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In Quarantäne

OneshotAllgemein / P16 / MaleSlash
15.05.2020
23.02.2021
7
17.249
33
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Dieses Kapitel
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23.02.2021 3.499
 
Hello x3 ENDLICH! Endlich kommt hier auch mal was Neues!
Ich danke jedem von euch für die vielen Herzen, Sterne und Kommentare! Ich liebe diese Sammlung auch sehr. Ich finde, man merkt hier ganz deutlich, wie ich mich weiter entwickelt habe. Mittlerweile mag ich den ersten Oneshot gar nicht mehr so sehr zu BokuAka - zumindest schreibtechnisch. :D

As always den größten Dank an meine liebste Beta. <3

Ein weiterer OS mit Sakusa x Atsumu und Terushima x Hana ist geplant!

Und jetzt viel Spaß! Ich freue mich auf eure Rückmeldungen!

xoxo chaoskingdom

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Auf dem Herd köchelten zwei riesige Suppentöpfe. Die Fenster beschlugen vom Dampf der verschiedensten Speisen. In einer Schüssel lagen kleine Reisbällchen, die er sich hin und wieder als Snack zwischen die Lippen schob.
Die Zeiger der Uhr kündigten erbarmungslos den neuen Tag an. Den Rest seiner Küchengehilfen hatte er schon vor einer Weile nach Hause geschickt. Sein Plan sah nur noch vor die Eintöpfe für das morgige Mittagessen vorzubereiten. Morgen, oder korrekterweise heute, war der letzte Tag einer anstrengenden Woche.
Er führte einen Löffel zu seinem Mund, schlürfte die Suppe genüsslich und drückte seine Zunge an den Gaumen. Der endgültige Geschmackstest am Ende von stundenlangen Schwitzens war einer der spannendsten Momente als Koch.

Entgegen aller Meinungen fand er, dass Nabe als Gericht bei einem Schwierigkeitsgrad von mindestens acht lag. Vielleicht gerade, weil jeder Japaner es nach Omas Rezept kochen konnte. Die Menschen verbanden es mit ihrer Kindheit, ihrem zu Hause. Als Koch die Wünsche aller zu erfüllen, war nahezu unmöglich, aber Osamu enttäuschte ungern. Sein Hoto-nabe sollte perfekt werden, und diese Nacht war er damit sehr zufrieden.

Er erschrak kurz, als ihn jemand sanft von hinten umarmte und an seiner empfindlichen Ohrpartie schnurrte.
„Ich bin fertig mit meiner Auslieferung. Jetzt muss ich nur noch eine Sache an den richtigen Ort bringen.“
Mit diesen Worten drückte Rintaro ihm einen Kuss auf die Wange und begann ihm leicht am Ohr zu knabbern.
Osamu, nun mit beiden Händen tief im Spülbecken, schenkte dem Neuankömmling wenig Beachtung. Er scheuchte seinen Partner zur Seite, um seinem Bewegungsfreiraum wieder zu erlangen.

Nebenbei bekam er nur mit, wie Rintaro sich auf die Arbeitsplatte schwang und geduldig an seinem Handy spielte. Von dem Volleyballer kam nie ein Wort der Beschwerde, wohl weil er um die Eigenarten Osamus wusste.

~


Jetzt stand Osamu zwischen Rintaros Beinen, stützte seine Arme auf der Arbeitsplatte ab und widmete sich voller Leidenschaft den wundervoll weichen Lippen seines Freundes. Rintaro vergrub seine Hände in Osamus schwarzen Haaren und kraulte ihn am Haaransatz, die Beine um die Hüften des Kochs geschlungen.
„Wieso habe ich eigentlich so einen schnuckeligen Freund?“, brachte Rintaro schmunzelnd zwischen den Küssen hervor.
„Das Gleiche könnte ich dich fragen.“ Ihre Blicke trafen sich.
„Du schmeckst übrigens nach Nudelsuppe.“
„Oh ja, ich hab‘ die probiert un-“
Lippen, zwischen denen sich frech eine Zunge ihren Weg in die Mundhöhle Osamus suchte, stoppten den Satz.
„Hmm lecker ~“, hauchte Rintaro, leckte sich über die Oberlippe.
Daraufhin zog Osamu ihn an der Hüfte näher zu sich, krallte sich in die dunkelbraunen Haare. Ihre Münder prallten erneut aufeinander und er konnte sich ein Stöhnen nicht unterdrücken.
Kami-sama, er liebte diesen Mann.

„Baaaaah, nehmt euch ein Zimmer! Ist ja ekelhaft!“
Nur widerwillig löste sich Osamu von seinem Freund und drehte sich langsam zu der Stimme, die er schon seit seiner Geburt ertragen musste.
„Was platzt du hier auch rein? Dich hat keiner gebeten nach deiner letzten Auslieferung nochmal vorbei zu kommen“, murrte Osamu.
„Nanana, wenn man einen Schlüssel hat, dann ist das ein frei zugängliches Restaraunt. Wozu hast du mir den sonst gegeben? Außerdem wollte ich meinem Lieblingsbruder noch eine ‚Gute Nacht‘ wünschen.“ Selbstgefällig, einen Schlüsselbund um einen Finger drehend, stand Atsumu in der Tür.
„Ich bin dein einziger Bruder, du Hirni. Hau bloß ab, sonst erzähle ich Kita, dass du spannst.“
Atsumu klappte die Kinnlade runter und seine Augen wurden groß. Sofort stieg ihm die Röte ins Gesicht. Und, als hätte er Angst, dass der Türrahmen sein Gewicht nicht mehr halten konnte, richtete er sich auf. Fast wären ihm auch noch die Schlüssel aus der Hand geglitten.
„Das würdest du nicht tun.“
„Willst du es drauf ankommen lassen?“
„Du bist gemein! Wieso musst du immer Shin mit ins Spiel bringen?“
„Weil er eine verdammt wirksame Waffe ist.“
Osamu erkannte an dem offenstehenden Mund, dass sein Bruder noch etwas entgegensetzen wollte, ihm aber scheinbar nichts dazu einfiel. Stattdessen knallte er wortlos die Tür zu. Nur noch gedämpft drang Atsumus Schimpftirade zu ihm durch.

Völlig desinteressiert am ganzen Geschehen starrte Rintaro auf die geschlossene Tür. Nur einmal verzog sich anerkennend sein Gesicht, als das Wort Blödbommel fiel.

~


Elf Uhr klingelte der Wecker zum ersten Mal. Auf der Liste der nervigsten Geräusche war dies definitiv Platz eins, befand Osamu. Vor allem, wenn Rintaro seine spielfreien Tage bei ihm verbrachte.
Er wollte noch nicht die wunderbare Wärme des Bettes verlassen, sich von dem muskulösen Oberkörper lösen. Rintaros Herzschlag an seinem Ohr beruhigte ihn. Viel zu selten konnte er diesem Rhythmus ganz in Ruhe lauschen.
Der einzige Vorteil, der dieser Shutdown brachte: Osamu konnte mehrere Wochen am Stück mit seinem liebsten Menschen verbringen. Natürlich wusste er, dass Rintaro teils mit einem lachenden, teils weinenden Auge die Zeit hier verbrachte. Schließlich liebte er seinen Job als Profivolleyballer. Aufgrund der steigenden Corona-Zahlen waren die Spiele jedoch alle abgesagt worden. Auch an ein  Training mit dem Team war derzeit nicht zu denken.
Trotzdem war Osamu froh darüber, dass dieser unglückliche Zustand die beiden räumlich näher zusammen gebracht hatte. Rintaro hatte sogar freiwillig vorgeschlagen in der Zeit die Bestellungen, welche bei Miya Onigiri eingingen, auszuliefern. Gemeinsam mit Atsumu.
Der Koch hatte es nicht in Worte ausdrücken können, war seinem Freund aber unendlich dankbar für seine Hilfe. Er hoffte einfach, dass sein Partner das wusste. Vermutlich sollte er sich zum Dank mal Etwas für ihn überlegen. Vielleicht ein Dessert mit der Lieblingssüßigkeit Rintaros?

RRRRIIIIIINNNNNGGGG~
Der Schlummermodus holte Osamu aus seinen morgendlichen Gedanken. Er grummelte. „Verdammter Wecker.“ Er hätte ihn ganz ausschalten sollen.
Der Körper unter ihm regte sich nun auch, streckte sich. Osamus Griff um die Taille seines Liebsten wurde fester.
„Samu.“
„Hmm.“
Langgliedrige Finger strichen sanft durch sein Haar. Osamu schmatzte genüsslich und kuschelte sich noch mehr an Rintaros warmen Körper. Nur ein gefülltes Onigiri mit Ei konnte den Morgen noch perfekter machen.
„Hey, du Schlafmütze. Wir müssen aufstehen.“
Die ruhige Stimme Rintaros war Musik in seinen Ohren.
„Nur noch fünf Minuten.“
Rintaro lachte leise auf, dabei vibrierte sein Brustkorb. Osamu blickte aus verschlafenen Augen zu ihm hoch.
„Was lachst du?“
„Nichts. Es ist nur süß, wie du jedes Mal versuchst so etwas mehr Zeit rauszuholen, obwohl wir uns den Wecker immer schon auf die letzte Minute stellen und uns die Schlummertaste eigentlich gar nicht mehr erlauben können.“
Liebevoll strich Rintaro ihm die Haare aus der Stirn.
Er lächelte. Osamu liebte dieses Lächeln. Sein Herz schlug bei dem Anblick immer ein bisschen schneller.
„Ich mag es einfach mit dir im Bett zu liegen.“
„Oh, ich auch. Aber ich glaube, die alten Damen finden es nicht so toll, wenn deswegen heute ihr heißgeliebtes Mittagessen ausfällt“, schmunzelte Rintaro.
Natürlich wusste Osamu, dass sie mittags immer zu dem Seniorenheim in ihrer Nähe fuhren und dort den Herrschaften das Essen lieferten. Die älteren Damen waren verrückt nach seiner Suppe mit Reisbällchen. Er war immer wieder erstaunt, wie viel Essen in die mitunter schmalen, kleinen Körper passte.
Ganz früher, in den Anfangsjahren von Miya Onigiri, übernahm Osamu diese Aufgabe der Essenslieferung noch höchst persönlich mit einem Küchengehilfen.
Doch schon lange hatte er diesen Teil der Arbeit abgeben müssen. Seine Zeit war begrenzt, vor allem seitdem er zusätzlich einen kleinen Schnellimbiss in Bahnhofsnähe sein Eigen nannte.
Nun hatten Rintaro, Atsumu und ein paar andere Küchengehilfen die ehrenvolle Aufgabe, den Ömchen ihr Highlight des Tages zu liefern.
Von Rintaro wusste er, dass Atsumu seinen Spaß daran hatte. Insbesondere, weil er dort unheimlich viele Komplimente zu seinem Aussehen bekam und somit immer im Mittelpunkt stand. Anfangs waren die Damen verwirrt über das perfekte Gegenstück Osamus gewesen, doch sein Bruder hatte die Bewohner des Seniorenheims mit seiner Art und Weise schnell auf seine Seite geholt. Bei dem Gedanken daran, wie sich Atsumu als Hahn im Korb inmitten all der grauhaarigen Frauen mit stolz geschwellter Brust zum Suppe verteilen aufrichtete, schlich sich ein Lächeln auf sein Gesicht. Was für ein Idiot von Bruder.

Schneller als er ‚Reis‘ denken konnte, drehte sich Rintaro mit ihm, sodass er nun auf dem Rücken lag und sein Freund auf seinem Unterbauch saß. Weiche Lippen begannen an seinem Hals zu knabbern.
„Rin…?“, brachte er nur verwirrt raus.
„Wer ist es?“
„Was?“
„An welche Frau denkst du, die dich an einem Morgen so zum Lächeln bringt?“
Mit offenem Mund starrte er zu Rintaro hinauf. In Osamus Kopf ratterte es. So kurz nach dem Wachwerden war sein Hirn noch nicht für solche hochkomplizierten Gleichungen gemacht.
Sein Gesicht spiegelte wohl auch dieses Gedankenchaos. Rintaro prustete los.
Allmählich verstand der Miya Zwilling die Bedeutung der Frage und boxte seinen Freund liebevoll gegen die Brust.
„Idiot.“
„Sorry, aber du sahst gerade wie Atsumu aus, der zum allerersten Mal bei Kita in der Oberschule abgeblitzt ist.“
Besitzergreifend zog Osamu den immer noch lachenden Volleyballer zu sich herunter und verschloss dessen Lippen mit seinen. Rintaro erwiderte versöhnlich, aber immer noch kichernd den Kuss.

Plötzlich hörten sie das Klirren von Schlüsseln, gefolgt von dem Klicken des Türschlosses, woraufhin ein pfeifender Atsumu schwungvoll die Wohnung betrat.
Da Osamu nur in einer kleinen Ein-Raum-Wohnung über dem Restaurant lebte, stand sein Zwilling zwar noch im Flur, hatte aber freie Sicht in den Raum mit dem Bett der beiden und somit auch Rintaros nacktem Rücken. Atsumu erstarrte und glotzte einfach nur in ihre Richtung.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, die in Wahrheit nur wenige Millisekunden umfasst haben konnte, setzte der ältere Zwilling zu einem „Warum müsst ihr immer dann rummachen, wenn ich dabei bin? Findet ihr das geil?“ an. Blitzschnell warf Osamu das schützende Laken über seinen vor Lachen kugelnden Freund, der erstickt irgendwas mit früher, Sportumkleide und oberkörperfrei brabbelte.
„Was kommst du auch einfach ohne Ankündigung in die Wohnung spaziert?!“, murrte Osamu und quälte sich nun aus den Laken. Bekleidet nur mit Boxershorts.
„Es ist Donnerstag und ich komme immer um die Uhrzeit! Kann ja nicht ahnen, dass ihr das jetzt zu eurem Abschlecktag gemacht habt.“
Genervt schüttelte Osamu nur den Kopf und zog sich rasch um, während Rintaro gähnend, mit der Decke über den Schultern ins angrenzende Bad schlürfte.
Nachdem Atsumu fertig war sich über ihren Fummel-Fauxpas – ja, so nannte der Trottel das - zu echauffieren, begleitete er ihre Morgenroutine mit großem Geschwafel über seinen heutigen Traum. Leider bekam er nicht mit, dass sich niemand für seine übertriebenen Ausführungen interessierte.

~


„S-Samu~“
Osamus ruhige Hände gruben sich in Rintaros Oberschenkel, der stöhnend die kraftvollen Stöße des Zwillings genoss. Den Kopf an Osamus Schulter gelegt, die Fingernägel kratzend an seinem Rücken, drängte sich Rintaro mit seinem Becken immer näher an ihn. Beine klammerten sich um seine Hüfte, drückten verlangend Fersen in sein Fleisch. Beim jedem Stöhnen wanderte heißer Atem über seine Haut.
Der Koch spürte, wie das Innere seines Freundes sich bei jeder Bewegung verlockend zusammenzog, nach jedem Stoß das Keuchen lauter, abgehackter wurde, seine Pobacken unkontrolliert zuckten.
„Samuuu~“
Osamu liebte den bettelten Unterton. Er wusste, in welchem Winkel er den empfindlichsten Punkt Rintaros treffen konnte, doch er wollte das Ende noch etwas hinauszögern. Viel zu sehr genoss er den Anblick seines Freundes. Flatternde Augenlider, ein weit geöffneter Mund, aus dem ein reizendes Stöhnen drang – all das wollte Osamu vor seinem inneren Auge abspeichern, bevor er seinen Partner über die Klippe stürzte.
Verzweifelt krallte Rintaro sich in Osamus Haaren fest, schabte mit den Zähnen an seinem Hals entlang, bis er sie in der erhitzten Haut versenkte. Dem dunkelhaarigen Zwilling entlockte das ein heftiges Keuchen.
Unbeherrscht drückte Osamu seinen Freund höher gegen die kalte Wand. Er zog ein um seine Hüfte geschlungenes Bein hoch, um einen besseren Winkel zu erwischen. In einem immer schnelleren Tempo stieß er an Rintaros Prostata. Er verteilte eine Spur aus Küssen vom Schlüsselbein bis zum Mund. Ihre Zungen fanden sich und drangen hungrig in den Mund des Anderen ein.
Ihr Atem vermischte sich.
„Samu, bitte“, wimmerte Rintaro.
Wieder veränderte Osamu etwas die Position, um zu den letzten kraftvollen Stößen anzusetzen, als Rintaro urplötzlich in seinen Armen wie ein Eisblock erstarrte.
Er sah ihm ins Gesicht, registrierte seine aufgerissenen Augen. Als er zu einem „Rin, alles in Ordnung?“ ansetzen wollte, spürte er einen kalten Luftzug an seinen nackten Beinen.
Augenblicklich versteinerte auch Osamu. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals.
Das durfte nicht wahr sein. Wer zur Hölle …?
Genervt seufzte Rintaro leise auf, schloss die Augen und ließ den Kopf an die Wand hinter sie fallen.
„Ich bring ihn um.“
Der dunkelhaarige Miya Zwilling wusste nicht mit hundertprozentiger Sicherheit wer im Begriff war den Raum zu betreten, doch anhand von Rintaros Reaktion beschlich ihn eine böse Vorahnung.
Die angespannte Stille wurde durch ein „Ich hätte nicht gedacht, dass du oben bist, Samu.“ unterbrochen.
Was für ein mieses Arschloch.
Der Sack stand jetzt nicht wirklich hinter ihnen...oder?!

Osamu stellte sich in dem Augenblick vor seinen Bruder qualvoll mit einem Kissen zu ersticken.
Seine Leiche würden sie irgendwo im Wald vergraben.
In Momenten wie diesen wünschte sich ein stinknormales Einzelkind zu sein, ohne Stress und Ärger.
Aber nirgends war man vor IHM sicher. Ständig musste ER in den ungünstigsten Momenten auftauchen. Nicht mal etwas Zweisamkeit mit seinem Freund konnte er allein genießen! Immer kam ER reingeplatzt. Atsumu musste einen sechsten Sinn für unpassende Momente haben. Kein Wunder, dass er bis zur Mittelschule von vielen gemieden wurde.
Und gerade jetzt, in dieser ganz speziellen Situation, wollte er nicht mal ansatzweise an seinen Bruder denken!
Grob krallte er seine Hände in Rintaros Oberschenkel und zog sich leise seufzend aus ihm zurück. Eine Gänsehaut überzog seinen Körper. Sein Partner verzog kurz das Gesicht und ließ dann schaudernd von ihm ab.
Atsumus Kichern erklang.
Stand er etwa IMMER NOCH in der Tür? Besaß dieses Schwein nicht mal in so einem Moment genügend Anstand?
In Osamu brodelte es. Nach wie vor den nackten Hintern Richtung Tür gewandt knurrte er: „Raus.“
Nach endlosen Sekunden fiel die Tür wieder ins Schloss.
Osamu schloss die Augen und legte seine Stirn auf die Schulter Rintaros ab.
Ein langer Seufzer entfloh seinen Lippen.
„Heute Nacht werde ich ihm mit meinen bloßen Händen die Kehle zudrücken!“, prophezeihte sein Freund. Absurderweise musste Osamu los prusten.
„Lach nicht! Er hat mich um meinen Orgasmus gebracht!“

~ Zwei Wochen später ~


„Ich geh‘ dann mal! Tschüssiii!“
„Jaja, hau ab!“
Osamu war froh, dass sein Bruder endlich den Heimweg antrat. In den letzten Tagen war er immer aufdringlicher geworden. Gut, vielleicht lag es auch daran, dass Osamu durch das Weihnachtsfest Unmengen an Aufträgen bearbeiten musste und mehr als zwölf Stunden in der Küche stand.
Vor seinen Schichten ging er auf die Märkte und zum Großhandel, um neue, frische Lebensmittel einzukaufen.
Ergo blieb keine Zeit für ruhige Stunden zu Hause mit seinem Freund.
Oder genügend Schlaf.
Oder Schlaf mit seinem Freund.
Seine Nervenstränge waren bis zum Zerreißen gespannt. Selbst eine stumpfe Klinge hätte genügend Kraft gehabt, um sie zu zerschneiden.
Osamu hatte viel zu viel Zeit mit Atsumu verbracht. Das letzte Mal hatten sie in Schultagen so sehr aufeinander gehockt. Und jetzt drohte sich dieses Schicksal zu wiederholen.
Trotzdem würde er heute seinen Plan durchziehen, auch wenn das bedeutete, seinen Zwilling erneut ertragen zu müssen.

~


Atsumus Gedanken kreisten einzig und allein um seinen bevorstehenden Heiratsantrag.
Jedes Detail war akribisch geplant.
Kerzenschein mit hunderten Rosenblättern. Ein Drei-Gänge-Menü von Miya Onigiri. Und der schönste Ring, den er in ganz Japan hatte finden können. Sein Herz raste in seiner Brust und seine Hände waren schweißnass. Gleich würde Kita aus dem Bad kommen und den gedeckten Tisch sehen.
Zum hundertsten Mal fuhr Atsumu sich durch die Haare, obwohl er wusste, dass dies schädlich für seine Frisur war. Für Kita sollte doch alles perfekt sein. Hoffentlich ließen ihn seine Nerven jetzt nicht im Stich!

Obwohl die kleine eckige Schachtel unangenehm gegen sein Bein drückte, suchten seine Finger erneut nach dem Gegenstand – als ob sie sicher gehen wollten, dass er sich den Schmerz nicht nur einbildete.
Mit Osamu hatte er sein Vorhaben ganz genau besprochen. Minutiös waren sie jeden einzelnen Schritt durchgegangen. Nichts konnte schief gehen.
Die Tür zum Badezimmer ging auf und heraus kam sein leicht dampfender, leicht erröteter Shinsuke mit feuchten Haaren.
Atsumu kam nicht umhin wie ein Irrer zu Grinsen, was unwillkürlich Shinsukes Aufmerksamkeit erregte.
„Was ist?“ Shinsuke musterte ihn skeptisch. Erst dann schwenkte sein Blick von dem grenzdebilen Blonden zu dem gedeckten Tisch.
„Wow. Osamu hat gekocht?“
„Wieso denkst du direkt, dass es Samu war und nicht ich?!“, beschwerte sich der blonde Zwilling.
Innerlich schalt er sich selbst.
Ruhig Blut, Miya. Er ist dein Freund. Du willst ihm heute einen Antrag machen. Sei nett!
Shinsuke schenkte ihm zur Antwort nur eine erhobene Augenbraue.
Schmollend murmelte Atsumu nur sowas wie „Schön, es ist von Samu, diesem Alleskönner.“

Während Shinsuke und Atsumu bei guter 50er Jahre Musik saßen – Kita liebte dieses Gedudel – und ihr köstliches Diner verspeisten, begann plötzlich Atsumus Handy in regelmäßigen Abständen in seiner Hosentasche zu vibrieren. Anfangs dachte er sich nichts dabei und versuchte es zu ignorieren, doch mittlerweile wurde es immer aggressiver und verlangte ununterbrochen nach seiner Aufmerksamkeit.
Bemüht um Geheimhaltung schielte er unter dem Tisch auf das Display. Shinsuke konnte es nicht leiden, wenn man sich während des Essens von den technischen Geräten ablenken ließ.
Als Atsumu den aufleuchtenden Namen sah, rutschte er unruhig hin und her.  
„Willst du nicht rangehen?“
„D-darf ich?“
„Naja, scheint ja wichtig zu sein.“ Shinsuke sah lächelnd zu seinem Partner.
Entschuldigend stand Atsumu auf, verschwand im Eingang und nahm den Anruf von Osamu entgegen.
„Was ist? Ich hab‘ grad keine Zeit, das weißt du!“, zischte der blonde Zwilling leise in den Hörer.
Zwei schwere Atemzüge knisterten in den Lautsprechern.
„‘Tsumu! Es ist ein Notfall! Ich brauche dich hier, dringend! “
„Ein – was?!“
„Du musst sofort herkommen!“
„WIE?! Das kannst du vergessen! Du weißt genau, dass ich jetzt nicht kann. Ich-“
Mit zittriger Stimme, unterbrach ihn Osamu: „‘Tsumu, es ist wirklich wichtig!“
Und damit legte sein Zwilling auf.
Ungläubig starrte Atsumu auf sein Handy.
Das war jetzt nicht sein Ernst, oder? Ausgerechnet heute? Jetzt?!
Seufzend, aber mit einem besorgten Knoten im Bauch schlurfte Atsumu zurück ins Wohnzimmer und erklärte Shinsuke die Situation. Verständnisvoll ließ dieser ihn fahren.

~


In aller Eile drehte Atsumu den Schlüssel im Schloss und zog die Tür zu Osamus kleiner Wohnung auf. Nach 30 Minuten Fahrtweg und einem Sprint die Treppen hinauf, hatte er es endlich geschafft.
„Samu! Hey! Ich bin da!“, rief er sogleich in den Wohnraum.
„Wir sind hier hinten“, machte sich sein Bruder bemerkbar.
Atsumus Herz schlug gleich etwas schneller, seine Gedanken kreisten um verschiedene Schreckensszenarien.
Er nahm sich noch nicht einmal die Zeit sich auszuziehen, sondern stürzte direkt in die Richtung der Stimme seines Bruders.

Osamu hockte mit Suna auf dem Boden. Vor ihnen etliche DVDs ausgebreitet.
Niemand schien verletzt zu sein. Gut, um die zwei Männer herrschte ein riesiges Chaos, aber bei Weitem nicht in der Kategorie, die ihm seine Fantasie vorgespielt hatte.
Auch sonst wirkte die Wohnung friedlich. Nur er störte mit seinem keuchenden Atem die entspannte Stille.
„Was ... was ist los?“, brachte er unter kurzen Atemzügen hervor.
Osamu sah auf.
„Wir sind uns unsicher, welcher Film für heute die beste Wahl wäre.“
Unschuldig blickte der jüngere Zwilling in die braun-goldenen Augen seines Bruders.
Atsumu klappte die Kinnlade runter.
„Welcher Film …? Wie … was … ich … bitte?!“
Sein Hirn erlitt einen Kurzschluss.

Die Szene, die sich ihm darbot, passte so gar nicht, zu dem Anruf, den er vor nicht mal einer Stunde erhalten hatte.
Das konnte nicht wahr sein, oder?
Hatte sein Bruder ihn nur deswegen von seinem Candle-Light-Diner mit seinem Verlobt- FAST Verlobten geholt? Damit er ihm bei der Auswahl einer DVD half?!

„Ja, was sagst du, Tsumu? Akira oder Ghost in the Shell?“
Osamu hielt beide DVD-Cover in die Höhe.
In Atsumu brodelte es. Er verstand es einfach nicht.
Wieso?
„Du willst mich gerade verarschen, oder?“
Ungläubig blickte Atsumu zwischen seinem Bruder und dessen Freund hin und her.
„Das ist dein Notfall? Du hast mich für SO ETWAS von meinem tagelang geplanten Diner mit Kita weggeholt?! ICH WOLLTE IHM EINEN VERDAMMTEN HEIRATSANTRAG MACHEN!“
„Der hätte ihn eh nicht angenommen“, meldete sich Suna zu Wort.
„Haaaaahh?“
„Du bist gerade mal seit einem Jahr fest mit ihm zusammen. Du kannst ihn in vier Jahren nochmal fragen.“

Atsumus Gesichtsausdruck war für Osamu Belohnung genug. Genau das war sein Plan gewesen. Nachdem Atsumu ihn auch immer wieder in seinen intimsten Momenten mit Rin gestört hatte, musste er sich doch dafür revanchieren.
Der Anblick Atsumus erfüllte ihn mit Genugtuung.
„Ich hasse dich.“
„Danke, gleichfalls.“
Mit einem theatralischen Türen-knallen, verließ Atsumu aufbrausend die Wohnung, während ihm die kreativsten Beleidigungen für seinen Bruder über die Lippen gingen.
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