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Eine etwas andere geschichte

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Arthur Hamilton Grayson Spencer Henry Harper Jasper Grant OC (Own Character) Olivia "Liv" Silber
12.05.2020
25.02.2021
6
18.217
3
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
1 Review
 
14.05.2020 3.585
 
Hier war ich also. Das fing ja toll an! An der Personenkontrolle erschnüffelte ein etwas dämlicher Drogenspürhund irgendwas in meiner Tasche. Och bitte nicht! Meine Schwester Mia war schon durch und blieb jetzt wieder stehen. Sie sah mich fragend an. Gott war ich dankbar, dass sie wieder dieses Funkeln in den Augen hatte. Nach dem Tod meines Vaters war sie am Boden zerstört gewesen. Das war nun zwei Monate her. Zwei Monate in denen ich sie getröstet, abgelenkt und beruhigt habe. Es hatte etwas gutes, dass ich so viel zu tun gehabt hatte. So konnte ich nicht allzu viel trauern. Zumindest nicht am Tag. Es gab nur selten Tage an denen ich mich nicht in den Schlaf weinte. Aber für Mia musste ich stark bleiben und lächeln. Also atmete ich tief ein, um die Leute vom Sicherheitsdienst nicht anzubrüllen. Diese öffneten nämlich gerade meinen Koffer und zog meine Sachen heraus. Als mein schwarzer Spitzen- BH auf dem Tisch landete, pfiff jemand hinter mir. Ärgerlich schaute ich in die Richtung. Och ne! Nicht der schon wieder. Er hatte mich den ganzen Flug über angesehen. Er sah nicht schlecht aus, eher im Gegenteil, aber ich kannte Typen wie ihn. Die waren auf einmaligen Sex aus und nicht mehr. Es ist nicht so das was einmaliges nicht ne Möglichkeit für  mich wäre, in den letzten zwei Monaten hatte ich nur solche Begegnungen, aber er sah so aus wie einer dem sich alle Mädchen an den Hals schmissen und so eine wollte ich nicht sein. Ich zeigte ihm meinen mittel Finger und er grinste nur zurück. Genervt verrollte ich die Augen und wandte mich wieder den Sicherheitsleuten zu. Jene hatten den Käse für Lottie entdeckt. Lottie war unser Kindermädchen, obwohl Mia und ich schon längst zu alt für eins waren. Sie war vor einem Jahr zu Mom gezogen um England kennen zu lernen und Mom brauchte eine Köchin. Wir Hatten ihr den Käse aus der Schweiz mit gebracht. Und er stank. Aber wie. Einer der beiden Sicherheitsleuten, ein etwas kleinerer Mann mit kahlem Kopf und Bierbauch, hielt sich erschrocken die Nase zu:,, Was ist den das?“ Noch bevor ich irgendwas sagen konnte, rief ein anderer Fluggast:,, Ein perfektes Versteck für Drogen und anderen illegalen Kram!“ Echt jetzt das war Käse! Mit ärgerlichem Blick erklärte ich um ruhe bemüht:,, Das ist Käse. Für eine Freundin von mir, okay? Keine Drogen versprochen! Ich habe es wirklich eilig. Meine Mutter holt mich ab und ich bin total verspätet. Bitte? Ich schwöre!“ Ich wollte Mia nicht auch noch mit rein ziehen. Der Beamte zog eine Augenbraue hoch und fragte:,, Was verheimlichen sie uns?“ Ich warf ihm nur einen fragenden Blick zu. Was ich verheimlichte? Nichts! Der andere Beamte, ein hoch gewachsener schlanker Mann ende vierzig, begann den Käse auseinander zu flücken. Wollte er mich verarschen? Erschrocken blickte ich auf den nun ruinierten Käse. Langsam kroch Wut in mir auf.,, So da haben sie es! Keine Drogen. Nur ein völlig zerstörter Käse! Also echt? Eine 16- jährige! Glauben sie wirklich ich will mir meine Zukunft zerstören? Kann es jetzt weiter gehen ich habe es eilig!“ Etwas bepöbelt sahen sie mich an. Der lange machte sich daran meine Sachen wieder einzupacken. Der rundliche packte den Käse wieder ein und schmiss in weg. Als mein Koffer (endlich) wieder gepackt war, gaben mir die Beamten ihn mit einem entschuldigen Blick zurück. Ärgerlich verabschiedete ich mich und ging zu Mia. ,,Unser armer Käse!“, entrüstete sie sich. Ich grinste sie an:,, Tja Lottie wird es überleben, meinst du nicht?“ Jetzt grinste auch Mia. Wir freuten uns beide auf Lottie. Sie war absolut fantastisch. Mia hatte noch einen Grund sich zu freuen. Einen der mir eher Kopfschmerzen bereitete. Unsere Mutter. Ich hatte sie vor sechs Jahren zuletzt gesehen, als sie uns wegen ihrem Job verlies. Ich war damals 10 und Mia erst 7. Mia hatte Mom das längst verziehen. Ich nicht. Es war nicht fair uns, ihre eigenen Kinder, wegen einem Job zu verlassen. Sie wollte uns auch nicht mitnehmen. Ja zugegeben das Leben hier in London war nichts für uns. Und wir waren auch keine von diesen Mädchen, die perfekt waren. Nein davon waren wir nun wirklich weit entfernt. Aber wir waren dennoch ihre Töchter. Tja trotzdem hatte sie uns im Stich gelassen. Jedoch musste ich zugeben, dass ich sie vermisst hatte. Wirklich sehr vermisst. Sie war meine Mom und sie würde es auch immer bleiben. Manchmal hätte ich eine Mutter gebraucht. Ich spürte wieder diese klaffende Dunkelheit näherkommen. Schnell schüttelte ich den Kopf um sie zu vertreiben. Seit Dads Tod kam sie immer in meinen schwachen Momenten und verschluckte mich. Aber zurück zum Flughafen. Dort rief meine Mom nämlich schon unsere Namen. Ja sie hatte sich kein bisschen verändert. Mia folg ihr förmlich in die Arme. Mom strahlte und schloss sie fest in die Arme. Mom sah aus wie früher, bis auf ihre Haare. Sie hatte immer noch leicht gebräunte Haut, strahlend blaue Augen und blonde Haare die ihr nun im Bob geschnitten waren mit Pony. Aber sie sah dennoch gut aus. Ich freute mich für die beiden, doch dann drehte sie sich zu mir um. Das Strahlen verblasste, aber sie lächelte immer noch. Allein schon diese Tatsache tat unglaublich weh. Es wurde nicht besser, als sie mir die Hand hinstreckte. Jep, sie freute sich definitiv, dass ich hier war (Sarkasmus lässt grüßen), doch ich ergriff ihre Hand höflich und lächelte: ,,Hi Mom. Schön dich wiederzusehen.“ Sie lächelte ein bisschen breiter:,, Finde ich auch Maus! Ich hab euch so vermisst! Ich möchte euch jemanden vorstellen.“ Ich konnte nur mit Mühe ein Schnauben unterdrücken. Wenn sie uns vermisst hätte, hätte sie uns Anrufen können. Doch ich riss mich für Mia am Riemen. ,,Das ist Ernest, mein Freund. Er wollte euch gerne kennenlernen. Ernest das sind Olivia und Mia. Herzallerliebst nicht?“, stellte Mom uns vor. Ernest war ein großer glatzköpfiger Mann mit riesigen Ohren. Er war mir vorher gar nicht aufgefallen. Auch ihm schüttelte ich höflich lächelnd die Hand. Mia tat es mir gleich. Er strahlte förmlich. Mom freute sich riesig und erklärte:,, Liv, Mia wir sind heute Abend bei Ernest zum Essen eingeladen, deshalb müssen wir jetzt los. Hopp Hopp. Ist das euer ganzes Gepäck?“ Sie sah etwas verwirrt auf unsere sechs Koffer. Sie waren voll mit unseren Besitztümern. Plus meinen Geigen Koffer und Mia und mein Handgepäck. ,,Ja“, antwortete ich schlicht. Mom sah auf und lächelte wieder und fuhr fort:,, Okay. Ernest und ich nehmen je zwei Koffer und ihr beide nehmt die anderen beiden und euer Handgepäck. Und los ab zum Auto!“ Mom nahm zwei Klamottenkoffer und Mia und ich die beiden anderen Klamottenkoffer. Ernest trug die zwei schwersten, was wohl erklärte warum er schnaufte wie ein Pferd, als wir an seinem Mercedes ankamen. Wir packten die Koffer in den Kofferraum und stiegen ins Auto. Ich setzte meine Kopfhörer auf und machte die Musik an. Sofort ertönten die Töne von ,,Solo Dance“ von Martin Jensen. Mann oh Mann, die Begegnung mit unser Mutter lief ja ganz gut?! Hoffentlich verlangte sie nicht das wir Ernest jetzt als unseren Vater betrachten. Sofort dachte ich an Dad. Schnell an was anderes denken.  Mia! Wie sie sich wohl fühlte? Sollte ich sie fragen? Ich sah zu ihr. Sie sah wirklich ein bisschen traurig aus.,, Alles gut Mia?“, erkundigte ich mich deshalb. Sie nickte und fügte hinzu:,, Ja alles Gut! Ich freue mich auf Lottie, aber was ist wenn sie uns vergessen hat.“ Ich lächelte sie aufmunternd an:,, Glaub mir Mia dich vergisst man nicht!“ Mia verdrehte die Augen wirkte aber beruhigt. Von der guten Laune war nichts mehr übrig, als ich das Mehrfamilienhaus sah in dem wir von nun an wohnen sollten. Es erinnerte mich an das Haus in dem wir gelebt hatten vor Dads Tod. Damit meine Mutter nichts von meiner Trauer mitbekam überspielte ich sie, indem ich den genervten Teenager raushängen ließ:,, Hier sollen wir wohnen?“ Mia sah ähnlich verstört aus. Unser Mutter dagegen strahlte:,, Keine Bange! Ist nur vorüber gehend.“ Jetzt runzelte ich die Stirn. Wie nur vorüber gehend? Die plante doch was! Auch Ernest nickte lächelnd:,, Ja, aber lasst uns erstmal eure Sachen nach oben bringen.“ Gesagt getan. Leider war unsere Wohnung ganz oben, weshalb es sehr lange dauerte. Als wir die Wohnung betraten, dachte ich, ich fall um. Die Wohnung war voll mit Kartons. Überall standen sie gestapelt. Erschrocken drehte ich mich zu Mom, die erst mal verschnaufen musste, und erkundigte mich: ,,Lebst du so seit 6 Jahren?“ Lachend schüttelte sie den Kopf:,, Nein! Ihr erfahrt früh genug was los ist. Jetzt ruht euch mal aus und macht euch dann fertig.“ Mom wandte sich Ernest zu, während Mia und ich auf Erkundungstour gingen. Es roch echt gut, weshalb wir in die Küche gingen. Dort standen dampfende Bleche Vanillekipfel und … Lottie! ,,Lottie!“, kreischte Mia aufgeregt und lief zu ihr. Lottie strahlte als sie Mia in den Arm nahm. Ich freute mich und lies ihnen Zeit. Mia vergoss ein paar Freudentränen:,, Du hast uns nicht vergessen!“ Lottie schob Mia verwirrt von sich:,, Wie könnte ich euch vergessen?“ Ich lachte:,, Hab ich ihr auch gesagt!“ Lottie sah mich jetzt an. Sie sah aus als wollte sie die allseits verhasste Frage stellen, weshalb ich mir ein strahlendes Lächeln ins Gesicht schmierte. Lottie nahm mich fest in den Arm. Gott hatte ich ihre Schraubstockumarmungen vermisst. Ich erwiderte die Umarmung, aber nicht so fest. ,,Hey Lottie. Hab dich vermisst.“,, begrüßte ich sie. Lottie schob mich ein bisschen von sich weg, um mich zu betrachten. ,,Meine Elfenmädchen! Es ist so schön euch wiederzusehen! Jetzt setzt euch und erzählt was ich verpasst habe.“ ,bat sie. Und so machten wir es. Wir erzählten ihr von der Schweiz und New Orleans. In New Orleans haben wir gelebt vor Dads Tod und nach seiner Beerdigung sind wir zu unseren Großeltern in die Schweiz gefahren, um dort zu leben bis wir nach London ziehen.
Irgendwann kamen wir zu Dads ,,Unfall“. Dort stockte Mias Stimme und ich ahnte, dass sie gleich weinen würde, also erzählte ich weiter:,, Dad wurde in eine Schießerei verwickelt. Und ist gestorben.“ Ich spürte wie die Dunkelheit mich verschluckte, weshalb ich aufstand und Lottie bat sich um Mia zu kümmern. Lottie nickte und sah mich traurig und mitleidig an. Ich hatte diese Blicke nicht verdient, sondern mein Vater. Ich habe ihm das mit Stefan gesagt. Ich hatte mich bei ihm ausgeheult und ihn angefleht was zu unternehmen. Und das hatte ihn umgebracht. Schnell suchte ich das Bad auf, denn die Dunkelheit verschluckte mich schon. Gerade rechtzeitig schloss ich die Tür, als die Tränen auch schon liefen. Weinend rutschte ich an den Fliesen runter und blieb sitzen wie ein Häufchen Elend. Ich wurde von mehreren Schluchzern geschüttelt. Jetzt konnte ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen. Ich konnte nicht mehr. Ich war fertig. Jeden Tag meine Gefühle verstecken und mit meiner Schuld leben. Und ich vermisste meinen Dad. So sehr. Ich brauchte ihn. Es war als wäre ein Teil meines Herzes  mit ihm gestorben. Ich war nichts ohne ihn. Vielleicht würde er noch leben wenn ich mich zusammen gerissen hatte. Ich hätte ihm an  dem Abend sagen soll wie sehr ich ihn liebe. Aber nein ich war schwach gewesen und hatte geweint. Ich stand auf und suchte in den Schränken, bis ich es fand. Eine Rasierklinge. Perfekt! Ich schob meinen Ärmel nach oben und setzte sie an. Ein Schnitt. Der Schmerz schoss mir den Arm hoch. Zweiter Schnitt. Geht tiefer und beide fangen an zu bluten. Ich sollte für jeden Tropfen Blut den mein Vater verloren hat bezahlen. Dritter Schnitt. Meine Tränen versiegen. Vierter Schnitt. Ich beruhige mich und atme tief durch. Fünfter Schnitt. Ich bezahle einen Teil meiner Schuld. Ich sah dem Blut zu wie es aus den fünf neuen Wunden rinnt. Fünf neue Schnitte. Sie fallen unter den anderen kaum auf. Das Blut hört auf zu fließen und ich krame einen Verband raus. Ich verbinde mir den Arm und sah mich im Spiegel an. Ich sah verweint und fertig aus. Mein blondes Haar war matt, wie meine Augen. Okay ich brauchte kaltes Wasser. Ich blieb noch fünf Minuten im Bad, bis ich wieder normal aussah. Lächelnd ging ich in die Küche aus der leises Gekicher drang. Dort saßen Mia, Mom und Lottie und aßen Vanillekipfel. ,,Hey darf ich auch noch welche haben!“, machte ich mich bemerkbar. Alle sahen auf und lächelten mich an. Mom bedeutete mir mit einem Lächeln mich zu ihnen zu setzten. Wir alberten noch ungefähr eine halbe Stunde rum, bis Mom plötzlich aufsprang und erschrocken auf die Uhr sah. ,,Shit!“, murmelte sie frustriert:,, Wir kommen zu spät. Mia, Liv macht euch bitte fertig. Wir müssen los!“ Stimmt das Abendessen mit Ernest! Schnell standen Mia und ich auf um uns umzuziehen. Ich zog mir eine schwarze High-Waisted Jeans an, dazu ein langes enganliegendes rosa Rollkragenshirt, welches am Bauch kürzer war. Darüber meine Lederjacke mit silbernen Reisverschlüssen und meine schwarzen Boots. Meine Haare band ich mir zu einem schlichtem Dutt. Mia zog ihren cremeweißen Pullover mit dem blauen Anker auf der Vorderseite an, dazu eine schlichte blaue Jeans. Die Haare band sie sich zum Pferdeschwanz. ,,Hast Buttercup schon gesehen?“, fragte mich meine kleine Schwester. Buttercup! Die hatte ich komplett vergessen, aber als wäre ihr Name ein Codewort kam Butter ins Zimmer gestürmt. Mia und ich  streichelten sie beide, doch leider kam Mom rein und unterbrach die Kuscheleinheit:,, Kommt schon wir kommen zu spät!“ Wir beeilten uns aus dem Haus zu kommen. Na das konnte ja was werden!                               
Wir kamen schnell zu Ernest nach Hause. Es lag nicht weit weg von der Wohnung meiner Mom. Das Haus in dem er wohnte war ein relativ normales weißes Haus in einer der besten Gegenden Londons. Auf der Veranda stand eine Statue Halb Huhn, halb Mensch. Das Ding war wirklich scheußlich! Mia klingelte und kurze Zeit später öffnete ein blonder gutgebauter Junge die Tür. Er war vielleicht ein zwei Jahre älter als ich. Was machte der hier? Hatte Ernest auch Kinder? Nein oder? Das hätte Mom uns doch erzählt. Der Typ sah allerdings kein bisschen überrascht aus uns zu sehen, denn er nahm uns nur höflich unsere Jacken ab und begrüßte uns amüsiert:,, Schön euch zu sehen. Ich bin Grayson, Ernest Sohn. Ann wenn du mir erlaubst das zu sagen, du siehst fabelhaft aus!“ Ugh! Ich betrachtete ihn eingehend und erwiderte frech:,, Oh Grayson pass auf, sonst rutscht du noch auf deiner Schleimspur aus!“ ,,Liv!“, gab Mom entrüstet von sich:,, Grayson Schatz, das tut mir leid! Normaler weise weiß sie sich zu benehmen. Du siehst, aber auch wundervoll aus.“ Ich konnte mir ein Schnauben nicht verkneifen. Also echt! Er trug weißes Hemd und Jeans! So besonders war das nicht! Und müssten alle schleimen? Gehörte das zur englischen Etikette? Bitte nicht! Mom führte uns, sie schien sich auszukennen, in ein schick eingerichtetes Esszimmer. Auf dem Tisch stand schon Essen. Ein bildhübsches Mädchen wartete schon auf uns. Sie war unverkennbar Graysons Schwester. Die gleichen blonden Haare und die gleichen Augen ,die wie geschmolzenes Karamell aussahen. Wo die Gesichtszüge ihres Bruder hart und kantig waren, war sie weich und geschmeidig. Sie hatte die kurven an der richtigen Stelle, welche von ihrem schwarzem Kleid nur betont wurden. Sie lächelte uns höflich an und reichte Mia und mir die Hand. Mom bekam zwei Küsschen auf die Wange und ein Kompliment wie toll sie doch aussehen würde. Gott im Himmel? Haben hier alle einen Dachschaden?!! Als wir uns dann endlich an den Tisch setzten, hatten alle so viel um den Mund geschmiert bekommen, dass wir eigentlich schon satt seien müssten. Das Essen verlief recht gut. Wir redeten über belangloses, obwohl Mia und ich uns raushielten. Ich zog es vor nichts zu sagen und vertiefte mich in meine Gedanken. Ob die beiden auf unsere Schule gehen? Ne die gehen wahrscheinlich auf irgendeine schicke Privatschule mit Uniformen und so. Ugh! Allein bei dem Gedanken lief es mir kalt den Rücken runter. Auf einmal drang die Stimme meiner Mutter zu mir durch:,, Liv! Florence hat dich was gefragt!“ ,,Hm?“, war meine einfallsreiche Antwort. Verwirrt nippte ich an meinem Wasser und sah Florence fragend an. Lächelnd wiederholte sie die Frage:,, Ich habe gefragt ob du einen Freund hast?“ Beinahe hätte ich mein Wasser quer über den Tisch gespuckt. Hustend antwortete mit finsterem Blick ich:,, Nein.“ Mehr nicht. Das letzte was ich wollte war mit ihr meine nichtvorhandene Beziehung zu besprechen. Vor allem weil es sie nichts anging und ich auf keinen Fall über Jungs reden wollte. ,,Oh warum den nicht?“, fragte sie mitleidig. Sofort ging ich in die Defensive und richtete mich auf. Als ich antwortete war ich verkrampft und meine stimme klang stumpf:,, Das geht dich rein gar nichts an! Steck deine Nase wo anders rein!“ Alle am Tisch holten erschrocken Luft und Mom empörte sich:,, Liv! Was soll das? Normalerweise benimmst du dich doch besser!“ Ich zuckte mit den Schultern. Ich würde mich nicht verteidigen, dafür, dass Florence Sachen fragte die sie gar nichts angingen und ihr das auch sagte. Erst jetzt sah ich mich am Tisch um, während das Gespräch weiter ging. Mom und Ernest tauschten andauernd Blicke aus und Grayson hing unter Tisch am Handy. Ich versuchte einen Blick auf das Display zu erhaschen, doch leider bemerkte er dies und drehte es weg. Jedoch schlich sich ein kleines Grinsen auf sein Gesicht. Schade! Ich hätte gern gewusst was den so interessant war. Obwohl alles war spannender als das jetzige Tischgespräch. Plötzlich räusperte sich Ernest und fing an zu reden:,, Kinder, Ann und ich wollen euch was sagen. Wenn wir bitte eure ungeteilte Aufmerksamkeit hätten!“ Ernest lächelte uns gepresst an. Über seine Stirn liefen vereinzelt Schweißtropfen, die er achtlos mit einer Serviette wegwischte. Worum es wohl ging? Nun mischte sich auch Mom ein:,, Ja, also. Unsere Wohnsituation ist gerade ja kompliziert, denn in meiner Wohnung ist zu wenig Platz für uns alle, also Mia, Lottie, Liv und mich, deshalb haben Ernest und ich uns entschieden…“ Sie beendete den Satz nicht, sondern schaute Ernest nur aufmunternd an. Ich ahnte böses. Ernest fuhr nach einem Räuspern fort:,, Wir haben uns entschieden zusammen zu ziehen. In dieses Haus. In unserem Alter ist die Zeit knapp. Die Zimmeraufteilung liegt schon fest. Ann wird mit ihrer Familie in einer Woche zu uns ziehen. Keine Diskussion!“ Der letzte Teil richtete sich an Florence die aussah als wolle sie jemanden umbringen. Sie fing an zu schreien:,, Was?! Das könnt ihr nicht machen. Ich will nicht mit dem beiden zusammen zu leben. Grayson sag doch auch mal was!“ Grayson sah nun auch von seinem Handy auf und zuckte mit den Schulter, nur um sich dann wieder seinem Handy zu zuwenden. Das würde ja was werden wenn wir hier wohnten. Komischerweise war ich nicht sauer oder enttäuscht. Ich war erleichtert. Wir mussten nicht in dieser winzigen Wohnung leben. Das war eine Erleichterung. Mia schien allerdings auch nicht sonderlich begeistert:,, Ich will hier nicht leben Mom! Wir gehören hier nicht hin.“ ,,Genau! Die haben überhaupt keine Manieren!“, mischte sich Florence ein die mittlerweile aufgestanden war und sich auf den Tisch stützte. Sie sah wirklich sauer aus:,, Vor allem die Kleine nicht!“ Jetzt stand ich auch auf und funkelte sie wütend an:,, Lass meine Schwester in Ruhe!“ Niemand sagte etwas Falsches gegenüber meiner Familie. Das ließ ich nicht zu. Florence und ich lieferten uns noch einige Sekunden ein Starduell, bis Ernest, nun auch wütend, aufstand und uns aufforderte uns wieder zu setzen. Die Sache sei ohnehin schon beschlossen. Ich setzte mich brav hin, doch Florence schlug auf den Tisch und rauschte davon. Leider kippte mein Glas um und das Wasser kippte auf mein Shirt. Mist! Warum hatte ich auch Eiswürfel rein getan? Das Wasser war eiskalt, weswegen ich zu bibbern anfing. ,,Oh Liebling!“, quietschte Mom erschrocken, als ich versuchte mein T-Shirt trocken zu tupfen. Mein Shirt war komplett nass. Netterweise bot mir Grayson an mir einen Pulli zu leihen. Mom und Ernest machten sich daran den Tisch abzuräumen. Als Grayson mir seinen Pullover gab, ging ich auf die Toilette um mich umzuziehen. Ich hatte mir gerade mein Shirt ausgezogen, als ich Graysons Stimme von draußen hörte. Neugierig ging ich näher zu Fenster und lauschte dem Gespräch:,, Was?... Nein ich kann jetzt nicht weg! Es gibt gerade Stress!... Könnt ihr ihn nicht alleine reparieren? Ich bin doch eh keine Hilfe!... Ich bin nicht dran!... Okay! Ich versuch es!... Ja bis gleich.“ Schnell ging ich vom Fenster weg als ich hörte wie er wieder ins Haus ging. Ich erhaschte einen Blick auf mein Spiegelbild. Weil ich kein T-Shirt trug sah man die Narbe. Die Narbe war 9 cm lang und verlief rechts quer über meinem Bauchnabel. An ihr hingen unschöne Erinnerungen. Niemand wusste von ihr. Nur ich und eine Ärztin in New Orleans. Beschämt strich ich über das Narbengewebe. Man fühlte kaum was, doch ich wusste, dass sie da war. Ich griff mir Graysons Pulli und zog ihn an er war höchstens 6 Nummern zu groß, ging aber sonst. Als ich wieder aus dem Bad kam, standen Mom und Mia schon abfahrbereit im Flur. Grayson musterte mich amüsiert und grinste mich an. Frech streckt ich ihm die Zunge raus. Auf dem Weg nach Hause erklärte uns Mom, dass Mia und ich von nun an auf die Schule der Spencer Zwillinge gingen und es morgen schon los ging. Ich schlief mit den Gedanken ein, was Grayson wohl im Schilde führte.
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