Niemals nicht einsam, doch heute nicht allein

DrabbleDrama / P12
Harry Potter Severus Snape
12.05.2020
12.05.2020
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Niemals nicht einsam, doch heute nicht allein


für Mozambique


"tonight I won’t be alone / but you know that don’t mean I’m not lonely"
- Bon Jovi: 'Bed of Roses'


Im Hauptquartier ist man nie alleine und Harry liebt und hasst es. Wenn er mit den anderen putzt und aufräumt, die alten, modrig-duftenden Räumen von Spinnennetzen und mysteriösen Flecken auf der Tapete befreit, wenn ihm jeder Muskel wehtut, ihm der Schweiß den Rücken entlang läuft und er so erschöpft ist, dass er über jeden von Rons noch so blöden Witzen lacht, dann ist er froh, dass er hier ist. Er hat etwas zu tun, er ist umgeben von den Menschen, die ihm am meisten bedeuten, er ist zu jeder Sekunde abgelenkt von den grässlichen Bildern, die sich in seinen Kopf drängen wollen.

Manchmal jedoch sind genau diese Menschen, die er so mag, der Grund, warum er pausenlos schreien möchte und sich an den kalten Steinwänden am liebsten die Knöchel blutig schlagen würde. Streiten ist dann das Einzige, was er tun kann, um sich einigermaßen wie ein Mensch zu fühlen, denn ihr Mitleid ist für ihn wie Spott, wie Hohn, denn nie wird auch nur einer der anderen ansatzweise fühlen können, was er fühlt. Manchmal schreckt er auf, seine Hand zur einer eisenharten Faust geschlossen und es kommt ihm vor als halte er sich immer noch und für immer und ewig am Arm des toten Cedric fest. Wenn ihm der Schrecken, der absolute Horror dieses finalen Abends des Trimagischen Turniers eine Ehre eingebracht hat, dann sollte es die sein, kämpfen zu dürfen, mehr zu tun als mit Putzwasser und Reinigungszaubern zu spielen. Doch er darf nicht kämpfen, er ist noch nicht erwachsen, so sagen sie, und innerlich schreit schreit schreit Harry.

Das Haus ist voller Menschen doch er ist gänzlich alleine. Die einzigen Stunden in denen ihn das Gefühl nicht innerlich zerfrisst sind die Nächte, wenn er sich aus dem Zimmer schleicht und durch das kühle dunkle Haus läuft. Treppauf, treppab, immer in Bewegung, in einem Haus, das potentiell ein Zuhause werden könnte, wenn die Menschen nur auch endlich mal schweigen.
Eines Nachts als er gedankenverloren in die Küche tritt sitzt dort Severus Snape.

..


Severus nimmt seine Pflicht ernst. Selbstdisziplin, Selbstkontrolle und in den aufwühlendsten Situationen Ruhe bewahren, das sind die drei Säulen auf denen seine Persönlichkeit ruht. Wenn Pflicht nun einmal in diesem Fall beinhaltet, dass er sich im schmutzigen Haus des arroganten Widerling Sirius Black aufhalten muss, dann soll dies eben so sein; er wird sich nicht beklagen.
Dennoch bemüht er sich, seine Aufenthalte im Hauptquartier des Ordens so kurz wie möglich zu gestalten. Wenn er  doch mal länger bleiben muss, ist das Haus ihm am liebsten wenn alle anderen endlich schlafen, wenn er nicht im Minutentakt mit spöttischen Sprüchen und misstrauischen Seitenblicken angegriffen wird.

Nachts kann er endlich atmen, und wenn er alleine in der großen Küche sitzt, ein Glas Feuerwhisky vor sich auf dem Tisch, dann lässt die Anspannung in seinen Schultern ein wenig nach. Wirklich entspannt war Severus noch nie, zumindest kann er sich nicht daran erinnern. Er schiebt alle Gedanken an eine graue Kindheit und die wenigen warmen Momente in seinen ersten Hogwartsjahren bei Seite, nimmt einen Schluck und blickt auf. Im Türrahmen steht Harry Potter und starrt ihn an.

Für eine Sekunde hält das Haus seinen tiefdunklen Atem an. Es könnte so viel passieren. In Sekundem könnte einer der Männer blutend aus dem Raum stolpern.

Doch Severus sieht Harry an und in der monochromen Nacht kann er ihm in die Augen sehen, ohne der Verlorenen nachzutrauern. So füllt er stumm ein zweites Glas mit Feuerwhisky und schiebt es über den Tisch. Zögerlich tritt Harry heran und nimmt schließlich Platz. Er spürt Trost darin, den Mann zu sehen, der ihn wohl mehr hasst als er sich selbst in den schlimmsten Momenten. Severus spürt Trost darin, jemanden zu sehen, der so von Schmerz und Verlust durchzogen ist wie er.
Stumm und nur halb vertrauend sitzen sie da, die beiden einsamsten Männer im Haus die für eine Nacht nicht vollkommen alleine sind. Auch als die Morgendämmerung heranbricht wechseln sie kein Wort, verlassen stumm den Raum. Nichts hat sich verändert; alles hat sich verändert.

...

..

.

Hallo Mozambique!
Es tut mir furchtbar Leid, dass ich mich so verspätet habe - ich habe nicht mal eine Ausrede, ich hab es einfach komplett vergessen und war auch länger nicht online sodass die Erinnerungsmails völlig an mir vorbei gingen. Meine Vergesslichkeit war aber keine Verdrängung, denn es hat mir sehr gefallen zu deinen Vorgaben zu schreiben! Obwohl ich viel im HP-Fandom schreibe, schreibe ich selten etwas zu Harry selbst, daher hat es mich sehr gefreut, dazu inspiriert zu werden. :)
Liebe Grüße
Jubilee/Rosa
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