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You're Mine

von JoKey
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Gavin Reed RK800-51-59 Connor
12.05.2020
25.06.2020
7
18.597
14
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
12.05.2020 2.414
 
Hallo und Herzlich Willkommen zu einer weiteren Geschichte im Detroit-Bereich !

Ach ja, dieses Spiel hat es mir wirklich angetan und zur Zeit bin ich wieder voll im Detroit-Fieber. Deswegen war es auch nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder etwas dazu schreibe :)
Auch wenn viele hier inzwischen Gavin mit Nines shippen, habe ich mich bewusst für Gavin und Connor entschieden, weil ich die beiden persönlich einfach lieber zusammen sehe.

Ich hoffe, ihr habt viel Spaß beim Lesen und dass ihr die Tage gesund und mit einer positiven Einstellung verbringt!

LG,
JoKey




You're Mine



Kapitel 1: Words that leave scars


Feine, silbrige Rauchschwaden waberten durch die Luft, bevor sie sich langsam in der Schwärze der Nacht verloren.

Gavin zog erneut an seiner Zigarette, schmeckte den bitteren Geschmack und fühlte das vertraute Kratzen im Hals. Dann blies er den Rauch zwischen den Zähnen aus und verfolgte ihn so lange mit den Augen, bis er eins mit der Luft wurde und nicht mehr zu erkennen war.

Obwohl es eine kühle Sommernacht war, stand Gavin nur mit einem T-Shirt und einer alten Jogginghose bekleidet auf seinem Balkon. Die Arme hatte er auf das Geländer gestützt und dort, wo seine nackten Arme die Metallstange berührten, konnte er die beißende Kälte wahrnehmen.

In der Ferne bellte ein Hund und irgendwo hupte ein Auto und jemand stieß darauf einige harsche Worte aus, die Gavin von seinem Balkon aus nicht verstehen konnte. Er hob die Zigarette an die Lippen und nahm einen weiteren kräftigen Zug.
Diesmal sah er dem Rauch nach, ohne ihn wirklich wahrzunehmen.

Seine Gedanken kreisten um den Streit, den er wenige Minuten zuvor gehabt hatte.


20 Minuten zuvor


Mit einem langen Seufzen schmiss Gavin seine Lederjacke achtlos auf die Kommode, schälte sich umständlich aus den Schuhen und fuhr sich erschöpft gähnend durch die Haare, während er sich bereits Richtung Küche begab, wo er seine Zigarettenschachteln aufbewahrte.

Hinter ihm schloss Connor leise die Wohnungstür, hängte seine dunkelblaue Jacke an den Haken neben der Kommode und tat dasselbe dann mit Gavins Jacke. Seine Schuhe stellte er fein säuberlich neben den Schrank. Erst dann folgte er Gavin, der schon die Schachtel in den Händen hielt.

Connor blieb im Türrahmen stehen, verschränkte die Arme vor der Brust und musterte Gavin mit gerunzelter Stirn.

„Ich weiß ganz genau, was du jetzt denkst, Robocop. Aber deine Kommentare kannst du dir heute ausnahmsweise mal sparen, ja?“, brummte Gavin ohne von der Zigarettenschachtel aufzusehen.

„Ich habe nichts gesagt“, erwiderte Connor achselzuckend.

Gavin warf ihm nun doch einen kurzen Blick zu und verdrehte die Augen.

„Aber du hast es gedacht“, sagte er.

Dann stöhnte er frustriert auf und schmiss die leere Schachtel auf den Küchentisch, auf dem noch die halbvolle Tasse Kaffee vom Morgen stand.

„Verdammt, wieso sind die Dinger eigentlich immer leer, wenn man sie am Dringendsten braucht?“

„Vielleicht hältst du es heute auch einfach ohne sie aus, Gavin“, sagte Connor und lehnte sich mit noch immer verschränkten Armen in den Türrahmen.

Gavin legte den Kopf in den Nacken und seufzte genervt. Dann sah er Connor an. Der Android trug ein weinrotes, kurzärmeliges Hemd, das in einer engen, schwarzen Jeans steckte. Normalerweise hätte sich Gavin jetzt auf ihn gestürzt und ihm noch hier in der Küche die Klamotten vom Leib gerissen.

Aber nicht heute. Nicht, nachdem sie den ganzen Tag damit verbracht hatten, einer falschen Spur zu folgen, einen mutmaßlichen Täter entkommen zu lassen und dann auch noch mit einer Autopanne mitten auf dem Highway stehen geblieben waren.

All das hatte Gavins Geduld so weit strapaziert, dass er an nichts anderes mehr denken konnte, als an den bitteren Geschmack des Zigarettenrauchs auf seiner Zunge und danach einem weichen Bett, in das er fallen konnte.

„Hab ich nicht gerade noch gesagt, dass du dir die Kommentare sparen kannst?“, raunte Gavin und schob sich an Connor vorbei in den Flur.

Dort riss er die oberste Schublade auf, kramte ein paar veraltete Briefe beiseite und fischte dann seine Notration an Zigaretten hervor.
Connor beobachtete Gavin dabei, wie er schon die Folie um die Verpackung aufriss, dann stieß er sich vom Türrahmen ab und ging auf Gavin zu. Mit einem schmalen Lächeln stellte er sich hinter den Detective und legte seine Hände an dessen Schultern.

„Connor, was zur Hölle soll das?“, brummte Gavin.

„Meine Systeme haben festgestellt, dass deine komplette Schultermuskulatur zu 78% verspannt ist. Ich weiß zufällig auch, welche Methoden der Handmassage dagegen helfen“, sagte Connor leise und begann mit seinen Fingern leichte Kreisbewegungen auszuüben.

Doch Gavin schüttelte Connors Hände ab und drehte sich mit einem erneuten Stöhnen zu ihm um.

„Lass gut sein. Heute hilft mir nur eines“, sagte er und wedelte mit einer Zigarette vor Connors Nase herum.

„Vielleicht auch nicht. Gib mir wenigstens eine Chance oder ich habe mir dieses zwanzigminütige Massagevideo umsonst runtergeladen“, entgegnete Connor schmunzelnd.

„Zwanzig Minuten?! Sorry, Connor, aber ich will einfach nur in Ruhe eine rauchen und dann schlafen“, sagte Gavin und war bereits drauf und dran, zurück in die Küche zu gehen, da hielt Connor ihn am Handgelenk zurück.

„Ich weiß, der Tag heute war nicht gerade einer, den man sich im Kalender festhält. Aber ich bin mir sicher, diese Massage würde dir mehr nützen als die da“, meinte er zuversichtlich und nickte mit dem Kinn Richtung Zigarette, die Gavin in der Hand hielt.

„Der Tag war mehr als beschissen, da gebe ich dir recht. Aber was diese Massage angeht muss ich dich enttäuschen“, sagte Gavin.

„Bitte, Gavin. Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Stresslevel und deine Schmerzen im Nacken - und Schulterbreich -“

Gavin schnitt Connor grob das Wort ab.

„Jetzt hör endlich auf mit diesem blöden, technischen Gefasel! Gott, weißt du eigentlich, wie mir das auf die Nerven geht?“

„Meine Aufgabe ist es, dir zu helfen Gavin“, sagte Connor schlicht.

„Du bist nicht mein fucking Babysitter!“

„Nein. Ich bin dein Freund und eine Aufgabe in einer Beziehung ist es, sich gegenseitig zu unterstützen und füreinander da zu sein“, sagte Connor.

Gavin fuhr sich übers Gesicht.

„Wenn du dich selber reden hören könntest...du klingst wie eine Maschine“, stöhnte er.

„Ich bezweifle, dass dir das in unserer zweijährigen Beziehung entgangen ist, aber ich bin eine Maschine“, sagte Connor.

Hätte Gavin in diesem Moment nicht die Augen verdreht, hätte er vielleicht das gelbe Leuchten Connors LED registriert. Doch er tat es nicht. Stattdessen warf er die Arme in die Luft und wandte sich von dem Androiden ab.

„Ja, ist mir nicht entgangen. Manchmal wünschte ich nur, du wärst ein Mensch“, sagte er und begann eine Schublade nach der anderen aufzuziehen, um sein Feuerzeug zu suchen, das er immer wieder verlegte.

„Ah, Scheiße!“

Dabei schnitt er sich an einem alten Korkenzieher. Erst, als er das Feuerzeug in der dritten Schublade fand, hörte er zögernde Schritte hinter sich und als er sich wieder umdrehte, stand Connor wieder im Türrahmen.
Seine LED leuchtete gelblich und diesmal verschränkte er die Arme nicht vor der Brust. Angespannt fuhr er sich durchs Haar, eine Geste, die Gavin schon öfter bei ihm beobachtet hatte. Meistens tat der Android dies, wenn er unsicher oder nervös war.

„Gavin, ich...ich...“

Connor brach ab, seine Augen huschten über die Küchenfliesen und kurz flackerte seine LED rot auf. Dann hob er den Blick und seine Hand zuckte, als wolle er sich wieder durchs Haar streichen, besann sich dann aber anders.

„So geht das nicht weiter“, sagte er schließlich leise.

Gavin hob eine Augenbraue, schwieg jedoch. Auch wenn er es niemals laut zugeben würde, aber tief in seinem Inneren bereute er seine Worte von vor wenigen Minuten.

„Seit Wochen sind wir nur noch am Streiten und es scheint, als würden wir mit unseren Gesprächen gegen eine Wand rennen. Selbst unsere Zusammenarbeit an Tatorten leidet darunter und ich denke, Captain Fowler ist dieser Umstand inzwischen auch aufgefallen“, begann Connor leise.

„Ach, darum geht’s dir? Dass du wegen mir nicht mehr glänzen kannst als Super-Spürnase?“, herrschte Gavin ihn an und hasste sich im selben Atemzug selber dafür.

„Nein. Nein, darum geht es mir nicht. Es geht mir um uns, Gavin. Um dich und mich.“

Im Stillen gab Gavin dem Androiden Recht. Auch ihm war aufgefallen, dass sich ihre Beziehung in den letzten Wochen verändert hatte. Und das eindeutig nicht zum Positiven. Wegen jeder Kleinigkeit brachen sie einen Streit vom Zaun und gingen betont steifer miteinander um, als vorher.

„Und hat dein schlaues Programm da oben auch eine Lösung für unser...Problem?“, fauchte Gavin und tippte sich mit der Spitze seiner Zigarette an den Kopf.

Connors LED leuchtete nun in einem stetigen Rot, was Gavin leicht besorgt zu Kenntnis nahm. Normalerweise war Connor nicht so leicht aus der Fassung zu kriegen. Und seine LED leuchtete nur in wirklichen Ausnahmezuständen in solch einem dunklen Rotton.

„Eine Pause“, sagte er schließlich so leise, dass Gavin es fast nicht verstand.

„Eine Pause?“, wiederholte er ungläubig, als wäre ihm dieser Begriff ein Fremdwort.

Connor nickte.

„Vielleicht ist es das, was wir brauchen. Abstand voneinander. Eine Pause“, meinte er.

Gavin schwieg, doch seine Gedanken rasten. Zwei Jahre war es nun her, dass er und Connor mehr als nur Kollegen geworden waren. Zwei Jahre hatten sie so gut wie jeden Tag miteinander verbracht, sowohl auf Arbeit, als auch danach.
Er war sich nicht sicher, ob ihm der Gedanke einer Pause zusagte oder eher beunruhigte. Und tief in seinem Inneren flüsterte eine Stimme, dass es ihm definitiv nicht zusagte.

„Wie soll diese Pause aussehen?“, sagte er stattdessen und lehnte sich betont gelassen an die Küchenzeile.

In Connors Blick flammte so etwas wie Überraschung auf. Und Enttäuschung. Anscheinend hatte er nicht damit gerechnet, dass Gavin so schnell zusagen würde.

„Wir verbringen nicht mehr den ganzen Tag miteinander. Wir arbeiten zusammen, aber gehen danach getrennte Wege. Kein Küssen, kein Flirten, kein Sex“, sagte Connor langsam.

Gavin schluckte. Sex mit Connor war zwar definitiv etwas, das er mehr als genoss, aber es hatte nie eine große Rolle in ihrer Beziehung gespielt. Damit würde er klar kommen. Aber dem Androiden nicht mehr nahe zu sein war etwas ganz Anderes. Er hatte sich inzwischen so daran gewöhnt, dass Connor ihn nach der Arbeit nach Hause begleitete und dann oft sogar über Nacht da blieb, dass er es sich anders nicht vorstellen konnte.

Doch wieder sprach er all das nicht aus. Er nickte nur und drehte nachdenklich das Feuerzeug in seiner Hand.

„Was ist mit anderen Verabredungen?“

Connor blinzelte perplex.

„Anderen Verabredungen?“, wiederholte er leise.

Gavin wusste nicht, wieso er das sagte. Es schien, als würde sein Mund gegen seinen Verstand arbeiten und er war komplett machtlos dagegen.

„Während dieser Pause können wir uns mit anderen treffen.“

Connor schluckte und fuhr sich nervös durchs Haar.

„Ich weiß nicht....“, murmelte er unsicher.

„Du warst derjenige, der vorgeschlagen hat, auf Abstand zu gehen wäre eine gute Idee“, räumte Gavin murrend ein.

Langsam nickte Connor, auch wenn er nicht gerade überzeugt aussah.

„Okay. Andere Verabredungen sind in Ordnung“, sagte er schließlich.

Gavin nickte langsam und ließ das Feuerzeug in seiner Hand immer wieder auf – und zuschnappen. Sowohl er, als auch Connor starrten auf die Flamme, die für den Bruchteil einer Sekunde auftauchte und dann wieder verschwand. Sie hingen beide ihren eigenen Gedanken nach.

Wieso habe ich das gesagt?, schoss es Gavin durch den Kopf. Ich will mich doch mit niemandem treffen. Als würde ich jemand anderen als Connor an mich ranlassen. Nein, danke auch.  

Und er konnte sich auch nur sehr schwer vorstellen, dass Connor in den nächsten Tagen auf irgendwelche bescheuerten Dates gehen würde. Obwohl diese Vorstellung so absurd und abwegig war, kam Gavin nicht drum herum, den winzigen Stich der Eifersucht in seiner Brust zu spüren, als er diesen Gedanken formte.

Rasch schüttelte er den Kopf und ließ das Feuerzeug wieder aufschnappen.

„Gavin?“

Connors zaghafte Stimme ließ den Detective aufsehen. Der Android stand unschlüssig da, den Kopf leicht schief gelegt und ein gelbes, hektisches Flimmern an der Schläfe. Gavin biss sich auf die Lippe und wich seinem fragenden Blick aus.

„Wir sehen uns dann morgen auf Arbeit, Blechbüchse“, sagte Gavin nur, obwohl sein Herz danach schrie, Connor zu bitten, hier zu bleiben.

Connor schwieg und Gavin wagte es noch immer nicht, seinen Freund anzusehen. Als er selbst nach fünf Minuten nichts gesagt hatte, warf Gavin ihm nun doch einen Blick zu. Ein dicker Kloß bildete sich in seinem Hals, als er den fast schon flehenden Ausdruck in Connors Augen fand. Für einen Moment war Gavin sprachlos, dann wandte er sich abrupt von Connor ab und hielt die Zigarette an die Flamme seines Feuerzeugs.

„Gute Nacht“, sagte er betont laut und bemühte sich, das verräterische Beben aus seiner Stimme zu verbannen.

„Gute Nacht, Gavin“, wisperte Connor ungewohnt heiser.

Gavin starrte angestrengt aus seinem großen Balkonfenster, während er auf jedes kleinste Geräusch hinter sich achtete. Er hörte Connors Schritte, die sich von ihm entfernten, das Rascheln seiner Jacke und schließlich, wie sich die Wohnungstür öffnete. Gavin wartete auf das Klicken im Schloss, doch es kam nicht.

Langsam drehte er sich um. Sein Herz schlug schnell und unnatürlich schmerzvoll in seiner Brust, als er sich langsam dem Flur näherte. Er hatte schon fast den Türrahmen erreicht, da fiel die Tür ins Schloss und als Gavin in den Flur trat, nun schon beinahe verzweifelt, war der Flur leer.

Connors Jacke hing nicht mehr am Haken und seine Schuhe standen nicht an ihrem Platz neben der Kommode. Er war weg.

Gavin atmete zittrig aus, ballte seine Hände zu Fäusten und schluckte mit größter Mühe alle Flüche hinunter, die ihm auf der Zunge brannten.



Und jetzt stand er hier auf dem Balkon, während in der Ferne ein Hund bellte und Autos hupten. Ein letztes Mal zog er an der Zigarette, dann schmiss er den schmalen Stummel über das Geländer und stützte seine Arme wieder darauf ab.

Vor ein paar Jahren hatte er Androiden gehasst. Er hatte sie verabscheut und wollte ihnen am liebsten zu jeder Zeit aus dem Weg gehen. Wie schwer konnte es da werden, sich bloß von einem einzigen Androiden fernzuhalten?

Gavin lachte innerlich auf und nickte. Ja, das würde er hinkriegen. Er würde es Connor schon zeigen, dass er auch sehr gut ohne ihn zurecht kam.

Er schob die Balkontür hinter sich zu und kippte den Rest des kalten Kaffees vom Morgen in die Spüle. Eine leise Stimme in seinem Kopf flüsterte ihm noch währenddessen zu, dass es nicht irgendein Android war, von dem er sich fernhalten würde und dass es ihm selbst damals, als Connor seine ersten Tage im Police Department verbracht und er ihn so sehr gehasst hatte, schwer gefallen war, sich von ihm fernzuhalten.
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