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5 Yen Boy

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Hiyori Iki Yato
15.05.2020
27.02.2021
23
69.938
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Hiyori blickte sich bereits zum zweiten mal suchend um und musste sich gestehen, dass sie keine Ahnung hatte, wo sie und Ami hier gelandet waren.

"Also...Ami-chan, ich glaube nicht, dass das der richtige Weg ist."

Sie wischte sich einmal über ihre Stirn und atmete die warme Luft ein. Es war ein früher Freitagabend Anfang Mai und eigentlich wollten sie schon längst bei Yama sein, die heute ihre Einweihungsparty in ihrem neuen 1-Zimmer Apartment gab, doch irgendwie schienen sie die falsche Richtung eingeschlagen zu haben. Ausgerechnet heute, wo sie ausnahmsweise mal keine Sneakers oder Ballerinas sondern Sandaletten mit Absatz trug.

"Weißt du was, ich versuche Yama nochmal anzurufen, hier scheint der Empfang etwas besser zu sein."

Hörte Hiyori ihre Freundin von weitem rufen und nickte ihr zu, bevor sie ihre Handtasche öffnete und darin nach Kleingeld suchte.

"Ami-chan, da vorne ist ein Schrein, die haben dort bestimmt ein paar Getränkeautomaten! Ich bin halb am verdursten, bin gleich wieder daaaa..."

oOo

"Tchh..."

Yato warf eine langweilige Sportzeitschrift hinter sich und lehnte sich auf seinen Arm, der auf der Verkaufstheke ruhte. Nicht, dass hier im Allgemeinen sonderlich viel los war, schließlich befanden sie sich im Schrein der Göttin der Armut, aber dass gar keine Gäste kamen und das an einem Freitag, war sonderbar. Kofuku und Daikoku wollten einige Erledigungen machen, also sagte er kurzfristig zu, die letzte Schicht in ihrem Verkaufsladen zu übernehmen. Hätte er das vorher gewusst, wäre er zu Hause geblieben, schließlich musste er morgen ja auch arbeiten.

"Hoffentlich kommen die Beiden bald wieder, ich sterbe vor Langeweile..." murmelte er vor sich hin und lauschte dann einen Moment, da er schnelle Schritte hörte. Es kamen also doch noch ein paar Gäste vorbei, gut dann hatte er wenigstens etwas zu tun. Yato trommelte mit seinen Fingerspitzen ein paar Sekunden ungeduldig auf die Verkaufstheke, doch nichts passierte. Stattdessen hörte er ein leises Fluchen, das aus der Nähe der Automaten kam.

"So ein Mist aber auch!"

Er verließ den kleinen Laden und erblickte eine junge Frau, die mit dem Rücken zu ihm stand und in ihrer Brieftasche kramte.

"Shit..." flüsterte er leise vor sich hin und konnte seine Augen nicht von diesen langen Beinen nehmen, die in schwarzen, hohen Schuhen steckten. Sie trug einen kurzen, violetten Rock mit dezentem Blumenmuster und eine weiße kurzärmlige Bluse, die teilweise von ihren langen, braunen Haaren verdeckt wurde. Er hatte noch nicht mal ihr Gesicht gesehen und sein Herz schlug bereits schneller.

"Uhm, hey! Kann, kann ich dir helfen?"

Hiyori wirbelte erschrocken herum und nochmals stockte sein Atmen, als er in ihre strahlenden, pink funkelnden
Augen blickte, die ihn überrascht und fragend ansahen.

"Oh hi, naja ich wollte nur schnell eine Flasche Wasser kaufen, aber mir fehlen leider 5 Yen..."

Sie grinste etwas peinlich berührt, da sie ihre Münzen bereits in den Automaten geschoben hatte, der den Rest verlangte.

"Ohh ach so, warte..."

Er griff in die Hosentasche seiner Jeans und zog ein paar 5 Yen Münzen hervor, die er ihr grinsend unter die Nase hielt.

"Tja da hast du Glück gehabt, ich habe davon immer welche einstecken. Hier bitte!"

Sie lächelte ihn schüchtern an und nahm sich eine davon, die sie sogleich in den dafür vorgesehenen Schlitz warf. Mit einem lauten Rumpeln, fiel die Flasche in die Ausgabe, die sie sogleich raus nahm.

"Danke nochmal, arbeitest du hier? Dann bringe ich dir nächste Woche das Geld vorbei."

Yato winkte ab und schüttelte den Kopf.

"Freunde von mir betreiben den Schrein, sie sind aber gerade unterwegs etwas erledigen und ich springe ein. Es kommen nicht so viele Leute hier raus, zu dem Schrein der Armutsgöttin weißt du?!"

Er lachte und Hiyori spürte die Hitze in ihre Wangen steigen.

"Wie passend..." kicherte sie und setzte die Wasserflasche an ihren Mund um einen großen Schluck davon zu nehmen.

"Wusstest du nicht, welcher Gott hier verehrt wird? Was machst du dann hier?"

Seine Hände wanderten in seine Hosentaschen und er wurde etwas nervös, als er nochmals seinen Blick so unaufällig wie möglich über ihren Körper wandern ließ.

"Also ich..."

"Hiyooooriiiiii!!!""

Sie wurde durch das rufen und winken ihrer Freundin unterbrochen, die ihr andeutete zu ihr zu kommen.

"I-ich muss los, Danke nochmal für deine Hilfe! Bis bald..."

Sie verbeugte sich kurz drehte sich im nächsten Moment um und lief schnellen Schrittes los.

"Hey, warte mal....Hiyori..."

Seine Stimme war zu leise und der Satz kam zu spät. Wieso hatte er auch nie den Mut seinen Mund aufzumachen, wenn es um eine hübsche Frau ging. Sonst quatschte er doch auch den halben Tag nur sinnloses Zeug! Hiyori, ein schöner Name, er kam ihm irgendwie bekannt vor. Auch diese Augen, irgendwo hatte er sie schon mal gesehen. Zeit ein paar Nachforschungen anzustellen, eine leise Idee hatt er ja.

"Und? Hast du sie erreicht?"

Die Brünette trank noch einen Schluck und hob ihrer Freundin die Flasche hin, die jedoch dankend ablehnte.

"Jaaaa...sie sagte an der Bushaltestelle rechts und dann links. Wir sind vorhin gleich links gelaufen. Sorry, mein Fehler. Fujisaki-san kommt uns entgegen gelaufen."

"W-was?? Er ist wieder da? Dachte er wäre immer noch in Sapporo, ganz weit weg. Dieser schleimige Idiot!"

"Hiyori...es ist fast 3 Jahre her und ihr wart nur kurz zusammen. Zeit das Kriegsbeil zu begraben, findest du nicht?"

"Hach ich weiß nicht, ich kann ihn einfach nicht leiden und..."

"Hiyoriii-chan, Ami-chan! Da seit ihr ja..."

"Urghh, wenn man vom Teufel spricht..."
fauchte sie und fing sich einem bösen Blick von ihrer Freundin ein. Ihr Blick wanderte eimal kurz über ihren Ex, der eine helle, enge Jeans und ein schwarzes, schlichtes T-Shirt trug und sie einfach nur blöd angrinste.

"Und ich hab mich auf einen schönen Abend gefreut!" meckert sie weiter und spürte ohne Vorwarnung seinen Arm, der sich um ihre Schulter legte.

"Na komm schon Hiyori-chan. Wir haben uns so lange nicht gesehen! Lass uns was trinken und über die letzten 3 Jahre sprechen, du bist wirklich noch hübscher geworden!"

"Vergiss es!"

Sie schlug seinen Arm weg und wechselte die Seite, damit sie nicht mehr neben ihm laufen musste und war umso froher, dass Ami ihn ganz schnell in ein Gespräch verwickelte, dem sie nicht wirklich folgte. Anscheinend war ihr die Situation genauso unangenehm wie ihr. Ihre Gedanken wanderten nochmal zu dem jungen Mann zurück, den sie gerade in diesem Schrein traf. Seine Augen. Sie kannte diese fast schon mystischen, eisblauen Augen, in denen Mann versinken konnten. Seine Haare, die er zu einem kleinen Zopf gebunden hatte, schimmerten im selben violett wie der Rock den sie trug. Ansonsten war er mit einem schlichten, weißen T-Shirt und einer schwarzen Hose bekleidet, die er auf Grund der Hitze etwas hochgekrempelt hatte. Er sah weitaus besser aus als dieser Idiot, der schon wieder neben ihr lief. Doch woher kannte sie ihn? Sie musste später mal die Twitter Accounts von alten Schulfreunden checken. Vielleicht wurde sie ja fündig!

oOo

"Da seit ihr ja endlich!"

Die Sonne ging gerade unter, als Daikoku, gefolgt von Kofuku den kleinen Laden betrat. Sie waren beide bepackt mit Tüten voller Lebensmittel, die sie auf dem Boden abstellten.

"Tut mir leid, Yato-chan! Es war heute mega voll und wir mussten in mehrere Läden um alles zu bekommen, was wir wollten. War alles ok?"

"Ja, es war überhaupt nichts los. Hab mich drei Stunden zu tode gelangweilt. Ihr hättet einfach zulassen können."

"Ach, hör auf zu meckern!"

Daikoku nahm eine Dose Bier aus dem Kühlschrank und drückte sie ihm in die Hand, bevor er sich eine Zigarette anzündete.

"Hier, für deine Mühen, die du anscheinend nicht hattest."

Er nahm einen tiefen Zug und bließ den Rauch aus seiner Lunge.

"Jetzt mal ehrlich, keine Gäste?"

Yato öffnete die zügig das Bier und trank einen Schluck.

"Naja, 2 Kids die ein Eis wollten und..."

Er spürte plötzlich seine Wangen glühen.

"Eine junge Frau, die ein Wasser gekauft hat."

"Eine junge Frau?" quietschte Kofuku, die eigentlich gerade ein paar Einkäufe verräumte und sofort auf die beiden Männer zugestürmt kam.

"J-ja. Sie war anscheinend mit einer Freundin unterwegs und hatte Durst, auf jeden Fall fehlten ihr 5 Yen und ich hab ihr ausgeholfen."

"Uhh und wie hieß sie?"

"Hiyori" antwortete er wie aus der Pistole geschossen, immer noch etwas verlegen. Kofuku grinste ihn dreckig an und kam ihm noch ein Stück näher.

"Also habt ihr euch unterhalten? Du und Hiyorin?"

"Hiyorin? Warte mal, ich kenne sie nicht ok und ich hatte keine Zeit mich mit ihr zu unterhalten, weil ihre Freudin sie zu sich gerufen hat! Sie kommt vielleicht nächste Woche nochmal vorbei um die 5 Yen zurück zu bringen."

Daikoku verschluckte sich fast an seinem Bier, das er gerade geöffnet hatte. Er schlug Yato einmal mit der flachen Hand auf den Hinterkopf, der gleich darauf protestierte.

"Du wolltest sie zurück? Du hast echt ein Problem mit diesen Münzen mein Freund!"

"Aua! Hey, was soll das? 5 Yen sind nunmal 5 Yen und du weißt, wie sehr ich das Geld brauche. Ich muss ja irgendwie mein Studium finanzieren und meine Miete zahlen! Nicht jeder hat so ne Hütte hier geerbt wie du! Ich gehöre zum hart arbeitenden Volk und außerdem, werden mir diese kleinen Münzen irgendwann mal Glück bringen! Irgendwann werde ich reich sein und kaufe mir mein eigenes Haus, in dem ich mit meiner wunderschönen Frau leben werde!"

"Oh, du meinst mit Hiyorin?"

Kofuku sah ihn fragend an, kicherte und fing sich direkt einen bösen Blick ihres festen Freundes ein.

"Ganz genau mit Hiyo...nein warte...ich hab dir eben schon gesagt, ich kenne sie nicht."

Daikoku rollte mit den Augen und griff eine der Tüten, um diese in ihren privaten Wohnbereich zu tragen.

"Schluss jetzt. Musst du nicht nach Hause? Yukine-kun wartet sicher schon auf dich!"

"Oh man, das hab ich ganz vergessen. Der Bengel ist ja auch noch da."

"Super Cousin bist du!"

"Ach,...Yukine ist mir Sicherheit bei Suzuha oder er bei uns. 15 ist echt ein schwieriges Alter, anstatt für die Schule zu lernen, zockt er lieber."

"Kenne da noch so jemanden, der auch noch mit 21 lieber an Automaten seine hart verdientes Geld verzockt und sich dabei betrinkt, als für die Uni zu lernen."

"Mein Gott Kokki, das war einmal, wo du mich da rausholen musstest!"

Yato sah, wie das Gesicht des großen Mannes eine ungesunde Farbe annahm. Er hasste es, wenn er den Namen verwendete, denn Kofuku ihn spaßeshalber gegeben hatte.

"Mach das du..."

"Bin schon weg! Danke für das Bier! Bye Kofukuuuuu!!!" rief er noch, als er seine Beine in die Hand nahm und schnellen Schrittes davon lief. Zum Glück war sein Fußweg nicht so weit, Yukine wartete vielleicht wirklich schon auf ihn.
 
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