step out of them VOICES

von Yueliang
OneshotFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Hwang Hyunjin
10.05.2020
10.05.2020
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Müde betrachte ich mein Spiegelbild. Draußen vor dem Bad geht jemand vorbei, dann ertönt Felix‘ Lachen. Vorsorglich habe ich die Tür hinter mir abgeschlossen. Ich stütze mich auf dem Waschbecken ab und lasse den Blick über mein Gesicht schweifen. Was habe ich schon? Ich habe nicht den Körperbau und die Führungsqualitäten von Chan-hyung, ich kann nicht annähernd so gut tanzen, wie Minho-hyung. Ich kann nicht so gut rappen, wie Changbin-hyung, egal wie viel ich übe. Ich bin nicht so ein hübsches Multitalent, wie Jisung. Ich habe keine solch eindrucksvolle Stimme, wie Felix. Ich kann nicht so singen, wie Seungmin und mich finden die Leute nicht niedlich, wie Jeongin. Kurzum, ich bin ein Nichts. Ich bin nur Hwang Hyunjin, der Visual, der es irgendwie  in die Dance Line geschafft hat und versucht seine Rap Parts einigermaßen hinzukriegen.

Ja, was tust du hier eigentlich?


Du hast selbst bemerkt, dass die anderen viel mehr können.


Wäre es nicht besser, es zu lassen?


Ich kneife die Augen zusammen. Hör auf! , denke ich und ein Wimmern steigt in meiner Kehle auf. Hör auf so etwas zu denken.

Du bist nur eine Last für deine Member.


Vielleicht fragen sie sich auch, was du in Stray Kids verloren hast…


Energisch drehe ich den Wasserhahn auf und klatsche mir eine Hand voll kaltes Wasser ins Gesicht, sodass ich erschrocken nach Luft schnappe. Es passiert mir in letzter Zeit häufiger, dass ich mich in negativen Gedanken verliere. Allerdings will ich nicht, dass die anderen sich Sorgen machen, weswegen ich versuche das so gut es geht zu verbergen. Plötzlich lässt ein Klopfen mich zusammen fahren. „Wer ist hier drinnen?“, ruft Jisungs ungeduldige Stimme draußen und ich komme wieder in der Realität an. Widerwillig öffne ich die Tür und der Jüngere schaut mich überrascht an. „Warum hast du abgeschlossen?“, fragt er verwundert und ich setze ein Lächeln auf. „Weil das die einzige Möglichkeit ist, in diesem Irrenhaus mal fünf Minuten Privatsphäre zu haben“, antworte ich und Jisung beginnt zu schmollen. Minho hat meine Erklärung wohl gehört, denn er beginnt zu lachen. „Gut gekontert, Jinnie!“, ruft er mir zu. Ich will mich zum Gehen wenden, doch Jisung hält mich zurück. „Ist alles okay?“, fragt er leise und ich lege den Kopf schief.

„Klar, wieso nicht?“, entgegne ich leichthin und der Dunkelhaarige runzelt die Stirn. „Du wirkst irgendwie durch den Wind“, erklärt er und Sorge schwingt in seiner Stimme mit. „Es geht mir gut, Jisungie“, versichere ich und verschwinde schnell in mein Zimmer. Dort ist glücklicherweise niemand. Minho und Seungmin sind im Wohnzimmer bei Felix und Jeongin und Chan wird wohl wie üblich noch im Entertainment sein. Ich verkrümele mich in mein Bett und rolle mich unter der Decke zusammen. Eigentlich habe ich die anderen gerne um mich herum, doch in letzter Zeit ertrage ich das nicht mehr und suche oft Einsamkeit. Ich ziehe mein Handy unter dem Kopfkissen hervor und sehe, dass meine Mutter mir ein Video von Kkami geschickt hat. Sofort breitet sich ein sehnsuchtsvolles Gefühl in mir aus. Ich vermisse meine Eltern und meinen Hund sehr. In letzter Zeit hatten wir zu wenig Zeit, um unsere Familien zu besuchen. Dabei habe ich noch Glück, für Chan und Felix ist das noch schwieriger. Ich weiß nicht, wie sie das wegstecken.

Ganz einfach, sie sind nicht so weinerlich wie du!


Du willst ein Idol sein? Dann krieg deine Emotionen in den Griff.


Die anderen schaffen das wunderbar!


Ja, die anderen, aber ich bin leider nicht, wie die anderen. Meine Sicht verschwimmt und hastig blinzele ich die aufsteigenden Tränen weg. Es stimmt, ich bin ein sensibler Mensch und ich manchmal kommen mir wegen den kleinsten Sachen die Tränen. Eine Eigenschaft, die mich eigentlich nie groß gestört hat, aber in letzter Zeit mache ich mir viel darüber Gedanken. Die Tür wird geöffnet und ich vergrabe hastig den Kopf im Kissen. „Hier bist du also!“, ertönt Seungmins Stimme. „Ich dachte schon, dich hätte ein Dämon im Bad gefressen, bis Jisung mir gesagt hat, dass du hier rein verschwunden bist.“ Er setzt sich zu mir aufs Bett und stößt mich sanft an. „Warum liegst du im Bett? Bist du krank?“, fragt er belustigt, aber auch besorgt. Ich schüttele nur den Kopf, da ich immer noch einen Kloß im Hals habe. „Kommst du mit zu uns?“, fragt Seungmin weiter und wieder schüttele ich nur den Kopf. „Jinnie!“, quengelt er. „Das ist nicht witzig, jetzt rede mit mir.“ Leise schniefe ich und vergrabe den Kopf tiefer im Kissen. „Weinst du?“, will der andere jetzt erschrocken wissen, doch ich gebe keine Antwort.

„Hwang Hyunjin, zwing mich nicht wütend zu werden!“, droht Seungmin jetzt und ich gebe mich geschlagen. In dem Jungen ist ein versteckter Teufel und den will ich jetzt nicht hervor holen. Ich setze mich auf, halte aber den Kopf gesenkt. „Was ist denn los? Ist was beim Training vorgefallen? Hast du mit jemanden Streit?“, will er wissen und legt behutsam einen Arm um meine Schultern. „Ich vermisse nur meine Eltern“, weiche ich aus, was ja auch irgendwie stimmt. Das ich mich schon seit Wochen unfähig und untalentiert fühle, muss ich ihm ja nicht unter die Nase reiben. Seungmin lächelt mitfühlend. „Das kenne ich“, murmelt er und drückt meine Hand. „Hoffentlich haben wir bald Urlaub, damit wir unsere Familien endlich wiedersehen können.“ Ich reibe mir über die Augen und ziehe leise die Nase hoch. Seungmin fährt tröstend meinen Rücken auf und ab und auch, wenn er das richtige Problem nicht kennt, fühlt sich seine Anwesenheit gerade gut an. „Danke, Minnie“, sage ich und lächele leicht. „Hey, dafür brauchst du mir nicht zu danken“, grinst er.

Der nächste Tag beginnt wie jeder andere. In den frühen Morgenstunden ist auch Chan aufgetaucht, jedenfalls sitzt er am Tisch, als ich im Wohnzimmer erscheine mir verschlafen durch die Haare fahre. Jeongin hatte heute seine liebe Not mich aufzuwecken. „Konntest du nicht schlafen?“, fragt Minho, als ich neben ihm Platz nehme. „Hm, hab Mist geträumt“, brumme ich. Es passiert immer öfter, dass meine negativen Gedanken in Alpträumen enden. Diese Nacht habe ich geträumt, dass wir einen Auftritt hätten und ich ausgebuht werde. Als ich daran denke, breitet sich ein flaues Gefühl in meinem Magen aus. „Okay, wir sind die letzten Tage gut voran gekommen“, ergreift der Leader das Wort. „Heute legen wir den Fokus auf unsere Choreografien.“ Normalerweise freut es mich, sobald es ums Tanzen geht. Nur in letzter Zeit fehlen mir dazu einfach die Leidenschaft und die Kraft.

Wie soll ich auch meinem Tanz Leidenschaft verleihen, wenn ich diese innere Stimme mir ständig einredet, dass ich nichts kann? Der Morgen ist wie jeder andere auch und als alle gesammelt zum Entertainment gehen, spiele ich meine Rolle. Fröhlich lachend albere ich mit Felix und Jeongin herum und Jisung schließt sich uns an. Fällt es den anderen eigentlich auf, dass ich in letzter Zeit nicht mehr richtig glücklich bin? Oder ist es ihnen egal? Als wir im Entertainment ankommen, geht alles seinen gewohnten Gang. Wir wärmen uns auf und jeder stellt sich auf seine Position. Die erste Zeit klappt alles gut, aber irgendwann häufen sich meine Fehler, sodass Chan mich beiseite nimmt. „Ist alles in Ordnung? Du kannst du Choreo doch eigentlich im Schlaf“, sagt er stirnrunzelnd.

Siehst du? Er hat gemerkt, wie unfähig du eigentlich bist.


Es wird nicht mehr lange dauern und sie wollen dich loswerden.


Beschämt senke ich den Kopf. „Tut mir leid, Hyung“, murmele ich und Chan lächelt aufmunternd. „Hey, du schaffst das. Dance Racha muss eh noch ihre Special Choreo durchgehen, da können Minho und Felix mit dir gleich die Fehler ausbessern.“ Besagte Personen nicken bei diesen Worten und Minho klatscht unternehmungslustig in die Hände. „Wäre doch gelacht, wenn wir das nicht hinkriegen!“ Ich ringe mir nur ein müdes Lächeln ab. Hyung, das bringt doch eh nichts… Somit ist Stray Kids‘ Dance Line alleine im Raum. „Also, was genau klappt jetzt nicht?“, wendet sich Felix an mich und ich erkläre ihm die einzelnen Parts. Eigentlich handelt es sich dabei nur um Flüchtigkeitsfehler, dass ich zum Beispiel eine Drehung in die falsche Richtung mache oder den verkehrten Arm hebe. Eigentlich passiert mir sowas nicht. Aber in letzter Zeit ist vieles anders. Geduldig gehen Minho und Felix mit mir sämtliche Schritte durch, doch ich kann mich einfach nicht fokussieren.

Minho und Felix haben sicher besseres zu, als dir zu helfen.


Du bist nur eine Last für das Team.


Was kannst du eigentlich alleine?


Ich kneife die Augen zusammen und das Atmen fällt mir schwer, als die negativen Gedanken in meinem Kopf wieder lauter werden. „Alles okay?“, fragt Minho besorgt, doch ich antworte nicht. Stattdessen greife ich nach einer Wasserflasche und verschwinde aus dem Raum. Einfach so abzuhauen, macht es natürlich nicht besser, aber ich weiß gerade keinen anderen Weg. Ich gehe nach oben auf die Dachterrasse von JYP und atme tief durch. Was ist, wenn es stimmt? Wenn ich wirklich nur eine Last bin. Ein Brennen in den Augenwinkel kündigt sich an und ich beiße mir frustriert auf die Lippe. Wieso muss ich immer gleich anfangen zu weinen? Das bringt mich nicht weiter. Hwang Hyunjin, jetzt reiß dich doch einmal zusammen!

„Verdammt, ist das kalt hier oben“, ertönt Felix‘ Stimme und ich fahre herum. Minho und er sind mir offenbar gefolgt, der Ältere bleibt aber an der Tür stehen. Stimmt, für seine Höhenangst ist das hier oben sicher nicht sehr förderlich. „Lasst uns rein gehen, ich brauchte nur kurz frische Luft“, murmele ich und als wir zurück im Studio sind, werde ich forschend angesehen. „Was ist denn los?“, will Minho wissen und ich weiche seinem Blick aus. „Ich bin nur etwas unzufrieden mit mir, weil ich die Choreografie nicht hinbekomme“, antworte ich. Den Grund für meine nicht vorhandene Konzentration, verschweige ich allerdings. „Deswegen hast du ja uns“, grinst Felix mich fröhlich an. „Wir helfen dir, egal wie lange es dauert.“ Ich wünschte, ihr würdet das nicht tun. Es hat eh keinen Sinn.

Die Zeit vergeht und irgendwann ist es Abend. Während Minho und Felix zurück zum Dorm gehen, beschließe ich alleine weiter zu machen. Ich werde es allen beweisen, dass ich nicht unfähig bin. Ich schaffe das! Die Zeiger auf der Uhr rücken erbarmungslos voran, aber das ist das einzige, was vorangeht. Ich mache einfach keine Fortschritte. Ein frustrierter Schrei entweicht meinen Lippen und ich streiche mir die schweißnassen Haare aus der Stirn.

Nochmal.

Nochmal.

Nochmal.

Sieh es ein, du kannst es nicht.


Du wirst es nie können.


Warum solltest du es noch probieren?


Die Erschöpfung macht sich immer mehr bemerkbar, aber ich beiße die Zähne zusammen. Ich werde nicht aufgeben. Ich höre erst auf, wenn ich die Choreografien fehlerfrei kann. Also nochmal alles auf Anfang, doch jetzt verpatze ich gleich die ersten Schritte.

Du weißt doch, wie du bist. Gewinnen ist nicht dein Ding.


Sieh der Wahrheit ins Gesicht, du kriegst es nicht fertig.


Gib auf. Gib auf!


Plötzlich knicke ich mit dem Fuß um und lande auf dem harten Boden des Studios. Schwer atmend umklammere ich das schmerzende Gelenk. Schweiß rennt über meine Stirn und mein T-Shirt klebt an meinem Oberkörper. Ein Zittern erfasst mich, ob wegen der Schmerzen, vor Schreck oder Erschöpfung, alles ist möglich. „Hyunjin!“, ruft eine entsetze Stimme und jemand berührt mich an der Schulter. Durch den Tränenschleier in meinen Augen erkenne ich Changbin. „Das sah echt heftig aus. Was ist mit deinem Fuß? Kannst du ihn bewegen?“, bestürmt er mich mit Fragen. Jisung und Chan kommen dazu und kann im ersten Moment keinen klaren Gedanken fassen. Haben sie meinen Sturz etwa bemerkt? Ich wusste nicht, dass 3RACHA auch noch im Entertainment sind. Noch immer zittere ich am ganzen Körper, als Changbin mir hilft mich aufzusetzen.

Der Schmerz in meinem Fuß nimmt langsam ab, doch es bleibt ein unangenehmes Stechen. „Du sollst dich nicht so auspowern“, sagt Chan, dem wohl mein erschöpfter Zustand ins Auge gefallen ist. „Sonst treibst du dich doch nicht so sehr ans Limit. Was war heute los?“ Auf einmal legt sich ein Schalter in meinem Kopf um und ein Schluchzen entringt sich mir. Sofort zieht Changbin mich in seine Arme und jetzt kommt wohl der Zusammenbruch, den ich die ganzen Wochen über zurück gehalten habe. Ich weiß gar nicht, wieso ich so weinen muss. Vielleicht, weil ich die ganze Zeit meine Emotionen versucht habe zu verstecken. „Jinnie, atme ganz ruhig“, raunt Changbin mir zu, als ich zum Wiederholten Mal nach Luft schnappe. Aber die Schluchzer lassen mich kaum ruhig atmen. Jisung und Chan schließen sich den Streicheleinheiten an und ich vergrabe mein tränenüberstömtes Gesicht in Changbins Pulli. Dieser fährt unablässig durch meine noch schweißfeuchten Haare. Keiner der drei sagt ein Wort, sie lassen mich in Ruhe ausweinen und irgendwann verstummt mein Schluchzen, bis mir nur noch still die Tränen über die Wangen fließen.

„Besser?“, fragt Chan sanft und ich nicke nur. Jisung überreicht mir ein paar Taschentücher und ich putze mir die Nase. „Das war jetzt aber nicht nur wegen deinem Fuß, stimmt’s?“, erkundigt sich der Leader und ich schüttele den Kopf. „Komm, wir gehen zum Dorm und dann reden wir.“ „Hyung, hast du mal auf die Uhr gesehen?“, grinst Changbin schief und Chan blickt ihn streng an. „Das Leid eines Freundes wird nicht ignoriert. Selbst wenn es mitten in der Nacht ist.“ „Du bist süß, Hyung“, murmele ich und schlucke. Changbin und Jisung helfen mir auf, zum Glück kann ich noch laufen. Trotzdem dauert der Weg zum Dorm länger wie üblich, da mein Fuß doch noch schmerzt. In der Wohnung angekommen, sammelt Chan alle anderen Member zusammen, auch wenn es mitten in der Nacht ist. Jisung verfrachtet mich ins Wohnzimmer, wo er meinen verletzten Fuß auf Kissen hochlagert und vorsichtig den Schuh, samt Socke auszieht. Geschwollen ist nichts und auch blau ist es nicht geworden. „Du scheinst Glück gehabt zu haben“, stellt Jisung fest. „Trotzdem gehe ich was zum Kühlen holen.“

„Warum schmeißt du uns um diese Uhrzeit aus dem Bett, Hyung?“, ertönt Seungmins empörte Stimme und auch Minho scheint vor sich hin zu grummeln. Doch er ist mit einem Schlag wach, als er mich erblickt. „Hyunjin, was ist los?“, ruft er und ich weiß nicht, ob er meinen hochgelegten Fuß meint oder auf mein verweintes Gesicht anspielt. Sofort sitzt Minho an meiner Seite und schlingt einen Arm um meine Schultern. Erschöpft lehne ich mich an ihn. Changbin kommt mit einer dampfenden Tasse und stellt diese vor mich auf den Tisch. Aufmunternd wuschelt er mir durch die Haare und in dem Moment kommen Felix und Jeongin ins Wohnzimmer geschlurft. „Was’n hier los?“, murmelt Felix und seine Stimme klingt verschlafen sogar noch tiefer. Jisung hat mittlerweile eine kühlende Salbe gefunden und beginnt mein Fußgelenk einzucremen. „Bist du bis jetzt tanzen gewesen?“, entfährt es Felix kopfschüttelnd und ich senke den Blick. „Du bist doch wahnsinnig.“ „Wahnsinnig dumm“, murmele ich und beiße mir auf die Unterlippe, da mir wieder Tränen in den Augen brennen. „Jinnie, was ist los mit dir in letzter Zeit?“, fragt Chan ernst. „Du ziehst dich immer mehr zurück und wirkst so unglücklich. Haben wir was falsch gemacht?“

Heftig schüttele ich den Kopf, während mir wieder Tränen über die Wangen laufen. „Es liegt nicht an euch“, schniefe ich und fahre mir mit dem Handrücken über die Augen. „Ich bin nur so ein Versager!“, platzt es aus mir heraus und ein unterdrücktes Schluchzen entfährt mir. Stille breitet sich im Raum aus. „Kannst du das nochmal sagen, ohne das ich das Bedürfnis zu lachen habe?“, meint Seungmin schließlich. „Wer hat dir gesagt, dass du ein Versager bist? Denjenigen verprügele ich!“, knurrt Felix aufgebracht und ich lächele schwer. „Dann musst du mich verprügeln“, erwidere ich und Chan seufzt schwer. „Hyunjin-ah, was ist los?“, wiederholt er seine Frage und versuche nicht mehr weiter die Tränen zurück zu drängen. „Schaut euch doch mal an!“, rufe ich und meine Tränen fließen nun ohne Unterlass über meine Wangen.

„Ihr könnt alle so viel. Ihr seid so gut, indem was ihr tut. Ich bin nichts Halbes und nichts Ganzes. Ich werde niemals so viel Leidenschaft in Musik stecken können, wie du Chan-hyung. Oder ich werde niemals die tänzerische Fähigkeit erreichen, die du hast, Minho-hyung. Ich werde nie solche Lyrics schreiben und rappen können, wie du Changbin-hyung. Jisung, dich könnte man auf jeder Position einsetzen und du kannst diesen Platz ohne Probleme ausfüllen. Ich schaffe das nicht. Ich kann nicht so singen, wie du Seungmin, egal wie sehr ich es übe. Ich schaffe es nicht, die Leute mit dem Klang meiner Stimme zu faszinieren, wie du das kannst, Felix. Ich kann die Leute nicht mit meinem Charme um den Finger wickeln, du kriegst das hin, Jeongin. Ich kann gar nichts.“ Schwer atmend halte ich inne und beginne dann wieder laut zu schluchzen. Sofort zieht Minho mich in seine Arme und wiegt mich sacht hin und her. „Schscht, Jinnie, das ist doch alles Blödsinn“, sagt er bestimmt. „Ist es nicht!“, wimmere ich und vergrabe den Kopf an der Schulter des Älteren.

„Doch, Hyunjin. Es ist Schwachsinn, was du dir da eingeredet hast“, sagt Seungmin entschlossen. „Was unsere Dance Line gerade ausmacht, ist die Tatsache, dass ihr drei unterschiedliche Stile und Levels habt“, meldet sich Changbin zu Wort. „Jeder hier ist ein elementares Puzzleteil. Oder denkst du, ich habe dich damals nur aus Langeweile gefragt, ob du ein Teil des Teams werden willst?“, fragt Chan belustigt und ich schniefe nur leise. „Du hast so viel Potenzial in dir, ich glaube, dass ahnst du selbst noch nicht“, sagt der Älteste ernst. „Und ich kenne keinen, außer mir, der so verbissen an seinen Rap Skills arbeitet, wie du“, wirft Felix grinsend ein. „Jeder hier hat etwas, warum er in Stray Kids ist“, sagt Jisung leise. „Auch du Hyunjinnie. Du hast überhaupt keinen Grund dich so schlecht zu reden.“ Ich schlucke hart und Minho streicht mir sanft durch die Haare. „Wieso hast du denn nicht schon eher mit uns darüber gesprochen, statt dich da hinein zu steigern?“, will er wissen und ich zucke nur mit den Schultern.

„Ich habe mich nicht getraut. Ich dachte, ihr haltet das für lächerlich.“ Seungmin lacht kurz auf. „Manchmal möchte ich dir echt eine verpassen, weil du so dämlich bist und dich gleichzeitig knuddeln, weil du auch unfassbar niedlich bist“, stellt er klar und verdreht die Augen. „Tut mir leid, wenn ich euch Sorgen bereitet habe“, murmele ich und wische mir die Tränen weg. „Wenn wir das jetzt aus dem Weg geräumt haben, gehe ich wieder ins Bett“, gähnt Felix. Nach und nach verschwinden alle wieder in ihre Zimmer und ich gehe schnell duschen. Als ich mein Zimmer komme, liegen Minho und Seungmin bereits wieder schlafend in ihren Betten. Chan sitzt noch wach auf seinem und nickt neben sich. „Willst du zu mir kommen?“, flüstert er und diese Einladung schlage ich nicht aus. Als ich mich neben den Älteren gekuschelt habe drückt dieser mir einen kleinen Kuss auf den Kopf. „Du kannst genauso viel wie alle anderen“, versichert er leise. „Wir haben dich lieb, Hyunjin-ah und wir brauchen dich.“ Ich nicke leicht und kuschele mich zufrieden an Chan. Es ist schwer seine innere Stimme zu ignorieren, aber ich habe meine Freunde um mich herum. Sie werden mir helfen, da bin ich sicher.
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