Reflexionen in Raum und Zeit – Kurze Doctor-Shots

von Cuis
DrabbleDrama, Freundschaft / P12
Clara Oswin Oswald Der elfte Doctor (Eleven) Der zwölfte Doctor (Twelve) River Song
10.05.2020
30.06.2020
7
4.924
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30.06.2020 1.023
 
Figuren: der zwölfte Doctor, Clara
Spielt in Folge: 10, Staffel 9, Das Schattenquartier
Szene: Clara hat eröffnet, dass sie das Chronolog trägt, und Ashildr hat erklärt, warum sie es nicht entfernen kann.
Anmerkung: Nun, auch dies ist eindeutig kein Drabble, aber es bot sich bei dieser Story bzw. Szene einfach nichts Kurzes an ;-) Ich würde mich freuen, wenn ihr mir kurze Rückmeldung gebt und sagt, was ihr von dieser Reflexion haltet

~ ~ ~ ~ ~

Clara wandte ihren fassungslosen Blick von Ashildr ab und sah den Doctor an. „Wir bringen das in Ordnung, stimmt doch?!“, sagte sie in ungläubigem Ton.

Der Doctor schüttelte ganz leicht mit schmerzverzerrter Miene den Kopf und sie zog die Augenbrauen zusammen. Seine Gedanken rasten, während er Clara bloß anblickte, schienen zu viel Platz zu benötigen, stießen überall an – und hörten dann auf. Sein Kopf dröhnte auf einmal seltsam leer vor sich hin.

„Das machen wir dauernd“, hörte er Claras Stimme wie durch ein tonloses Rauschen zu ihm durchdringen und er blinzelte kurz. Sie klang hoffnungsvoll, in wissender Selbstverständlichkeit, dass er sie würde retten können und sie ihn nur daran zu erinnern bräuchte, und dann würde alles gut werden.

Er hatte seinen Blick fest auf seine Begleiterin gerichtet und antwortete ihr schließlich mehr mechanisch als gewollt. „Nein“, erwiderte er, und ein Schauder lief über seinen Rücken und löste das Rauschen in seinem Kopf auf. Es hatte sein eigenes Nein gebraucht, damit auch er es begriff. Es gab keine Rettung, diesmal nicht, dieses eine Mal würden sie nicht entkommen. Er konnte nichts tun. Er wusste, dass Ashildr recht hatte, so würde es geschehen.

Er sah, wie Claras Miene sich veränderte, nachdem er nein gesagt hatte. Ihre Augen verließ ein Leuchten, und an seine Stelle trat ein verzweifeltes Glänzen. Und die Erkenntnis, dass er sie nicht retten konnte. Ihr bester Freund musste sie im Stich lassen. Und würde es tun, dieses eine Mal.

Er konnte nichts tun.

Er war der Doctor, und er konnte verdammt nochmal nichts tun.

Aber er konnte immer etwas tun! Er tat immer etwas. Er war derjenige, der Menschen, Aliens, ganze Welten rettete, und für Clara, seine Clara, sollte er hier und jetzt nichts tun können?! Immer hatte er sich um sie gekümmert, für ihre Sicherheit gesorgt. Immer! Und nun sollte ihm die Handlungsmacht genommen worden sein?! Ausgerechnet jetzt?! Der Doctor spürte, wie ein Grollen in ihm aufstieg. Ein tiefes, ursprüngliches Gefühl. Kein oberflächlicher Ärger oder eine leichte Wut. Nein. Ein Zorn war es, der von ihm Besitz ergriff, wie er ihn noch nie verspürt hatte. Es war, als würde eine Woge aus Hitze seinen Körper fluten und ihn zum Platzen bringen wollen. Ein Energiestoß durchfuhr ihn, der seine Haut mit einem leichten Vibrieren überzog, weil er einfach stehen blieb und – nichts tat. Er blickte sie bloß an, Ewigkeiten, wie es ihm schien, und hoffte, dass all dies nicht wahr sein würde. Er richtete immer alles – er gewann immer!

Bei diesem Gedanken fuhr ein schmerzhaftes Ziehen durch seine Herzen, als er an das letzte Mal dachte, da er ihn voller Wut und Verzweiflung laut geäußert hatte, damals auf der „Titanic“ als er Astrid hatte gehen lassen müssen. Und wie oft hatte er seitdem erneut verloren? Ein weiterer schmerzhafter Blitz schoss durch seine Brust, als er an Amy dachte. Und Rory.

Und nun Clara. Er würde sie genauso gehen lassen müssen wie Amy, seine treue beste Freundin, diese verrückte, wunderschöne Schottin. Clara hatte ihn damals aus seiner Trauer errettet. Nur durch sie hatte er neuen Lebensmut geschöpft. Was würde passieren, wenn er sie, gerade sie wieder verlor? Sie war nicht nur seine Freundin geworden, sie war seine Partnerin, nahezu ebenbürtig. Wann hatte er jemals einem Menschen so sehr vertraut wie ihr? Und das sollte er nun einfach so aufgeben, weil sie etwas Dummes gemacht hatte? Weil sie sich so verhalten hatte wie er und es schiefgegangen war? Sollte er etwa einfach dastehen und ihr beim Sterben zusehen?

Nein.

Ein trauriges Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Ein Ausdruck, den er von Clara gelernt hatte, als sie sich das erste Mal getrennt hatten …

Nein …

Sie hatten wieder zueinander gefunden, und sich später erneut getrennt – in der Annahme, dem anderen damit etwas Gutes zu tun. Und dann? Dann hatte er sich zurückgezogen, weil er wusste, dass er dem Tod geweiht war. Woraufhin Clara zu ihm gekommen war und ihm zur Seite gestanden hatte! Natürlich hatte er auch während dieses Abenteuers auf Skaro gedacht, sie verloren zu haben. Mal wieder. Doch er hatte keine Zeit gehabt, seinen Schmerz zu registrieren, bis sie plötzlich in dem Dalekpanzer vor ihn gerollt war. Sie hatte gedacht, dort nicht mehr herauszukommen, und er hatte ihr gesagt, wie sie entkommen konnte. Und sollte das jetzt wirklich nicht ebenfalls öglichh sein?

Nein. Nein!

Er würde die Hoffnung nicht so schnell aufgeben!

Nein!

Es gab immer etwas, das man tun konnte! Ashildr hatte die Macht dazu, er wusste das … Er hoffte es. Doch er spürte, dass es eine leere Hoffnung war. Und dennoch ging er auf sie los.

„Aber du kannst das!“, rief er, Claras letzte Äußerungen aufnehmend. „Du bringst das sofort in Ordnung!“

Ashildr hob ihre vor Schreck geweiteten Augen. Sie sah, dass sie sein Zorn erwartete. Und sie war klein, so klein im Gegensatz zu einem Timelord. Sie war nur ein Mensch, sie war nichts, er konnte sie vernichten. „Es… es ist unmöglich, ich kann nicht“, erwiderte sie verzweifelt und nicht in der Lage, die Situation weiter zu erklären.

Und der Doctor widersprach: „Oh doch, du kannst!“ Doch im gleichen Moment spürte er, dass seine allerletzte kleine Hoffnung gestorben war, fühlte er die Gewissheit, dass er Clara nicht retten konnte, als er hörte, wie sie ganz leise hinter ihm ausatmete. Sie hatte es akzeptiert.

Er würde sie also verlieren, hier und jetzt. Er hasste dieses Gefühl. Und mit all der Verzweiflung, all seiner Trauer und seiner Wut, redete er auf Ashildr ein, warf ihr Drohung nach Drohung an den Kopf, bis er sie hörte, seine Clara, die ihn ein allerletztes Mal zur Vernunft rief. Und er drehte sich wieder zu ihr herum und sah sie an.

Diesmal, um sich von ihr zu verabschieden.
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