstand zu verlieren, da er diesen Gedanken wie auch die Vorstellung nur schwer ertragen konnte.
„Nichts, Ville. Nichts. Es war nicht so schlimm.“
„Nicht schlimm? Was meinst du mit es war nicht schlimm? Du... du hast es verdrängt, oder? Jetzt tust du so, als wärst du der Starke, als ob dir all das nichts anhaben könnte, aber dann, im selben Moment drängst du es mir wieder auf... Jonne, verdammt ich... ich weiß nicht mehr, was echt ist und was nicht.“ Er klang heiser wie auch aufgeregt und schüttelte immer wieder den Kopf. Der Frontmann holte angestrengt Luft.
„Nein. Es war nicht schlimm. Das sagte ich doch schon, also hör auf damit Ville. Hör einfach auf darüber zu reden wie auch mich danach zu fragen...“
Ville begriff nicht. „Aber das war eine Vergewaltigung und...“
Doch er erhielt keine Antwort mehr. Er hörte Jonne nur ab und an atmen. Auch er brauchte einige Sekunden um sich wieder zu sammeln. Ville holte Luft. Im Zimmer war es still und angenehm warm, dennoch fühlte er sich elendig, sein Herz raste und ihm war schlecht geworden. Sein Nacken fühlte sich mit einem Mal heiß an.
„Jonne... Wer... wer sind diese Kerle? Ich... ich bringe sie um. Dafür, was sie dir angetan haben, glaub mir das, Jonne. Ich kann das nicht zulassen... ich...“
Beide waren völlig außer Atem, hektisch, den Tränen nahe und aufgewühlt. „Du? Du hast doch nicht einen Finger für ich gekrümmt... als ich dir das Video geschickt habe. Hast du es überhaupt gesehen? Hast du überhaupt irgendetwas getan?“
Jetzt begriff Ville allmählich. „Ja natürlich habe ich es gesehen... ich bin damit zur Polizei und die ist erst durch das Video auf die Adresse gekommen... Jonne! Warum um alles in der Welt denkst du denn, dass ich es nicht gesehen hätte oder nichts unternommen hätte? Ich wollte... ich hätte mir ein Bein dafür ausgerissen, hätte ich dich dadurch befreien können, aber ich konnte nichts tun. Gar nichts. Ich lag mit gebrochenen Rippen in der Klinik, ich konnte kaum atmen und...“
„Kaum atmen. Das ist nicht so schlimm wie das, was ich durchgemacht habe. Ich habe im Dreck gelebt, gehungert, ich wurde getreten und geschlagen, sie haben mir die Hände gefesselt, mich umher gestoßen und geschleift, mich ausgezogen, sich über mich lustig gemacht... Ville. Du hast keine Vorstellung davon,“ brach es auf einmal aus ihm heraus, dann wurde seine Stimme wieder ruhiger, „Ich... ich hatte so sehr gehofft, dass du...“
„Was? Dass ich es beenden könnte? Wie? Jonne... wie hätte ich das tun können? Es gab bis zu deinem Video keinerlei Hinweise auf das Versteck... nichts. Die Polizei hat alles versucht. Sie haben alles abgesucht, ich... ich habe nicht mehr geschlafen, ich hatte Angst... ich...“ Ihm versagte erneut die Stimme, sodass er sich räuspern musste.
„Aha. Angst, ja? Ich wusste irgendwann nicht mal mehr, ob es Tag oder Nacht ist Ville. Mir war alles gleichgültig geworden... wer ich bin, wo ich bin oder was die mit mir machen. Einfach alles. Und jetzt wollen sie mich in eine Irrenanstalt stecken. Aber da werde ich nicht hingehen, auf gar keinen Fall! Ich brauche keine Hilfe, ich komme damit klar.“ Er zögerte kurz, „Hast du da auch deine Finger drin gehabt? Hast du denen gesagt, dass ich krank bin, ja? Dass ich alleine nicht klar komme? Dass ich verrückt bin? Dass ich hilflos bin? Gebrochen? Verwirrt vielleicht? Hast du denen das gesagt? Sei ehrlich. Ein einiges Mal.“
„Bitte was?“ Ville wurde heiser vor Wut und Aufregung. „Was redest du denn da? Ich... ich habe lediglich gesagt, dass es für dich das beste wäre, wenn du dich in Therapie begeben würdest und dich behandeln lassen würdest... Aber das habe ich nur dir gesagt und sonst niemandem, das schwöre ich dir! Und es ist mein voller Ernst. Du muss dich behandeln lassen, Jonne.“
„Nein.“
Ville wurde immer wütender, „ich verstehe dich nicht mehr Jonne. Ich.. ich liebe dich doch noch immer, aber ich verstehe dich einfach nicht mehr. Du hast mich im Krankenhaus abgewiesen, als ich für dich da sein wollte und dir helfen wollte, ich...“ Er suchte nach Worten. „Du solltest damit nicht alleine sein... und ja du bist krank. Jeder wäre nach so einer Tortour krank... jeder.“
„Pah. Ich bin nicht krank, Ville. Glaub mir das. Und was redest du da für einen Bullshit? Ich empfinde mich selbst nicht als krank, das habe ich noch nie. Ich dachte, du weißt das. Ich dachte, du würdest mich verstehen, aber anscheinend tust du mich nicht mal richtig kennen.“ Er schnaubte auf. Seine Worte wurden wirrer und hektischer. „Du warst alleine? Pah... du hast doch keine Ahnung davon, was es heißt wirklich alleine zu sein. Nicht du...“
„Jonne hör auf damit!“
„Hör du doch auf. Ich glaube du hast den Verstand verloren, Ville. Nicht ich. Ja, ich bin allein, aber ich komme schon klar damit, weißt du? Mich will doch eh niemand haben, niemand will mich lieben, niemand will wirklich lange bei mir bleiben. Ach ja, weil ich ja der kranke Irre bin? Der in eine Anstalt muss? Der nichts mehr wert ist?“ Er redete sich immer mehr in Rage, dann wurde er wieder ruhiger, aber es klang ein seltsamer Unterton in seiner erregten Stimme mit. „Und weißt du was? Ich bin wenigstens ehrlich. Ja das bin ich. Im Gegensatz zu dir. Andauernd gibst du mir irgendein eins deiner Versprechen, aber halten tust du kein einziges, Ville. Das ist schlimm, das ist nicht mehr zum aushalten. Ich... ich hasse dich! Du hast mich im Stich gelassen... du hast zugelassen, dass das alles mit mir passiert...“
Ville schluckte heftig, er spürte, wie sich ihm die Kehle zuschnürte. „Nein... Jonne, nein, das ist nicht wahr... ich... ich kenne dich, ich weiß wie du tickst! Aber warum zum Teufel denkst du, dass ich das zugelassen hätte? Das ich damit etwas zu tun hätte? Das ist Schwachsinn, Jonne, denn das habe ich nicht! Nie.Nie hätte ich auch nur ansatzweise etwas zugelassen, was dir geschadet hätte oder dich verletzt hätte...“ Er war noch immer vollkommen vor den Kopf gestoßen und ihm schwirrten tausende Dinge durch den Kopf, die er nur nicht in Worte fassen konnte. Gab ihm Jonne wirklich die Schuld? Wut staute sich in seinem Inneren, wie auch in seinen immer schneller rasenden Gedanken. Aber auch die Panik lauerte auf ihn, sie schlich um ihn herum wie ein hungriges, dunkles Tier.
„Nein,“ sagte Jonne nur, „Du kennst mich nicht wirklich. Du hast es dir vielleicht nur immer eingeredet... aber du hast keine Ahnung, wer ich wirklich bin, oder was mich ausmacht. Du hast immer nur das in mir gesehen, was du sehen wolltest, und vielleicht auch, was für dich am einfachsten war.“ Er machte wieder diese seltsame Pause, ehe er ziemlich abrupt das Thema wechselte und schließlich mit stockender, leiser Stimme fortfuhr: „Dieser Journalist... dieser Paavo... du kennst ihn doch, oder? Seid ihr befreundet? Hat er was erzählt? Er steckt da mit drin. Ich glaube die ersten Videos gingen an ihn. Er hat sie gekauft. Er hat diesen ganzen widerlichen Mist gekauft. Und sicherlich auch veröffentlicht... und deshalb haben sie weiter gemacht. Sie wollten noch mehr Geld mit den Videos machen...“
„Ja ich kenne ihn, aber nur sehr flüchtig und... Jonne! Ich wusste lange nicht, an wen diese Interview geschickt wurden, oder wer sie veröffentlicht hat. Ich wusste es nicht! Erst die Polizei ist dahinter gekommen. Was weißt du darüber? Und was unterstellst du mir wieder? Ich habe doch die Videos nicht gekauft und... Jonne ich bin doch nicht Schuld daran!“
„Nicht?“
„Nein! Verdammt. Wie kommst du nur darauf? Das ist doch völliger Unsinn! Jonne, hörst du dir überhaupt selbst noch zu, was du da redest? Merkst du noch irgendwas? Das ist krank!“
Jonne klang mit einem Mal verwirrt, er murmelte leise vor sich hin. „Sie haben gesagt, dass du es kaufen müsstest... es ging um sehr viel Geld... sie haben meinen Kopf festgehalten, mich geschlagen und mir die Arme verdreht... sie sagten, dass dieses Video nur für dich sei, dass sie es dir schicken würden. Dir, nicht Paavo. Und dass du schon eingewilligt hättest. Ich war so entsetzt, so enttäuscht... sie haben mir den Mund aufgehalten, dann wollten sie mir so eine Latexmaske überziehen und...“
„Jonne. Mein Gott wovon sprichst du?“
„Das Video...“, sagte er sehr leise, „Das letzte Video sollte das schlimmste werden und sie wollten dich damit erpressen. Sie wollten mich live vor der Kamera vergewaltigen. Sie wollten mich brechen, sie... sie wollten das restliche Geld haben. Sie haben mir gesagt, dass du schon scharf auf das Video wärst, dass du mit ihnen gesprochen hättest. Ich habe das nicht verstehen können, wie du so pervers sein könntest, so... ich... ich habe es nie verstanden, Ville. Nie.“
Ville weinte leise.
„Mein Gott Jonne... nein, das ist nicht wahr. Ich wusste nichts davon. Bitte, das musst du mir glauben. Ich hätte das nie getan, Jonne... nie! Ich... mein Gott... was hätte ich den tun sollen? Was? Ich... ich wollte doch nie, dass dir so etwas passiert! Nie!“
Der andere schwieg nun ebenfalls. „Ich weiß nicht, ob ich dir das glauben soll. Sie haben mir deine Stimme vorgespielt. Du hast nicht viel gesagt, vielleicht war es auch nicht echt, aber es war das einige von dir, was ich hatte. Das einzige.“
„Mein Gott...“
Jonne schwieg wieder. Erst nach geraumer Zeit sprach er weiter, ohne auf das vorher gesprochene einzugehen. Fast war es, als wäre es nie gesagt worden. Auch jetzt sprach er noch sehr langsam und schleppend, so als ob er gleichzeitig über etwas völlig anderes nachdenken würde. Und auch fühlen würde. Er war verwirrt. Und er schien Dinge durcheinander zu bringen. Immer wieder verlor er den Faden, brach ab oder stotterte herum, und manche seiner Sätze ergaben überhaupt keinen Sinn mehr.
„Ich habe gelogen, Ville. Ich kenne die beiden. Ich habe schon oft für sie gearbeitet... und...“
„Was? Du kennst sie?“ Der Fronter klang erstickt und heiser, sein Herz raste noch immer, „Jonne! Du darfst sie nicht decken! Auf gar keinen Fall darfst du das. Nein, das ist nicht richtig... sie müssen vor Gericht gestellt werden und auch bestraft werden. Diese Mistkerle... du hast gerade selbst gesagt, was sie dir alles angetan haben... du... du musst das auch dem Richter sagen... ich bitte dich... du musst ihm alles sagen, was du weißt, du musst deine Aussage machen. Du darfst die Anzeige wie auch deine Aussage nicht zurück ziehen! Unter keinen Umständen... ich bitte dich Jonne... bitte...“
Jonne klang nun energischer als noch zuvor. „Nein... das wäre nicht gut.. sie haben hier im Viertel das Sagen... ich würde keine Jobs mehr bekommen. Sie würden mich immer wieder zusammen schlagen...“ Er schluckte hörbar, „Aber ich brauche die scheiß Kohle... ich brauche was zu essen und... nein. Ich werde nichts sagen. Gar nichts. Und du auch nicht. Das ist das einzige, worum ich dich noch bitte.“
Ville war so durcheinander, dass er kaum sprechen konnte. Seine Lippen zitterten, während sein Herz wild pochte.
„Was? Was soll ich nicht sagen?“
Jonne zögerte, er druckste herum, doch dann sprach er endlich das aus, weswegen er ihn eigentlich angerufen hatte. „Ville... auch du darfst nichts sagen, wenn ich dir wirklich noch etwas bedeute. Du darfst nichts von dem sagen, was passiert ist. Gar nichts. Es soll keinen Prozess geben. Ich will das nicht, ich stehe das nicht durch... du weißt das. Und es liegt bei dir... Ville, überlege es dir also gut, was du tun wirst.“
„Was...?“
„Die beiden Kerle, die dich im Park zusammen geschlagen haben sind auch die Typen, für die ich arbeite, und die mich... entführt haben. Aber du darfst nichts sagen. Gar nichts. Sonst bin ich tot.“
Auf einmal herrschte eine seltsame, kalte Stille zwischen ihnen beiden. Ville atmete schwer. Nur langsam fand er seine Sprache wieder, während sich sein denken verlangsamt und hol anfühlte, wie auch sein ganzer Körper nur noch aus einer dünnen Schicht zu bestehen schien.
„Das ist nicht dein Ernst, oder? Ich soll die Klappe halten, obwohl sie mich halb tot geschlagen haben? Sag mal Jonne, bist du noch bei Verstand? Ich musste notoperiert werden, selbst jetzt habe ich noch Schmerzen und das allerschlimmste ist, dass ich meine gesamte Tour absagen musste. Ich bin im Arsch... und dann soll ich schweigen? Jetzt, wo ich endlich weiß, wer mir das alles angetan hat? Sie haben mein Leben zerstört, meine Karriere... und dich dazu. Jonne. Das kannst du nicht von mir verlangen. Nein. Ich … ich liebe dich noch immer, aber das kannst du nicht wollen. Nicht wirklich wollen...“
Er war geschockt und sprachlos, er stand noch immer wie neben sich, während sich um ihn herum alles wild zu drehen schien. Selbst seine eigenen Worte schienen kaum noch einen richtigen Sinn zu ergeben.
„Bitte Ville. Sag nichts. Sonst machen sie mich fertig, und dann werden wir uns niemals mehr wiedersehen...“
„Warte... leg nicht auf.. bitte...“, bettete Ville, er weinte und fuhr sich immer wieder verzweifelt durch die Haare. „Ich...“
„Tue es einfach. Versprich mir das. Mehr möchte ich nicht.“
„Warum lässt du dir nicht endlich helfen, Jonne? Du könntest auch ein normales Leben haben, wenn du endlich eine Therapie machen würdest...“
„Ach ja? Könnte ich das? Denkst du wirklich, dass ich das nie versucht hätte? Oh nein, Ville. Aber du kannst deine scheiß Kohle behalten, so wie alles andere auch. Ich will es nicht. Ich will nur, dass du den Mund hältst.“
„Dann wird es keinen Prozess geben... und die beiden Scheißkerle werden ungeschoren davon kommen und genauso weitermachen, Jonne... das kann ich nicht...“
Doch Jonne hatte bereits aufgelegt und Ville hörte nur noch das laute, elendige Tuten in der Leitung.
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