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[worst Nightmare]

GeschichteSchmerz/Trost, Tragödie / P12 / MaleSlash
15.05.2020
02.06.2020
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1.963
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15.05.2020 702
 
Ich zitterte am ganzen Leib, als der Anruf mich erreichte. Das konnte und durfte einfach nicht sein! Es durfte nicht einfach auf einen Schlag alles vorbei sein! Unsere ganze Zukunft, die vielen Jahre, die wir noch geplant hatten.....

Denise, meine große Liebe, der wichtigste Mensch in meinem Leben, war tot.

Ich hoffte mit jeder Faser meines Körpers, dass es nicht stimmte, dass das alles ein riesiger Fehler war und hielt mich an dieser leisen, verzweifelten Hoffnung fest. Mit verschwitzten Händen und völlig aufgelöst stieg ich ins Auto und fuhr zu der Stelle, die mir die Polizei als Unfallort genannt hatte. Die Tränen rannten nur so über meine Wangen und ich sah kaum die Straße, da meine Augen vollkommen verschwollen und verweint waren.

Mir stockte der Atem, als ich an der Unfallstelle ankam. Da stand Denises Wagen...schlimm verbeult und vorne in ein anderes Auto gecrasht. Der Anblick zerriss mich und meine innerliche Hoffnung in Millionen Stücke. Ich wollte einfach nur schreien, weinen. Ich wollte, dass mir dieser unendliche Schmerz, der in meiner Brust festsaß, genommen wurde. Ich wollte in diesem Moment, dass mein Leben vorbei war. Meine Luftröhre war wie zugeschnürt, ich bekam keine Luft mehr in dem stickigen Wagen. Als ich die Türe öffnete und aussteigen wollte, brach ich kraftlos auf dem Asphalt zusammen.

Sofort kamen mehrere Beamte und Rettungskräfte auf mich zugerannt und hievten mich auf die Beine. >Sind sie Herr Winter?<, fragte mich einer der Polizisten. Ich nickte nur stumm, während ich völlig abwesend die Umgebung musterte. Eine vollkommen aufgelöste Frau stand weinend an einem Polizeiauto und machte anscheinend gerade eine Zeugenaussage. Ich schloss daraus, dass das wohl die andere Fahrerin war. >Herr Winter?...Herr Winter!< >Ähmmm...Entschuldigung, was haben Sie gesagt?< >Sind Sie in der Lage, eine Aussage zu machen?< >Nein...das...das kann ich jetzt nicht! Wo...wo ist Denise? Ich will sie sehen!<

Der Beamte führte mich hinter den Rettungswagen, wo eine Bahre mit einer schwarzen Plane bedeckt stand. Ich ging langsam darauf zu und zog das Tuch von ihrem Gesicht. Unter ihrer Nase klebte getrocknetes Blut und ihr Kopf lag komisch auf der Seite, weshalb ich annahm, dass sie an einem Genickbruch gestorben war. Es zerbrach mir das Herz, sie so zu sehen. Ich konnte sie nicht mehr küssen, in den Arm nehmen, ihr sagen, wie sehr ich sie liebte. Und wie sollte ich das nur unserem Sohn sagen? Jakob war gerade einmal fünf Jahre alt.

Ich streichelte zärtlich Denises Wange, während eine feuchte Träne in ihr zerzaustes Haar tropfte. >Ich werde dich immer lieben, mein Engel! Ich passe gut auf unseren Kleinen auf, versprochen. Jetzt bist du da oben im Himmel und eines Tages sehen wir uns wieder! Ich bin dir so dankbar für die schöne Zeit, die wir miteinander hatten!< Mit einem unendlich liebevollen Abschiedskuss auf die Stirn, bedeckte ich ihr bleiches Gesicht wieder und schrie mir dann vollkommen verzweifelt die Seele aus dem Leib. Es war der schlimmste Tag in meinem Leben. Ich konnte mir für keine Sekunde vorstellen ohne sie zu sein. Ich war besessen von meiner Wut. Meine Wut auf die Fahrerin des anderen Wagens, auf alles und jeden, auf Gott, auf die ganze Welt, auf mich selbst. Womit um alles in der Welt hatte ich das verdient? Was hatte ich getan, dass das Universum mich so sehr bestrafte? Ich würde alles tun, um die Zeit zurückzudrehen und meine Frau davon abzuhalten, an diesem Nachmittag unseren Sohn vom Kindergarten abholen zu fahren.

Moment....Mist, Jakob! Ich musste sofort zum Kindergarten, ich war viel zu spät dran! >Ich...ich muss los!< >Herr Winter, Sie können jetzt nicht einfach weg!< >Ich komme morgen zu Ihnen aufs Revier, ich muss jetzt meinen Sohn abholen!< Der Polizist nickte. Ich stieg ins Auto und fuhr zum Kindergarten. Ich versuchte, mich zusammenzureißen. Ich musste stark bleiben und für unseren Sohn da sein, das war ich Denise schuldig. Also unterdrückte ich meine Tränen so gut es ging und öffnete die Tür zu Jakobs Kindergartengruppe.  ...



Sooo das war das 1. Kapitel. Ich hoffe, es hat euch gefallen und würde mich sehr über Kritik freuen. ♡
~Once upon a time
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