Die Tugend der Vergangenheit

GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Evie Frye Henry Green Jacob Frye OC (Own Character)
09.05.2020
16.10.2020
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09.05.2020 953
 
Zeit.
Zeit ist etwas, was niemand von uns hat, geschweige den besitzt. Zeit kann man nicht stoppen, nicht zurück drehen. Zeit vergeht und zieht an uns vorbei. Zeit ist wohl das einzige, was uns nicht zusteht. Worüber wir nicht bestimmen können. Das einzige was immer vorwärts geht. Doch was wäre, wenn wir sie stoppen könnten? Sie zurück drehen könnten, zu einen bestimmten Punkt unseres Lebens. Einen Punkt, der über alles entscheidet. Der unseren Weg gewählt hat. Der, der uns gezeigt hat wer wir sind. Der Punkt, an dem unsere Geschichte beginnt. Ab dem Punkt, wo wir anfangen zu Leben. An dem wir aufhören zu denken und den Weg gehen, der für uns bestimmt ist.
Was wäre, wenn wir an diesen Punkt zurück reisen könnten? Was würden wir verändern? Was würde mit uns passieren? Mit der Zukunft, mit unseren Freunden, unserer Familie? Was würde ab diesen Zeitpunkt passieren?

So viele Fragen, die ich mir jetzt stelle und niemals beantworten kann. So viel Wissen, was ich niemals haben werde. So viel und dennoch ist scheint es so unendlich weit entfernt.

Ich konnte es greifen, anfassen. Doch da ist nichts. Nur schwarz und diese leichten Stimmen, welche sich so weit weg und dennoch ganz nah anhören.
Es klingt als würde jemand mit schmerzen in der Stimme schreien, nein sogar flehen. Aber so genau kann ich es nicht einordnen. Es ist einfach zu weit weg. Als würde man versuchen einen Unterwasser etwas mitzuteilen. So stumm, aber auch gleichzeitig so klar, dass ich die gesagten Worte kaum einordnen kann

Ich weiß nicht was mit mir passiert.
Ob es für immer so bleiben wird?
So dunkel?
So ruhig?

Ich atme tief durch die Nase ein und bemerke einen Schmerz. Einen teuflisch stechenden Schmerz in meiner Lunge. Gleich als würde man immer wieder mit einem Messer auf mich einstechen. Er zieht sich durch meine Brust, hoch in meinen Kopf. Mein Gehirn fühlt sich benebelt an, es will sich kein klarer Gedanke bilden. Egal, was ich versuche.

Ich will mich bewegen, ich will das es aufhört. Doch ich kann nicht. Alles fühlt sich so unendlich schwer an.
Ich drehe meinen Kopf hoffe auf Licht. Auf irgendein Zeichen, was mir erklärt was mit mir los ist.
Doch da ist nichts. Nur die unerträgliche schwarze Stille und die leisen Stimmen.

Mühsam hebe ich meinen Kopf. Eine neue Farbe erscheint in mein Blickfeld. Es ist dunkel, genauso wie das Schwarz um mich herum. Aber dennoch ist es anders. Viel resistenter und klebriger.

In meinen Kopf beginnen kleine Rädchen an zu rattern. Ich kenne diese Konsistenz, doch will mir der Name nicht in den Sinn kommen. Ich überlege und überlege. Doch da ist nichts, nur die leere in meinem Kopf.
Keine einzige Erinnerung.
Nichts.

Mit viel Überwindung, schaffe ich es meinen schlaffen Oberkörper hoch in eine aufrechte Position zudrücken. Alles schmerzt an und in mir. Mir wird genauso schwarz vor den Augen, wie die unendliche Dunkelheit um mich herum. Ich hebe meine Hand, es fühlt sich an als würde ich einen Felsen heben.
Neugierig fahre ich mit meiner schweren Hand über die andere Farbe. Eindeutig ist sie klebrig. Ich hebe meinen Finger und führe ihn zu meinen Lippen. Langsam lasse ich einige Tropfen der Farbe auf meine Zunge fallen.Sie hat einen metallartigen, fast schon salzig Geschmack.
Merkwürdig.
Ich kann mich nicht erinnern, dass es so eine Farbe gibt.

Ich schaue auf. Ein kleines, weißes Licht kreuzt mein Sichtfeld.
Zögerlich Strecke ich meine Hand aus und will dieses Licht berühren. Doch es ist zu weit weg. Ich will aufstehen, aber etwas hält mich fest, es lässt mich nicht weggehen. Ich versuche aufzustehen, doch meine Beine gehorchen mir nicht, so als würden sie von einer anderen Kraft festgehalten.

»Es ist noch nicht Zeit für dich meine Liebe. Du bist noch zu jung. Du hast noch viel zu erleben.«, schallt eine Stimme durch meinen Kopf. Oder ist es doch nicht in meinen Kopf?

Ich drehe meinen Kopf, will wissen woher die Stimme kommt. Plötzlich fühle ich Wärme, eine heiße Wärme die auf mich zukommt. Ich Blicke zum weißen Licht und sehe wie mir eine schlanke, hochgewachsene Frau entgegen schreitet.

»Wer seid ihr?«, frage ich leise. Die Frau kommt näher und bleibt etwa eine Fußlänge vor mir stehen.

Ihr braunes Haar scheint um sie herum zu schweben und ihre blauen Augen blicken mich weise an. Ich kann kleine Lichter in ihren Pupillen erkennen, welche ,meinen Körper zu durchscheinen. Ich konnte mich nicht von diesen Anblick abwenden, mein Körper sehnte sich nach dieser Frau. So als wäre sie eine alte Liebe die ich vergessen habe. Dennoch fühlte sich ihre Nähe auch so vertraut an, dass ich mir vorstelle sie wäre ein Teil von mir. Als wäre sie ich.
»Ich bin jemanden, den du gut kennst. Aber Liebes es noch nicht Zeit. Es ist noch lange nicht deine Zeit. Du wirst noch gebraucht, noch geliebt. Deine Zeit ist noch nicht um. Du musst zurück.«, sagt ihre liebliche Stimme.

Ich schlucke. Was will sie mir sagen? Mein Kopf beginnt erneut zu arbeiten. Ich versuche das gesagte zusammen zufassen. Doch die Leere will nicht weggehen, sie übernimmt mich. Lässt mich schwach und schwerelos fühlen.

»Ich verstehe nicht.«, sage ich verzweifelt. Was will sie mir sagen.

»Öffne deine Augen liebes. Öffne deine Augen.«, haucht sie und verschwindet in der Dunkelheit.

Ein betäubender Schmerz zieht durch meinen Körper. Ich schreie auf. Ich winde mich, ich will das es aufhört. Doch es will nicht aufhören. Der Schmerz bleibt da. Er ist zu resistent, um ihn mir wegzunehmen.

Auf einmal nehme ich wieder die verschwommenen Stimmen wahr. Sie rufen nach mir. Ich will antworten, doch meine Kehle ist staubtrocken. Ich schließe meine Augen und atme schmerzhaft die Luft ein.Und dann öffne ich meine Augen.
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