Lena, im Bann der Dämonen

von Deira
GeschichteHumor, Übernatürlich / P16
16.05.2020
23.05.2020
4
5.206
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Diese kleine Geschichte geht nun zu Ende. Ich hoffe, ich konnte euch damit ein klein wenig unterhalten. Ich wünsche euch noch viel Spaß beim Lesen des letzten Kapitels.


Der Vampir



Es war nicht einfach, sich an diesem Abend aus dem Haus zu schleichen, denn Lenas Eltern machten leider keinerlei Anstalten, endlich ins Bett zu gehen. Sie sahen sich noch einen Film an und Lena saß in ihrem Zimmer wie auf heißen Kohlen.

Sie hatte bereits alles Notwendige für die Vampirjagd in ihren Rucksack gepackt und diesen anschließend unter ihrem Bett versteckt. Ihr Blick fiel auf ihr geliebtes Buffy-Poster. Sie fragte sich, was diese in ihrer Situation tun würde und kam zu dem Schluss, dass sie sicherlich ähnlich vorgehen würde.

Gegen 23 Uhr gingen ihre Eltern endlich ins Bett und erleichtert schlich Lena sich aus dem Haus. Sie hoffte, dass keiner der beiden aufwachen und in ihr Zimmer schauen würde. Glücklicherweise taten ihre Eltern dies seitdem ihre Kleinkindzeit vorüber war nur selten und sie hoffte, dass es nicht ausgerechnet in dieser Nacht geschehen würde.

Die Straßen waren um diese Zeit natürlich beinahe menschenleer und Lena packte auf dem Weg drei Holzpflöcke, das Weihwasser und das Kreuz vom Rucksack in ihre Jackentaschen um. Sie wollte diese Waffen im Kampf gegen das Böse im Ernstfall schnell zur Hand haben und nicht lange danach suchen müssen.

Bald darauf traf Lena vor dem Haus der Familie Becker ein und lief beinahe in Maurice hinein, der bereits hinter einem Baum im Vorgarten auf sie gewartet hatte.

„Hast du es sofort gefunden?“, fragte er und sie sah ihn empört an.
„Natürlich. Ich verlaufe mich nicht in meinem eigenen Viertel. Ich wohne nur zwei Straßen entfernt, kenne aus der Straße aber niemanden. Und hier wohnen die also? Nicht schlecht, das Haus. Und dann passiert so was trauriges und der Sohn stirbt...“

Maurice nickte zustimmend. „Da hast du recht. Alles läuft gut. Man hat so viel erreicht. Aber man verliert das Wertvollste….“

Er brach ab und schenkte Lena ein unsicheres Lächeln. „Sorry, ich rede Blödsinn. Eigentlich hab ich es nicht so mit Gefühlsduselei. Sonst hätte ich mittelalterliche Lyrik und nicht BWL als Studienfach gewählt.“

Aber Lena war der Ansicht, dass er, trotz des traurigen Themas, wunderschöne Worte für die Situation gefunden hatte.

„Und wie geht es jetzt weiter?“, fragte Maurice nach einer Weile. „Müssen wir jetzt die ganze Nacht über warten? Auch auf die Gefahr hin, dass irgendwelche Nachbarn oder Kilians Eltern das mitbekommen und vielleicht die Polizei rufen, weil sie uns für Einbrecher halten?“

Sie zuckte die Achseln und beantwortete seine Frage, schlicht und einfach. „Ja!“

Er seufzte und schien sich zusehends unwohl in seiner Haut zu fühlen. Sie ahnte, was in ihm vorging. Er kam sich wahrscheinlich dumm vor, überhaupt gekommen zu sein und befürchtete jetzt, jeden Moment von der Polizei verhaftet zu werden.

Ihr gefiel diese Vorstellung auch nicht sonderlich, da sie keine Ahnung hatte, wie sie ihren Eltern das erklären sollte. Wahrscheinlich würden sie endgültig am Verstand der Tochter zweifeln und befürchten, dass die Nachbarn alles mitbekamen. Wahrscheinlich würde ihre Mutter sich nicht mehr aus dem Haus trauen.
„Da hinten kommt jemand,“ sagte Maurice auf einmal und Lena fuhr herum. Tatsächlich näherte sich ein Mann mit großer Geschwindigkeit und lief auf die beiden Vampirjäger zu.

Lena griff in der Jackentasche nach ihrem Holzpflock.

Der Mann schien es sehr eilig zu haben und war in einen dunklen Anzug gekleidet – in einen Jogginganzug. Es handelte sich um einen Mann von Mitte dreißig, definitiv älter als der Verstorbene, und er hatte es auch nicht auf Maurice und Lena abgesehen, sondern er joggte.

Der Mann grüßte freundlich, als er an den beiden jungen Leuten, möglicherweise hielt er sie einfach für ein Pärchen, und diese Vorstellung gefiel Lena durchaus, vorbei lief.

„Ein Jogger! Kein Vampir. Ehrlich gesagt bin ich erleichtert. Es wäre ja noch schöner, wenn es die wirklich geben würde!“, sagte Maurice und schien einen Augenblick unschlüssig zu sein, was er nun machen sollte.

Schließlich rang er sich zu einer Entscheidung durch. „Lena, ich glaube, ich gehe nach Hause. Das solltest du auch machen. Ich bringe dich noch schnell heim, wenn es eh nur zwei Straßen entfernt ist.“
Dies klang nun alles andere als poetisch oder gar romantisch, sondern eher nach einer lästigen Verpflichtung. Es war doch nicht ihre Schuld, dass dieser Vampir sich bisher nicht blicken ließ!

Mit einem Mal kam er ihr weitaus weniger attraktiv vor. „Ich finde den Weg auch allein, danke. Ich verlaufe mich schon nicht. Außerdem bin ich die, die den Holzpflock hat!“
„Lena….“, begann Maurice, aber dann wurde er zu Boden gerissen und Lena schrie auf, als ein junger Mann über dem BWL studierenden Aushilfsfriedhofsgärtner kniete.

„Dich habe ich Nachts auf dem Friedhof gesehen, zusammen mit dem anderen Gärtner“, sagte der Fremde und sprach ein wenig lauter, um Lenas Schreie zu übertönen. Er warf ihr einen genervten Blick zu, widmette sich dann aber wieder Maurice.
„Und warum hast du meinen verfluchten Schal dabei? Du hast ihn in der Plastiktüte da hinten. Ich hatte den extra in den Müll geworfen. So einen Kram brauche ich als Vampir nicht mehr. Das mochte ich eigentlich noch nie! Aber meine Freundin war immer so gefühlsduselig. Aber das wird sich jetzt ändern. Ich werde sie zu einem Vampir machen. Und dich und den Schreihals werde ich töten.“

Lena unterbrach ihren Schrei und trotz allem fühlte sie ein Gefühl des Thriumphes. Dies musste Kilian sein und offenbar war er tatsächlich ein Vampir. Sie hatte die ganze Zeit über richtig gelegen und sich nicht geirrt. Sie hatte Recht und alle anderen hatten Unrecht. Vor ihr kniete ein Vampir auf seinem Opfer und wollte sie und eben jenes Opfer töten!

Sie bedauerte nur, dass sie dies außer Maurice niemandem erzählen konnte.

Maurice….
Er brauchte dringend ihre Hilfe, denn die Zähne des Vampirs näherten sich bedrohlich seinem Hals. Sie griff nach ihrem Holzpflock. In der Theorie wusste sie nun ganz genau, was zu tun war. Sie hatte es schließlich bereits unzählige Male in ihrer Lieblingsserie gesehen und dort sah es auch immer relativ einfach aus, einem Vampir einen Pflock mit der bloßen Hand ins Herz zu stoßen.

Aber wie war dies in der Realität?

Dennoch musste sie etwas tun, wenn sie nicht wollte, dass Maurices gesamtes Blut ausgesaugt und er im schlimmsten Fall auch noch in einen Vampir verwandelt wurde oder starb.

Sie nahm all ihren Mut zusammen und stieß dem Vampir den Holzpflock in den Rücken. Es war viel schwieriger als sie es sich vorgestellt hatte und sie sah nun, dass die Fernsehwirklichkeit nicht der tatsächlichen Wirklichkeit entsprach.

Als der Vampir Maurice los ließ und sich zur Seite rollte hatte Lena, die noch den Pflock festhielt das Gefühl, als würde ihr die Hand abgerissen werden.
Gerade noch rechtzeitig ließ sie den Pflock los und verhinderte so, dass sie zu Boden stürzte und sich im schlimmsten Fall verletzte oder Maurice verletzte, in dem sie auf ihn fiel.

Der Vampir stieß unterdessen einen Schmerzensschrei aus und sprang zur Seite, um sich vor einem weiteren Angriff zu schützen, während Maurice sich langsam aufrichtete und offenbar nicht so wirklich begriff, was gerade geschehen war.

Kilian, der Vampir sah Lena wütend an und versuchte, den Pflock aus seinem Rücken zu ziehen, konnte ihn aber nicht erreichen. Er lief auf Lena zu, die gerade einen weiteren Pflock zu Maurice warf, damit auch dieser eine Waffe in die Hand bekam.
„Aua!“, klagte er, als sie ihn am Kopf traf, während sie dem angreifenden Kilian ihr gesegnetes Kreuz, dass sie aus der Jackentasche zog, ins Gesicht drückte.

Sie roch den Geruch von verbranntem Fleisch und es war kein angenehmer Geruch, während der Vampir aufschrie und sie nach dem Weihwasser in ihrer anderen Tasche tastete. Schnell schraubte sie den Deckel ab, als der Vampir nach ihr griff und schüttete ihm auch das Weihwasser ins Gesicht.

Er rieb sich die Augen und taumelte zurück, während Maurice nun an Lena, die sich nicht wirklich überwinden konnte, den Vampir erneut mit ihrem weiteren Pflock anzugreifen, vorüber lief.

Der BWL-Student rammte dem Vampir seinen Kopf in den Bauch und ging mit ihm zu Boden, während Lena näher trat.
Nun musste sie Kilian wohl oder übel den Pflock ins Herz stoßen und sie wollte sich gerade einen Ruck geben, als Maurice dies für sie erledigte und dann erschöpft zur Seite rollte.

Der Vampir löste sich tatsächlich, wie die Vampire in ihrer Lieblingsserie, auf, aber es war etwas anderes, dies nicht als Spezial Effekt im Fernsehen, sondern statt dessen in der Wirklichkeit mitanzusehen.

Benommen setzte sie sich neben Maurice auf den Boden und war froh, dass es mitten in der Nacht war. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie so jemand erwischte war weitaus geringer als bei Tage. Schließlich setzte sich Maurice auf und starrte auf den Aschenhaufen in einiger Entfernung.

„Der war wirklich ein Vampir! Das hätte ich nie gedacht….Lena, habe ich gerade einen Vampir gepfählt?“, stammelte Maurice mit zittriger Stimme.

Sie nickte und es war ihr ein wenig unangenehm, dass er dies getan hatte. Hatte sie nicht stets damit herum getönt, eine Jägerin zu sein? Eigentlich wäre dies ihre Aufgabe gewesen.

„Das mit dem Weihwasser und dem Kreuz war eine gute Idee“, stellte Maurice nach einer Weile fest und er hielt Lena die Hand hin, nachdem er mit etwas wackeligen Beinen aufgestanden war.

Sie ergriff die Hand und zog sie auf die Füße. Sie sah ihm direkt ins Gesicht. „Findest du? Ich habe es mir irgendwie….cooler vorgestellt. Ich glaube nicht, dass das wirklich meine Berufung ist...und es wird auch niemand außer dir glauben. Selbst im Internet in Vampirforen oder Buffyforen wird man mich für bescheuert halten. Oder Vampire lesen es und tauchen dann vielleicht vor meiner Haustür auf...“
„Bloß nicht! Der eine hat mir gereicht“, sagte Maurice und schenkte ihr ein kleines Lächeln. „Hast du jetzt noch was dagegen, wenn ich dich nach Hause begleite? Wir könnten noch mal über alles reden und zu zweit geben wir glaube ich ein besseres Vampir-Jäger Team ab, nur für den Fall des Falles.“

„Ja, bring mich nach Hause. Nur für den Fall, dass noch mal ein Vampir auftaucht“, sagte Lena und langsam machten sie sich auf den Heimweg.


ENDE
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