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900 Katzen

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 Slash
Red Velvet
14.05.2020
22.11.2020
6
10.391
2
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
14.05.2020 1.446
 
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|°•. [EXPOSITION] .•°|
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Status: noch keine Katzen

Song: Playing with fire - Blackpink


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Man sollte meinen, der Morgen wäre zu heilig, um ihn mit schlechten Nachrichten zu verderben, aber Timing war einfach nicht Joohyuns Stärke, genauso wenig wie Sensibilität.

"Wendy und ich sind ein Paar", unterbrachen ihre direkten Worte abrupt das gefräßige Schweigen um sie herum. Der Satz war Joohyun so schnell von den Lippen gerutscht, dass sie sich der Lawine an Konsequenzen, die er mit sich bringen würde, erst zwei Sekunden zu spät bewusst wurde. Aber die Worte waren draußen und das war gut so, nur hätte sie vielleicht passendere Umstände wählen sollen, bevor sie die Bombe platzten lies. Wendy schien ähnliche Gedanken zu haben, denn sie warf ihrer Freundin einen erschrockenen Blick zu, bevor sie sich überwand und stumm nach Joohyuns Hand griff. Gut sichtbar verschränkten sie ihre Hände auf dem Frühstückstisch, die von drei Augenpaaren ungläubig angestarrt wurden.

Die Atmosphäre in der kleinen Küche mit dem großen Fenster, hinter dem man Schneeflocken umherwirbeln sah, war bis dahin noch gemütlich und harmonisch gewesen. Wendy und Joohyun saßen wie jeden Samstag mit ihren drei Mitbewohnerinnen am Frühstückstisch und genossen die ersehnte Pause vom Alltagstress. Ihre Worte riefen jedoch nur seltsames Schweigen bei ihren Freundinnen hervor und eine eigenartige Kälte legte sich stattdessen über den kleinen Raum, der sie beide frösteln lies.

Joy, die friedlich dabei gewesen war, sich Unmengen an Essen in den bereits vollen Mund zu stopfen, sah auf. Mit den vollen Wangen und einem fassungslosen Gesichtsausdruck auf den sonst so wissend wirkenden Zügen, fiel sie zum ersten Mal aus ihrer Rolle der knallharten Geschäftsfrau und erinnerte stattdessen an einen kleinen, süßen Hamster, der angefangen hatte, an seiner Existenz zu zweifeln. Das Ei, welches sie sich gerade noch in den Mund hatte schieben wollen, rutschte armselig von ihrer Gabel auf den Teller zurück und durchbrach die angestrengte Stille des Frühstückstisches mit einem leisen Platschen.

Yeri erging es ähnlich. Der schwarze Kaffee in ihrer Tasse schwankte schon bedenklich und hätte sicher ebenfalls seinen Weg auf den Tisch gefunden, hätte ihn Joohyun ihr nicht geistesgegenwärtig aus der Hand genommen. Ihr vorlauter Mund, aus dem normalerweise Wörter ohne Ende blubberten, wie bei einem Wasserfall, öffnete sich ein paar Mal, nur um sich wortlos wieder zu schließen. Auf diese Reaktion begann eine von Wendys Augenbrauen gefährlich zu zucken, aber sie schien sich zusammenzureißen und drückte die Hand von Joohyun noch ein bisschen fester, als könnte die Stärke ihrer Verbindung die Blicke der anderen in Luft auflösen. Aber das funktionierte nicht. Fassungslos wurden sie von ihren Freundinnen angestarrt, als würden sie erwarten, dass es sich lediglich um einen Aprilscherz handelte. Im Dezember.

Die einzige, die völlig erstarrt auf ihren Stuhl saß und auf die fleckige Tischdecke schaute, als könne diese sie aus dieser Situation erlösen, war Kang Seulgi. Kang Seulgi, deren Mund sich zu einem schmalen Strich presste und in deren großen, schokobraunen Augen sich anfingen Tränen zu sammeln, die sie angestrengt versuchte wegzublinzeln. Seulgi, die unter dem Tisch die kleinen Hände zu Fäusten ballte und deren pastellrosa Fingernägel sich schmerzhaft in ihre weichen Handflächen bohrten. Nicht durchdrehen, schrie es in ihrem Kopf panisch. Nicht durchdrehen! Sie wollte sich nichts anmerken lassen, egal wie dumm das auch war, egal ob jeder sich jeder der Wahrheit bewusst war. Seulgi traute sich letztendlich aufzuschauen und suchte automatisch nach Wendys Blick. Wie konntest du nur, fragte sie stumm, aber das schuldige Glitzern in den Augen ihrer besten Freundin war die einzige Entschuldigung, die sie erhielt. Und es tat weh.

"Wie echt jetzt?", quietschte Yeri entsetzt und sah aus, als hätte man ihr eben gesagt, dass Lord Voldemord in seiner Freizeit gerne Spitzenhandschuhe häkelte. Ihr Gehirn ratterte und versuchte die Bedeutung von Joohyuns Worten zu verarbeiten. Leicht war es nicht, in ihrem Kopf war immer ein Bild von Seulgi und Joohyun aufgeploppt, wenn es um das Thema Beziehungen ging. Irgendwie kam das menschliche Energiebündel nicht ganz mit. Ihre Augen huschten, wie bei einem Tischtennisspiel zwischen ihren Freundinnen hin und her. "Richtig mit Küssen und so?"  

Wendy nickte schüchtern, die Lippen zusammengepresst und schaute weg, überall hin, nur nicht wieder in Seulgis traurige Augen, deren Vorwurf sie nicht ertragen konnte. Joohyun ging es ähnlich. Die Hände der sonst so gefassten jungen Frau spielten mit der geblümten Tischdecke, auf der schon seit Jahren ein riesiger, brauner Kaffeefleck prangte. Das dumme Ding ging einfach nicht auszuwaschen und ärgerte sie immer wieder aufs neue. Ebenso diese eine, nervige Strähne, die sich aus ihrem akkuraten Pferdeschwanz gelöst hatte und ihr in die Augen hing. Oder Joy, die entgegen ihrer pingeligen Art, ihr Essen lautstark herunterschluckte, um wieder Reden zu können. Oder mit anderen Worten, um Gift zu spucken.

"Das ist doch ein Witz!", fauchte sie und warf mit Schwung die langen, glatten Haare nach hinten, wie so oft, wenn sie wütend war, "Wann soll sich das denn bitte entwickelt haben? Und überhaupt, wie unsensibel und egoistisch kann ein Mensch sein?" Ihre Karamellbraunen Augen funkelten vor unterdrücktem Zorn, unter dem sowohl Wendy, als auch Irene kleiner wurden. "Wir lieben uns", wisperte Joohyun schlicht und erhob zum ersten Mal nach ihrer Aussage die Stimme. Wendy krallte sich an ihre Hand, als würde ihr Leben davon abhängen. "Was ist an Liebe denn egoistisch? Und überhaupt, solltet ihr euch nicht für uns freuen. Verdammt, wir sind doch Freunde!" Demonstrativ hauchte sie Wendy einen Kuss auf die Stirn und schien gar nicht zu bemerken, wie Seulgi kaum merklich zusammenzuckte. Joy und Yeri hingegen entging diese kleine Geste nicht und während Yeri unter dem Tisch ermutigend nach Seulgis Hand griff und mit dem Daumen beruhigende Kreise über ihren Handrücken fuhr, drehte Joy vollkommen durch.

"Vielleicht weil eure Freundin auch Gefühle hat und ihr, wie ein Paar dumme Elefanten auf diesen heruntrampelt? Und du schimpfst dich auch noch ihre beste Freundin. Du widerst mich an, Son Seungwan!", keifte sie, sprang auf und war kurz davor ihrem Temperament die Oberhand zu überlassen und den Hausfrieden somit in den Ruhestand zu schicken, als sie ein bestimmter Griff an ihrem Handgelenk davon abhielt. Seulgi war alarmiert aufgestanden und schob ihre kochende Freundin zurück auf ihren Stuhl, wo Yeri sanft einen Arm um sie schlang und ihr etwas ins Ohr flüsterte. Sie schien Joy tatsächlich beruhigen zu können und aus dem fauchenden Löwen wurde innerhalb von Sekunden ein braves Schäfchen.

Seulgi derweil zwang sich ein schiefes Lächeln auf, was mehr Ähnlichkeiten mit einer Grimasse zu haben schien und umarmte Wendy und Joohyun einmal knapp, die beide schon Tränen in den Augen hatten, Dank der Reaktion ihrer Freunde.  

"Wir freuen uns natürlich für euch...", murmelte Seulgi schließlich steif, "...und wünschen euch alles Glück der Welt. Eine Beziehung zwischen euch ändert nichts an unserer Freundschaft." Mit einem lautlosen Krachen landeten vier ungläubige Blicke auf ihr. Vier Blicke, die sich der Wahrheit mehr als bewusst waren. Angestrengt versuchte sie ihr Lächeln zu halten und beglückwünschte ihre beste Freundin und das Mädchen, das sie offensichtlich liebte, zu ihrer gemeinsamen Beziehung. Das war es dann wohl, dachte sie verbittert und versuchte dem tosenden Schmerz in ihrem Inneren zu verdrängen. Dabei hatte sie gerade erfahren, wie es sich anfühlte, wenn einem das Herz direkt aus der Brust gerissen wurde und auf dem Frühstückbuffet landete. Genau auf dem Teller von Wendy und Irene, die begannen es mit Messer und Gabel auseinanderzunehmen.

"Entschuldigt mich", wisperte Seulgi schließlich erstickt und hastete aus dem Raum, der ihr mit einem Mal das Gefühl aufdrückte, lebendig zu ersticken. Sie schloss die Tür und rannte in ihr farbenfrohes, gemütliches Zimmer, das ihr mit einem Mal grau und einsam vorkam. Schluchzend verkroch sie sich unter der Bettdecke, klammerte sich an ihre Plüschkatze und erlaubte sich endlich zu Weinen. Erlaubte sich den Schmerz herauszulassen. Erlaubte sich schwach zu sein.

Und ihr Herz zerriss in tausend Stücke, hätten Autoren vermutlich geschrieben, aber es war nicht nur Seulgis Herz, dass sich schmerzlich zusammenzog; ihr ganzer Körper schien den Kummer zu spüren, der pochend durch ihre Venen floss. Dabei hatte sie doch nichts weiter verbrochen, als zu lieben und darauf zu hoffen, geliebt zu werden. Aber anscheinend war Bae Joohyun nicht nur ihre große Liebe, sondern auch ihr Untergang.

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Love is like playing with fire

I'll get hurt


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|°•. [EXPOSITION] .•°|
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Damit wäre der Einstieg in diese Geschichte geschafft. Ich hoffe, es hat euch gefallen und über Kritik und Verbesserungsvorschläge würde ich mich unglaublich freuen!

Was haltet ihr außerdem von den Charakteren?
Konntet ihr die Handlung nachvollziehen? Es ist doch etwas verwirrend geworden. >.<
Handeln Joy, Wendy oder Seulgi richtig?

Alles Liebe,
Eure MissZ :)
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