Summer of life

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
13.05.2020
27.05.2020
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23.05.2020 3.383
 
Kapitel 4

Ich liege auf einer Wiese und blicke in den Himmel. Einen wolkenlosen Tag habe ich erwischt und ich genieße die Strahlen, die meine Haut kitzeln. Wo bin ich? Trotz der Leichtigkeit, die der strahlend blaue Himmel über mir ausstrahlt, fühle ich mich schwer. Bleischwer. Ich versuche mich zu erheben, doch mein Versuch scheitert. Ich versuche es nochmal und nochmal und nochmal…doch ich kann mich nicht bewegen. Panik kommt in mir auf. Was ist hier los? Warum ist hier niemand? Und dann spüre ich eine sanfte Bewegung an meiner Hand. Federleicht, fast hätte ich sie nicht wahrgenommen. Und dann spüre ich nur noch einen Schmerz, der meine Hand zum Glühen bringt. Doch auch jetzt schaffe ich es nicht, meinen Kopf soweit zu bewegen, dass meine Hand in mein Sichtfeld gelangt. Der Schmerz breitet sich immer weiter aus. In meinen Unterarm, Oberarm und schließlich spüre ich ihn in der Brust. Und dann bleibt mir die Luft weg…


Ich schrecke auf und stelle fest, dass ich schweißgebadet in meinem Bett liege. Im Krankenhausbett besser gesagt. Gott sei Dank, war das alles nur ein Traum. So echt, nah und doch so fern.

Als es an meiner Tür klopft, schrecke ich zusammen und atme erleichtert aus, als ich Lia im Türrahmen erkenne.

,,Guten Morgen Schlafmütze, habe ich Dich etwa geweckt?“

Ich wundere mich gerade noch, was sie denn so früh schon bei mir macht, als ein Blick auf meinen Wecker verrät, dass wir es bereits späten Vormittag haben.

,,Nein alles gut, komm rein, ich bin froh, dass Du da bist!“

Lia umarmt mich, gibt mir ein Küsschen auf die Wange und setzt sich dann neben meinem Bett auf den Besucherstuhl.

,,Wie geht’s Dir?“, fragt sie mich auch sofort.

,,Besser. Die Kopfschmerzen sind noch nicht ganz weg, aber in allem fühle ich mich wieder wie ein Mensch.“
Sie lacht und automatisch zaubert sie mir damit ebenfalls ein Lächeln auf die Lippen.

,,Und wie geht es Euch?“, frage ich im Gegenzug.

Ein Blick auf ihren Bauch lässt inzwischen eine Schwangerschaft vermuten.

,,Es wird immer offensichtlicher, was?“, fragt sie, als sie meinen Blick bemerkt.

,,Du bist trotzdem immer noch wunderschön! Also wie geht’s Euch?“

,,Gut soweit, aber Leon macht mir jetzt schon Druck, da ich auf der Arbeit mit so vielen Duftstoffen und Parfums und chemischen Sachen arbeite. Ich verstehe, dass ich das nicht so lange machen kann wegen der Kleinen, aber bei der Vorstellung, den ganzen Tag daheim zu sitzen, bekomme ich eine Schnappatmung.“

,,Lia, Du weißt das Leon Recht hat?“, frage ich sie mit einem Unterton, der keine Widerrede zulässt.

,,Ja…schon…aber…“

,,Nichts aber, Du musst mit Deiner Chefin reden, weiß Sie schon dass Du schwanger bist?“

Lia schüttelt den Kopf und verneint.

Typisch Lia, immer muss Sie Ihren Kopf durchsetzen, doch gerade jetzt, sollte Sie auf Ihren Mann hören.

,,Ja Chef, mache ich“, lacht sie, ,,weswegen ich eigentlich hier bin, ich habe was entdeckt, was Dir vielleicht helfen kann. Aber erstmal, hast Du schon mit dem Psychologen gesprochen?“

,,Ja habe ich und auch er ist der Meinung, dass ich nicht unbedingt professionelle Hilfe brauche. Es ist so, wie Du damals schon vermutet hast: Burn-out.“

,,Ja, das habe ich mir gedacht. Also pass auf“, sagt sie und befördert einen Stapel Papiere aus ihrer Handtasche.

,,Was ist das?“, frage ich auch sofort.

,,Ein Erholungsort für Menschen mit Burn-out, oder Suchterkrankungen, aber auch für chronisch Kranke Patienten.“

,,Und?“, hake ich nach.

,,Das hört sich alles so toll an. Und Du brauchst dringend eine Auszeit, dass kannst Du nicht leugnen!“

Sie sieht mich scharf an und ich muss zugeben, so falsch liegt sie damit nicht.

,,Hör zu, ich lasse Dir die Unterlagen da. Schau Sie Dir einfach mal an, vielleicht ist es ja was für Dich. Und um Dir gleich die Ausrede zu nehmen. Nein, Dich wird dort niemand erkennen, jedenfalls nicht jeder, es ist nämlich in den USA. Überleg´s Dir, ich muss los“, sagt sie und ist im gleichen Atemzug aus der Tür verschwunden.

                                                                                                                         

USA? In den USA sind wir tatsächlich noch nicht so bekannt wie in Europa. Vereinzelt gibt es dort natürlich auch Fans, aber zum Untertauchen wäre dass der perfekte Ort.

Ich nehme den Stapel Papier, den sie mir auf mein Nachtschränken gelegt hat und lege ihn mir auf die Beine.
Das Infomaterial ist auf Deutsch, doch der Name ,,summer of life“ sticht mir sofort ins Auge.

Es handelt sich nicht um eine gewöhnliche therapeutische Einrichtung, eigentlich ist es eine nichtärtzliche Maßnahme. Es ist ein Programm für gestresste Leute, die es sich leisten können, für ein paar Wochen auf einer Ranch zu leben und sich zu erholen. Und der Preis ist stolz. Keine Frage! Aber das spielt bei mir keine Rolle. Zumindest jetzt nicht mehr.

Ich blättere mich durch die Seiten und allein die Fotos sind überzeugend. Jeder Gast hat eine eigene kleine Hütte in einem Feriendorf. Weitläufige Wiesen, davon einige bestimmt zu Koppeln umfunktioniert, Rinder, Pferde und jede Menge Ruhe.

So wirkt die Broschüre auf mich. Ich kann es mir durchaus vorstellen, für ein paar Wochen dort zu leben. Doch geht das überhaupt so einfach? Kann ich das überhaupt allein entscheiden? Schließlich befinden wir uns eigentlich auf Tour, das neue Album muss produziert werden und es stehen einige Termine zu Interviews an, sowie Fototermine.

Auch wenn wir die ganzen Konzerte absagen mussten, so würde ich doch gerne die anderen Termine wahrnehmen. Präsent bleiben, auch wenn wir nicht live zu sehen sind.

Doch immer wieder habe ich eine Stimme im Kopf. Ben. Deine Gesundheit geht vor! Und er hat Recht. Ich werde wohl doch noch mit den Jungs und Nick reden müssen, denn mein Blick verliert sich automatisch an den Bildern der Ranch in den USA.

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Nach weiteren vier Tagen Krankenhausknast darf ich endlich wieder nach Hause. Lia holt mich ab, fährt mich den langen Weg zu mir nach Hause, und muss mich dann leider absetzen, da sie einen Termin zur Vorsorgeuntersuchung der kleinen Prinzessin in ihrem Bauch hat.

Also begebe ich mich in mein leeres, stickiges Zuhause und wieder einmal wird mir die Einsamkeit bewusst. Hier wartet niemand auf mich und wird es auch nicht. Keiner freut sich, wenn ich nach Hause komme, keiner empfängt mich mit einer Portion Liebe.

Ich packe erstmal meine Tasche aus, nachdem ich alle Fenster aufgerissen habe und genehmige mir dann eine Dusche, um das Krankenhaus von mir abzuwaschen.

Es ist die erste richtige Dusche seit meinem Unfall und ich genieße das heiße Wasser auf meiner Haut. Das Bedürfnis, mich wieder an meine Grenzen zu bringen, habe ich aber nicht, was mir erst später bewusst wird.

Ein Blick in den Spiegel erspart mir die Frage des Rasierens. Es ist längst überfällig und so nehme ich meinen Rasierer aus dem Schrank. Die Erinnerungen lassen mich auf meinen Narben schauen. Es sind doch alle fast verheilt, da könnte ich doch…? Nein!

Ich werfe den Rasierer mit so einer Wucht in den Mülleimer, dass dieser umkippt und auf der Seite liegend auf dem Boden liegen bleibt.

Verdammt! Nein, nein, nein!

Im umgewickelten Handtuch laufe ich aus dem Bad ins Schlafzimmer und ziehe mir frische Klamotten an.

Der Mülleimer im Bad reicht noch nicht aus! Also schnappe ich mir den Müllbeutel und bringe ihn runter zu den Containern.
Weitere Klingen habe ich nicht und so komme ich nicht auf dumme Gedanken.

Und dann stellt sich ein Gefühl von Stolz in mir ein. Ich habe es tatsächlich geschafft, mich davon abzuhalten, mich zu verletzen oder zu benebeln. Und so schlimm sehe ich schließlich auch noch nicht aus!

Immer noch stolz rufe ich daraufhin Lia an, um ihr zu erzählen, was gerade passiert ist. Doch es geht nur ihre Mailbox ran. Klar, sie ist ja beim Arzt. Ich spreche ihr die frohe Botschaft auf die Mailbox und bestelle mir dann etwas zu essen. Meine Kochkünste lassen sowieso nicht viel zu und ich fühle mich immer noch nicht so fit.

Mein Essen wird geliefert und ich mache es mir ausnahmsweise auf dem Sofa bequem.

Ich bin gerade beim letzten Bissen, als mein Handy klingelt.

,,Hey Lia“, nuschele ich mit noch vollem Mund und beeile mich, zu schlucken.

,,Störe ich?“

,,Nein, bin gerade fertig mit essen, wie wars beim Arzt?“

,,Alles gut, der Kleinen geht’s gut, sie haben noch Blut abgenommen, ich hoffe, dass auch da alles in Ordnung ist.“

,,Bestimmt! Hast Du meine Nachricht abgehört?“

,,Ja! Ich bin so stolz auf Dich! Und das kannst Du auch auf Dich selbst sein!“

Wir unterhalten uns noch eine Weile über ihre Pläne fürs Kinderzimmer, dass sie gerne in rosa Halten würde, Leon aber ein bisschen dezenter und neutraler vorgehen würde.

Ich verstehe sie beide. Einerseits kann ich mir Lia mit einem Mädchen absolut nur in einer rosa Umgebung vorstellen, aber andererseits habe ich auch ein bisschen Mitleid mit Leon. Und außerdem ist das typisch blau, rosa für Babys auch langweilig. Ich hätte mich für ein helles, sanftes Grün entschieden, aber ich mische mich da nicht ein und so wie ich Lia kenne, wird Leon bald in einem rosa Kinderzimmer stehen.

Als ich am Abend in meinem Bett liege bitte ich die Jungs noch mit einer Nachricht um ein Treffen am nächsten Tag. Ich möchte so schnell wie möglich meinen Plan umsetzen und mir einen Flug in die USA buchen können!

                                                                                                                        

Ich schlafe schlecht in dieser Nacht. Auch wenn es mein Bett ist und ich in meiner gewohnten Umgebung bin, so lässt mir mein Kopf mit dem Gedankenkarussell keine Ruhe. Immer wieder muss ich an die Ranch denken. Aber auch, wie die anderen, besonders Nick, auf meine Entscheidung reagieren werden. Ich habe entschieden, erst mit Nick zu sprechen, wenn mir die Jungs ihren Segen gegeben haben. Denn ich will sie auf keinen Fall hängen lassen und da dies die gesamte Band betrifft, kann ich nicht über ihren Kopf hinweg entscheiden.

Und auch die kleine Prinzessin geht mir nicht aus dem Kopf. Lia hat mir heute verraten, dass Leon und sie mich gerne als Patenonkel haben würden. Ausgerechnet mich! Ich habe absolut keine Erfahrung mit Kindern, aber ich habe Zuversicht, dass ich in die Rolle wachsen werde. Und das haben die beiden offensichtlich auch und das macht mich besonders stolz. Ich werde ein Patenonkel sein! Ich sehe mich schon mit der Kleinen durch die Stadt laufen, ein Eis in der Hand und ein völlig verschmierter Mund.
Bei dem Gedanken stiehlt sich mir ein Lächeln auf die Lippen.

Ich habe die dreißig mittlerweile überschritten und ich habe mir schon damals mit meiner Verlobten Kinder gewünscht. Doch so weit ist es dann leider nicht mehr gekommen. Ich seufze und schließe meine Augen. Es stimmt schon was die anderen sagen. In meiner Position hat man oft kein liebesreiches Privatleben. Die fehlende Zeit lässt es einfach nicht zu. Außer bei Milow und Lenny, die beiden sind seit acht Jahren zusammen und selbst die Band hat die beiden nicht auseinandergerissen. Und jetzt sind sie seit einem halben Jahr verlobt und Lenny hat kein anderes Thema als die Traumhochzeit mehr. Ich finde das süß. Wenigstens einer von uns hat das lebenslange Glück gefunden.


Das letzte Mal als ich auf den Wecker gesehen habe, war es vier Uhr morgens. Das wird mir jetzt schmerzlich bewusst, denn um acht bin ich nun weder ausgeschlafen noch fit. Ich fühle mich, als hätte ich keine einzige Sekunde meine Augen geschlossen.

Trotzdem stehe ich auf, gehe ins Bad und mache mir ein kleines Frühstück. Noch immer dröhnt mein Kopf und ich bin froh, dass ich noch Schmerzmittel aus dem Krankenhaus mitbekommen habe.

Ein Blick auf mein Handy verrät mir, dass die Jungs heute gegen elf bei mir sein werden. Erst da fällt mir wieder ein, dass ich gestern Abend noch um ein Gespräch gebeten habe. Ich bin froh, dass sie zu mir kommen, denn für einen großen Ausflug außer Haus, fühle ich mich noch nicht bereit.

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Als um kurz vor elf die Klingel das Ankommen ankündigt, schrecke ich zusammen. Ich habe es mir auf dem Sofa bequem gemacht und bin wohl nochmal eingenickt.

Ich stehe langsam auf und ich merke, dass der stechende Schmerz in meinem Kopf nicht mehr so schlimm ist, wie noch vor ein paar Tagen. Nachdem ich die Tür geöffnet habe, fällt mir auch schon Lenny um den Hals.

,,Tut mir Leid, er wollte unbedingt mit und Dich sehen“, sagt Milow entschuldigend und zuckt mit den Schultern.

,,Ach, Du brauchst Dich doch nicht zu entschuldigen! Nils hat doch nichts dagegen“, sagt Lenny gespielt empört und wendet sich dann an mich.

,,Oder?“

Perplex über die stürmische Begrüßung schüttele ich nur meinen Kopf, sehr sachte, denn ich will die Kopfschmerzen nicht heraufbeschwören.

,,Na siehst Du Schatz, er hat nichts dagegen.“

Und damit ist die Sache geklärt. Auch wenn Lenny nicht zur Band gehört, so gehört er doch irgendwie schon zum Inventar und ist Teil unserer kleinen Familie geworden.

Wir setzen uns ins Wohnzimmer.

,,Na, was hast Du auf dem Herzen?“, ergreift Ben das Wort.

,,Hm, also wie soll ich anfangen? Lia hat mir da etwas vorgeschlagen und ich habe mich dazu entschieden. Aber das würde bedeuten, dass ich mehrere Wochen weg wäre, also keine Termine, keine Albumproduktion…“

,,Erzähl mal von vorne, ich blicke da nicht durch, was willst Du denn machen?“

Ich stehe auf und hole die Unterlagen, die ich von Lia bekommen habe und lege sie wortlos auf den kleinen Tisch zwischen uns.

Nacheinander stecken die vier ihren Kopf in die Broschüre und sehen mich dann an.

,,Pferde? Echt jetzt?“, rutscht es Basti heraus und ich sehe, wie er sich ein Lachen verkneifen muss.

,,Es geht mir doch nicht um die Pferde! Seht ihr nicht die Landschaft, die Ruhe, die Idylle?“

,,Es ist wirklich wunderschön!“, haucht Lenny, ,,am liebsten würde ich mit Dir mitkommen, aber ich kann doch meine Milow-Maus nicht alleine lassen“, ruft er theatralisch aus, fuchtelt mit seinen Armen in der Luft herum und kassiert dafür einen Seitenblick von seiner Milow-Maus.

,,Lenny ich komme schon klar. Ich wollte Euch das nur zeigen, nicht einfach so für mich entscheiden.“

,,Deinem Gesicht nach zu urteilen, hast Du dich bereits entschieden“, kommt es von Ben, der mir in die Seite knufft.

Widersprechen kann ich ihm in dem Punkt allerdings nicht.

,,Wenn es Dir gut tut und Du danach wieder der Alte bist, dann geh. Wir kommen schon allein klar und Deine Gesundheit ist das Wichtigste! Außerdem haben wir sowieso alle Termine für die nächsten zwei Monate abgesagt. Also mach Dir keinen Kopf und tu das, was Dir im Moment guttut!“, höre ich von Milow.

,,Weiß Nick es schon?“, fragt Basti und ich verneine.

,,Ich wollte erst mit Euch reden.“

,,Wie süß“, kreischt Lenny, kommt auf mich zu und umarmt mich im Sitzen.

,,Wir sind so eine tolle Familie“, raunt er mir dann noch ins Ohr.

Während Milow nach außen hin nicht als schwul zu vermuten ist, könnte es bei Lenny nicht noch offensichtlicher sein. In jeder Art und Weise. Sei es der Kleidungsstil (enge Lederhosen, enge Oberteile, viel Schmuck und bunte Haare), oder die Gestik (Arme in die Luft werfen, viele Umarmungen und Küsschen auf die Wange-ob man will oder nicht) oder die Stimme (grell, laut-schwul).

Ich mag ihn wirklich und ich kann es mir ehrlich gesagt auch nicht mehr ohne ihn in der Gruppe vorstellen, doch manchmal wird mir seine Art einfach zu viel und ich bekomme Mitleid mit Milow. Das muss wirklich Liebe sein!

,,Am besten lassen wir Dir jetzt wieder Deine Ruhe“, lacht Ben und steht auf.

,,Ich rufe Nick dann auch gleich an und rede mit ihm. Danke, für Euer Verständnis!“, bedanke ich mich.

,,Kein Ding, für Dich immer!“, kommt es von Basti.

Während wir vier uns mit einem Handschlag verabschieden, komme ich um das berühmte Lenny-Küsschen nicht herum.

,,Mensch, lass den armen Kerl doch in Ruhe!“, kommt es kopfschüttelnd von Milow und ich kann sehen, dass ihm das Verhalten von seiner besseren Hälfte dezent peinlich ist.

,,Wir sind eine Familie und eine Familie darf man abknutschen!“

Überzeugter geht es wohl nicht mehr und ich muss mir ein Lachen verkneifen.

Blutsverwandtschaft hin oder her. Diese vier Chaoten haben einen riesigen Platz in meinem Herzen erobert.

                                                                                                                  

Ich mache mir nochmal eine Tasse Kaffee und setze mich damit auf meine Terrasse.
Einfach schön hier draußen. Meinen Garten lasse ich von einem Gärtner pflegen, dementsprechend blüht es bunt und in meinem Teich schwimmt ein Schwarm Kois. Ein paar Monate nach meinem Einzug habe ich noch eine Brücke über den Teich bauen lassen und meinen Gärtner angewiesen einen Garten im japanischen Stil zu kreieren. Und ich muss sagen, es ist ihm wirklich gut gelungen.

Ich nehme mein Handy in die eine und die Tasse in die andere Hand und wähle Nicks Nummer.

,,Hey, was gibt’s?“, meldet sich unser Manager zu Wort.

Nick ist knapp über vierzig, seine Stimme klingt oft gereizt und er ist meistens im Stress, sodass ich mich glücklich schätzen kann, ihn überhaupt am Telefon zu haben.

,,Soll ich nachher nochmal anrufen, ist es gerade schlecht?“

,,Ne schieß los, was gibts?“

,,Hör zu, ich habe vorher mit den Jungs geredet. Ich würde mir gerne ein paar Wochen Auszeit gönnen und in die Staaten fliegen.“

,,Soweit so gut, was ist der Plan?“

,,Erholung auf einer Ranch…“

,,Meine Begeisterung hält sich in Grenzen, dass kannst Du dir sicher denken. Auch wenn wir alle Termine abgesagt haben, hatte ich doch schon neue Pläne. Aber ich schätze, Deine Gesundheit geht jetzt vor.“

,,Danke Nick!“, gebe ich erleichtert zurück, da ich weiß, dass er, auch wenn er uns freundschaftlich behandelt, doch immer als Manager entscheidet.

,,Wie lange bist Du weg?“

,,Weiß ich noch nicht, ich weiß auch noch gar nicht, ob ich dort überhaupt ein Zimmer bekomme, aber wenn dann schon vier Wochen“, gebe ich zurück und als Antwort bekomme ich einen tiefen Ausatmer durch die Leitung.

,,Okay, nimm Dir die Zeit, ich plane um. Sag einfach Bescheid, wann Du dann wieder zurück bist. Dann gehe ich mit Euch die Pläne durch. Sagst Du den anderen bitte, dass sie dann die Zeit, in der Du weg bist, auch für sich haben?“

,,Mach ich, danke Nick!“

Ich lege auf und atme erleichtert aus. Zum Glück hat er sich nicht komplett verschlossen.

Ich schnappe mir meinen Laptop und setze mich zurück auf die Terrasse. Nachdem ich mir nochmal die Unterlagen angesehen habe, rufe ich die Internetseite auf und staune erneut über die Idylle, die sich mir da bietet.

Unter der Kategorie ,,cabins“ finde ich tatsächlich noch eine freie Hütte, die ich mir sofort buche. In einer Woche kann ich dort einchecken. Also buche ich mir gleich noch einen Flug in den US-Bundesstaat Wyoming.
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