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My Australian Ex-Boyfriend

von Carolin-K
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Ashton Irwin Calum Hood Luke Hemmings Michael Clifford OC (Own Character)
15.05.2020
21.03.2021
22
29.901
8
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Dieses Kapitel
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07.06.2020 2.459
 
Es vergingen zwei weitere Tage bevor ich beschloss, dass es Zeit war, um mit meiner Vergangenheit abzuschließen. Ein Blick auf mein Handydisplay zeigte mir, dass es schon kurz nach elf war. Es müssten also alle Bewohner des Hauses wach sein und sich auf der Terrasse zum gemeinsamen Frühstück versammelt haben.

Rasch schlüpfte ich in eine schwarze Sporttight sowie in ein dunkelblaues Top, zog mir meine Sportschuhe an und band mir meine Haare zu einem hohen Zopf zusammen. Anschließend kniete ich mich vor das Bett und holte dort eine kleine Holzkiste hervor.

In ihr lagen meine Tagebücher aus meiner Teenagerzeit, welche meine Geschichte erzählten. Seit 2015 blieb die Kiste von mir ungeöffnet. Das war bis heute vier Jahre her. Ich vermied es, die Kiste anzufassen. Zu sehr hatte mich der Inhalt verletzt und gleichzeitig auch verändert.

Ich holte noch einmal kräftig Luft, bevor ich die Zimmertür öffnete und in die angrenzende Küche trat. Lautes Gelächter erklang vom Garten und ließ mich erzittern. Ich hatte jetzt doch schon wieder Angst, wie sie nach meinem Geständnis reagieren würde.

„Guten Morgen!“ Zögerlich, die Kiste fest mit beiden Händen gepackt, betrat ich die Holzterrasse, an dessen großen Tisch Calum, Luke, Michael und Ashton, sowie die drei Mädels Sierra, KayKay und Crystal Platz genommen hatten. Petunia, Duke, Southy und Moose hatten mich währenddessen noch nicht entdeckt, da sie wild miteinander im Garten spielten. Petunia war Lukes American Bulldog Hündin, Duke gehörte Calum und war ein etwa dreißig Zentimeter großer Mischling. Southy war ein beiger Chihuahua, während Moose eine Pudelhündin war, welche fast dieselbe Fellfarbe aufwies, wie Southy.

„Guten Morgen!“, kam es nach und nach von ihnen allen zurück, außer von Ashton, der knurrte nur etwas Undeutliches. Dafür handelte er sich jedoch einen Ellbogencheck seiner Freundin ein, welche mir zaghaft zu lächelte.

„Möchtest du einen Kaffee?“ Calum war schon im Begriff, die letzte leere Tasse auf dem Tisch mit dem heißen Gold zu füllen.

„Danke, vielleicht später!“, winkte ich ab, „Was hast du vor?“ Crys schien die Einzige zu sein, die die Kiste in meinen Händen so richtig realisierte.

„Ich will eure gute Stimmung nicht trüben, aber“, fing ich vorsichtig an, und warf Ashton einen raschen Blick zu. „Ihr wolltet wissen, warum ich damals abgehauen bin!“ Kaum hatte ich die Worte ausgesprochen, da kam Leben in die Truppe. Die Jungs, welche vorher noch entspannt zurück gelehnt auf den Stühlen saßen, setzten sich aufrechter hin. Sogar Ashton blickte mich zum ersten Mal so richtig wieder an. Der grimmige Ausdruck im Gesicht blieb bestehen, dass er sich jedoch zu mir wandte, war der erste Schritt in die richtige Richtung.

„Bist du dir sicher?“ Crys legte sanft eine Hand auf meinen Unterarm und suchte meinen Blick.
„Ja!“, sprach ich aus. „Ich bin schon viel zu lange vor meiner Vergangenheit davon gelaufen. Jetzt soll es enden.“ Ich versuchte unbekümmert zu klingen. Dass mir Tränen in die Augen stiegen, konnte ich dennoch nicht verhindern.

„Hier in der Kiste befindet sich alles, was damit zu tun hat.“ Mit diesen Worten reichte ich Luke die Kiste. „Seht euch das an. Vielleicht versteht ihr es dann!“ Dabei blickte ich nacheinander Luke, Calum und Mickey an, „Vielleicht verstehst du-…“ Ich sah zu Ash, der mir starr, ohne eine Miene zu verziehen entgegen schaute. „…-warum ich gegangen bin. Entschuldigt mich, wenn ich nicht dabei sitzen möchte.“ Ein lautes Schluchzen unterdrückend, wich ich Crys aus, die sich mir in den Weg stellen wollte. Ich lief am Haus vorbei, über den Hof zum angrenzenden Bungalow, wo sich das private Fitnessstudio der Jungs befand. Dank des gleichen Codes, den man für das Tor an den Einfahrt benötigte, konnte ich die Glastür öffnen und stand wenig später im Gym.

Dank der verglasten Wände des Bungalows fiel von allen Seiten sehr viel Licht hinein und ließ den großen Raum offen und freundlich wirken. Ich entdeckte wirklich für jede Muskelgruppe Trainingsgeräte sowie zwei Laufbänder, eine Hantelbank, zwei Fahrräder und unzählige Kraftstationen, bei dessen Anblick ich schon ins Schwitzen geriet. In einem Regal an der Wand lagen frische Handtücher, eine große Musikanlage stand daneben genauso wie eine kleine Bar in der anderen Ecke.

Ich verband mein Handy mit der Anlage, sodass wenig später meine Fitness Playlist von Spotify durch den ganzen Raum schallte. Während sich die vier Jungs und die drei Mädels sich durch meine Vergangenheit wühlten, würde ich mich hier austoben. Seitdem ich hier in LA war, hatte ich mich noch keinen Tag sportlich betätigt. Ich vermisste es. In Sydney lief ich jeden Morgen etwa eine Stunde, bevor ich mit der Arbeit begann. Es war sogesehen mein tagtägliches Ritual.

Nach zwanzig Minuten auf dem Laufband war ich zumindest so warm, dass erste Schweißtropfen sich ihren Weg über meinen Körper bahnten. Als nächstes folgten jeweils 3 mal 20 Wiederholungen auf dem Bauch- und Rückentrainer. Ich befand mich gerade in der Liegestützposition und zählte die zehnte, als plötzlich die Tür zum Bungalow aufgerissen wurde. Erschrocken brach ich zusammen und landete bäuchlings auf der türkisen Yogamatte, die ich vorher ausgerollt hatte.

Ächzend, wer mich gerade störte, stemmte ich mich hoch und begegnete Ashtons wilder Miene. Da noch immer meine Musik lautstark über die Lautsprecher ertönte, tippte ich auf Beenden und richtete mich auf.
„Warum hast du nie was gesagt?“ Ashtons Stimme bebte, als er mich ansprach. Tränen schimmerten in seinen grünbraunen Augen. Er sah verletzt aus. Am liebsten hätte ich meinen Ex Freund umarmt und getröstet.

„Was hätte es geändert? Nichts! Ihr wart gerade auf dem Weg nach ganz oben! Ich wollte es euch einfach nicht kaputt machen. Ihr habt es einfach verdient gehabt!“ Nun stiegen auch mir Tränen in die Augen. Ich wollte ihnen damals einfach nicht alles vermasseln!

“Und du hast darunter gelitten!”, unterbrach er mich mit scharfen Worten. “Die Fans haben dich fertig gemacht! Das ist Mobbing! Die Kommentare 'Verpiss Dich', 'Du passt nicht zu Ashton’, 'Lass Ash in Ruhe, er ist meiner!'. Kaum spuckte Ash die Wort angewidert aus, erschienen die Kommentare bildlich vor meinem inneren Augen.

Unterdrückt begann ich zu keuchen. Jetzt sich nach so langer Zeit wieder mit der dunklen Vergangenheit zu befassen, war noch schlimmer, als ich es mir jemals vorgestellt hatte.
“Die Kommentare unter deinen Fotos aus Twitter, Instagram und Facebook. Wir hätten dagegen vorgehen können.“ Ashton klang verletzt. „Hast du mir so wenig vertraut?“

„Was? Nein!“, protestierte ich. „Ich habe dich geliebt und nur deshalb bin ich gegangen. Ich habe mir gedacht, wenn ich von der Bildfläche verschwinde, dann hört das Alles auf. Ich habe dich in all den Jahren geliebt und vermisst, das musst du mir glauben. Aber wäre ich bei dir geblieben, ich wäre an dem Hass der Fans kaputt gegangen. Sie haben mich in der Uni, auf der Straße und auch Zuhause aufgelauert. Ich musste daran etwas ändern. Ich hätte das nicht länger ertragen können.“ Je mehr ich mich in Rage redete, umso mehr Tränen liefen mir die Wangen hinunter. Sie ließen mich unscharf sehen, sodass ich nicht sah, dass Ashton mit schnellen Schritten näher trat und mich umarmte.

Fest zogen mich seine Arme an seinen warmen Körper, der in schwarzen Jeans und einem weißen T-Shirt steckte. Laut aufschluchzend lehnte ich meinen Kopf an seine Brust und krallte meine Finger in dem weißen Stoff seines T-Shirts. Wieso fühlte ich mich so schwach? Wieso war ich so hilflos und armselig? Wärme und Ashtons Geruch umfing mich, ließ mich noch stärker schluchzen. Er roch genauso wie früher, anscheinend benutzte er noch immer das gleiche After Shave, was mich ein klein wenig lächeln ließ.

„Ssssshh, es ist alles gut. Du bist da, das ist das Einzige, was zählt. Du warst stärker, als all die eifersüchtigen Kinder“, flüsterte Ashton. Ich spürte seine Hände auf meinem Rücken, die zarte Kreise malten.

Er löste die Umarmung, schob mich etwas von sich, aber nur so viel, dass er mir ins Gesicht sehen konnte. Seine Hände umschlossen sanft mein Gesicht und strichen die letzten Reste meiner Tränen weg. Auch auf seinem Gesicht konnte ich getrocknete Spuren von Tränen erkennen.

„Alles wieder in Ordnung?“ Seine Stimme klang zaghaft. Keine Anzeichen von Wut waren mehr in seinem Gesicht zu finden. Eher so etwas wie Schmerz. Ich nickte stumm, unsicher, was seine Gefühlsschwankungen, als nächstes anstellten. Bei Ashton war man da nie sicher vor.

„Ich glaube wir sollten zurück zu den Anderen. Sie machen sich auch schon die größten Vorwürfe“, sprach Ashton und ergriff meine Hand. Nur sehr zögerlich folgte ich ihm nach draußen in die mittlerweile heiße Mittagssonne, geradewegs in Richtung Garten bzw. Pool.

Schon von weitem sah ich, dass Calum, Luke und Michael in Badeshorts neben Sierra und Crystal am Poolrand saßen. Sorgenfalten und bedrückte Mienen zierten ihre Gesichter. Von KayKay war nichts zu sehen. Sierra war die Erste, die uns kommen sah und deutete in unsere Richtung. Keine zehn Sekunden später befand ich mich in einer Umarmung mit drei oberkörperfreien Männern, die sich meine Freunde schimpften.

„Du Schlumpf, warum hast du denn nie etwas gesagt?“ Mikey sprach als Erster und klang so enttäuscht, dass ich ein schlechtes Gewissen bekam.
„Es tut mir leid, aber ich wollte euch nicht noch mit meinem Ärger unter Druck setzen. Ihr wart doch gerade auf euren ersten Touren“, antwortete ich leise.

Ich quiekte laut auf, als Lukes Finger mich in meine rechte Seite pikste. „Falsche Antwort! Wir sind beste Freunde, du warst mit Ashton zusammen und hattest wegen uns so ein Ärger!“

„Nächstes Mal erzählst du uns sowas sofort, verstanden?!“ Calum tippte mir mit seinem Zeigefinger auf die Nasenspitze und schien auf Antwort von mir zu warten. Ergeben nickte ich mit dem Kopf. Bei Sierra und Crystal dauerte es ein wenig, bis sie sich wieder beruhigten. Schließlich wurde ich von beiden in eine liebevolle Umarmung gezogen.

„Wie viel Uhr haben wir eigentlich? Ich habe heute noch einen Kundentermin?“ entwand ich mich einige Minuten später aus der Umarmung der beiden Freundinnen. Dank der Aussprache hatte ich die Uhrzeit komplett aus meinen Gedanken gestrichen.

„Aber...aber“, fing Crystal an. „Du kannst jetzt nicht so einfach weg.“
„Mir geht es gut!“ Ich schenkte ihr ein kleines Lächeln, bevor ich dann wirklich im Inneren des Hauses verschwand. Im Gästezimmer machte ich mich kurz frisch und schlüpfte in eine schwarz weiß gestreifte, seriös wirkende Bluse und eine schwarze Jeans. Dazu zog ich schwarze High Heels über, bevor ich mich meinem Gesicht und den Haaren zu wandte. Rasch war ein neuer Lidstrich gezogen, die Wimpern getuscht und meine Haare zu einem lockeren Knoten gebunden.

Ich ergriff meine Handtasche und überprüfte, ob alles was ich brauchte eingesteckt war. Laptop, Taschenkalender, Handy, Schlüssel, Portemonnaie und meine Sonnenbrille. Ich war froh, dass ich trotz des persönlichen Roadtrips, einige Kundenaufträge unter Dach und Fach bringen konnte. Ich war Fotografin mit Leib und Seele. Besonders Naturaufnahmen haben es mir angetan. Aber auch Termine für Geburtstage, Hochzeiten oder auch für Firmenfeiern nahm ich wahr. Seitdem ich seit einigen Jahren eine eigene Website besaß, hatte ich mir einen beachtlichen Kundenstamm erarbeiten können, welcher mich immer wieder gerne buchte. Es freute mich immer riesig, wenn genau dies der Fall war. So erfuhr ich, dass meine Arbeit, die ich so sehr liebte, geschätzt wurde. Dass meine Arbeit genauso geliebt wurde, wie ich es selber auch tat.

Nach einer kurzen Verabschiedung, stöckelte ich langsam zu meinem Wagen. Gott sei Dank hatte ich die Autoschlüssel direkt draußen gelassen, ansonsten hätte ich sie in den Tiefen meiner schwarzen Ledertasche suchen müssen.

~ ~ ~

Es war schon spät, weit nach 11p.m., als ich für heute fertig war. Meine Kundin, eine extravagante Künstlerin namens Mrs. Minton, würde nächstes Jahr ihren 50. Geburtstag feiern und wollte, dass ich sie ein komplettes Jahr mit der Kamera begleiten sollte. An sich ein lukratives Jobangebot, da sie mir zusätzlich ein eigenes Apartment bereitstellen wollte. Sie war großer Fan meiner Fotografien. Ich hatte ihre Anfrage vor wenigen Wochen per Mail erhalten, nachdem sie sich wohl meine Homepage #PhotographiesChrisTinaWilliamsSydney angeschaut hatte. Ich war von Anfang an Feuer und Flamme gewesen. So ein Großprojekt war der absolute Wahnsinn, dass man nicht häufig bekam. Es machte mich sogar richtig stolz, dass ich als zweiundzwanzig Jahre junge Fotografin für so ein Projekt gefragt wurde.

Eigentlich war ich für 6 p.m. mit ihr verabredet gewesen, aber sie hatte vorher angerufen, dass ihr etwas dazwischen gekommen war und sie den Termin zwei Stunden nach hinten versetzen müsste. Ich hatte natürlich zugesagt, ich wollte mir den Auftrag ja nicht verscherzen. Wir waren also in einem sehr schicken Restaurant essen. Es gab ein vier Gänge Menü, wobei die Portionen so klein waren, dass mir jetzt fast vier Stunden später der Magen wieder knurrte.

Am liebsten würde ich auf dem Heimweg zum Bandhaus noch bei Mecces halten und mich mit fettigen Fast Food vollstopfen. Aber wenn ich jetzt den fettigen Kram essen würde, läge ich die ganze Nacht mit Magenproblemen schlaflos im Bett und würde nicht schlafen. Also verzichtete ich darauf und fuhr geradewegs an dem großen gelben M vorbei, weiter zu meinem vorläufigen Zuhause. Als ich dort ankam war alles schon dunkel. Anscheinend schliefen alle schon. Kein Wunder, es war spät, der Tag war lang und ich würde auch am liebsten ins Bett gehen.

Doch vorher musste ich duschen gehen. Ich war verschwitzt und meine Haare klebten, trotz des hohen Zopfes mir im Nacken. Leise, um niemanden zu wecken, öffnete ich die Haustür und lief im Dunkeln durch den Flur in das Esszimmer und weiter in mein Zimmer. Dort legte ich meinen Rucksack ab, zog mich bis auf die Unterwäsche aus und lief mit meinen Schlafsachen in der Hand ins angrenzende Badezimmer.

Erfrischt vom kühlen Wasser und duftend nach meinem Lieblingsduschgel mit Kokos, öffnete ich vorsichtig die Zimmertür. Ich holte mir eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank, bevor ich leise die Terrassentür öffnete und mich dort etwas abseits in die Hollywoodschaukel setzte. Das Näherkommen von Schritten holte mich aus meinen Gedanken zurück. Eine Vorahnung sagte mir, dass es Ashton war, der wenige Schritte hinter mir stehen blieb. Ein kurzer Blick über die Schulter bestätigte es nur noch. Seine rot gefärbten Haare hingen ihm verschwitzt im Gesicht. Er trug Sportkleidung und atmete schwer ein und aus. Es schien mir so, als hatte er gerade Sport getrieben, anders konnte ich es mir nicht vorstellen.

Ich sah wieder auf die erleuchtete Stadt. Los Angeles war eine grandiose Stadt, besonders  für Musiker. Sie war strahlend schön, roch nur so nach Gold und Glitzer, ganz anders als Sydney, die Heimat von den Jungs und mir. Kein Wunder also, dass die Band hier ihr Leben verbrachte. Dass es etwas abseits vom Trubel so ruhige Plätze, wie das Grundstück von Five Seconds of Summer gab, hätte man nicht erahnen können.

„Es tut mir leid.“ Ashton klang bedrückt, fragend sah ich ihn an. „Das ist alles meine Schuld!“
„Quatsch! Die Einzige die Schuld hat, bin ich, weil ich nichts gesagt habe“, fuhr ich ihn an.
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