Bound to You - Smaragdgrüner Dschungel

von Larkyus
GeschichteRomanze, Fantasy / P18 Slash
Gestaltwandler Vampire Werwölfe
11.05.2020
30.06.2020
6
10.316
4
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30.06.2020 1.742
 
Tiger
Sie waren angekommen. Das Haus vor dem sie parkten, lag etwas abgeschieden, in direkter Nähe zu einem kleinen Waldstück, aber nicht so weit abgelegen von den anderen Häusern, als dass es ungewöhnlich oder seltsam wirken würde. Es war ein hübsches Haus. Das konnte sogar er sagen, obwohl er noch nicht lange ein Mensch war.

Diesmal schaffte er es sogar, sich selbst abzuschnallen, seine Hände zitterten nicht mehr wie verrückt. Er fühlte sich in diesem engen, fahrenden Kasten, in dem man sich sogar einschnüren musste zwar immer noch nicht besonders wohl, aber er hatte Max zuliebe gelernt es lange genug zu ertragen, damit sie keine weitere Pause machen mussten.

„Wir sind da“, kommentierte Max das offensichtliche und seufzte.

Max seufzte ganz schön oft. Seine Schultern sackten dann immer nach unten als würde eine schwere Last sie nach unten ziehen. Tiger vermutete, dass es an ihm liegen musste. Oder war Max am Ende einfach so?

Tiger wandte den Blick von dem Mann ab und griff nach dem Türöffner. Der fahrende Kasten, er sollte wohl anfangen es Auto zu nennen, ging auf und er konnte das Ding endlich verlassen. Er hüpfte aus dem Geländewagen und schaute sich neugierig um. Merkwürdigerweise wollte die Unsicherheit und Beklemmung gar nicht in ihm aufsteigen, die ihn eigentlich immer erfasste, wenn er sich mit einer neuen Situation und einem neuen Umfeld konfrontiert sah.

Ein lauter Knall lenkte ihn ab und sein Kopf fuhr sofort zu dem Geräusch herum. Die Haustür war aufgestoßen und ein riesiger Fellball auf vier Beinen sauste heraus und direkt auf Max zu. Tiger fauchte, doch er bewegte sich zu langsam. Der übergroße Hund hatte Max schon niedergeworfen und bellte lauthals. Als Tiger endlich um den Wagen herumgelaufen sah, entdeckte er allerdings, dass seine Sorge völlig unbegründet war. Der schwarze Hund mit dem langen und dichten Fell wedelte mit dem Schwanz und schlabberte über Max Gesicht.

„Oscar!“, rief eine weibliche Stimme, die dem Tier eilig nachgehastet war.

Max schaffte es endlich den Hund von sich herunterzuhieven und ächzend aufzustehen. Tiger blickte auf und sah sich einer wunderschönen Frau gegenüber, die Max sehr ähnlichsah. Das musste seine Mutter sein. Ein wehmütiger Schmerz ergriff ihn und im ersten Moment wünschte er sich, dass sie nie hergekommen wären.

„Komm her, mein Junge!“, sagte sie und nahm ihren Sohn herzlich in die Arme.

Er drückte sie zurück und lächelte leicht. Diesmal kein Seufzen und auch kein Schulte-hinunter-sacken. Tiger gefiel das nicht. Am liebsten würde er dazwischengehen, doch er traute sich nicht. Diese Frau hatte etwas an sich, dass ihm Respekt abnötigte, obwohl sie nichts als Herzlichkeit und Sanftmut ausstrahlte.

„Es ist so schön dich zu sehen!“, strahlte sie und hielt ihren erwachsenen Sohn, der bereits zwei Köpfe größer war als die kleine Frau, eine Armlänge von sich und betrachtete ihn ausgiebig.

Sie kniff plötzlich die Augen zusammen und sah ihren Sohn strafend an.

„Du bist dünner geworden“, stellte sie mit dem typischen Tonfall fest, den nur Mütter an den Tag legen können. „Isst du auch genug?“

„Mutter. Ja!“, erwiderte Max genervt und seine Wangen färbten sich leicht rosa.

Das entlockte Tiger ein leises Lachen, was allerdings dazu führte, dass sich zwei Augenpaare augenblicklich auf ihn richteten. Max sah überrascht aus, die Frau allerdings erleichtert.

„Mutter, das ist Tiger“, stellte Max ihn vor und die Frau hob eine Augenbraue, wobei selbst das anmutig an ihr aussah.

„Das…ist sein einziger Name“, erwiderte Max, der wohl im Gegensatz zu Tiger verstand was diese Geste von ihr zu bedeuten hatte.

Tiger überlegte wohl wo das Problem lag und er legte den Kopf etwas schief und betrachtete de beiden. Aber er kam einfach nicht darauf und anstarren half nicht weiter.

„Tiger, das ist meine Mutter Angela Maxwell“, sagte Max.

Tiger wusste nicht was er tun sollte. Als er die Flimmerkiste mit den vielen Informationen darin, also den Fernseher, so genaustens studiert hatte, war er auf Situationen wie diese gestoßen. Und die Männer hatten bei diesen Gelegenheiten immer ihre rechte Hand hingehalten. Also tat Tiger das jetzt auch. Und erntete ein Lächeln dafür. Angela schüttelte ihm die Hand, ihre Haut fühlte sich weich und warm an. Erleichterung durchflutete ihn, weil er anscheinend das richtige getan hatte. Er warf Max einen schnellen Blick zu, um seine Reaktion abzuschätzen. Aber dieser wuschelte ihm nur wieder durch die Haare, was Tiger wegspringen und verärgert Fauchen ließ. Er warf Max einen glühenden Blick zu, doch das brachte diesen nur dazu fies zu Grinsen.

„Kommt lieber rein, ihr beiden“, lachte seine Mutter und führte die kleine Gruppe ins Haus.







Lincoln Maxwell
Er und seine Mutter sahen aus dem Wohnzimmer heraus dabei zu, wie Tiger die dritte Portion verspeiste und es gab keine Anzeichen, dass er danach aufhören würde. Gott sei Dank war seine Mutter darauf vorbereitet und hatte doppelt so viel gekocht als üblich.

„Wenn das so weitergeht, verputzt er Alishas und Masons Portion gleich mit“, sagte Max und meinte damit seine beiden Halbgeschwister.

Nachdem Max seinen leiblichen Vater sehr früh verlor, heiratete seine Mom einen neuen Mann, zehn Jahre später, als er sechzehn wurde. Sie bekamen zusammen noch zwei Kinder. Für Max war das Ganze, alles andere als leicht gewesen und er war seiner Mutter auch keine große Hilfe, damals. Gleich nach seinem High School Abschluss war er ans andere Ende des Landes gezogen und erst vor kurzem in die Nähe zurückgekehrt.

„Ich habe ihren Anteil schon beiseitegestellt“, erwiderte Angela trocken und Max musste lachen.

Er hatte seine Hände in seinen Hosentaschen vergraben und lehnte am Türrahmen.

„Es geht ihm besser, als ich es erwartet habe“, sagte sie und das Gespräch wurde ernst.

Max stieß sich von dem Türrahmen hinter ihm ab und sie gingen weiter ins Wohnzimmer hinein. Angela öffnete die Tür zur Terrasse und sie gingen hinaus. Zu dem Haus gehörte ein riesiger Garten, den seine Mutter stets sorgfältig hegte und pflegte. Auf ihn achtzugeben war ihr ganzer Stolz und ihr liebstes Hobby. Mason half ihr gerne dabei. Und wie sie am Telefon versprochen hatte, sah er einfach fantastisch aus.

„Dachtest du etwa, ich würde nicht auf ihn aufpassen?“, fragte er säuerlich und setzte das Gespräch an der Stelle fort, wo sie es unterbrochen hatten.

Seine Mutter hakte sich bei ihrem ältesten Sohn unter und sie schlenderten über das Gelände.

„Ach Schatz, du weißt wie sehr ich dich liebe, aber Empathie ist nicht gerade deine Stärke. Und jemanden körperlich unversehrt abzuliefern heißt nicht automatisch, dass man gut auf ihn achtgegeben hat“, sagte sie lachend, doch ihr Tonfall klang auch leicht tadelnd. Wie eigentlich immer, wenn sie mit ihm sprach.

Das war auch der Grund, weshalb er nicht gerne zurückkehrte. Seine Mutter besaß die nervige Angewohnheit alles was er tat und sagte unterschwellig zu kritisieren. Und es fuchste ihn mächtig, dass sie bei den meisten Angelegenheiten auch noch Recht behielt. Also sparte er sich diesmal einen Kommentar, denn er musste an Tigers heftige Reaktion denken, wenn es um Autofahrten ging. Doch als er nichts darauf sagte, erregte Max ihr Misstrauen.

„Aha? Du widersprichst mir ja gar nicht“, grinste sie. „Ist vielleicht etwas passiert, von dem du mir erzählen solltest?“

Max zögerte. Doch der Grund für sein Auftauchen war ja, dass er ihren Rat und ihre Unterstützung brauchte. Sie sollte Tiger schließlich helfen, also musste er ihr auch reinen Wein einschenken. Langsam begann er zu berichten, was sich seit ihrem Telefonat zugetragen hatte.

„Eigentlich sollte das nicht besonders verwundern, schließlich ist er in einem Käfig großgeworden. Alles was wesentlich größer und deutlich kleiner ist, muss ihm eine Heidenagst einjagen“, erklärte sie nachdenklich und mitfühlend.

„Aber wieso ist er dann nicht schon im Haus ausgerastet? Ein Käfig ist das doch nicht gerade“, argumentierte Max mit gerunzelter Stirn.

„Auf ihn muss es so wirken, als würde ein Haus aus mehreren kleineren Käfigen bestehen. Jeder abgeschlossene Raum muss so auf ihn wirken“, entgegnete sie und Max musste ihr Recht geben, dass klang sinnvoll.

„Aber mich wundert vielmehr, dass er mit größeren Menschenansammlungen kein Problem hat“, brachte Max einen neuen Punkt auf, der ihn seit ihrem Besuch im Diner beschäftigte.

Diesmal grinste seine Mutter breit, obwohl sie sich große Mühe gab das zu verbergen.

„Schatz, er hatte Angst. Ich muss nicht dabei gewesen sein, um das zu wissen. In vielerlei Hinsicht ist sein Verstand noch immer sehr einfach gestrickt. Er vertraut dir und mehr muss er nicht wissen. Er glaubt ganz fest daran, dass du ihm nichts Böses tun würdest“.

Die Stimme seiner Mutter klang weich und sie drückte tröstend seinen Arm. Sie musste wohl wissen wie viele verschiedene Emotionen gerade durch ihn hinwegrauschten. Der Druck den er verspürte, seit er Tiger begegnet war, stieg immens. Ihm kam wieder in den Sinn was Dawn zu ihm gesagt hatte und wie er Tiger an diesem Morgen in seinem Bett vorgefunden hatte. Er konnte nicht mehr leugnen, dass der Junge seine Nähe suchte. Er berichtete seiner Mutter davon.

„Dawn ist wirklich ein cleveres Mädchen. Du solltest wirklich öfter auf sie hören“, ärgerte ihn seine Mutter. „Ich denke, der Junge hat sich ausgerechnet dich als Bezugsperson ausgesucht. An irgendetwas muss man sich schließlich festhalten, wenn das eigene Leben von Grund auf über den Haufen geworfen wird und sich einfach alles zu ändern beginnt“.

Max war das zu viel Verantwortung. Er wollte das nicht! Seine Mutter musste ihm die Panik im Gesicht ablesen, doch auch sie konnte nichts tun, um ihn zu trösten. Plötzlich wurde ihm klar, dass es nicht nur für Tiger gut war, dass sie hergekommen waren.

„Hast du ihm schon gesagt, dass er dominant ist?“

Max zuckte ertappt zusammen. Er wandte den Blick ab und schaffte es nicht ihr zu Antworten. Er musste nicht ihren Gesichtsausruck sehen, um zu wissen, dass seine Mutter verärgert war.

„Du musst es ihm sagen!“, erklärte sie vehement.

Max fuhr sich mit einer Hand durch das Haar und in den Nacken. Er wusste, dass sie Recht hatte. Er durfte es Tiger nicht verschweigen.

„Ich habe Angst, dass er dann kein Mensch mehr sein will“, platzte es aus ihm heraus.

Er wusste noch nicht einmal, dass er dieses Gefühl hatte. Oder, dass es ihn so schwer beschäftigte. Oder, warum es ihn beschäftigte. Seine Mutter zwang ihn dazu sie wieder anzusehen und ihr Blick wurde sichtbar weicher.

„Das ist ein Risiko das du eingehen musst“, erklärte sie sanft und drückte seinen Arm noch einmal. „Aber es geht nun einmal nicht um dich, sondern um ihn. Er hat das Recht zu wissen, was mit ihm los ist. Und du darfst ihm nicht etwas verschweigen, dass ihm helfen würde“.
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