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Waffenbrüder Staffel 1 - 2. Was tust du mit mir?

KurzgeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / MaleSlash
Aramis Athos D'Artagnan Porthos
15.05.2020
15.05.2020
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Hallo, meine lieben Leser!

Heute ein kurzer OneShot aus der Reihe „Waffenbrüder“. Er kann sehr gut für sich allein gelesen werden, steht aber im großen Zusammenhang mit den anderen „Waffenbrüder“-Geschichten.

Er nimmt Bezug auf die Ereignisse von 1x02 „Das Attentat“. Für die, die die Serie nicht kennen oder nicht mehr gut in Erinnerung haben, hier ein paar knappe Informationen zum besseren Verständnis dieser Kurzgeschichte:

Ein Mann namens Vadim wird verdächtigt, ein Attentat auf den französischen König und die Königin geplant zu haben. Um Informationen über Zeitpunkt und Ort des Attentats zu sammeln, wird d’Artagnan als vermeintlicher Verräter in die Gruppe um Vadim eingeschleust und soll ihn ausspionieren. Das große Show-Down findet in einem Tunnel-System unter dem Louvre statt, in dem Vadim eine große Menge Sprengstoff deponiert hat. D’Artagnan findet sich irgendwann an die Pulverfässer gefesselt wieder, und niemand weiß, wo er steckt. Und während die drei Musketiere in den Tunneln nach ihm suchen, explodiert die Ladung...

Ich stelle Kaffee und Gebäck bereit und wünsche viel Vergnügen beim Lesen!

LG

Ann

 

Waffenbrüder

Was tust du mit mir?

geschrieben am 10.02.2020


„Du bist also am Leben...“

Eine nüchterne, stoisch hervorgebrachte Feststellung.

Zu mehr war Athos in diesem Augenblick nicht in der Lage. Denn er kämpfte mit aller Macht darum, nichts von seinen wahren Gefühlen nach außen dringen zu lassen: Von der Furcht, die ihn um d’Artagnans Leben beherrscht hatte, seit sie ihn in Vadims Versteck verloren hatten; von der Verzweiflung, als er sich nach der Explosion in den Tunneln hochrappelte - und sich bewusst wurde, dass der Junge das niemals überlebt haben konnte; und von der abgrundtiefen Erleichterung gepaart mit wilder Freude, d’Artagnan nun wider alle Hoffnung vor sich stehen zu sehen - gesund, kampflustig - voller Leben.

 

Seit sie den Jungen vor einigen Wochen unter ihre Fittiche genommen hatten, um aus ihm einen waschechten Musketier zu machen, war er den drei Unzertrennlichen immer stärker ans Herz gewachsen. Porthos in seiner herzlich-polternden Weise und Aramis mit seiner unbekümmerten, offenen Freundlichkeit hatten daraus nie einen Hehl gemacht - so waren sie.

Athos nicht.

Er hatte schon lange gelernt, seine wahren Gefühle sorgfältig zu verbergen. Nur die, die ihn wirklich gut kannten - nur Aramis und Porthos - ahnten, wie es tatsächlich in ihm aussah. Wie sehr er ihre bedingungslose und treue Freundschaft schätzte und dass er seinerseits alles für ihren Schutz, ihre Sicherheit tun würde.

Und nun war da der vierte im Bunde.

D’Artagnan.

Ein nahezu Fremder - und doch erwischte sich Athos immer häufiger dabei, dass er begann, sich in dessen Nähe so wohl und entspannt zu fühlen wie bisher nur bei Porthos und Aramis.

Oder wie der Junge des Abends durch seine Gedanken geisterte, wenn er das Training des vergangenen Tages analysierte, sich über d’Artagnans Fortschritte freute und plante, welche Parade er ihn am nächsten Tag lehren wollte.

Kurzum: Wie er immer mehr Anteil am Leben und Wohlergehen des Jungen nahm.

Eine gefährliche Sache, sein Herz so an einen weiteren Menschen zu hängen.

Man konnte so leicht enttäuscht werden - oder man verlor diesen Menschen. Beides war Athos zugestoßen, und das hatte ihn zu dem düsteren, wortkargen, unnahbaren Zyniker werden lassen, der er heute war.

Nun - einen Kameraden zu verlieren war bei ihrem alltäglichen Geschäft nicht unwahrscheinlich. Sie alle begaben sich täglich in Gefahr. Und wenn der Junge tatsächlich ein echter Musketier werden sollte, so musste er Gelegenheit erhalten, sich zu beweisen. Deshalb hatte Athos zugestimmt, als d’Artagnan sich für die Mission angeboten hatte, den Attentäter Vadim auszuspionieren.

Womit Athos nicht gerechnet hatte war die Tatsache, wie nervös es ihn machen würde, den unerfahrenen und waghalsigen jungen Mann mit einem Mal in solcher Gefahr zu wissen, ohne an seiner Seite sein zu können.

Ohne ihn schützen zu können.

D’Artagnan war zuversichtlich, seine Rolle als Verräter spielen zu können, um sich Vadims Vertrauen zu erschleichen. Porthos und Aramis setzten gelassen auf seine Findigkeit und seinen Wagemut. Dazu ging es um das Leben des Königs und der Königin - wie sollte Athos da seine Bedenken kund tun? Die nagende Furcht um das Leben und die Unversehrtheit des Jungen? Er konnte es nicht - er konnte d’Artagnan nicht verwehren, weiter in Vadims Diensten und bei der Gruppe um den Attentäter zu bleiben.

Und dann wurden Athos‘ schlimmsten Befürchtungen wahr: Vadim hatte d’Artagnan durchschaut, verschleppt - und zurückgeblieben war lediglich Blut...

Als er in Vadims leerem Versteck stand und auf die dunkel-feuchte Lache am Boden starrte übermannte Athos das bedrückende Gefühl, für den Tod des Jungen verantwortlich zu sein.

Ein weiteres verlorenes Leben, das auf seiner Seele lastete...

Ein weiterer Mensch, der ihm entrissen worden war...

Die kalte, hilflose Wut, die dieser Gedanke hinterließ trieb ihn nach der verheerenden Explosion in den Tunneln unter dem Louvre dazu, mit unerbittlicher Härte gegen Vadims Männer vorzugehen, Porthos und Aramis an seiner Seite. Bald lagen alle Verbrecher tot am Boden - nur Vadim selbst fehlte. Der Mann, der die Schuld an d’Artagnans Tod trug.

Und dann hörten sie es: Ein Stück entfernt, Degenklirren.

Vadim... und...?

Sie rannten auf die Quelle des Waffenlärms zu, der plötzlich verstummte - und Athos erstarrte mitten in der Bewegung, als er im unstetigen Licht der Fackel die Gestalt erkannte, die aus den von der Explosion verursachten Staubschleiern trat...

„Du bist also am Leben...“

Eine nüchterne, stoisch hervorgebrachte Feststellung, die nichts von seinem rasenden Herzschlag, von seiner abgrundtiefen Erleichterung und der wilden Freude erkennen ließ.

Und d’Artagnans fast verschmitzte Antwort darauf, noch von der Euphorie des Gefechts getragen, mit blitzenden Augen und außer Atem von seinem Abenteuer: „Ich denke doch!“

Mehr wurde nicht darüber gesprochen, in welcher Gefahr ihr junger Freund geschwebt hatte, wie knapp er dem Tod entronnen war. Denn schon fragte Aramis: „Vadim?“

„Verwundet. Schwer. Er kann nicht weit gekommen sein...“, berichtete d’Artagnan schnell, und schon eilten Aramis, Porthos und er dem flüchtigen Verbrecher hinterher.

Einen Moment noch blieb Athos stehen, Gefangener seiner Emotionen. Und in einer seltsamen Mischung aus Staunen und Hilflosigkeit murmelte er in die Dunkelheit: „Was tust du nur mit mir?“

Dann folgte er seinen Freunden, bereit, gemeinsam mit ihnen seine Pflicht zu erfüllen.

 

 

Die wörtliche Rede stammt komplett aus der Folge und regte meine Phantasie ganz gewaltig an. Wie immer gibt sich Athos stoisch – doch im Laufe der Folge merkt man eindeutig, dass es ihn nicht kalt lässt, d’Artagnan in Gefahr zu wissen... Klar, dass das deshalb in diese Geschichten-Reihe mit rein musste :-)

Nächste Woche gibt es einen deutlich längeren OneShot zu Folge 1x03 „Schatten der Vergangenheit“. Ich freue mich, wenn wir uns dort wieder lesen!

Habt bis dahin eine gute Zeit und bleibt gesund!

GLG

Ann
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