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Was wäre D&D ohne Game Master?

von Deverless
OneshotHumor, Parodie / P12
OC (Own Character)
10.05.2020
10.05.2020
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Was wäre Dungeons and Dragons…

„Sunshine, wir brechen gleich auf.“
Der Drachengeborene Arkax ging neben der Tabaxi in die Hocke. Sie schien ihn nicht wahrzunehmen.
„Was starrst du überhaupt diese grauen Blumen an?“
Jetzt wandte Sunshine ihm den Kopf zu und nahm ihn mit ihren katzenhaften Augen in den Blick.
„Mein lieber Arkax“, säuselte sie, „Vielleicht brauchen wir für dich ein Heilmittel.
Der Drachengeborene schaute skeptisch auf den Tee, aus dem sie immer wieder genüsslich trank.
„Ein Heilmittel?“
„Ja, ja.“
Sie nahm einen weiteren Schluck und genoss den Tee mit geschlossenen Augen und einem Lächeln im Gesicht. Arkax bemerkte, wie ihre Schnurrhaare leicht vibrierten.
Da sie keine Anstalten unternahm, auf seine Frage einzugehen, drückte er sich präziser aus: „Ein Heilmittel wofür?“
Sunshine blinzelte überrascht, als sei sie verwirrt, dass vor ihr ein vollgerüsteter Drachengeborener hockte. Dann nickte sie in Übereinstimmung mit ihren eigenen Gedanken.
„Dir fehlt Farbe in deiner Welt, Arkax.“
Er ahnte, worauf das hinauslief und winkte ab: „Oh, nein danke! Ich brauche nichts von deinem Tee.“
Mit diesen Worten wollte er sich erheben, doch sie stoppte ihn mit einer Handbewegung.
„Horch“, befahl sie und legte den Kopf schräg. „Du hast mir doch eine Frage gestellt.“
Wie häufig bei Gesprächen mit Sunshine hatte Arkax über die Wirrungen ihres Gesagten sein eigentliches Anliegen vollkommen vergessen. Seufzend blieb er neben ihr hocken.
„Irgendetwas stimmt hier nicht“, flüsterte sie.
Unwillkürlich gingen Arkax‘ beide Hände an die Griffe seiner Waffen an seinem Gürtel. Er warf einen Blick zum Rest der Gruppe, die damit beschäftigt war, das gemeinsame Lager abzuschlagen. Ihm fiel nichts Ungewöhnliches auf.
Die Tabaxi fuhr fort: „Die Stimme dieser Blume. Es ist nicht die versucht hohe Stimme eines bärtigen Mannes.“
Inzwischen war Arkax überzeugt davon, dass heute wieder ein Tag werden würde, an dem Sunshine lächelnd am Rand stand, während die Gruppe kämpfte. Solange sie nicht wieder träge einem Schmetterling folgte war sie dabei sehr pflegeleicht.
„Und außerdem“, fuhr sie ungeachtet dessen fort, dass sich der Drachengeborene erhob und dabei war, sich abzuwenden, „verrät sie mir sinnvolle Hinweise, statt nur von ihrem Leben als Blume zu berichten. In der Höhle dort vorne befinden sich neunzehn Goblins, ein Troll und ein Spinnenmann.“
Verblüfft verdaute Arkax diese Information.

Als die Gruppe das Lager abgeschlagen hatte, machte sie sich Sunshines Informationen folgend auf den Weg zur Höhle. Der Paladin Alborin ging in seiner schillernden Rüstung voraus. Meistens bedeckte er sie, da sie so schillernd war, dass sie das Licht der Sonne in allen möglichen Farben in alle möglichen Richtungen reflektierte. Das hatte ihm den Spitznamen Party Paladin eingebracht.
Arkax folgte ihm dicht auf den Fersen, da er stets fürchtete, von den Feinden nichts mehr abzubekommen. Dahinter kam die verträumt summende Sunshine und der grummelige Halbork Baru. Ganz am Schluss versuchte der Tortle Salness Schritt zu halten.
Die Höhle war schnell gefunden. Während Alborin und Arkax leise diskutieren, wie sie am besten vorgehen sollten, stürmte Baru mit einem etwas schrillen Kampfschrei in die Höhle. Achselzuckend folgten die beiden Krieger und auch die beiden Magie begabten.
Sie kamen gerade rechtzeitig, um mit ansehen zu können, wie Baru mit einem Rundumschlag drei Goblins köpfte, aus dem Schwung heraus einen vierten mit sich riss und genau in den hastig erhobenen Speer eines fünften warf. Die beiden Unglücklichen fielen nach hinten und betätigten einen Hebel, der das Herunterschnellen einer Falle auf die soeben eingetreten Gruppenmitglieder verhinderte.
„Falle!“, erklärte der Halbork wie immer kurzsilbig, „Hab‘ ich gesehen.“
Sowohl die verbliebenen Goblins, der Troll und der Spinnenmann als auch die restliche Gruppe hielt in einiger Verwirrung inne. Der Spinnenmann kratzte sich nachdenklich am Kopf und überlegte, was er von der eindringenden Gruppe halten sollte. Alborin war beleidigt, dass er als Schützer nicht die Gelegenheit bekommen hatte, sich zwischen Gruppe und Falle zu werfen. Arkax zählte nach, wie viele Feinde ihm noch übrigblieben. Sunshine entdeckte gerade einen unscheinbaren und doch verlockend aussehenden Pilz am anderen Ende der Höhle. Und Salness stand zwar so, dass er sehen konnte, was vor sich ging, führte aber gerade noch seinen Gedanken über ein mögliches Rezept zu ende, dass ihn seit dem Aufstehen beschäftigte.
Baru führte in einem ungewohnten Anflug von Gesprächigkeit aus: „Leute, hier stimmt was nicht. Das hat genauso funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe.“
Die Goblins schienen der ungewohnten Redseligkeit Barus nicht so viel abzuverlangen können wie die Gruppe und gingen zum Angriff über.
Alborin warf sich sogleich mit seinem Hammer in die Schlacht. Arkax brannte darauf, es ihm gleich zu tun. Doch zuerst erzeugte Sunshine auf magische Weise Pebbles, die sie mit ihrer Schleuder den Feinden entgegen schleuderte. Dann kramte Salness aus seinem Beutel ein Algenblatt hervor, welches hervorragend zu dem Rezept in seinem Kopf passen würde und begann darauf herumzukauen. Jeder einzelne Goblin schnappte sich eine Waffe, positionierte sich oder griff an. Der Troll näherte sich ihnen aus dem hinteren Teil der Höhle. Der Spinnenmann schleuderte schwarze Blitze aus seinem Stab auf die Gruppe. Dann endlich gehorchten Arkax‘ Muskeln seinem Willen und er schlachtete mit einem Schwert in jeder Hand gleich drei der Goblins ab.
Der Kampf entbrannte nun vollends und die Nahkämpfer kamen in Bedrängnis. Salness hatte nun endlich seinen Gedanken an den Seesamtang-Eintopf abgeschlossen und fand sich inmitten eines Kampfgetümels wieder. „Oh“, dachte er laut. „Das ist nicht gut.“
Bis er seinen Satz vollendet hatte, war der Troll heran und hob gerade seine Keule für einen zerschmetternden Schlag gegen Alborin. Gleichzeitig nahm der Tortle die rezitierend zuckenden Lippen des Spinnenmannes wahr, der offensichtlich einen mächtigen Zauber sprach. Salness entgingen ebenso wenig die drei Goblins, die sich auf einen Felsensims geschlichen hatten und nun heimlich mit ihren Bögen auf Sunshine zielten.
Ohne länger zu zögern, was unterstreicht, welche Notwendigkeit Salness zum Handeln verspürte, verwandelte er sich. Seine Gestalt wuchs an, der Kopf flachte ab und bildete eine dicke Hornschicht aus. Ein dritter Arm spross ihm aus dem Rücken. Sein Mund formte sich zu einem Schnabel.
Mit seinem verstärkten Schädel konnte er den Schlag des Trolls ohne Mühe abfangen. Mit seinem Schnabel erzeugte er ein nervtötendes Geräusch, dass den fluchenden Spinnenmann von seinem Zauber ablenkte. Mit jedem der Arme schnappte sich Salness einen Stein und warf ihn einem der Goblinbogenschützen an den Kopf.
Während urplötzlich vor der Höhle ein Gewitter aufzog und Blitze niedergingen, kümmerten sich Baru und Alborin um den Troll. Der Paladin wehrte die Schläge mit Schild und Rüstung ab, während der Halbork dem Troll empfindliche Treffer verpasste. Der Spinnenmann hatte sich indes außer Reichweite gebracht, indem er mit seinen acht Beinen die Wand hinaufgeklettert war und nun von der Decke aus schwarze Blitze verschoss.
Arkax musste nicht lang überlegen, was zu tun war. Er schätzte seine Körpergröße, die Länge seines Schwertes, seine Sprunghöhe, wie weit der Spinnenmann von der Decke herabhing und die Höhe eines nahen Felsens. Dann sprintete er darauf zu, nahm den Felsen wie eine Treppenstufe und drückte sich zu einem mächtigen Sprung ab. In der Luft hieb er einer außer Kontrolle geratenen Kreissäge gleich auf den Spinnenmann ein. Mit drei Schlägen mähte er ihn nieder.
Der Boden erschütterte bei Arkax‘ Landung und er fühlte sich mächtig wie lange nicht. Dann wurde er gewahr, dass Alborin und Baru im selben Moment den Troll getötet hatten. Dieser war mit einem Beben zu Boden gegangen. Alborin zog gerade seinen Hammer mit einem schmatzenden Geräusch aus dem Kopf des Trolls. Die Wahrheit zu kennen hielt Arkax dennoch nicht davon ab, sich mächtig zu fühlen.
Inzwischen waren alle Feinde besiegt. Doch etwas beschäftigte den Drachengeborenen: „Ich habe ein ungutes Gefühl bei der Sache.“
Sie fanden sich in der Mitte der Höhle zusammen. Salness war wieder zurückverwandelt. Nur Sunshine hatte im hinteren Teil der Höhle etwas entdeckt, dass sie kichernd in Augenschein nahm.
„Was hast du?“, fragte Alborin.
„Dieser Sprung eben.“ Beim Gedanken daran musste der Drachengeborene den Kopf schütteln. „Er hat funktioniert. Ich sage es euch, etwas stimmt hier nicht!“
Salness erhob seine Stimme: „Da –“
Die anderen wandten sich ihm zu.
„Hast –“
Arkax war gespannt zu hören, was der Tortle zu sagen hatte.
„Du –“
Die anderen wurden unruhig.
„Recht.“
Während Baru genervt die Augen verdrehte, bewahrte Alborin seine ehrwürdige Haltung und ließ sich nichts anmerken.
„Ich habe –“
Arkax schwor sich, den Tortle in seinem Panzer eine Hügelflanke hinabzurollen, wenn jetzt nichts Wichtiges kam.
„Mich in einen –“
Baru verlor die Geduld und begann die Höhle abzusuchen.
„Dreiarmigen Schildkopftröterich –“
Auch Alborin wandte sich gerade so weit ab, dass es nicht als unhöflich erachtet wurde, suchte die Höhle aber bereits mit scharfen Augen nach Beute ab.
„verwandeln können.“
„Was willst du mir damit sagen?“, entfuhr es Arkax, der den Tortle am Panzer gepackt hielt und sie am liebsten durchgeschüttelt hätte.
„Das ist ein seltenes —“
Salness ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.
„Fast schon ausgedachtes Tier.“
Arkax zählte innerlich bis drei.
„Etwas stimmt nicht.“
Der Drachengeborene schnaufte durch und wandte sich von Salness ab: „Danke für die Info.“
Sunshine meldete sich aus ihrer Ecke zu Wort. „Seht mal, was hat das zu bedeuten?“
Die anderen versammelten sich um sie. Neben einem Haufen Pilze, von denen einige aussahen, als seien sie abgeknabbert worden, lag eine Metallplatte am Boden. Etwas stand darauf geschrieben. Alborin und Arkax sahen einander an.
Zum Glück ersparte Sunshine ihnen die Blöße, indem sie vorlas: „Pause?“ Sie war verwirrt. „Was soll das bedeuten? Ein Rätsel?“
Der Paladin war nicht für Rätsel aufgelegt und durchsuchte stattdessen Kisten in der Nähe. Es waren die abgewrackten Kisten einer Goblinbande, voller Ramsch und – Er zog etwas hervor.
„Leute.“ Die anderen standen noch vor der Metallplatte und schauten alarmiert zu ihm. „Hier stimmt wirklich etwas nicht.“
Er zog einen unnatürlich gewaltigen Kriegshammer aus der Kiste.
„Ich kann zwar nicht lesen, aber ich erkenne einen Mithril-Flammenhammer mit wärmesuchenden Pfeilen, Zauberspiegel und Getränkehalter, wenn ich ihn sehe. So sehr mich meine Götter auch für meine ruhmvollen Taten zu schätzen wissen müssen, das erscheint mir zu viel.“
Die Kinnlade sämtlicher Anwesenden klappte herunter. Nur Salness‘ etwas verzögert.
„So ein Hammer in der Höhle von Goblins“, sinnierte Arkax, „Was mag das bedeuten?“
„Ich finde Gegenstände, die ich gebrauchen kann? Es bedeutet, dass hier etwas gehörig nicht stimmt“, gab Alborin zurück.
Jetzt meldete sich Baru zu Wort, der die Metallplatte in der Hand hielt: „Ich weiß was hier nicht stimmt.“
Er dreht die Platte um, sodass die anderen lesen konnten, was auf der Rückseite stand.
„Level up?!“
Sogleich fühlte sich jeder mächtiger als zu vor.
„Das bedeutet“, vollende Baru, was er angefangen hatte, „Dass der Game Master fehlt!“

…ohne Game Master

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