Butterfly Heart

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Mirio Togata/Lemillion Nejire Hado/Nejire-chan OC (Own Charakter) Tamaki Amajiki/Sun Eater
10.05.2020
23.05.2020
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23.05.2020 2.918
 
Hello! Es geht weiter wie es aussieht, klappt dieser ein-Kapitel-pro-Woche-Rhythmus ganz gut. Natürlich freue ich mich wie immer über Rückmeldung, ob und wie es euch gefallen hat! Viel Spaß mit


Kapitel 2


Drei Wochen und etwa eine Stunde zuvor…


oder: Bohnen zum Frühstück



Obwohl der Vormittag noch nicht weit fortgeschritten war, hatte die Sonne schon eine gewaltige Kraft entwickelt. Immerhin war es Sommer. Die Strahlen brannten heiß vom blauen Himmel über Musutafu, deshalb hatten wir uns unter einen der großen Sonnenschirme geflüchtet. Wir saßen an einem runden Tisch vor unserem Lieblings-Café, mitten in der Stadt. Eben hatte die Bedienung unser Frühstück gebracht, inklusive drei dampfenden Tassen Cappuccino.

Ankooo, jetzt spann uns nicht länger auf die Folter!“, quengelte Mafuyu wie ein kleines Kind und blinzelte mich neugierig an, „Wie wars denn nun?“

Bibimi hob ihre Tasse an die Lippen und pustete vorsichtig in den Milchschaum. Sie quengelte zwar nicht, aber in ihren Augen lag dieses an Klatsch und Tratsch sehr interessierte Glitzern… Dieses Glitzern, das nicht vom übertriebenen MakeUp kam.

„Es war wirklich toll“, flötete ich verträumt und knetete meine Finger, weil ich nicht wusste, wohin mit meinen Händen, „Hector ist… ah, ich kann das gar nicht beschreiben. Leute, ich bin jetzt offiziell verliebt.“

„Und? Seid ihr zusammen?“, hakte Bibimi nach.

„So genau haben wir noch nicht darüber gesprochen. Aber als er mich gestern Abend in unser Wohnheim zurückbegleitet hat… Wir haben uns vor dem Eingang verabschiedet, und da hat er mich geküsst!“ Als ich daran dachte, hatte ich fast das Gefühl, in Ohnmacht zu fallen. Der klare Sternenhimmel über uns, seine weichen Lippen, seine wunderschönen, zartbitterschokoladenbraunen Augen…

Wir waren im Kino gewesen – an den Film konnte ich mich ehrlich gesagt nur noch bruchstückhaft erinnern. Ich war viel zu beschäftigt damit gewesen, mich in Hectors starke Arme zu kuscheln. Über die schlechten Witze zu kichern, die er mir leise ins Ohr flüsterte.

„Ach, Anko“, seufzte Bibimi verzückt, „Ich freue mich so für dich! Klingt so, als wäre das Date ein voller Erfolg gewesen.“

„Das war es“, lächelte ich und schloss die Augen. Ich lehnte mich etwas zurück, um die Wärme der Sonne auf meinem Gesicht zu genießen. Heute fühlte sich einfach alles wundervoll an!

Mafuyu kicherte, und als ich die Augen wieder öffnete, sah ich, wie er und Bibimi wissende Blicke austauschten.

„Lasst uns endlich essen, das Frühstück wird kalt!“, bemerkte ich schnell und widmete meine ganze Aufmerksamkeit dem Essen.

Bibimi begann, sich ein Brötchen mit Marmelade zu beschmieren: „Gute Idee. Auch wenn ich keinen blassen Schimmer habe, wie du am frühen Morgen schon das da essen kannst.“ Ihr kritischer Blick wanderte über meinen Teller. Ich hatte mir ein ‚English Breakfast‘ bestellt, mit einer extra großen Portion Baked Beans.

„Wer weiß, vielleicht hat sie heute noch was vor und will Hector ihren Quirk vorführen?“, stellte Mafuyu seine Vermutungen an und rührte in seinem Früchte-Müsli herum, „Sind das etwa Cranberries? Ich mag doch gar keine Cranberries!“

„Meinen Quirk vorführen?“, echote ich verwirrt, „Äh… nein. Sicher nicht. Außerdem ist Hector heute beim Training, leider können wir uns nicht sehen.“

„Wie, den ganzen Tag?“, Bibimi hob eine perfekt gezupfte Augenbraue.

„Hausaufgaben muss er auch noch machen, hat er gesagt… Er ist echt beschäftigt.“, seufzte ich schwermütig und betrachtete die Geranienkästen vor dem Laden gegenüber, „Ich denke, morgen Abend können wir uns wiedersehen… Nach der AG…“ Missmutig löffelte ich ein paar Bohnen. Morgen Abend war noch so weit weg! Die Sehnsucht würde mich noch zerfressen!

„Es ist Sonntag!“, quietschte Mafuyu und verzog angeekelt sein Gesicht, „Erinnere mich bloß nicht an Hausaufgaben! Schule ist erst wieder morgen.“

Ich kratzte mich am Kopf. Ich runzelte die Stirn. Dumpf pochte etwas in meinem Schädel, eine Information, die ich in all der Hector-Aufregung vergessen hatte. Es hatte etwas zu tun mit… Hausaufgaben. Und mit der AG. Und…
„Mist!“, ich schlug mir die Hand gegen die Stirn, „Ich hab das völlig verpeilt! Die Hausaufgaben! Ich muss ihm doch die Hausaufgaben geben!“

Mafuyus Müsli-Löffel stoppte kurz vor seinem Mund ab und er schenkte mir einen höchst irritierten Blick: „Hector?“

„Tamaki“, berichtigte ich ihn und raufte mir die Haare – innerlich verfluchte ich meine Vergesslichkeit, „Er war letzte Woche nicht in der AG wegen seinem Internship bei Fat Gum, und Herr Yukihira hat mich gebeten, ihm die Aufgaben zu geben, damit er das nachbereiten kann.“

Bibimi klimperte mit ihren Wimpern. Sie grinste ihr überhebliches That’s what I said-Grinsen, das ich so gar nicht ausstehen konnte: „Für so etwas gibt es Terminkalender, liebe Anko. Hast du davon schonmal was gehört? To-Do-Listen tun es auch. So vergisst du nie wieder eine Erledigung!“

„Och, Bibimi“, murrte ich gequält, „Musst du es mir so unter die Nase reiben?“

Mafuyu wurde es schließlich zu bunt: „Jetzt lasst uns erst mal fertig frühstücken, ja? Ob du jetzt sofort zur U.A. rennst und ihm die Aufgaben bringst oder erst in zwei, drei Stunden ändert nun wirklich nichts daran, dass du es voll verrafft hast.“

„Die meisten Sachen kann er von mir abschreiben, denke ich.“, überlegte ich etwas beruhigter, „Nur dieser Aufsatz ‚Warum es ungesund ist, sich einseitig zu ernähren‘, da muss er wohl selbst ein paar Ideen einbauen… Sonst merkt Herr Yukihira das sofort… Ich hab meinen kompletten Aufsatz dafür verwendet, um darzustellen, dass Bohnen nahezu alle wichtigen Nährstoffe enthalten, die der Körper so braucht. Sie sind sehr gesund, sie enthalten eine Menge Eiweiß und Ballaststoffe, Eisen und andere Mineralstoffe und nicht zu vergessen die ganzen Vitamine…“

Tamaki Amajiki und ich besuchten zusammen eine Art AG, ein Kurs, der für Schüler gedacht war, deren Quirk etwas mit Ernährung zu tun hatte. Es war eine Mischung aus Kochunterricht und Ernährungsberatung, geleitet von Herr Yukihira, dessen Quirk irgendwie dafür sorgte, dass all das Essen, was er zubereitete, einfach fantastisch schmeckte. Und da wir nicht viele waren in diesem Kurs, war der Unterricht ziemlich individuell auf unsere einzelnen Quirks zugeschnitten. Außer Tamaki und mir gab es nur drei weitere Schüler in der AG: Momo Yaoyorozu und Rikido Sato aus der 1-A, und einen Zweitklässler namens Gin, der mit Vorliebe Erdbeeren futterte. Gin behauptete steif und fest, die Erdbeeren würden ihm Samurai-Kräfte verleihen, aber die Lehrer vermuteten stark, dass der Junge einfach sehr begabt war, was Kampfkünste betraf und seine Ernährung nicht unbedingt Einfluss darauf hatte.

Während wir unser traditionelles, sonntägliches Frühstück fortsetzten, plätscherte die Unterhaltung träge dahin. Zu Mafuyus Freude schafften wir es, das Thema Hausaufgaben weiträumig zu umschiffen und stattdessen über Musik zu sprechen. Gitarre spielen im Speziellen. Das schien zur Zeit Mafuyus absolutes Lieblingsthema zu sein.

„… außerdem ist mir eine Saite gerissen, schon vor Ewigkeiten, und ich habe keine Ahnung, wie man die wechselt. Kannst du mir vielleicht helfen, Bibimi?“

„Klar“, meinte sie etwas überrascht, „Aber warum fragst du nicht diesen Uenoyama? Wenn er sich schon so wahnsinnig gut mit Gitarren auskennt?“

Ich biss von meiner Kartoffelecke ab und kicherte dreckig: „Und wenn du ihm dann etwas vorsingst, Pummeluff, schläft er ein und du kannst ihn ohne Probleme in eine dunkle Ecke schleifen…“

„Du hast wohl gar keinen Sinn für Romantik, Anko-chan, oder?“, beschwerte sich Mafuyu auf der Stelle, „Warum so eine Höhlenmensch-Methode?“

„War doch nur ein Scherz“, beruhigte ich ihn.


Zurück im 3-G-Wohnheim verabschiedete ich mich von meinen Freunden und lenkte meine Schritte schnurstracks in mein Zimmer. Ich durchwühlte meine Unterlagen, bis ich endlich die gesuchte AG-Mappe fand. Ich stopfte sie mitsamt meinem Mäppchen in den Rucksack und checkte kurz mein Spiegelbild über dem kleinen Waschbecken in der Ecke. Waren das etwa Baked-Beans-Reste in meinem Mundwinkel? Wie ließen meine Freunde mich denn draußen herumlaufen? Zumindest Bibimi fiel sowas normalerweise gleich auf… Energisch wischte ich über die rötlichen Flecken an meinem Kinn, bis es sauber war.

Schon knallte ich meine Zimmertür wieder hinter mir zu – ich wollte keine Zeit verlieren! Durchs Treppenhaus und ab nach draußen in die sommerliche Hitze. Während ich an den Wohnheimen der anderen Klassen vorbeisprintete, spürte ich plötzlich die Bohnen in meinem Magen rumoren. Ich mochte das Grummelgefühl – meistens jedenfalls. Aber das hier fühlte sich irgendwie nach einem Bohnen-Overload an. Nicht gut. Wobei… vielleicht konnte ich diesen Umstand nutzen, um schneller zu Tamaki zu kommen. Ich konnte das kontrollieren, ich konnte…

Vor dem 3-A-Wohnheim hielt ich kurz inne. Ich war mir nicht mehr zu hundert Prozent sicher, in welchem Zimmer Tamaki wohnte. Und ob er überhaupt hier war. Nun ja, im Zweifelsfall konnte ich immer noch einen seiner Klassenkameraden um Hilfe bitten.
Kaum hatte ich den Gedanken zu Ende gedacht, trat ein Mädchen mit kurzen, rotbraunen Haaren aus dem Gebäude. Sie bemerkte wohl meinen fragenden Blick, denn sie lächelte mich offen an: „Hey, alles klar bei dir? Suchst du jemanden?“

„Äh, ja, ich wollte zu Tamaki“, antwortete ich erleichtert.

Das Mädchen nickte: „Zweiter Stock. Welches Zimmer weiß ich leider nicht genau, aber das solltest du dann finden.“

„Cool, danke!“, verabschiedete ich mich und betrat den Eingangsbereich. Ein paar Schüler lungerten auf den Sofas herum, aber den Jungen mit den indigoblauen Haaren konnte ich nirgends entdecken. Also wandte ich mich schnurstracks in Richtung Treppenhaus.
Ach, stimmt ja‘, erinnerte ich mich mit einem Mal an Tamakis Zimmer, ‚Zweiter Stock, das letzte auf der rechten Seite. Das gleiche wie meins.‘ Vor Ewigkeiten war ich schonmal hier gewesen, aus einem ähnlichen Grund. Hausaufgaben oder irgendeine Projektarbeit, die Herr Yukihira uns aufgebrummt hatte.

Als ich den Flur im zweiten Stock erreichte, spürte ich wieder die Bohnen in meinem Bauch rumpeln. Je schneller ich die Hausaufgaben zu Tamaki brachte, desto besser, nicht wahr? Ein konzentrierter Gasausstoß sollte mich innerhalb weniger Sekunden direkt vor seine Tür befördern, das würde ich schaffen, auch ohne meinen Anzug und die Steuerdüsen, ich-

KLATSCH

Ahhuua“, wimmerte ich vor Schmerz. Ich hing an der Fensterscheibe am Ende des Flurs. Platt wie eine Flunder, die Wange an die glatte Oberfläche gequetscht. Zu viel Gas. Zu schnell. Ich hatte mich selbst gegen das Glas geschleudert. Nun, zumindest befand ich mich jetzt in unmittelbarer Nähe zu Tamakis Zimmer. Auch wenn mir alles weh tat… Konnte ich mich überhaupt bewegen? Mein Körper fühlte sich irgendwie so plattgequetscht an…
Doch bevor ich auch nur den kleinen Finger rühren konnte, quietschte leise eine Tür rechts neben mir, in meinem toten Winkel.

„Was… was machst du denn da?“, flüsterte eine überraschte Stimme.

Als ich meine Wange vom Glas wegzog, schmatzte es. Ich drehte vorsichtig den Kopf. Zum Glück schienen meine Knochen heil zu sein. „Hey Tamaki“, murmelte ich, als ich den Jungen entdeckte.

Er hatte die Tür ein paar Zentimeter geöffnet, die Finger beider Hände in das dünne Holz gekrallt. Er spähte nun durch den so entstandenen Spalt auf den Flur hinaus, einen höchst verstörten Ausdruck im Gesicht.

„Ich wollte dir die Hausaufgaben bringen.“ Ich löste auch meinen Arm vom Fensterglas und deutete mit dem Daumen nach hinten, auf meinen Rucksack.

Tamakis Augen weiteten sich erstaunt. „O… okay… ähm… und dazu musstest du gegen ein Fenster rennen? Du… hättest auch… einfach klopfen können.“

Stöhnend löste ich mich komplett vom Glas und begutachtete meine Gliedmaßen.
„Scherzkeks… War keine Absicht“, grummelte ich vor mich hin, nachdem ich die Begutachtung abgeschlossen hatte mit dem Ergebnis, dass all meine Gliedmaßen noch vorhanden und einigermaßen intakt waren.

Ich wandte mich Tamaki zu, der die Tür ein paar Zentimeter weiter aufgemacht hatte. Er trug ein einfaches, weißes T-Shirt und dunkelblaue Shorts und blinzelte mich schüchtern an. Ein leichter, verlegener Rotschimmer legte sich auf seine Wangen, wie so oft... Wieder mal gab er mir das Gefühl, dass es ihm ziemlich unangenehm war, mit mir zu sprechen. Rasch nahm ich meinen Rucksack ab, um die Sache möglichst schnell hinter mich zu bringen und ihn wieder allein zu lassen.

Also streckte ich ihm meine Mappe entgegen: „Hier, die Arbeitsblätter von letzter Woche… Oh Mann, es tut mir schrecklich leid, ich habe das komplett vergessen, eigentlich wollte ich dir die Sachen schon viel eher geben. Deshalb… ich hab dir auch meine Lösungen mitgebracht, du kannst gerne abschreiben! Immerhin ist es meine Schuld, dass du die Aufgaben erst so spät bekommen hast, die AG ist doch schon morgen…“

„Das macht doch nichts!“, murmelte Tamaki – er sah wirklich niedlich aus mit seinen roten Wangen und den spitzen Ohren, die zwischen seinem dunklen Haar hervorschauten, „Danke, dass du die Sachen für mich mitgenommen hast, das ist nett… Ah, Anko, du hast ja Nasenbluten!“

„Ou“, japste ich erschrocken und betastete meine Nase. Meine Fingerspitzen färbten sich dunkelrot. Mein unfreiwilliger Fensterkuss war doch nicht ohne Folgen geblieben.

„Warte… äh, k-komm kurz rein. Ich hole ein Taschentuch.“ Tamaki kratzte sich hektisch am Kopf und verschwand nach drinnen, kramte in seinen Schreibtischschubladen herum.

Inzwischen hielt ich mir die Hand unter die Nase, aus Angst, dass Blut heruntertropfte. Unsicher trat ich einen Schritt ins Zimmer hinein.
Es war ganz genauso geschnitten wie meins, mit einem großen Fenster direkt gegenüber der Tür mit Blick auf den Wald und einem kleineren links, von dem aus man die anderen Wohnheime und das Schulgebäude sehen konnte. Sogar das Bett stand an derselben Stelle. Was die Zimmer deutlich voneinander unterschied, war die Ordnung. Auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 1 komplettes Chaos bedeutete und 10 ein perfekt aufgeräumtes Zimmer war, lag Tamakis Zimmer wohl irgendwo zwischen 7 und 8. Bei mir sah das anders aus – zahlreiche Skizzen für praktische Items und Ausrüstungsgegenstände zierten jegliche Oberfläche, zusätzlich zu Schaltplänen, Computerkram und Testobjekten, die ich nicht in der Werkstatt liegen lassen wollte. Und darum gab ich meinem Zimmer in Gedanken einen Wert von 3. Immerhin gab es genug Platz, um sich auf den Boden oder das Bett zu setzen.
Dort, an der Wand rechts der Tür, über dem Schreibtisch, wo bei mir eine übergroße Pinnwand hing, prangte hier ein großes Poster. Es zeigte verschiedenste Schmetterlingsarten in allen Farben und Formen.

„Hier“, erinnerte Tamaki mich daran, dass er auch noch da war und hielt mir ein Taschentuch hin, „Setz dich besser, sonst wird’s noch schlimmer.“

Dankbar lächelnd nahm ich das Taschentuch entgegen, drückte es vorsichtig unter meine Nase und setzte mich auf die Bettkante.

„Ich… ich hab leider nichts zum Kühlen da, so ein Mist…“, murmelte Tamaki vor sich hin und stierte seinen Teppich an, „Soll ich unten etwas…?“

„Nein, fon gut“, nuschelte ich, „Ef geht ficher gleich wieder.“

Er stand vor mir, die Hände in den Hosentaschen und trat von einem Bein aufs andere – er wirkte so hilflos! Ich bekam schon ein schlechtes Gewissen, dass ich ihm solche Umstände machte und jetzt mit Nasenbluten auf seinem Bett saß. Ich schämte mich ein bisschen deswegen.

„Foll ich dir fonmal die Haufaufgaben erklären?“, versuchte ich, die Stimmung etwas aufzulockern, „Wie gefagt, eigentlich kannft du alles abfreiben. Nur diefer Auffatz, da mufft du dir felbst waf überlegen.“

Rasch griff sich Tamaki die Mappe, die ich mitgebracht hatte und schlug sie auf. Seine Augen überflogen die Blätter und er nickte: „Kein Problem, das bekomme ich hin.“

„Und wenn du doch Hilfe brauchfst, kannft du dich ja melden, über unfere AG-Whaffapp-Gruppe.“, ich klopfte demonstrativ auf meine Hosentasche, wo mein Handy steckte. Dann tupfte ich behutsam über meine Nase. Es schien nicht mehr zu bluten. „Ich sollte meinen Quirk echt nur noch verwenden, wenn ich meine Steuerdüsen dabei habe… Ich dachte, ich kann das besser kontrollieren.“
Kurzentschlossen erhob ich mich, um zu gehen. Ich wollte Tamaki nicht länger als nötig meiner Gesellschaft aussetzen. Doch bevor ich die Tür erreichte, hielt er mich zu meiner großen Überraschung zurück.

„Warte“, sagte er, „Deine Nase – du solltest das Blut abwischen, sonst schauen dich bestimmt alle ganz komisch an…“

„Okay“ – Wieder hob ich das Taschentuch und wischte über meine Nase, wischte über meinen Mund…

Tamakis Gesichtsausdruck nach war meine Aktion nicht von Erfolg gekrönt. Er schüttelte betreten den Kopf. „Äh… lass mich mal…“ Er befeuchtete ein sauberes Taschentuch an seiner Wasserflasche und ging die ein, zwei Schritte auf mich zu, die uns noch getrennt hatten.
Konzentriert zog er seine schmalen Augenbrauen zusammen, während er das feuchte Tuch an meine Nase drückte. Ganz sanft. Es war angenehm kühl auf meiner Haut.
Tamaki war ganz fokussiert auf sein Tun, dass er fast vergaß, schüchtern zu sein. Gewissenhaft säuberte er meine Nase, die federleichten Berührungen ließen mich wohlig schaudern. Er war mir so nah… Seine dunklen Augen – ich konnte mein Spiegelbild in seinen Augen sehen. Er war ganz versunken in sein Tun, seine Fingerspitzen streiften meine Haut. Mein Herz klopfte etwas schneller als sonst…

Es war nicht mehr als ein Flüstern, das über seine Lippen kam, kaum hörbar: „Du hast ja Sommersprossen. Wie süß…

„Was?“, japste ich verwirrt und Tamaki zuckte augenblicklich zurück. Er wurde rot, als hätte er eben erst begriffen, dass er seine Gedanken laut ausgesprochen hatte. Und jetzt schämte er sich schrecklich dafür.

„Äh – nichts“, keuchte er und betrachtete seinen Schreibtisch, als wäre dieser besonders interessant, „Ich… ich s-sollte mal mit d-den Hausaufgaben a-anfangen.“

„Klar“, ich nickte und wich ebenfalls ein paar Schritte zurück, unsicher, wie ich selbst mit dieser merkwürdigen Situation umgehen sollte. „Ich muss sowieso in mein Wohnheim zurück, äh… Bibimi wartet sicher schon… Bis… bis morgen dann.“

Tamaki ähnelte inzwischen eher einer reifen Tomate als einem Menschen, er knetete den Saum seines T-Shirts und schaute zu Boden: „Ja… also… bis morgen.“

Ich stolperte fast über meinen eigenen Rucksack, als ich aus der Tür trat – denn der lag noch draußen. Und während ich den Flur hinunterlief – ohne meinen halsbrecherischen Quirk zu nutzen, diesmal – flatterte mein Herz wie ein Schmetterling, der durch sommerliches Sonnenlicht flog. Das mussten die Nachwirkungen der Bohnen sein. Ganz sicher.
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