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Flash mich!

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Cem Kaya OC (Own Character)
11.05.2020
19.11.2020
13
27.230
5
Alle Kapitel
34 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
08.10.2020 1.980
 
Guten Abend!
Eigentlich sollte das Kapitel schon gestern Abend kommen, aber es fehlte noch ein ganz wichtiger Teil, den ich vergessen hatte und dann hatte ich keine Zeit mehr. Aber nun ist es ja da und das Nächste ist schon geistig in Arbeit.
Danke an 12Rose12 und rammsteinfan19 für die Reviews!

Nun euch viel Spaß beim Lesen!



Kapitelname: Sick

Wörterzahl: 1889

Vorkommende Personen: Cem Kaya, OC (Matti & Vince Anderberg, Semra Kaya)

Sicht: Cem




/=\












Das Klingeln geht mir auf die Nerven und entgegen meiner Hoffnungen verschwindet der Störenfried nicht, sodass ich aufstehen und zur Tür gehen muss. Doch auf dem Weg in den Flur fällt mir auf, dass ich nur ein Shirt und Boxershorts trage. Also gehe ich noch mal schnell zurück und streife mir eine Jogginghose über. Nun gehe ich erneut in den Flur, wieder wird die Klingel betätigt. Da ist aber jemand hartnäckig.
„Ja, ich komme doch“, sage ich genervt und öffne dann die Tür.
        Semra steht mir gegenüber, sie mustert mich besorgt.
„Merhaba Cemil! Kannst du auch mal an dein Handy gehen? Ich habe mir Sorgen gemacht! Zurecht, wenn ich dich so ansehe.“
        Ohne dass ich irgendwas sage, kommt sie einfach herein. Ich stehe etwas perplex da und verstehe gar nicht, was sie hier will. Sie geht einfach in mein Wohnzimmer, erwartet, dass ich ihr nachkomme.
„Kannst du mir mal erklären, was du hier willst?“
„Ich habe mir Sorgen gemacht, habe ich doch grade gesagt. Nirgends bist du zu erreichen. Anne ist schon fast krank vor Sorge.“
„Weil ich einen Tag nicht an mein Handy gehe? Mein Gott ich hatte Nachtschicht, dann lasst mir doch mal meine Ruhe“, ich bin schon wieder gereizt, ich merke wie die Wut in mir aufsteigt.
„Was zickst du mich denn gleich so an? Irgendwas stimmt doch nicht.“
         Wieder wechselt ihr Blick zur Besorgnis.
„Ne oldu? Ist was passiert?“
„Nicht so wichtig. Gibt es was Besonderes, dass ich unbedingt mit einem von euch sprechen sollte? Ist was passiert?“
„Es sind hunderte Sachen passiert. Anne ist immer noch traurig, weil Baba und du euch so gestritten habt und noch immer nicht wirklich miteinander redet. Hayat macht Stress wegen der Hochzeit, sie verlangt von mir, dass ich auf alle Fälle mit Kopftuch und langem Kleid zu kommen habe. Ach ja, und sie hätte gerne, dass du bis dahin eine Frau hast.“
„Sie kann mich mal“, schnaube ich.
        Semra ermahnt mich auf Türkisch und haut mir gegen die Schulter.
„Ich kann sie ja auch nicht leiden. Aber sei wenigstens Ilkay zuliebe nett.“
„Hat Anne dir eine Gehirnwäsche verpasst, oder was? Außerdem ist Ilkay ein Macho und die kann ich nicht leiden. Er ist nicht viel besser, als die Kerle, wie ich letzte Nacht einen festgenommen habe, weil er seine Frau verprügelt hat!“
„Hey hey entspann dich und erklär mir endlich was mit dir los ist. So kenne ich dich gar nicht. Du machst mir Angst, wenn du so bist.“
       Mit einem Seufzen setze ich mich auf die Couch und vergrabe mein Gesicht in meinen Händen. Sie hat recht, ich führe mich grade auf wie ein Arschloch und nicht wie der liebevolle Bruder, der gleichzeitig Polizist ist.
        Ich merke, wie Semra sich neben mich setzt, mir erst über die Schulter und dann durch die Haare streicht. Das hat was Entspannendes und doch fließen bei mir erneut die Tränen. Ich schluchze leise und lasse meinen Gefühl erneut freien Lauf, doch diesmal ist eine wichtige Person bei mir und das tut gut.

Die Minuten, vielleicht sogar Stunden verstreichen, doch ich bekomme das gar nicht mit. Ich liege verheult mit dem Kopf auf Semras Schoß und habe die Beine angezogen, kriege immer wieder Heulanfälle. Semra schweigt und streicht mir immer wieder durch die Haare. Ich bin ganz froh darüber, dass sie nichts sagt. Mein Herz schmerzt jedoch mehr und mehr. Ist es nicht eigentlich bescheuert, dass ihr als 29-jähriger Mann wegen Liebeskummer, schmerzendem Herzen und schlechten Gedanken so am Ende bin? Man könnte meinen, jemand wäre gestorben. Ich bin wirklich lächerlich!
„Cemi? Ich hol dir mal eben was zu trinken, soviel wie du geweint hast…“, flüstert sie in die Stille.
       Ich lasse sie aufstehen, rolle mich jedoch sogleich wieder zusammen. Mein Gott, ich bin fast dreißig Jahre alt und führe mich auf wie ein Fünfzehnjähriger nach der ersten großen Liebe. Schon ziemlich erbärmlich, aber es tatsächlich das erste Mal, dass ich so stark fühle und leide.
       Semra steht mit einem Glas Wasser in der Hand in der Wohnzimmertür und mustert mich mitleidig.
„Ich gebe zu, ich habe dich noch nie so gesehen. Hier trink das, wird dir sicher guttun.“
       Sie reicht mir das Glas, während ich mich aufsetze und davon trinke. Das Wasser tut tatsächlich ganz gut, wie es meine trockene Kehle hinunterläuft. Ich trinke das Glas bis zum letzten Schluck leer und stelle es dann auf dem Tisch vor mir ab. Semra setzt sich wieder zu mir und sieht mir in die Augen.
„Rede mit mir, bitte Cem. Vertrau mir, es wird dir guttun.“
„Ich weiß nicht.“
„Vertraust du mir nicht?“
„Doch! Natürlich vertraue ich dir. Es ist nur so schwer“, wie sage ich das denn jetzt am besten?
       Semra versichert mir mehrfach, dass ich ihr alles erzählen kann. Ich weiß das ja auch, aber diese Thematik ist wirklich nicht einfach.
„Ich hoffe, du wirst mich dafür nicht hasse und ich bitte dich darum, es niemandem zu erzählen. Bitte versprich mir das“, flehe ich.
„Ich schweige wie ein Grab, das schwöre ich dir.“
„Okay“, ich atme tief durch, gucke kurz in die Luft, ehe ich wieder meine Schwester ansehe, „Ich bin schwul.“
           Das erste Mal, dass ich die Worte laut ausspreche. Mein aller erstes wörtliches Outing und es tut verdammt gut. Ich habe grade das Gefühl, tausende Lasten fallen von meinen Schultern, nur weil ich es ausgesprochen habe. Es herrscht eine kurze Stille, bis Semra die Worte realisiert hat.
„Wow. Und ich dachte schon, du wärst beziehungsunfähig. Aber ich bin ehrlich, überraschen tut es mich nicht. Ist doch auch nichts schlimmes.“
           Ich lache auf: „Du meinst abgesehen von unseren Eltern, Ilkay und der ganzen Familie, die mich vermutlich enterben werden? Und das ist noch das am wenigsten Schlimmste.“
          Ich merke, wie mir schon wieder die Tränen kommen. Semra legt einen Arm um mich und streicht mit der freien Hand die aufkommenden Tränen weg.
„Wichtig ist doch, dass du glücklich bist. Außerdem hast du ja immer noch mich und Anne wird das vielleicht auch nicht so schlimm finden. Hey, Kopf hoch, sonst fällt die Krone runter. Hast du denn diese Erkenntnis erst jetzt gehabt oder schon länger?“
„Vor zwei Wochen habe ich es mir eingestanden, sonst habe ich es immer verdrängt. Ich dachte, wenn ich eine Freundin habe, geht das wieder weg.“
„Das ist kein Schnupfen, Cem, sondern eine Sexualität. Deine Sexualität.“
„Ja, ich weiß“, ich seufze und sehe auf meine Hände.
          Semra fragt mich, ob es denn da jemanden gibt, der mir zu dieser Erkenntnis verholfen hat. Jetzt kann ich ihr eh alles erzählen. Also erzähle ich ihr von Matti, dass er neu ist und ich ihn vom ersten Moment an schon mochte. Davon, dass wir uns angefreundet haben, ich auf seiner Einweihungsparty war und mir das ab da mehr und mehr klar wurde, dass ich auf ihn stehe. Nein, dass ich mich verliebt habe.
„Aber das allerschlimmste ist, wir standen in der letzten Nachtschicht draußen, weil er wegen meines komischen Verhaltens mit mir reden wollte und ich Idiot habe ihn geküsst.“
„Seit wann gehst du denn so schnell ran, Bruderherz? Wie hat er denn reagiert?“
„Er hat nur gesagt, dass er das nicht erwartet hätte und dann mussten wir zu einem Großeinsatz. Die restliche Schicht haben wir nicht miteinander geredet und ich habe mich nicht getraut, auf mein Handy zu gucken.“
„Du bist manchmal wirklich ein hoffnungsloser Fall, so wird das auch nichts. Ihr müsst miteinander sprechen.“
           Wieder rolle ich mich zusammen. Ich will nicht mit ihm reden, am liebsten würde ich ihn nicht wiedersehen wollen. Aber das geht ja nun mal nicht, morgen sehe ich ihn schon wieder, weil wir beide Frühschicht haben. Semra gibt es auf, mir weitere Fragen zu stellen. Sie lehnt sich zurück und krault wieder meine Haare. Ich schließe die Augen und dämmere mit der Zeit weg.


Als ich das nächste Mal erwache, liege ich zugedeckt auf der Couch und muss erst mal überlegen, was eigentlich passiert ist. Ich denke nach, so langsam fällt es mir wieder ein. Semra war hier, weil sie sich Sorgen gemacht hat und wir haben geredet. Letztendlich bin ich dann eingeschlafen. Moment mal, ich muss zur Arbeit! Erschrocken springe ich auf und renne in die Küche, am Backofen ist eine Uhr. Diese zeigt mir, dass es kurz vor fünf ist. Danke an meine innere Uhr, um fünf hätte ich aufstehen müssen. Glücklich seufzend werfe ich den Kopf in den Nacken und atme einmal durch. Dann kann ich ja direkt duschen gehen und mich fertig machen, in einer halben Stunde muss ich los.
          Doch als ich zurück ins Wohnzimmer kehre, entdecke ich auf meinem Tisch einen Zettel, vermutlich von Semra.
Hey Cemi,

ich wollte dich nicht aufwecken, denn du hast dir den Schlaf verdient. Ich finde es sehr mutig von dir, dass du dich vor mir geoutet hast. Bin stolz auf dich.

Auch wenn du Angst hast, rede mit Matti. Egal wie es ausgeht, ich bin für dich da. So wie du immer für mich da warst. Wir sehen uns spätestens nächsten Montag.

Seni seviyorum, Semra.

         Ich muss lächeln, sie ist manchmal ein Engel. Ich lege den Zettel wieder auf den Tisch und gehe ins Badezimmer, wo ich mich als erstes im Spiegel betrachte. Diese zwei Wochen voller schalfloser Nächte, vieler Schichten und doppelt so vieler (deprimierender) Gedanken haben definitiv ihre Spuren hinterlassen. Warum sagt mir eigentlich keiner, dass ich so scheiße aussehe? Scheiß Liebeskummer! Ich will mir dieses erbärmliche Bild meiner Selbst nicht länger ansehen und gehe lieber duschen.

Nachdem ich mich fertig gemacht und gefrühstückt habe, muss ich mich auch schon auf den Weg machen. Also schnappe ich mir meine Autoschlüssel, nehme meine Tasche, wo meine Uniform drin ist, und verlasse meine Wohnung.
        Draußen steige ich in mein Auto, starte den Motor und hoffe, dass ich heil aus meiner Parklücke rauskomme. Irgendwelche Fahrlegastheniker haben mich nämlich teilweise zugeparkt.

Mit viel Mühe habe ich es von meinem Parkplatz geschafft und kann gemütlich zur Wache fahren. Um halb sechs Uhr morgens geht es noch mit dem Verkehr, daher ist mir der Frühdienst von der Fahrsituation am liebsten. Doch auf dem Weg fällt mir wieder ein, dass ich ja Matti gleichsehen werde und hoffe im Stillen, dass ich nicht mit ihm zusammenfahren muss. Vince wäre auch nicht besser, denn Matti hat sicher mit ihm geredet.

Das Auto habe ich soeben auf dem Parkplatz geparkt und kaum bin ich ausgestiegen, kommen zwei Motorräder auf den Parkplatz gefahren. Ich tippe sofort auf die Zwillinge, weil mir kaum einer von den Kollegen einfällt, der Motorrad fährt. Ich seufze und gehe weiter Richtung Tür, doch da höre ich schon eine Stimme.
„Moin Cem“, ich tippe auf Vince, Matti würde sicher nicht so fröhlich reden.
„Morgen“, wünsche ich und bin dann doch so nett und warte auf die beiden.
          Matti bleibt schweigsam und kassiert dafür einen Ellbogen von Vince in seinen Rippen. Daraufhin kommt von Matti ein leises „Hallo“.
          Na, das wird ja ein ganz toller Tag…
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