Knisternde Koalition

GeschichteParodie, Romanze / P18 Slash
11.05.2020
13.10.2020
39
78.860
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11.05.2020 1.075
 
Also, zu aller erst, wenn sich eine der erwähnten Personen an der Geschichte stört und sich irgendwie verifizieren kann, wird sie natürlich sofort gelöscht. Zweitens, ich kenne keine der erwähnten Personen persönlich und ich betone noch einmal, dass die Geschichte frei erfunden und auf meinem eigenen Mist gewachsen ist. Drittens entschuldige ich mich schonmal im Voraus für sämtliche grammatischen- und Rechtschreibfehler. Kritik und Verbesserungsvorschläge sind immer herzlichst willkommen. So und jetzt viel Spaß (hoffentlich)
Unsere Geschichte beginnt an einem verregneten Donnerstagnachmittag im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. Man hört das Klackern von Tastaturen. Am Schreibtisch sitzt ein ca. 27-jähriger Mann im Anzug. Sein Name: Philipp Amthor.
Ein Blick auf die Uhr, noch weitere zwei Stunden Anträge bearbeiten bis es endlich wieder zur Debatte in den Bundestag geht, Philipp kann es kaum erwarten, endlich wieder Diskussionen, Zerstören und Sachthemen. Debatten stellten generell einen Höhepunkt in seinem ansonsten recht eintönigen Leben dar. Zwei Stunden später im Bundestag am Rand seiner Fraktion in einem Stuhl ohne Tisch (ein Unding, würdet ihr ihn fragen), sitzt nun Philipp und führt sich die aktuelle Debatte zu Gemüte, ein absolut langweiliges Thema und eine Debatte voller Antragsfehler, unpräzisen Formulierungen und inhaltlich falschen Fakten an denen sich außer ihm aber niemand zu stören schien. Die Uhr schlich langsam Richtung 23:30 als Philipp beschloss sich diese Amateure nicht mehr geben zu müssen und stattdessen lieber noch eine Stunde länger zu schlafen. Denn Schlaf ist rar gesät in seinem Leben, die Tage an denen er mehr als 7 Stunden am Stück schlafen kann sind selten. Und nicht zu vergessen das morgen auch noch das Spiegel Online Duell mit Kevin Kühnert ansteht, vor dem ihm schon seit einer Woche graut!  Als er in seiner Bundestags gesponserten Limousine nun durch die Nacht gefahren wurde fielen ihm am Rand der Straße immer wieder kleine Gruppen von Menschen auf, glückliche Paare, feiernde Freunde, Currywurst essende Stammtische und wie so oft kann er sich dem Gedanken nicht verwehren, was wäre wenn…. Oberflächlich hat er sich schon lange damit abgefunden für immer single zu bleiben, aber manchmal konnte sich sein Unterbewusstsein die leisen Sticheleien nicht verkneifen… Aber nein, zum einen ist da das Problem der Arbeitszeit, kein Partner würde einen derart harten Verstoß gegen das Arbeitsschutzgesetz mit seiner 90 Stunden Woche auf Dauer billigen und hinzukommt, dass wohl auch kein anderer Mann je Lust haben wird mit einem scheinbar heterosexuellen, homoeheablehnenden Mann freiwillig eine Beziehung einzugehen und diese dann auch noch verstecken zu müssen. Denn ja Philipp ist schwul, aber aufgrund seiner konservativen politischen Haltung hätten seine Wähler eventuell Probleme damit, weshalb es besser ist auf diesen unwichtigen Lebensfakt gar nicht erst einzugehen, vor allem wenn die Chancen auf eine Beziehung sowieso gleich Null sind. Denn eines ist ihm klar, an vorderster Stelle in seinem Leben steht und wird immer die Politik stehen. Auf Platz zwei findet sich die Rechtswissenschaft, die ihm auch sehr viel Spaß bereitet und auf Platz drei sein Wahlkreis das schöne Vorpommern, Platz 4 nimmt seine Familie ein und auf Platz 5 könnte eventuell Platz für einen Partner geschaffen werden. Ja, er war einfach kein Beziehungsmensch und damit hatte er sich abgefunden und dennoch träumte er manchmal davon abends nicht mehr alleine im Bett zu liegen und morgens nach dem Aufwachen nicht zuerst das Handy zu sehen.
Been beep beep…. Ein schläfriges blinzeln, ein leichter Schock. Das Duell mit Kevin Kühnert! Schnell stieg er aus dem Bett, um sich der extrem wichtigen Frage zu stellen: welcher Anzug??? Lieber einen der grünen auf der linken Seite oder einen blauen von der rechten? Letztlich fällt die Wahl auf einen passend CDU schwarzen Anzug, ohne Krawatte, er will neben dem Hoodie Sozi ja auch nicht zu overdressed wirken. Schnell noch eine Tasse Kaffee und schon geht es los Richtung Studio. Geplant ist irgendsoein Beitrag für ein YouTube Format Namens Disko oder so, nicht dass er die besten Erfahrungen mit YouTube gemacht hätte…. Ein früher Aufzeichnungstermin um 7 Uhr kommt Philipp gerade recht, so bleibt ihm noch viel Zeit vom Tag, um sich mit Sachthemen zu beschäftigen. Er hoffte nur das der Sozi nicht schon wieder verpennt.
Aber nein, Kühnert ist pünktlich (was Philipp nicht erwartet hat) und wirkt auch noch erstaunlich gut gelaunt. Seltsam, eigentlich hatte er laut seinem Instagram gestern Abend noch bis spät gefeiert, wie kann er jetzt schon wieder so fit sein? Fragte sich Philipp.
„Na Philipp altes Haus? Wozu der Frühe Termin??“
„Ich muss um 9 Uhr im Innenausschusssitzen, später ging es leider nicht"
„Streber" sagte Kevin und wollte sich eine Zigarette anzünden bevor er bemerkte das er sich in einem geschlossenen Raum befand.
Etwas gekränkt fühlte sich Philipp davon schon, manchmal fragte er sich wie es wäre, zu sein wie Kühnert. Gutaussehend, offen homosexuell und das Leben genießen…. Etwas Neid kam da schon auf, aber erließ sich wie ein echter Profi nichts anmerken.
„Gib mir mal deine Nummer falls im Anschluss hierzu noch etwas zu klären ist" – schließlich konnten Kontakte ja nie schaden, je mehr desto besser, auch wenn es nur ein Juso Chef ist.
Etwas widerspenstig rückte Kevin seine Nummer raus, „wenn du meinst, aber nicht das wir am Ende ellenlange Debatten über WhatsApp führen oder so.“
„Nein nein, nur für kleine Nachfragen oder ähnliches“
Die Debatte selbst verlief in Philipps Augen ausgesprochen unerwartet harmonisch, bis auf die viel zu häufige Verwendung des Wortes Enteignung war es sogar inhaltlich erstaunlich akzeptabel. Was Philipp viel mehr irritierte war, das leicht euphorische Gefühl jedes Mal wenn Kevin ihn ansah oder, wie im Dreh für das Zusatzmaterial, die Hand auf den Rücken legte. Er konnte es nicht so wirklich einordnen und beschloss es somit fürs erste zu ignorieren.
Der Tag verlief monoton, eine Innenausschusssitzung, die immer wieder von Sachthemen abschweifte, ein Stapel Akten, die bearbeitet werden wollten und auf dem Weg nach Hause auch noch drei Selfies mit potenziellen Wählern. Denn das war die Mehrheit der Menschen für Philipp, potenzielle CDU-Wähler. Geschafft fällt Philipp aufs Sofa und schon beginnen seine Gedanken um Kevin zu kreisen. Das ist doch nicht normal dachte er sich, weder war Kevin außergewöhnlich attraktiv noch in der CDU, wieso musste er ständig an ihn denken? Den ganzen Tag schon plagten ihn die Gedanken. Auch hatte er noch nicht eine Nachricht von Kevin erhalten trotz ausgetauschter Nummern, sollte er ihm schreiben? Vielleich lieber noch nicht, nicht das es zu aufdringlich wirkt, lieber noch zwei Tage warten. Von unruhigen Gedanken geplagt wurde er bald vom Schlaf übermannt.
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