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Shakespeare-University

GeschichteFreundschaft / P16 / Mix
13.05.2020
26.06.2020
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13.05.2020 564
 
Ankommen





„Was für ein Zufall, dass sie uns ins selbe Zimmer gesteckt haben!“, sagte Rosenkranz fröhlich und ließ seinen Koffer einfach an Ort und Stelle zu Boden fallen. Bei diesem Ort handelte es sich um den Bereich direkt vor der Tür. Er hatte grade mal einen Schritt in sein neues Zimmer hinein gemacht, bevor er mit dem Wundern angefangen hatte.

„Sicher nur Zufall“, entgegnete Güldenstern, welcher vor seinem Freund das Zimmer betreten hatte und schon bei einem der Betten stand. Obwohl das, was er sagte, inhaltlich kaum Bedeutung hatte, war sein Tonfall doch besorgt. Und Rosenkranz bemerkte die tiefe Furche, die sich in Stirn des anderen gegraben hatte. Wenn er so mit dem Sorgen weitermachen würde, dann würde er bald graue Haare bekommen.

„Sagte ich ja“, sagte Rosenkranz und bewegte sich aus dem Bereich vor dem Eingang, um die Tür hinter sich zu schließen.

„Bei all den Studenten werden sie sicherlich nicht bei jedem darauf geachtet haben, wer mit wem in ein Zimmer kommt – ob sich die Mitbewohner schon kennen, meine ich“, antwortete Güldenstern auf eine Bemerkung, die niemand gemacht hatte. Er hatte die Arme vor der Brust verschränkt und damit begonnen, zwischen den zwei frisch bezogenen Betten hin und her zu gehen. Rosenkranz wusste, dass sein Freund das immer tat, wenn ihm irgendwas nicht ganz klar war. Selbst, wenn es sich dabei nur um die kleinsten Dinge handelte.

„Vielleicht haben sie ausgelost“, bot Rosenkranz eine mögliche Lösung für Güldensterns Problem an. Sein Freund hielt Inne und richtete seinen Blick auf ihn. Eine Weile lang standen sie nur so da und sahen sich an. Güldenstern wusste, dass er sich einfach mit Rosenkranz’ Theorie zufrieden geben konnte, aber aus irgendeinem Grund konnte er das nicht. Und Rosenkranz sah es.

„Warum bist du so besorgt?“, fragte er schließlich. Güldenstern öffnete seinen Mund, denn er war natürlich nicht nur besorgt, weil sie zufällig ins selbe Zimmer gekommen waren, sondern weil – Doch er schloss seinen Mund wieder, erschrocken davon, dass aus diesem keine Antwort gekommen war.

„Ich weiß es nicht“, gestand er schließlich, ohne das Entsetzen ganz aus seiner Stimme verbannen zu können. Rosenkranz kam auf ihn zu und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Hier“, sagte er, „setz sich.“ Gemeinsam sanken sie auf eins der Betten nieder. Güldenstern hatte noch immer die Arme verschränkt und die Falte auf seiner Stirn ließ vermuten, dass er sich momentan aktiv Gedanken darüber machte, dass er nicht mehr wusste, warum er sich grade noch Gedanken gemacht hatte.

„Es ist zu früh, um sich so sehr zu sorgen“, beschloss Rosenkranz schließlich und ließ sich nach hinten auf das Bett fallen. Fast sofort leistete Güldenstern ihm Gesellschaft.

„Es ist Nachmittag“, gab er zu bedenken. Rosenkranz verdreht die Augen.

„Ich meinte, zu früh in deinem Leben. Du bist noch zu jung“, entgegnete er. Güldenstern stieß ein freudloses Schnauben aus. „Wer weiß, wie alt ich werde.“

Alarmiert stemmte Rosenkranz sich auf, um den anderen richtig ansehen zu können und wie instinktiv griff er nach seiner Hand.

„Sag das nicht“, bat er. Güldenstern lächelte – ein ehrliches Lächeln – und endlich glättete sich diese Furche auf seiner Stirn.

„Keine Sorge“, sagt er leise, „ich würde dich nicht zurück lassen.“ Er hob seinen Kopf und gab Rosenkranz einen flüchtigen Kuss auf den Hals, bevor dieser in seine Arme fiel und ihn so nahe an sich drückte, wie es möglich war, ohne dass einer von ihnen erstickte.
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