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My Australian Ex-Boyfriend

von Carolin-K
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Ashton Irwin Calum Hood Luke Hemmings Michael Clifford OC (Own Character)
15.05.2020
14.02.2021
21
29.066
8
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Dieses Kapitel
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15.05.2020 3.235
 
Los Angeles

Nervös und mit laut klopfendem Herzen zog ich die Handbremse des grauen Range Rovers an und blickte geradewegs auf ein schmiedeeisernes Tor, das von einer hohen Steinmauer umgrenzt wurde. Die gekieste Auffahrt dahinter verlor sich einer schlängelnden Linie die Anhöhe hinauf. Ich befand mich mitten in West Hollywood, ohne wirklich zu wissen, wo ich war. Zwei Überwachungskameras, eine links und eine rechts vom Tor, schienen mich zu beobachten. Lauer Wind, welcher durch die geöffneten Fenster ins Auto gelangte, ließ mir meine Haare ins Gesicht wehen. Angewidert fischte ich eine Strähne aus meinen Mund. Igitt. Wie ich das doch hasste! Deswegen band ich meine Haare meist zusammen, damit so etwas nicht passierte.

„Sie haben Ihr Ziel erreicht“, schnarrte die weibliche Stimme meines externen Navigationssystems, dass ich an die Windschutzscheibe geklemmt hatte
„Ja, doch!“ Genervt von dem unnötigen Geplapper drückte ich den OFF – Knopf und lehnte mich erleichtert zurück, als sich der kleine Bildschirm schwarz färbte.

Ich ergriff mein iPhone, welches die komplette Fahrt über in einem Fach neben meiner halb leeren Wasserflasche in der Mittelkonsole gelegen hatte. Mit einem Wisch beendete ich die Spotify Playlist, um Whatsapp zu öffnen. Aufgrund meiner vielen Kontakte dauerte es einige Sekunden bis ich den richtigen Chat vorfand. Ich öffnete ihn und tippte los.

Ich (10:07): Hey Sweety ❤ stehe vor eurem Tor macht ihr mir auf?

Crys und ich waren erst spät in der Nacht schlafen gegangen, die Vorfreude auf den heutigen Tag hatte uns beide wach gehalten. Trotzdem verspürte ich keine Müdigkeit.

Nur wenige Augenblicke später erschien das kleine “...schreibt” unterhalb ihres Namens. Ein vorfreudiges Lächeln breitete sich auf meinen Lippen aus, während ich auf ihre Antwort wartete.


Crys ❤(10:10): Hey Baby❤ Mikey öffnet es dir sofort bis gleich

Wenige Augenblicke später öffnete sich tatsächlich wie durch Geisterhand leise quietschend das Tor. Erst als es komplett geöffnet war, startete ich den Motor wieder und fuhr vorsichtig auf das Grundstück. Palmen, fremd aussehende Gehölze und eine riesige Rasenfläche breiteten sich rechts von mir aus. Der anthrazitfarbene Kies hinterließ ein knirschendes Geräusch, als ich dem schmalen Weg die Anhöhe hinauf folgte.

Ein Blick in den Rückspiegel zeigte mir, dass sich das Tor wieder in Bewegung setzte. Eine gefühlte Ewigkeit später verbreitete sich der gekieste Weg zu einem großen Vorplatz, der vor einem riesigen Haus, eher gesagt einem modernen Gebäudekomplex aus weiß glänzender Verkleidung und viel Glas, endete. Dasselbe moderne Design spiegelte sich auch in einem kleinen Bungalow auf der linken Seite wieder. Es war wunderschön! Aber gleichzeitig auch ein wenig einschüchternd!
Beides wurde von einer Rasenfläche, Palmen und kunstvoll arrangierten Beeten umgrenzt. Mir schien es, als würde sich eine komplette Kolonne an Gärtner darum kümmern, dass es hier so toll aussah. Ich war beeindruckt.

Sechs Stufen führten zu einer anthrazitfarbenen Haustür, die sich öffnete, als ich den etwas altersschwachen Geländewagen hinter einem weißen Cabrio parkte. Mit einem strahlenden Lächeln, in Jeansshorts und einem weißen Crop-Top, welches die gebräunte Haut nur so betonte, trat Crystal aus dem Haus.
„Chrissy!“ Aufgeregt rannte sie mit Flipflops an den Füßen die wenigen Stufen hinunter und fiel mir um den Hals. Das sie sich nicht die Füße brach, fand ich bewundernswert. Als ich sie das letzte Mal, vor einem halben Jahr gesehen hatte, waren ihre Haare noch in einem ausgewaschenen Rosa gefärbt. Mittlerweile strahlten sie wieder in ihrer natürlichen blonden Haarfarbe, als sie mir ins Gesicht wehten. Um mein Gleichgewicht zu halten, trat ich einen Schritt nach hinten.

„Hey Crys.“ Dankbar für ihre Begrüßung vergrub ich meinen Kopf in ihrer Halsbeuge. Seit Silvester hatten wir nur über die sozialen Netzwerke, also Instagram und WhatsApp Kontakt gehalten. Es war schön, sie jetzt wieder in der Realität zu sehen. Ich hatte sie vermisst, obwohl ich noch nicht lange mit ihr befreundet war.

„Es ist so schön Dich wiederzusehen!“ Meine Hand ergreifend zog sie mich die Treppenstufen zur geöffneten Haustür herauf. An der Tür lehnte nun auch ihr Verlobter Michael. Vor fast fünf Jahren gehörte er zu meinen besten Freunden. Dann gab es eine Zeit, an die ich nicht gerne erinnert wurde. Wir hatten erst seit einem halben Jahr, also seit Silvester, wieder miteinander Kontakt. Ob wir noch immer oder ob wir wieder beste Freunde waren, wusste ich nicht. Seit diesem Zeitpunkt kannte ich auch erst Crystal, seine Verlobte. Wir hatten uns vom ersten Moment an super miteinander verstanden.

„Chrissy! Wie geht es dir?“ Aufgedreht wie ich ihn von früher kannte, zog er mich in eine bärenstarke Umarmung, die mich ein paar Zentimeter vom Boden hob. Erschrocken quietschte ich auf und schlang meine Beine um seine Hüfte, damit ich besseren Halt fand. „Hab Dich vermisst!“, murmelte ich in sein Ohr, sodass nur er es hören konnte. Seine Umarmung wurde, wenn möglich, noch fester. „Ich Dich auch.“ Er setzte mich wieder auf dem Boden ab.

„Keine bunten Haare mehr?“, fragend wuschelte ich mit einer Hand durch seine dunkelblonde Mähne. „Wirst du etwa erwachsen?“ Frech grinsend streckte ich ihm die Zunge heraus. Da ich wusste, dass Michael diesen Spruch nicht auf sich sitzen lassen konnte und wollte, lief ich los. Mikey war der Letzte der vier Jungs, der sich erwachsen benehmen würde.

Schnell lief ich die sechs Treppenstufen hinunter, rechts am Haus und der offenstehenden Garage, in der gefühlt zehn Autos Platz hätten, vorbei, in den weitläufigen Garten. Dieser befand sich wie das ganze Gelände auf einer Anhöhe, sodass man eine tolle Aussicht hinunter ins Tal hatte. Wäre ich nicht so beschäftigt gewesen, damit Michael auszuweichen, hätte ich die atemberaubende Aussicht mit Sicherheit genossen.

Mittlerweile ging mein Atem keuchend und die Hitze Los Angeles’ tat ihr Übriges. Trotz allem lief ich weiter. Auf keinen Fall wollte ich von Mikey gefangen werden. Doch irgendwann protestierten die Muskeln in meinen Beinen und ich strauchelte. Ich fiel und landete auf Knien und Handinnenflächen auf der vor Trockenheit gebräunten Rasenfläche, die sich rund um die Terrasse und dem riesigen Pool ausbreitete.

Mir lief der Schweiß in Strömen den Nacken und Rücken hinunter und wenn ich in den nächsten ein bis zwei Minuten nichts zu trinken bekommen würde, würde ich jämmerlich verdursten. Mit einem lauten ‘Uff’ drehte ich mich auf den Rücken und blickte in den knallblauen Himmel, der mich an den Ozean rund um Sydney, meiner Heimat, erinnerte. Mit einem Kopfschütteln versuchte ich den Gedanken an Heimweh zu löschen und bekam zu spät mit, dass sich eine Hand unter meinen Rücken und eine andere sich in meine Kniekehlen schob. Das Nächste, was ich mitbekam war, dass ich im Brautstil hochgehoben wurde.

Erschrocken darüber drehte ich meinen Kopf und blickte in das frech grinsende Gesicht von Mikey. „Na du! Kannst du etwa nicht mehr?“ Seine Mimik wurde spitzbübisch. „Hast du etwas Wichtiges bei dir? Handy?“ Mir schwante Übles, als er mich so direkt danach fragte, dennoch schüttelte ich den Kopf. Sein Grinsen wurde, wenn überhaupt noch möglich noch breiter und er setzte seinen Weg fort. Erst vor dem riesigen Pool blieb er stehen und bevor ich meine Arme um ihn klammern konnte, ließ er los und schmiss mich voller Wucht ins kühle Nass.

Prustend tauchte ich wieder auf und fuhr mir mit einer Hand über das Gesicht, um meine Haare nach hinten zu streichen. Michael und ich suchten Blickkontakt, bevor wir auf Kommando anfingen zu lachen. Wie sehr hatte ich solche Aktionen in den letzten Jahre vermisst. Mit genau dieser Aktion wusste ich, dass unsere Freundschaft noch immer so stark wie früher war. Wenn nicht sogar noch stärker geworden war. Ich schwamm zu der kleinen Treppe und hangelte mich mit Michaels Hilfe nach draußen.

Meine schwarze Jeans und auch der schwarze Pullover lagen schwer und eng anliegend an meinem Körper. Wasser lief triefend an mir herunter, während meine Schuhe aufgrund der Nässe leise Geräusche von sich gaben.

„Komm her, Kleine.“ Michael öffnete seine Arme weit. Ich ließ es mir nicht nehmen, nass wie ich war, in seine Umarmung zu fallen. Seine muskulösen Arme umschlangen mich und drückten mich an seinen Körper. „Ich hole mal Handtücher und trockene Kleidung!“, mischte sich Crystal ein, welche sich unser Spektakel von der großen Holzterrasse angesehen hatte und das Klackern ihrer Flipflops ertönte.

„Ich hab Dich lieb, Mikey“, murmelte ich und kuschelte mich in seine Umarmung. Sein Geruch stieg mir in die Nase und ließ meine vorher so angespannte Muskulatur entspannen. In seinen Armen fühlte ich mich Zuhause. Er war mein großer Bruder, den ich nie hatte. Er war mein Zuhause.

„Wo ist der ganze Rest? Calum? Luke?” Einen ganz bestimmten Namen ließ ich außen vor. Ihn hatte ich schon seit Jahren nicht mehr in den Mund genommen. Er ließ mich an die dunkelste Zeit erinnern, die ich jemals erlebt hatte und dahin wollte ich auf keinen Fall zurück.

Etwas später trug ich wieder trockene Sachen, die mir Crystal geliehen hatte. Zum Glück waren wir ungefähr gleich groß und ähnlich gebaut, sodass mir ihre Sachen wie angegossen passten.
Mikey und ich saßen am Rande des Gartens im Schatten auf dem trockenen Rasen. An seine Seite gekuschelt, meine Beine quer über seinen Schoß gelegt, genoss ich die Wärme, die von seinem Körper ausging. Seinen rechten Arm hatte er um mich gelegt und so eng an sich gezogen, dass kein Stück Papier zwischen uns passte. Anders wollte ich es in diesem Moment auch überhaupt gar nicht.
Dass Crystal, die in einigen Metern Entfernung in der Sonne lag, nicht eifersüchtig wurde, fand ich bewundernswert. Aber gleichzeitig wusste ich, dass Mikey Crys über Alles liebte und in mir nur seine kleine verloren gegangene Schwester sah. Sie hatte sich extra ausgeklinkt, um uns Zeit zu zweit zu geben. In meinem Schoß gekuschelt lag Southy, während Moose, sich an Mikeys Seite gelegt hatte und schlief. Ich hatte die beiden kleinen Hunde von Crys und Mikey auf Bali kennen und lieben gelernt.

„Luke ist mit Sierra und Calum unterwegs. Sie sollten aber bald zurück sein“, erklärte er und gab mir einen Kuss auf die Schläfe. Dank regelmäßiger Nachrichten und Social Media wusste ich natürlich, wer Sierra war. Sie war seit fast zwei Jahren Lukes Freundin, was mich besonders für ihn freute. Er hatte das Beste verdient, was man bekommen konnte.

„Und...und Ash?“ Meine Stimme klang vorsichtig. Zwar hatte ich auch Schiss vor dem Wiedersehen mit Calum und Luke. Aber das Aufeinandertreffen mit Ash machte mir riesige Angst. Ich würde verstehen, wenn sie mich für meinen kurzen Aufenthalt hier in LA rausschmeißen würden.

„Der kommt erst nächste Woche zurück. Er ist mit Freunden unterwegs“, beruhigte mich Mikey. Gott sei Dank, denn dann wäre ich schon nicht mehr in LA. Ich war seit fast vier Wochen in der ganzen USA unterwegs. Zum einen um mögliche Jobanfragen zu klären und zum anderen um einen Roadtrip zu unternehmen. Die letzten Tage hatte ich nun mit einem Kurzbesuch bei Michael und Crystal verbunden, da ich auch hier in LA einen möglichen Auftrag an Land ziehen wollte.

„Wirst du uns irgendwann erklären, weshalb du abgehauen bist und insbesondere Ash alleine gelassen hast?“ Michaels Frage klang zögerlich. So als hätte er Angst sie mir überhaupt zu stellen. Doch ich konnte es ihm nicht verübeln.

„Ja“, antwortete ich mit leiser Stimme, „Das bin ich euch wohl allen schuldig.“
„Du sollst... -“ Bevor Michael weiterreden konnte, erklang vom Haus her eine mir bekannte Stimme. Das letzte Mal, als ich sie jedoch gehört hatte, war fast fünf Jahre her. Aber ich würde die Stimme von Calum Thomas Hood immer und überall erkennen.
„Was ist denn hier los?“ Da Mikey vor mir saß und mich mit seinem Körper verdeckte und gleichzeitig vor Blicken schützte, sah es wohl für die anderen Bewohner des Hauses so aus, als hätte es einen Streit zwischen dem Paar gegeben.

„Habt ihr Streit?“ Eine fremde, weibliche Stimme erklang. Neugierig lugte ich über Mikeys Schulter und sah eine hübsche, junge Frau mit unglaublich langen, dunklen Haaren und leicht gebräunter Haut. Sie stand neben einem Typen, den ich erst nach wiederholter Musterung als Luke Hemmings erkannte. Anders als früher, trug er keine schwarzen Skinny Jeans mehr, die er früher so geliebt hatte. Auch seine Haare waren viel länger, als bei unserem letzten Aufeinandertreffen. Ich fand aber, dass ihm die langen Locken genauso standen, wie früher die kurzen Haare. Luke hatte seine Hand mit ihrer verschränkt und blickte auch besorgt zwischen Crys und Mikey hin und her.

„Quatsch, alles gut.“ Crys richtete sich auf der Liege auf und blickte zu uns. „Ich glaube jetzt ist der richtige Moment gekommen, oder?“

„Was für ein Zeitpunkt denn?” Calum klang vollkommen verwirrt, als er die Terrasse verließ und auf die Rasenfläche trat. Bis auf seine muskulöse Gestalt hatte er sich kaum verändert.

„Hallo Calum.“ Obwohl mir das Herz bis zum Hals schlug, richtete ich mich hinter Mikey auf. Dieser stand ebenfalls auf und stellte sich neben mich. Seine bloße Nähe ließ mich direkt ruhiger werden, sodass ich bei meinem Gegenüber in einigen Metern Entfernung ein zaghaftes Lächeln schenken konnte.

„Chrissy?“ Er klang ungläubig. Das Hören seiner Stimme ließ mich laut aufschluchzen, bevor sich meine Beine wie von selbst in Bewegung setzen und ich wenig später in seine geöffneten Arme flog. Weinend klammerte ich mich an ihn, schlang zum besseren Halt meine Beine um seine Hüfte und war froh, dass seine Umarmung genauso fest war, wie meine.

Es dauerte einige Minuten bis ich mich wieder unter Kontrolle hatte und Calum mich sanft zu Boden ließ. Tränen schimmerten in seinen braunen Augen, als sich unsere Blicke kreuzten. Doch da war ich schon in einer weiteren knochenbrechenden Umarmung von Luke Hemmings gezogen worden, der mich gar nicht mehr loslassen wollte. Schon wieder traten Tränen in meine Augen. Mit dieser Begrüßung hätte ich im Leben nicht gerechnet. Eher mit Ablehnung und Hass. Mit Sicherheit aber nicht, was sich gerade hier abspielte. Träumte ich? Heimlich kniff ich mir in den Oberarm und unterdrückte einen Schmerzensschrei.

„Ich habe dich vermisst!“ Lukes mittlerweile kinnlange gelockten Haare kitzelten mich, als er seinen Kopf in meine Halsbeuge versteckte. Mein Griff um ihn wurde fester. Ich spürte, wie sich seine Muskeln unter meiner Berührung anspannten.

„Es tut mir leid“, flüsterte ich so leise in seinen Nacken, sodass nur er es verstehen konnte. „Es tut mir so wahnsinnig leid.“ Meine Stimme war vom Weinen rau und ich musste mich mehrfach Räuspern. Er drehte mich vorsichtig um und legte mir einen Arm um die Schulter. Er streckte der dunkelhaarigen Schönheit eine Hand hin, welche sie grazil annahm.
„Schatz, darf ich dir Chrissy vorstellen!“ Er schenkte erst seiner Freundin anschließend mir ein strahlendes Lächeln. „Chrissy, darf ich dir meine Freundin Sierra vorstellen.“ Sein Lächeln blieb, aber man konnte ihm ansehen, dass er gespannt auf meine Meinung war.

„Hallo Chrissy, schön Dich endlich kennen zu lernen. Ich habe schon viel von dir gehört.“ Anmutig setzte sie einen Schritt nach vorne und zog mich in eine liebevolle Umarmung. Der leichte Geruch ihres Parfüms stieg mir in die Nase und ich wusste, sie war die richtige Frau an Lukes Seite. Unauffällig nickte ich ihm zu, merkte wie er erleichtert schien.

„Warum hast du nicht gesagt, dass du wieder Kontakt mit Chrissy hast?“, wandte er etwas verletzt an seinen Bandkollegen Michael. Ich konnte ihn verstehen und wollte gerade etwas sagen, als Sierra, wir hatten uns mittlerweile voneinander gelöst, ihm ins Wort fiel.
„Lasst uns doch an den Tisch setzen, da ist auch Schatten.“ Sie schlang ihre Hand um Lukes Hand und zog sowohl ihn als auch mich mit sich. Der Rest folgte uns widerspruchslos. Rundherum nahmen wir Platz an dem Tisch, an dem bestimmt 15 Personen Platz finden konnten. Luke schenkte Mikey einen derartigen vorwurfsvollen Blick, dass ich nicht anders konnte und ihn in Schutz nahm.

„Mikey kann nichts dafür. Ich habe ihn darum gebeten“, erklärte ich und richtete meinen Blick zuerst auf ihn und anschließend auf Luke, der mich aus seinen azurblauen Augen ansah. „Wir stehen auch eigentlich nur per Zufall wieder in Kontakt. Als ich 2015 ausgezogen bin“, fing ich an. „Du meinst abgehauen! Du hast uns, aber ganz besonders Ashton verlassen. Du warst wie vom Erdboden verschluckt! Dein Vater hatte keine Ahnung, wo du warst! Deine Handynummer gab es nicht mehr, deine Social Media Accounts waren gelöscht! So als hätte es dich nie gegeben! Du hast uns einen beschissenen Brief zurückgelassen! Hast Ashton das Herz herausgerissen und bist darauf herumgetrampelt“, fiel mir Calum mit lauter Stimme ins Wort.

Ich zuckte bei seinen harten Worten, die natürlich stimmten, erschrocken zusammen. „Psst, lasst sie in Ruhe ausreden!“, mischte sich Crystal ein und schlang von hinten ihre Arme um meinen Hals. Sanft massierte sie mir meinen Nacken und sorgte dafür, dass ich mich wieder entspannte.

„Ich bin nach Melbourne gezogen, habe die Uni gewechselt und meinen Abschluss gemacht. Anschließend bin ich für einen Auftrag nach Bali gegangen, habe da schließlich die letzten zwei Jahre gelebt. Dort habe ich dann auch Mikey wieder gesehen. Ich war gerade auf dem Markt, als ich ihn sah. Er stand in einigen Metern Entfernung neben Crystal. Ich habe ihn sofort erkannt, doch bevor ich verschwinden konnte, hatte er in meine Richtung geschaut und mich entdeckt. An seinen schockierten Gesichtsausdruck kann ich mich noch heute erinnern. Am Nachmittag war ich am Strand, an dem ich Crystal getroffen habe.“ Ich lehnte meine Kopf in den Nacken und blickte in Crystals belustigtes Gesicht.

„Du weißt schon, dass es Absicht war?“ Sie zwinkerte mir zu. „Ich wusste natürlich, wer du warst. Michael-...“ Sie warf ihrem Verlobten einen liebevollen Blick zu, den er erwiderte. „...hat mir alles erzählt. Ich musste etwas tun. Mikey war so erschrocken, dich gesehen zu haben. Als ich dir dann das erste Mal in die Augen geschaut habe, wusste ich, dass du ihn genauso vermisst hast, wie er dich.“ Ihre Umarmung um mich wurde fester.

„Schlussendlich haben wir uns zusammengesetzt und miteinander geredet. Da hat Mikey mir auch erzählt, dass er vorhatte Crys einen Antrag zu machen. Ich habe angeboten, die Fotos zu schießen, die ihr wohl alle von Instagram kennt. Seitdem stehen wir nun in Kontakt“, fügte ich leise hinzu. Beschämt senkte ich meinen Blick. Ich war nicht wirklich stolz darauf, was ich mir in der Vergangenheit geleistet hatte. Ich war vor meinen Problemen davon gelaufen, ohne Rücksicht auf Verluste.

„Es tut mir leid! Ich wollte das nicht! Das müsst ihr mir glauben! Aber damals war es die richtige Entscheidung!“ Tränen stiegen mir in die Augen, als ich schon in eine Umarmung von Mikey gezogen wurde. Als sich dann seine Arme um mich schlossen, schluchzte ich erleichtert los. Zu lange hatte ich all dies in mich hinein gefressen und niemanden an mich ran gelassen. Zu sehr hatte ich meine Augen vor meinen Problemen verschlossen. Ich spürte, dass sich nun auch Calum und Luke zu uns gesellten und ich halb unter den drei Riesen begraben wurde. Trotzdem ließ ich es zu, dass sie mich weiterhin umarmten. Ich hatte mein Zuhause wieder. Ich hatte meine Jungs wieder! Das war fürs Erste das Wichtigste für mich..

„Wir sind dir nicht mehr böse! Es muss wohl ein triftiger Grund gewesen sein, dass du gegangen bist“, flüsterte Luke. Calums Griff um meine Hüfte wurde fester. Mein Nicken war wohl Antwort genug.

Nach einer Weile, die Jungs wollten mich nicht mehr loslassen, setzten wir uns wieder hin. Mittlerweile war es schon spät geworden, der Himmel zeigte die ersten Sterne. Das Feuer im Feuerkorb, der vor einiger Zeit angezündet wurde, war fast erloschen, als Crystal erneut gähnend erklärte: „Lasst uns schlafen gehen, morgen ist ein neuer Tag.“ Erleichtert nickte ich. Ich war hundemüde. Der Tag lag mir schwer in den Knochen. Ich wäre froh, wenn ich endlich in einem bequemen Bett schlafen durfte.
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