Ragnars Reisetagebuch - Die Rettungsexpedition

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
OC (Own Character)
10.05.2020
17.08.2020
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10.05.2020 1.251
 
Angenehm dringt die Kälte des steinernen Bodens durch den Stoff der Hose an meine Knie. Meine Rechte umschließt sanft das Leder von Al` Siyams Griff und die linke  Hand hält den Maraskanstahl auf meinen leise zitternden Oberschenkeln. Ich genieße das Brennen in den Armen und Schultern. Tief hole ich Atem und der Blutgeruch hinterlässt einen Geschmack von Kupfer auf meiner Zunge. Von draußen ertönen die Geräusche der Kämpfenden in die schattige Halle. Metall scheppert auf Metall, Klingen kreischen hell aneinander. Und das Stöhnen und Ächzen zeugt von Schmerz und Kampfeslust. Die feinen Schnitte meiner Gegner an den Armen sind ein willkommenes Beißen, mein Opfer für den Gnadenlosen. Meine Augen sind geschlossen, entgehen dem strengen Blick des Mantikor, der kalt, schwarz, erbarmungslos auf mich herabblickt.
Seine Gnaden Dschafar ibn Kazan hatte selbstverständlich recht. Mit allem. Wenn ich zu schwach bin Schmerz zu ertragen, wenn meine Hilflosigkeit zu Rachedurst wird, dann bin ich nicht würdig.
All die Schlachten der letzten Monde zählen nichts, wenn mich ein persönlicher Verlust die Grenze überschreiten lässt.
Still knie ich allein in der Andachtshalle und erinnere mich an die unzähligen Monster, Dämonen und die beiden Paktierer auf dem Sargasso. Auch auf diesem verfluchten Stück Land habe ich Menschen verloren, die mir wichtig waren und umgeben von Finsternis und Grauen bin ich stärker daraus hervor gegangen. Bilde ich mir zumindest ein.
Hahmads und Tasfarellas Vergeltung und alles was daraus folgte, zwangen mich erneut an meine Grenzen. Laila war es, die mich zurück auf den rechten Weg stieß, als einzig blinde Wut meinen Geist beherrschte. Und es zahlte sich aus. Die Genugtuung lässt mich breit grinsen, bei der Erinnerung an den Sieg über diese Paktierer und Dämonenbeschwörer. In diesem letzten unvergleichlichen Kampf war der Gnadenlose bei mir. Dessen bin ich mir sicher. In seinem Namen streckte ich nackt mit einer meiner Seeschlangenklingen die Dämonenhure nieder, wie ich es geschworen hatte. Er und Tasfarella schmoren auf ewig in den Niederhöllen. Und sein Vater vermutlich auch, denn an ihm war ebenso nichts Natürliches mehr. Danach fühlte ich mich Kor näher als jemals zuvor. Doch ich habe mich geirrt.
In dem verhängnisvollen Moment, in dem ich mir gewiss war, Nedimajida und unser ungeborenes Kind verloren zu haben, war nichts anderes in mir, als der Wunsch, an ihrem Mörder auf grausamste Weise Vergeltung zu üben. Es war so leicht. Die eiskalte, erstickende Leere zu wandeln in heiße, brennende Rache. Dschafar hat recht. Ich bin noch nicht so weit. Aber ich werde so weit sein, mit Sicherheit.
Ich gestatte mir, ihr wunderschönes Gesicht zu sehen. Ihr seidiges schwarzes Haar, kunstvoll gesteckt, die zarte, duftende Haut ihres Halses entblößend. Die dunklen Augen schmunzelnd hinter den dichten Wimpern. Ihre schlanke Gestalt in dem Hauch von Nichts, welches sie zum Frühstück zu tragen pflegte, wenn sie vom Bad im See zurückkam. Ein atemberaubendes Lächeln umspielt ihre wundervollen Lippen und die so oft belustigt hochgezogene, perfekte Braue. Die zierlichen Hände, die sanft die Rundung ihres Bauches halten, in dem sie meine Tochter trägt.
Ich weiß, sie hat nur mit mir gespielt, um zu bekommen, was sie will. Das Kind. Aber das ist mir gleichgültig. Denn eines ist mir klar geworden, als ich sie verloren glaubte, ich liebe sie. Und es ändert nichts, dass sie meine Gefühle nicht erwidert. Und nun, da ich weiß, dass sie leben, werde ich sie retten.

Entschlossen öffne ich die Augen. Starre in das aufgerissene Maul des Panthers. Meine Linke umschließt den Stahl fester. Heiß sickert das Blut aus meiner Faust und ich opfere neun blutige Silber. Mit einem Tuch reinige ich die Klinge und stehe kurz darauf in der Sonne vor dem Tempel.
Khunchom ist mittlerweile erwacht und in den Straßen des südlichen Viertels herrscht dichtes Gedränge. Bei einem Straßenhändler kaufe ich mir einen Fleischspieß und einen Becher dünnes Bier, schaue beim Essen dem Treiben zu und beginne dann mit meinem Tagewerk.
Boraco hat mir eine lange Liste mit Aufgaben gegeben, die ich bis zu unserer Abreise noch zu erledigen habe. Ich laufe durch die mittlerweile vertrauten Straßen und arbeite mich auf meiner Liste voran. Am Abend gehe ich mit Melek in eine Hafenkneipe ein Bier trinken. Aus einem Bier werden rasch mehrere Rum und sturzbetrunken schleichen wir uns, kurz bevor die Villa schließt, in unsere Betten.

Als ich am nächsten Tag verkatert aus den Laken krieche, duftet es bereits nach Mittagessen. Melek sieht nicht besser aus, als ich mich fühle, und umklammert im kleinen Salon seinen Mokka. Allerdings erzählt er, dass Laila ihm heute früh gesagt hat, dass sie für eine Woche vereist, dazu mit einem Magier, den sie gestern nach dem Treffen mit Thomeg Atherion mitgebracht hat. Mehr weiß er aber nicht. Ich stöhne auf. Das kann nun wirklich nicht ihr Ernst sein. Nur ein paar Tage nachdem Kahiba, Magda, Shuhelya und Nedimajida von diesem Fiesling Arrat ibn Jussuf entführt wurden und wir kurz davor sind zu ihrer Rettungsmission aufzubrechen, reist sie alleine mit irgendeinem Magier los. Ich könnte ausrasten. Wenn ich nicht solche Kopfschmerzen hätte.

Die nächsten Tage vergehen mit unzähligen Dingen, die ich für die Reise und für die Villa noch organisieren muss, während weder Boraco noch Laila in Khunchom sind. Ich mache mir Sorgen um meine Freundin, die sich offenbar von Thomeg wieder in irgendetwas hat reinziehen lassen. Und natürlich um meinen Dienstherrn und Freund und den einzigen von uns, der weiß, was genau Arrat haben will, damit er die Frauen aus diesem Globulending wieder frei lässt.

Nach einigen Gesprächen mit den Söldnern der Villa, wähle ich Helna und Aitan aus uns auf der Expedition zu begleiten. Helna langweilt sich eh mittlerweile, da ich sie nie bei den Gästen einsetzen kann wegen ihrer derben und unpassenden Sprüche. Aber sie ist eine beherzte und fähige Kämpferin mit ihren dreißig Sommern. Sie ist Norbardin und ihre Erfahrung in den nördlichen Wäldern und von ihren zahlreichen Reisen ist uns mit Sicherheit von Nutzen. Aitan ist aus Khunchom und ein halbwegs guter Kämpfer. Er ist vierundzwanzig und noch nie auf einer längeren Reise gewesen. Er ist einfach neugierig, denke ich. Denn gesagt hat er es mir nicht. Er ist ein ruhiger Typ, redet nicht viel und kommt nicht aus sich raus. Aber er hat mir nie einen Grund gegeben, mich über ihn zu ärgern. Zudem ist er groß und kräftig und loyal.
Für die Villa habe ich vier neue Wachleute organisiert. Einen Weidener, zwei Tulamidinnen und einen kräftigen Kerl aus Albernia. Shinojian arbeitet Isha an der Tür ein, da er mit unserem Aufbruch aus Lailas Diensten tritt, was ich bedaure. Ich mag den Maraskaner und habe das Training mit ihm stets genossen. Auch wenn er mich regelmäßig vermöbelt hat. Mit Melek bespreche ich die üblichen Routinen und Wachdienste. Auf meinen Freund kommen einige neue Aufgaben zu, aber er wirkt nicht unglücklich darüber, nun mehr zu sagen zu haben.

Ishra, als neue Gastgeberin der Villa Laila, ist ebenso nicht untätig. Sie hat drei neue Mädchen und zwei neue Jungs für die Unterhaltung der Gäste angestellt. Aishulibeth, Fianna und Rinaya passen ebenso gut zur Villa, wie Tjalf und Wadif. Tjalf ist eine exotische Mischung aus Tulamide und Thorwaler und ich muss direkt an die Dame Tsaja denken, die von Anfang an ein Auge auf mich geworfen hat. Vielleicht ist er was für sie. Ishra ist eine hervorragende Gastgeberin, schön, aufregend und die Gäste lieben sie.

Als ich Boracos Liste abgearbeitet habe und alles vorbereitet ist, gönne ich mir einen freien Abend, mit unserem besten Rum und der bezaubernden Franna. Sie ist unvergleichlich und wie schon zuvor, kann ich nicht genug bekommen von ihr.
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