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Flash mich!

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Cem Kaya OC (Own Character)
11.05.2020
19.11.2020
13
27.230
5
Alle Kapitel
34 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
26.09.2020 2.517
 
Guten Abend!
Ich hoffe, ihr hattet einen angenehmen Samstag. Leider hat es aufgrund von ständigen Internetproblemen wieder etwas länger mit dem neuen Kapitel gedauert, tut mir wirklich leid.
Danke an 12Rose12 und rammsteinfan19 für die Reviews!
Nun wünsche ich viel Spaß beim Lesen!



Kapitelname: Mistake

Wörterzahl: 2401

Vorkommende Personen: Cem Kaya, OC, Eric Stein

Sicht: Cem




/=\




-gleicher Abend-




POV Cem




Im Moment läuft bei mir alles falsch, was nur falsch laufen kann. Der Streit mit meinen Eltern ist nach anderthalb Monate immer noch nicht richtig geklärt. Sie reden zwar wieder mit mir, aber man merkt, dass dicke Luft herrscht. Aber das ist noch nicht einmal mein größtes Problem. Zunächst war noch alles ganz normal, abgesehen von der Sache mit meinen Eltern. Vor allem habe ich viel Zeit mit Matti (und auch mit Vince) verbracht. Dabei ist mir allerdings etwas klargeworden, womit ich überhaupt nicht zurechtkomme, was meine Laune verdirbt und was mir Angst macht. Ich habe mich verliebt, in Matti. Zunächst habe ich jegliche Gefühle für ein Hirngespinst gehalten, denn ich, Cem Kaya, stehe nie im Leben auf Männer. Doch je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr fällt mir, wie oft ich schon Männer gutaussehend fand, wie oft ich diesen schon heimlich hinterhergesehen habe und wie oft ich mich schon zu ihnen angezogen gefühlt habe. Nur hatte ich es bisher prinzipiell verdrängt, wie in einer Zelle verstaut.
           Aber gleichzeitig weiß ich, dass jene Gefühle nicht sein dürfen, dass Matti praktisch unerreichbar ist und vor allem weiß ich, dass ich meine Familie damit verliere. Bis auf meine Schwester, haben sie eine negative Einstellung gegenüber Homosexuellen. Es sei ja schließlich eine Sünde und würde ich mich vor ihnen outen, fände meine eigene Beerdigung schneller statt, als ich Zeugenschutzprogramm sagen kann.
          Das Ganze macht mich so unfassbar wütend. Ich bin seit zwei Wochen durchgängig schlecht gelaunt und eingestanden unglücklich verliebt. Nicht mal die Arbeit rettet mich aus dieser Wut und dieser Angst, schließlich muss ich Matti dort sehen und kann mich nicht ablenken. Es ist alles scheiße!

Mittlerweile fahre ich morgens mit dem Auto zur Arbeit, da ich keine Lust auf meine Mitmenschen habe. Vor allem will ich keine turtelnden Liebespaare in der Bahn sehen, davon bricht mein Herz und schlecht wird mir auch. Manchmal habe ich das Gefühl, jeder hat Glück im Leben verdient, nur ich nicht. Spätestens nächstes Jahr werde ich mit einer Landesgleichen verheiratet und muss das pseudoperfekte Leben führen, was meine Eltern sich wünschen. Aber bevor es soweit komm, zweckentfremde ich lieber meine Dienstwaffe und mache einen Abgang via Kopfschuss. Ist auf jeden Fall angenehmer und es löst wenigstens einige meiner Probleme.
         Gott, was mir mittlerweile so für Gedanken durch den Kopf gehen, grausam!

Es ist Samstag, ich habe Nachtschicht und absolut keine Motivation. Heute hat Matti ebenfalls Schicht und hoffe so sehr, dass ich nicht mit ihm fahren muss, auch wenn ich es so gern tun würde. Aber das würde alles nur noch schlimmer machen. Okay Cem, tief durchatmen, noch bist du nicht da. Noch ist nichts passiert. Ich sollte mich langsam aber wirklich auf den Weg machen, sonst komme ich noch zu spät. Ich ziehe meine Uniform an, schnappe mir meinen Autoschlüssel und verlasse meine Wohnung.
       Ich fahre zur Wache, der Verkehr geht einigermaßen. Nachtschichten am Samstag sind prinzipiell anstrengend, weil die Leute da sehr besonders drauf sind. Ich stelle mich jetzt schon etliche Prügeleien ein, hoffentlich komme ich heil nach Hause.

Matti bin ich bereits an der Tür begegnet, er hat dort mit seinem Bruder geraucht. Ein Wunder, dass ich ihn trotz dieses Faktors attraktiv finde. Drinnen warte ich direkt im Aufenthaltsraum, bis die Kollegen alle kommen. Entgegen meiner Hoffnungen muss ich mit Matti zusammenfahren, doch zunächst soll ich zum Chef. Verstehe ich nicht, habe ich was gemacht?

„Du wolltest mich sprechen, Klaus?“, frage ich, als ich die durch die Tür trete.
„Ja, bitte schließ die Tür und setz dich“, sagt er und mustert mich ernst.
       Das klingt gar nicht gut. Ich tue, was er gesagt hat und warte dann ab, was er von mir will.
„Was ist momentan los mit dir? Seit zwei Wochen hast du schlechte Laune, bist den Bürgern unfreundlich gegenüber und auch bei den Kollegen bist du nicht anders. Das geht so nicht, so hat ein Polizist sich nicht zu präsentieren. Also?“, konfrontiert Klaus mich.
„Quatsch, es ist nichts.“
„Cem, ich sehe es dir an. Ich will nicht, dass das mit einer Beschwerde oder Anzeige gegen dich endet. Deine Kollegen müssen sich auf dich verlassen können, da bringt uns ein mieslauniger Rambo nichts. Cem, du bist ein guter Polizist, in den nächsten zwei Jahren wirst du sicher befördert, aber mit diesem Verhalten, was du momentan an den Tag legst, ist das ganz schnell vom Tisch und du vorerst im Innendienst. Wenn es ganz schlimm läuft auch im Zwangsurlaub. Da musst du dir im Klaren sein“, droht Klaus mir mit harten Worten.
          Ich mustere ihn sauer, was ist denn jetzt sein Problem?!
„Mein Gott, dann bin ich eben nicht so gut drauf, hat doch jeder Mal.“
„Reiß dich am Riemen. Ich gebe dir noch eine letzte Chance, ansonsten nehme ich dich von der Straße.“
„Jawohl, Chef.“
„Und jetzt ab mit dir, dein Streifenpartner wartet“, entlässt er mich.

Sauer gehe ich nach draußen, Matti wartet bereits im Streifenwagen auf mich.
„Willst du nicht fahren?“, fragt Matti, der wohl Staub gewischt hat.
       Ich winke ab, mit der Begründung, dass ich keine Lust habe. Reden will ich auch nicht, einfach nur meine Ruhe haben. Klaus ist doch bescheuert. Mir mit Zwangsurlaub drohen wegen schlechter Laune, dass ich nicht lache. Aber ich bin Matti dankbar, dass er auch wirklich die Klappe hält. Ich starre nach draußen und knacke mit den Fingerknöcheln. Wir bleiben an einer Ampel stehen, Matti trommelt mit den Fingern auf dem Lenkrad.
„Ist irgendwas?“, spricht er jetzt doch und ich brumme.
„Sollte was sein?“
„Du wirkst so angespannt.“
„Einfach nur schlecht geschlafen.“
        Zum Glück gibt Matti sich damit zufrieden. Aber ich merke ihm an, dass ihn diese Stimmung nervt, Doch bevor er noch was sagen kann, bekommen wir einen Einsatz rein, einen langweiligen Ladendiebstahl. Kurz vor Ladenschluss, wow.

Den Ladendieb müssen wir auf die Wache bringen, der Detektiv des Geschäfts konnte ihn aufhalten. So brauchten wir nur noch das Video zu sichten und den Typen einpacken. Während Matti also mit dem Mann die ED-Behandlung durchführt, schreibe ich schon mal den Bericht, damit dies erledigt ist. Danach kann der Dieb wieder seines Weges gehen. Bei einfachen Einsätzen sind auch die Berichte einfach und so bin ich auch damit recht schnell fertig, können dann unsere Streifenfahrt fortsetzen.

Heute ist wirklich mein Glückstag, denn durch die ganzen Einsätze hat Matti kaum eine Chance, ein Gespräch mit mir zu führen. Wie ich bereits sagte, Samstagnacht ist immer anstrengend und dass kriegen wir stark zu spüren.
„Arnold für den 14/21.“
„Schon wieder?“, frage ich mehr mich selbst und nehme dann die Funke, „14/21 hört.“
„Robert-Koch-Straße 38, eine Frau Schmidt, eine Anwohnerin, meldet Häusliche Gewalt. Sie hat ihre Nachbarin schreien gehört. Sonderrechte frei“, lautet der Einsatzbefehl.
„14/21 hat verstanden, fahren raus.“
        Ich schalte Blaulicht und Martinshorn ein, Matti gibt Gas.
„Das hat uns grade noch gefehlt. Sollen die Halbstarken sich doch gegenseitig verprügeln, statt auf ihre armen Frauen einzuschlagen. Diese Leute habe ich so gefressen“, Matti schüttelt den Kopf.
„Kommen wir nun mal nicht drum herum“, ist meine einzige Reaktion.

Wir erreichen den Einsatzort, eine Plattenbausiedlung. Matti fährt über den Gehweg und bleibt direkt vor der Tür stehen. Wir steigen aus, die Melderin wartet in der Haustür auf uns. Sie kommt kaum dazu uns zu erklären, was eigentlich los ist, da wir uns beeilen müssen, um der Frau zu helfen. Matti klingelt, hämmert mit der Faust gegen die Tür.
„Hier ist die Polizei, öffnen Sie die Tür!“, brüllt er.
         Die Tür wird mit Wut aufgerissen, ein breitgebauter Mann steht uns gegenüber. Sein Gesichtsausdruck deutet auf ziemliche Aggressionen hin. Wie ich solche Typen verachte.
„Was wollen Sie um diese Zeit hier?! Haben Sie mal auf die Uhr gesehen?!“
         Der Tonfall gefällt mir nicht, worauf ich den Herren aufmerksam mache. Dazu erkläre ich den Sachverhalt.
„War bestimmt die Frau Schmidt! Soll die mal weniger Krimis lesen!“
         Gleich habe ich einen Tinnitus, wenn der Kerl so weiterschreit. Matti bittet darum, dass wir reinkommen dürfen, aber der Mann will uns nicht reinlassen. Er sagt uns, dass seine Frau nicht zu Hause sei. Doch Matti wirft einen Blick in die Wohnung, gibt mir ein Zeichen und will in die Wohnung. Gewaltsam, da sich der Mann hartnäckig dagegen wehrt. Ich helfe Matti natürlich, bringen den Typen an die Wand. Mein Kollege sichert ab, ich durchsuche den nun Festgenommenen. Immer wieder brüllt er mich an, ich solle die Pfoten von ihm lassen, aber das ignoriere ich gekonnt. Als ich grade an seinen hinteren Hosentaschen bin, kommt ein noch bissigerer Kommentar.
„Das gefällt dir, hä? Bist du schwul, oder was?“, provoziert er.
        Und ich lasse mich provozieren.
„Halts Maul.“
         Ich weiß, dass ich mich nicht provozieren lassen darf, aber das ist eben ein sehr wunder Punkt. Ich sehe Mattis warnenden Blick, hoffentlich hält er die Klappe und sagt nichts weiter darüber. Ich konzentriere mich wieder auf den Schläger, bringe ihn nach unten in den Streifenwagen. Matti bestellt für die Frau einen Rettungswagen und wird sie wohl schon mal befragen. Ich habe den Kerl in den Wagen gesetzt und angeschnallt, wenigstens kann er dank der Handfesseln nicht randalieren, brüllt aber dennoch rum. Ich nehme die Aussage von Frau Schmidt auf, da kommt auch schon der RTW. Ich stelle mich so vor den Wagen, dass der Täter nicht mehr aus seinem Fenster gucken kann, um zu vermeiden, dass er seine Frau sieht. Diese wird grade in den RTW gebracht, Matti kommt zu mir.
„Wir fahren auf die Wache“, sagt er nur, aber ich merke, dass jetzt noch weniger zwischen uns stimmt.

Ich habe mich dazu bereiterklärt, auch diesen Bericht zu tippen, damit ich wieder meine Ruhe habe und etwas nachdenken kann. Den Schläger haben wir zuvor in die Gewahrsamszelle verbracht, ein Arzt wurde zum Bluttest einbestellt. Dieser ist allerdings noch nicht da. Matti ist in den Aufenthaltsraum verschwunden, er sagte, er hole sich was zu trinken.
          Meinen sprachlichen Ausrutscher schreibe ich nicht mit rein, der Typ wird es eh nicht erwähnen. Falls er es denn überhaupt gehört hat.

Als ich fertig bin, gehe ich Richtung Aufenthaltsraum. Ich höre die Stimmen von Matti und Vince, welcher grade mit Eric reingekommen ist.
„Nur noch zweieinhalb Stunden, dann ist die Schicht vorbei.“
           Ich werfe den ersten Blick hinein, Vince steht am Kühlschrank und durchforstet diesen, während Matti in einem Becher rumrührt. Sieht schon niedlich aus, wie er da gedankenverloren steht. Er hat sogar noch seinen InEar drin.
„Matti, kommst du mal?“, betrete ich nun doch den Raum.
„Jup“, er erwacht aus seiner Trance und folgt mir, nimmt seinen Becher mit.

Er liest sich meinen Bericht durch und ist damit einverstanden. Ich dachte, damit würde er wieder gehen, aber stattdessen spricht er mich auf vorhin an.
„Was war das eigentlich für ein Kommentar?“
„Wovon sprichst du?“, ich spiele den Unwissenden, aber Matti gibt keine Ruhe.
        Er schlägt vor, nach draußen zu gehen. Er wollte sowieso noch eine Rauchen und ich gebe mich geschlagen. Ein Nein würde er sowieso nicht akzeptieren. Ich überlege mir schon mal vierunddreißig Ausreden, die ich ihm auftischen kann.

Draußen steckt er sich eine Kippe an und nimmt den ersten Zug davon. Ich kann diesen Geruch wirklich nicht leiden, aber ich kann es diesem Mann verzeihen. Jetzt bloß nicht verfallen, Cem!
„Schieß los, ich bin ein guter Zuhörer. Was ist los mit dir? Du bist seit zwei Wochen so komisch und unsere Schicht heute war bisher auch merkwürdig. Normalerweise machen wir immer Späße. Und dann eben auch diese Reaktion von dir, ich würde dich gerne verstehen können. Vielleicht können wir dann ja das Problem bewältigen“, bietet er an und mustert mich bittend.
          Dieser Blick zieht mich in einen Bann, den ich nur erwidern kann. Er macht mich schwach, obwohl ich nicht schwach werden darf. Doch dann passiert das, wovor ich so viel Angst hatte. Ich küsse ihn, ohne jegliche weitere Vorwarnung. Schnell löse ich mich wieder von ihm, weiche einen Schritt zurück und sehe auf den Boden. Ich spüre die hitzige Röte in meinem Gesicht.
„Wow, also das habe ich nicht erwartet“, höre ich Matti erschrocken sagen.
        Noch bevor ich was sagen kann, kommt Vince nach draußen.
„Ladys, wir haben Großeinsatz. Alles in Ordnung?“, er sieht zwischen uns hin und her.
„Ja, alles gut. Wir kommen“, antwortet Matti für mich mit und nimmt noch einen Zug von seiner Zigarette.
          Ich gehe schnell an den beiden vorbei, schnurstracks zum Streifenwagen. Was habe ich da grade getan? Warum habe ich das getan? Ich Idiot! Ich habe alles kaputt gemacht!

Der einzige Gedanke, der mir die letzten zwei Stunden durch den Kopf geschossen war, dass ich mich einfach nur tief vergraben will. Genau das tue ich auch, als ich endlich zu Hause ankomme. Ich lege mich direkt ins Bett, Decke über den Kopf und am besten nicht mehr aufstehen. Ich bin so ein Idiot. Matti und ich haben die restliche Schicht nicht ein Wort mehr miteinander geredet. Wahrscheinlich hält er mich jetzt für vollkommen bescheuert und möchte nicht mehr mit mir zusammenarbeiten. Die ersten Tränen laufen über meine Wangen. Ich spüre den Herzschmerz ungefähr zwanzigmal so stark wie sonst. Auch wenn ich mit schlimmerer Reaktion gerechnet habe, ist ignorieren sehr hart. Wie soll das denn jetzt weitergehen, schließlich ist er ja noch elf Monate noch hier. Ich drücke mein Gesicht in das Kopfkissen und halte kurz die Luft an. So versuche ich mich zu beruhigen. Aber die Tränen wollen nicht weniger werden, der Schmerz ebenso. Von dem ganzen Schluchzen kriege ich zusätzlich Bauchschmerzen. Mir bleibt auch wirklich nichts erspart, verdient habe ich es dennoch. Und so kommt es, dass ich mich in den Schlaf weine.


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Meinen freien Sonntag verbringe ich mit viel Schlaf und nur im Bett liegen. Mir ist sowieso nach nichts. Ich habe keinen Hunger, keinen Durst und keine Motivation. Nicht mal aufs Klo muss ich. Jedes Mal, wenn ich einschlafe, werde ich von Albträumen geplagt. Wahrscheinlich sehe ich genauso elendig aus, wie ich mich fühle, aber ich war heute noch nicht im Bad. Ich würde Matti am Liebsten aus meinen Gedanken verbannen, aber ich kann nichts anderes tun, als an ihn und besonders an meine dumme Aktion zu denken.
        Doch plötzlich reißt mich ein Geräusch aus einem erneuten Halbschlaf, die Türklingel. Wer will denn jetzt was von mir?
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